#Bushido – Menetekel gescheiterter #Integration

Das Unangenehmste daran, den folgenden Text zu schreiben, ist das Wissen darum, dass der darin zu Besprechende ein Mann ist, dessen Leben vielfach von Organisierter Kriminalität und Gewaltdrohung bestimmt war. Daran ändert auch nichts, dass er derzeit vor Gericht Reue zeigen muss, um Schaden von sich selbst abzuwenden. Er und seinesgleichen werden für andere eine Gefahr bleiben. Und das, was man aus dieser “Musikbranche” (nennen wir sie der Gewohnheit halber nochmal so) erfährt, zeigt, dass die prioritären Geld-Interessen der Beteiligten zuallererst mit den Drohkulissen der Schläger und Mörder aus dem OK-Milieu durchgesetzt zu werden pflegen. Die Frage für jeden Kritiker ist deshalb, ob er selbst zum Opfer dieser nicht mehr ganz minoritären Mafias werden könnte, wenn er kritisiert. Der Presse-Mainstream scheint es über Jahre gewusst zu haben, schwieg weitgehend, und berichtet nun erst über die unabweislichen späten juristischen Nachspiele.

Es gibt wenige Ausnahmen, in denen bspw. ein öffentlich-rechtliches Format wie STRG_F gezeigt hat, dass in der gewaltgesättigten Rap-Szene kein Protagonist ohne einen sog. “Rücken” auskomme, einen szenebekannten Kriminellen, der als eine Art erweiterter Personenschützer fungiere. Anders solle eine Existenz in diesem musikindustriellen Umfeld gar nicht mehr möglich sein.

Die Rede ist im Folgenden von dem gemeinhin als “Rapper” bezeichneten Mann, der sich “Bushido” nennt, bürgerlich der 1978 in Bonn als Sohn eines Tunesiers und einer Deutschen geborene Anis Mohamed Youssef Ferchichi. Das Mieseste an ihm, was derzeit vor Gericht verhandelt wird, ist sexuelle Übergriffigkeit einhergehend mit verbalen Drohungen gegenüber einem jungen weiblichen Fan im Jahr 2005, wenn ich richtig rechne:

Ein Video zeigt, wie Bushido vor rund 16 Jahren eine mutmaßlich Minderjährige unter Druck setzt und sexuell bedrängt. Der Rapper bestätigt: „Das ist tatsächlich passiert“ und entschuldigt sich – spricht aber auch von Verdrehungen.

[…]

Bushido reagierte kurz nach der Veröffentlichung mit einem 28-minütigen Video-Statement auf Instagram, in dem er die Vorwürfe umfänglich einräumte und sich entschuldigte. „Ja, das was dort gezeigt wurde, ist tatsächlich passiert“, sagte der heute 42-Jährige, dessen bürgerlicher Name Anis Ferchichi lautet. „Die Art und Weise wie man damals mit Mädchen umgegangen ist, ist absolut nicht in Ordnung.“ Entsprechendes Verhalten habe damals zu seinem „Lebensstil“ gehört und sei für ihn „die einzig mögliche Art“ gewesen, nach Konzerten mit Mädchen umzugehen. Zwar treffe das auch auf andere Kollegen zu, Namen wolle er aber nicht nennen, „hier geht es nur um mich“.

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/bushido-raeumt-belaestigungsvorwuerfe-ein-17409841.html

Man sieht, was hinter solchen gestählten Körpern und Gangster-Posen steckt: ein mickriger Minderwertigkeitskomplex, der selbst in dem Moment, wo er noch irgendetwas Gutes aus seinem viehischen Verhalten ziehen könnte, nur eines zu zeigen imstande ist – Feigheit. (Wo bleibt hier eigentlich Ihre Psychoanalyse, Klaus Theweleit? Diese Täter lachen nicht nur einmal. Irgendwann werden wir das Schweigen unserer prominenten sog. “Intellektuellen” zu resümieren haben.) Was auch sonst niemand in einer Branche, die an solchen Typen viele Millionen verdient, sich traut, traut eben auch Ferchichi sich nicht: aufklären, sich nicht mehr einfach willkürlich und zum eigenen Nutzen heraushalten, obwohl man zuvor immer beteiligt war. Selbst sprachlich flieht er, wie hier zitiert, in ein unpersönliches “man”, auch wenn es um sein ganz persönliches Fehlverhalten geht.

Letzteres ist weder nebensächlich noch trivial: Es zeigt entweder eine Bewusstseinsspaltung an, in der Selbstwahrnehmung und konkretes Handeln weitgehend auseinanderfallen, wenn nicht gerade polizeilich ermittelt wird. Oder es ist eine instrumentelle Lüge, um nochmal glimpflich davonzukommen, bei der man es sich auch noch herausnimmt, in einer gerade akzeptablen sprachlichen Form die maximale Distanz zu dem zu wahren, der man eigentlich ist – und der statt einer Kunstfigur wie “Bushido” eigentlich das Thema von Berichterstattung zu sein hätte, wo man sie denn für notwendig hält. Und schon das wäre ein eigenes Thema. Wer hält diese langjährige Berichterstattung für notwendig und welche Interessen hat er selbst dabei?

Einer, von denen dabei zu sprechen ist, ist Hubert Burda. Man sollte annehmen, milliardenschwere Medienmogule wären gut informiert. Während also Ferchichi sein für 2005 besprochenes Verhalten der sexuellen Drangsalierung als gewohnheitsmäßig darstellt, ließ Burdas Medien-Imperium im Jahr 2011 an ihn den sogenannten “Integrations-Bambi” als Würdigung verleihen.

Aufmerksame Leser ahnen es schon: Es gibt nur zwei logische Varianten dieses Vorgangs in der Wirklichkeit. Entweder, Burda und seine Organisation wussten nicht, mit wem sie es auch in Rubriken ihrer eigenen massenmedialen Produktion zu tun hatten. Oder es handelt sich um eine verschwörerische Praxis, vermittels derer sie einen noch deutlicher ins öffentliche Licht rückten, von dem sie schon zu diesem Zeitpunkt wussten, dass er einer der Letzten sein sollte, dem ein renommierter Preis für irgendetwas verliehen wird – und schon gar keiner für etwas, was man “Integration” von Zuwanderern nennt.

Neben absoluter intellektueller Korruption und eigenem Gewinnstreben in der Medienbranche dürfte ein Grund dafür, dass Ferchichi sich so lange produzieren durfte, jener sein, dass kritische Geister sich von diesem Gegenstand sekundenschnell abwenden. Wenn jemand in etablierten deutschsprachigen Redaktionen mit Reichweite angestellt wird, ist ihm je nach Perspektive und Lebenserfahrung so einiges vorzuwerfen – aber wohl nicht, dass er nicht ein Mindestmaß sprachlicher Fähigkeiten, aus einer kulturellen Prägung heraus auch etwas wie Geschmack im traditionellen Sinne hätte. Deshalb ist ein Hemmschuh für die notwendige innergesellschaftliche Diskussion über den Typus Ferchichi die Tatsache, dass er sich eigentlich für keinen Kontext über dem geistigen Niveau einer Schulhof-Schlägerei eignet. (Für die, die das jetzt noch anzweifeln, folgt neben Video-Beispielen weiter unten auch noch eine neuerliche Schriftform dessen, was außer schwer erziehbaren Jugendlichen wohl wirklich niemand hören wollen würde.)

Geschmack oder intelligenter Witz sind in Produkten, die unter dem Künstlernamen “Bushido” firmieren, auch aus meiner persönlichen Sicht – und soweit mir bekannt – leider nicht vorzufinden. “Gangsta-Rap” ist allermeistens zusammengesetzt aus synthetischen vorgefertigten Samples, jedenfalls Nachahmungen immergleicher Sounds und Rhythmen. Schaut man in Texte von Ferchichi, so werden dort in redundanten, meist ungelenken Sprachbildern und unreinen Reimen Vorstellungen zum Besten gegeben, für die man eigentlich schon auf jedem der besagten Schulhöfe ausgelacht werden sollte. Es sind hohle Posen von Machos, denen die europäische Kultur in dieser Form eigentlich noch nie gehuldigt hat. In früheren Jahrhunderten waren dies edle Krieger, auf die auch die japanische Bezeichnung des “Bushido” abzielt.

Die Vita Ferchichis darf wohl als einzige Beleidigung eines solchen Ehrenkodexes aufgefasst werden. An erster Stelle scheint er Lehnsherren oder Militärgouverneure mit Schutzgeld-Erpressern usw. zu verwechseln (ohne dass ich diese Herrschaftsformen glorifizieren wollte – aber sie existieren heute bezeichnenderweise auch nicht mehr in einem modernen zivilisatorischen Umfeld):

Bushidō ist eine Weiterentwicklung der Philosophie des Budō, die auf die Tätigkeit und Aufgaben eines Samurai abgestimmt wurde. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit der absoluten Loyalität des Samurai bzw. bushi gegenüber seinem Lehnsherren (Daimyō) und der Bereitschaft, für diesen und die Werte des Bushidō sein Leben zu lassen. Die Samurai genossen ein hohes Ansehen, nicht zuletzt weil der Kriegerstand in mehreren Epochen der Geschichte zur führenden Gesellschaftsschicht des Landes aufgestiegen war. […]

Die sieben Tugenden

Gi (義): Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Rechtlichkeit

Yu (勇): Mut

Jin (仁): Menschlichkeit

Rei (礼): Einhaltung der Etikette, Höflichkeit

Makoto (誠) oder Shin (真): Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Unverfälschtheit

Meiyo (名誉): Ehrbewusstsein

Chūgi (忠義), auch Chū (忠): Loyalität, Pflichtbewusstsein, Treue

https://de.wikipedia.org/wiki/Bushid%C5%8D

Während der Muromachi-Zeit (1336–1573) erschienen Shugo-Daimyō als Militärgouverneure (Shugo) des Ashikaga-Shōgunats. Es gelang dem Ashikaga-Shogunat noch einmal für etwa 150 Jahre die Zentralmacht durch repressive Regelungen wie eine Wehrpflicht so zu stärken, sodass der Separatismus durch die lokalen Herrscher für eine Weile unterdrückt werden konnte. Allerdings erlangten jene mit der Zeit mehr und mehr Einfluss in ihren Lehen, sodass durch Tradition bald die Rolle des Shugo erblich wurde und auf die Häuser der Daimyo überging.

https://de.wikipedia.org/wiki/Daimy%C5%8D

Ferchichi hat damit jedoch nichts zu tun – dies zeigen seine laufenden multiplen Gerichtsverfahren nun untrüglich. Er ist ein Gewaltkrimineller unter Gewaltkriminellen. Was eine angeblich auf “Ehre” abzielende arabische Männerkultur hier erblicken will, wüsste ich gern einmal. Gibt es in Deutschland einen Imam, der sich dazu nachhaltig kritisch positioniert, also einem weltanschaulichen Anspruch von “Religion” in einem nur irgendwie friedfertigen, menschlichen Sinn gerecht würde? Solange wir das nicht besprechen, ist jedes Geschwätz des Mainstreams über “Islamfeindlichkeit” als gewaltfördernde Propaganda abzulehnen. Und wie ist ansonsten ein solches Schweigen fast aller etwa in relevanten ethnischen und/oder religiösen Gemeinschaften Verantwortlichen zu bewerten? Als unaussprechliche Fähigkeit zu Trauern etwa? Als verlässliche Distanzierung von dem, was Ferchichi für seine Community artikuliert, an der arabischstämmige Jugendliche unzweifelhaft einen bedeutenden Anteil haben? Mit dieser Bigotterie muss es ein Ende haben – ich denke, es gibt keine Ausrede dafür.

Und was auch in der Popmusik im besseren Fall mit gestalterischer Intelligenz, mit Klanggefühl und Virtuosität am Instrument zu tun hat, gerät in den Händen der Bushido-Industrie zur bloßen Simulation. Eine pseudo-musikalische Form ist entstanden, in der gerade nicht erkennbar mit Sorgfalt an Ton und Sprache gefeilt wird. Es ist die Option der Selbstverkörperung für jemand, der offensichtlich kaum eine Intuition für Sprachrhythmus hat, der meines Wissens nie mit irgendeinem manuell bedienten Musikinstrument zu sehen ist und der auch keine sichtbaren Instrumentalisten etwa in Musikvideos vor die Kamera holt. (Über gefälschte Aufführungen anderer solcher Leitfiguren wüsste ich natürlich auch gerne mehr. Aber ich habe ja auch noch Augen im Kopf.) Die betreffende Frontfigur war früher ein Sänger, nicht selten selbst an Gitarre oder Tastatur. Im Rap und besonders in den Hervorbringungen des dezidiert kriminellen Milieus sind es lediglich Nachahmungen eines solchen künstlerischen Modus, der jahrelange Übung und Talent erfordert. Es ist ein Cargo-Kult an erster Stelle junger Männer einer migrantisch geprägten Community, die versuchen, ihrer Weltsicht einen technisch-medialen ästhetischen Ausdruck zu verleihen. (Ich persönlich habe dagegen nichts prinzipiell in Form von Sozialprojekten, die ein absoluter Standard entsprechender Reportagen zu sein scheinen – ‘Jugendliche verarbeiten ihre Lebenserfahrungen, Wünsche, Ängste und Traumata in Rap-Texten’. Ob dies die einzigen Maßnahmen sein können für etwas, was die Bezeichnung “Sozialarbeit” und “Integration” verdiente, halte ich jedoch für leider zweifelhaft, auch wenn fast alles Andere praktisch kaum noch umsetzbar sein mag. Man gewinnt dabei vielmehr schnell den Eindruck von Alibi-Veranstaltungen eines Multikulturalismus, der anhand vieler sozialer und ökonomischer Krisen-Situationen immer noch keine Fähigkeit zur Selbstkritik erkennen lässt.) Neben allem anderen, was dieser Cargo-Kult kaputt macht, verdrängt er bzgl. der hier angesprochenen Pop-Kultur auch noch im Massenbewusstsein quantitativ viele Musiker, die eine solche Bezeichnung verdienen. Neben im Extremfall körperlicher Versehrung verbreiten die damit entfesselten Kräfte schleichend den kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Tod derer, die ihrer potenziellen physischen Gewalt unterlegen sind. Ferchichis Prinzip ist das Letzte, was in einer friedvollen multikulturellen Gesellschaft toleriert werden dürfte. Ansonsten ist sie auf Zerstörung angelegt und etabliert etwas, von dem wir nur ahnen können, wie primitiv es sein wird und das mit Pluralität als Letztes zu tun haben wird – dies führt uns zu einem zentralen Selbstwiderspruch der dies begünstigenden etablierten politischen Linken, die sich in dieser Richtung blind und taub stellt.

Ich habe mich 2016/17 schon zweimal zu Bushido (und seinen Texten) sowie seinem mafiösen Mastermind Arafat Abou-Chaker geäußert. Nachdem Ferchichi nun vor Gericht auch seine eigene Drangsalierung durch den Paten Abou-Chaker aufarbeitet, mischt dieser weiterhin fröhlich mit im Publicity-Zirkus der Rap-Szene.

Wer sehen will, wie sich Ferchichi verbal äußert, kann dies ebf. auf dem YouTube-Kanal “Alpha Kenan” (Abonnenten-Zahl ausgeblendet, seit 2017 aktuell über 81 Mio. Aufrufe).

Wir befinden uns in einer historischen Phase, in der sich nicht nur die Industriegesellschaften aus zumindest vordergründig gesundheitspolitischen Gründen neu sortieren müssen. Dass Ferchichi vor Gericht steht, passt dazu im Hinblick auf eine Revision nunmehr seit Jahrzehnten praktizierter kollektiver Gewohnheiten. Aber diese Chance müsste man wirklich nutzen – wenn sie noch so genannt werden darf. Anhand der Verkaufszahlen muss man von Größenordnungen meist unbelehrbarer Dumpfheit ausgehen, die als Langfrist-Perspektive in Deutschland jeden Kulturschaffenden und Geistesarbeiter zu beängstigen hat. Und dies muss man wohl auf alle Lebensaspekte ausweiten, in denen so etwas wie Grips erforderlich ist.

Zu den Gewohnheiten, die dies begünstigt hat, gehört in der Medienbranche die weitgehende Kumpanei mit dem gewaltkriminellen Umfeld von Männern wie Ferchichi, die dies offensichtlich mit dem Mittel direkter oder indirekter Drohungen forcieren konnten. Denn sonst wäre ihnen ja geschehen, was nicht wenigen Künstlern aller Branchen passieren kann, auch wenn sie talentierter und in ihrem Metier fleißiger sind als die wenigen, denen es gelingt, Marktmacht zu erlangen: Man hätte sie niemals erwähnt. Warum zum hier sprichwörtlichen Teufel hat über sie je eine Zeitung berichtet, warum hat je eine Rundfunkstation einen Song gespielt? Schon aus Selbstschutz der allermeisten dort Beschäftigten hätte dies eigentlich unterbleiben müssen.

Der Punkt, der jetzt erreicht ist, ist ein ganz anderer: Ferchichi ist ebenso ein Multimillionär mit Luxus-Immobilien und Top-Anwälten, wie es auch Gangsterbosse zu sein pflegen. Fälle wie Ferchichi oder Abou-Chaker markieren einen Krisenzustand (nicht nur) in Deutschland, der nach US-amerikanischem Vorbild mit den dortigen Mafias und Kriminalitäts-Ghettos zunehmend die bisher gewohnte Zivilgesellschaft als solche in Frage stellt.

Es gibt meines Wissens in einer deshalb höchst fragwürdigen Publizistik und Wissenschaft (wo sie institutionell – und also von wem mit welchen Interessen? – gefördert wird) keinerlei Reflexionen darüber, was hier eigentlich langfristig geschehen ist. Was “Kulturwissenschaft” zu diesem Thema derzeit meint hervorbringen zu müssen, kann man sich beispielhaft im Programm des Transcript-Verlages einmal ansehen. Und in dem ersten Waschzettel per Wortsuche findet sich auch gleich diese Preziose:

Der Medienhype um Aggro Berlin, Sidos Beteiligung an der Casting-Show »Popstars« oder der Kinofilm »Zeiten ändern dich« des Bambi-Preisträgers Bushido zeigen: Gangsta-Rap ist auch in Deutschland zu einem zentralen Genre der Popkultur avanciert.

https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-1990-4/deutscher-gangsta-rap/

Was hier an Fremdwort-vernebelter Wissenschafts-Prosa zu erwarten ist, kann jemand wie ich der Erfahrung nach ohne jede eigene Textkenntnis im voraus mitsprechen, so in der Bejubelung als

neue Perspektive auf das Phänomen Rap […], welche die Grenzen der hegemonialen Diskurse verschiebt.

https://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-2251-5/rap-in-deutschland/

In früheren Jahrhunderten hatten etwa Schauspieler kein sonderliches Ansehen. Sie waren Beiwerk in einer streng hierarchischen Sozialstruktur. Heute bilden sie das Zentrum des massenmedialen Interesses, das dem größten Publikum als Normalität suggeriert wird – ausgehend an erster Stelle von der Traumfabrik, die sich in Hollywood installierte und vor deren Medienmacht heute weltweit wohl jede regionale Kultur, die synchronisierte und englischsprachige Konserven-Produktionen akzeptiert, über wenige Jahrzehnte zu Asche wird. Ähnlich wie mit Schauspielern als neuen Leitfiguren verhält es sich bekanntlich mit (Pop-)Musikern. Gemeinsam ist beiden Professionen, dass sie die Klatschpresse mit Sex- und Drogen-Geschichten zu beliefern haben.

Und dabei wurde die totale Umkehrung einer abendländischen Tradition in sog. Rap-Musik auch noch dahingehend forciert, dass etwa “Musiker” im Zweifelsfall weder singen (können) noch ein Instrument spielen, sondern als Vorbilder gerade der Jüngsten unter den Medienkonsumenten einzig und allein einer kriminellen Lebensführung und verächtlichen sexualisierten Sprachverwendung huldigen. Wie man im aktuellsten Musikvideo der Marke Bushido sieht, fällt Ferchichi sogar eine unauffällige Lippenbewegung zum Playback schwer (wenn wir nicht darin die einzige noch denkbare humanistische Konsequenz dieses Projekts in seiner kontrollierten Selbstdemontage sehen):

Dass die Bushido-Macher mit einem Titel wie “King Sonny Black” dem Saturn als der okkultistischen Schwarzen Sonne ihre Referenz erweisen, ist für findige YouTube-Nutzer heute längst klar. So weit sind angebliche “Qualitätsmedien” als kritisch kommentierende Instanz nun langjährig im Wettbewerb noch nicht gekommen – aber vermutlich werden sie es sich irgendwann doch stillschweigend aneignen und in ihrer üblichen geistigen Piraterie dann selbst kommerziell auswerten. Oder ihre “Berichterstattung” bleibt im Hinblick auf das ideologisch-ästhetische Fundament dessen, was sie abverkaufen sollen, dementsprechend dümmlich. Auf Terrassen in Beverly Hills wird sich darüber so mancher seit Jahrzehnten in Lachkrämpfen gewälzt haben, was in Deutschland seit wenigen Jahren auch noch “Kulturwissenschaftler” im Sinne von “Cultural Studies” als ‘Selbstausdruck’, ‘Identitätsfindung’, ‘Hybridität’, ‘Interkulturalität’, ‘symbolische Aneignung’ etc. terminologisch bekränzen.

In einem letzten Anlauf für diesen Text nochmals: Es ist ein äußerster Punkt erreicht, an dem (nicht nur) die deutsche Zivilgesellschaft sich entscheiden muss, ob sie diesen Tendenzen weiter Vorschub leistet. Den Ermittlungsbehörden steht ein unabsehbares weiteres zähes Ringen mit organisierten Kriminellen bevor, die an Orten wie Berlin ihre legalen Latifundien eingenommen haben. Wo sie keine groben Fehler mehr begehen, werden sie kaum räumlich und infrastrukturell zu separieren sein.

Was in der Macht von Massenmedien steht, wäre, ihnen einen Teil ihres Einflussbereichs zu entziehen. Wie an Hubert Burda hier oben thematisiert, ist es möglich, dass man es so weit hat kommen lassen, um den Typus Ferchichi medienwirksam an den Pranger stellen zu können. Aber was tut Herr Burda jetzt noch, während seine Gattin als Schauspielerin im “Tatort” virtuelle Morde aufklärt und Angela Merkel als die bessere Alternative zu anderen Staatschefs lobt? (Mag ja sein, dass er im Untergrund wirkt – aber zu solchen Aktivitäten habe ich selbst keinerlei Zugang, und wünschbare Konsequenzen in dieser Richtung habe ich in der Realität bisher jedenfalls nicht erkennen können. Im Einklang mit allen, die mir im Gespräch zugänglich sind, wird aus meiner Sicht all das hier Thematisierte seit Jahren immer und immer nur noch schlimmer. Gibt es etwa Pädagogen, die gegen meine Argumentation Einspruch erheben? – Im Gegensatz zu heutigen sog. “Qualitätsmedien” werden auf filmdenken.de teils überlebensnotwendige kritische Kommentare nicht unterdrückt. Nur zu, wenn ein Bedarf danach besteht. Wenn nicht, dann nicht.) Seit Wochen gibt es – verstärkt in den Boulevard-Formaten – die Prozess-Berichterstattung zu Ferchichi. Jedem Normal-Mediennutzer ist deshalb spätestens heute klar, wen er in ihm vor sich hat und wie ein Kopf der kriminellen Szene in der Person Abou-Chakers sich gebärdet.

Dass sie in ihrem Selbstbild nennenswert angekratzt wären, kann ich an den hier eingebetteten Videos nicht erkennen. Das “King Sonny Black”-Video nähert sich nach 5 Tagen der Millionen-Grenze von Abrufen auf YouTube. Die Plattform hat in den letzten Monaten eine Zensurpraxis etabliert, die unter dem Vorwand der sog. “Corona-Pandemie” allerlei oppositionelle Geister ohne Diskussion und nennenswerte Rechtsmittel für Betroffene abgeschaltet und damit in den meisten Fällen wohl um ca. 90 % ihrer Reichweite beraubt hat. Nach einem mittlerweile Jahrzehnte währenden Zirkus um “politisch korrekte” Sprachformen und einem derzeit immer grotesker werdenden Abwehrgefecht von nicht zuletzt konspirativ strukturierten Medienhäusern gegen sog. “Verschwörungstheorie” leistet man es sich weiterhin, Ferchichi und Konsorten einfach gewähren zu lassen. Oder sieht man hier einmal irgendwelche Warnhinweise wie zu allerlei kontroversen Themen, zu denen YouTube automatisiert ausschließlich Wikipedia-Weisheiten oder staatliche Portale empfiehlt?

Soweit ich es erkennen kann, gibt es auch im Fall von “King Sonny Black” auf YouTube keine Altersbeschränkung für Zeilen wie diese – und sie werden irrer- und dreisterweise veröffentlicht parallel zu den angeblich reuigen Schuldgeständnissen des angeklagten Rappers vor Gericht. Während man intelligente Gratis-Sklaven im YouTube-Weinberg reihenweise demonetarisiert, ist Ferchichis Elaborat für Werbetreibende attraktiv und von YouTube akzeptiert, wie ich gerade probeweise nochmals bemerkte. Vor dem Song wird bereitwillig bezahlte Werbung geschaltet, an der der Interpret mitverdient. Fragt das YouTube-Vertreter mal einer, der sich “Journalist” nennt? Und wenn nicht, warum? Weil “Verschwörungstheorie” generell unzutreffend ist? Für wie blöd hält man Betroffene noch?

Ich habe lang genug geschwiegen und euch Fotzen geseh’n
Doch ich dominiere trotzdem das Game
[…]
Ihr macht alle Welle, bis euch Sonny Black in den Arsch fickt
Ich bleib’ der Architekt in der Matrix
Es gibt Beef, ihr bekommt ihn in der Hundeschale
Und bleibe unantastbar – Bundeslade
[…]
Und darum wird mein Name jetzt gerächt (Es ist King Sonny Black)
Bushido, ich kacke auf den Rest
Und nehm’ euch einfach alles wieder weg (King Sonny Black)
[…]
Scheiß’ auf Modemarke, harter Rap braucht keine Promophase
Dieses Album wird die Todesstrafe

https://genius.com/Bushido-king-sonny-black-lyrics

Dass man Pop-Stars mit Verboten nur noch berühmter macht, ist auch hier doch keine akzeptable Lösung, sondern untrügliches Dokument eines Problems, das mit der Hilflosigkeit der heute Zuständigen noch nicht einmal ausreichend benannt, geschweige denn bearbeitet wurde.

Wer Interna aus migrantischen Milieus v. a. der außereuropäischen Provenienz zugetragen bekommt, begegnet wohl immer auch der Übernahme-Fantasie. Die europäische Kultur wird als schwach und dem Tode geweiht wahrgenommen. (Ich zitierte schon einmal ein persönlich mitgehörtes Erlebnis der Übernahme-Fantasie mit Afrikanern im ÖPNV.) Und dies ist demografisch bei laufenden Trends über wenige Jahrzehnte leider eine korrekte Prognose, so sehr der vermeintlich “Links-Grüne” sich etwa gefiel, auf Thilo Sarrazin und seinen Begriff der Abschaffung Deutschlands unisono einzuprügeln. Das mediale Emporkommen von Individuen wie Gangsta-Rappern ist für Sarrazins These eine ebenso unrühmliche wie untrügliche Evidenz neben anderen. Ferchichi spricht es in seinem Songtext völlig unbefangen aus: Seine Ideologie ist Töten und Vernichten, das Ziel ist die auf Gewalt gegründete Souveränität neuer Herren, in seinem Verständnis also eines Typus, den der Mainstream heute schon “toxische Männlichkeit” nennt, wo sie den Abwärts-IQ, die unverstandenen Goldkettchen und die Verrohung des Rap-Milieus bei weitem nicht erreicht.

Nach allem, was uns über Jahrzehnte nun über die Bundesrepublik Deutschland vermittelt wurde, wäre es unumgänglich, alle Gewaltdrohungen und Eliminierungstendenzen dieser Ausrichtung, ob nun in Rap-Stümpereien oder “religiösen” Predigten vorfindlich, endlich etwas gegenüberzustellen, das nicht bloßes Blendwerk und Alibi-Gerede wäre. Wie bei Ferchichi liegen dort sicher noch eine Menge unbearbeiteter Fälle für die Staatsanwaltschaft vor. Und in diesen Fällen sollten wir auch nicht mehr von “Kultur” oder “Religion” sprechen sowie die für diese Formen gewährten gesetzlichen Ausnahmeregelungen stark machen – eben ganz im Gegenteil.

Einzig – wer soll dies nun tun? Und was geschieht mit denen, die es seit Jahren hätten tun müssen, es aber nicht taten und die sich derzeit darin gefallen, etwa als Journalisten ihre unabhängige Konkurrenz im Internet als “Verschwörungstheoretiker” oder “Rechte” zu mobben, selbst wenn sie lediglich wohlbekannte Tatsachen aufführen und geradezu Kernbestände der modernen Linken einfordern? Wann beginnen etwa die an allen Schulen durchzuführenden gründlichen Besprechungen der Hass-Lyrik von Gangster-Rappern und Islamisten durch die Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung etc.? Kann mir irgendjemand erklären, warum das nicht ihre Aufgabe sein soll und warum vereinzelt sicher vorhandene Aktivitäten nachweislich bisher keine nennenswerten Effekte hatten?

Ein weiteres besseres Gegenbeispiel in dieser aufklärerischen Richtung ist immerhin diese rbb-Reportage:

Derzeit werden Ferchichi und andere jedenfalls in keinster Weise daran gehindert, Kinderzimmer mit ihren eigenen infantilen und gewaltverherrlichenden Sprach- und Klang-Fuhrwerkereien zuzumüllen. Bis dagegen nichts unternommen wird, sollte man Verantwortliche weder ungestört salbungsvoll von “Kulturpolitik” sprechen lassen noch den an der “Bushido”-Farce Beteiligten weiteren “Content” abnehmen und ihre neofeudalistischen Bezahlungssysteme klaglos akzeptieren. Es sind Sie, die zu liefern haben. Die Spur, die ‘man’ hier hinterließ, ist jetzt schon blutig genug.

Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

3 Antworten

  1. filmdenken sagt:

    Es stand zu erwarten: Jetzt darf Bushido rumheulen und auf Mitleid machen. Bald wird wieder die nächste CD abverkauft mit Hilfe der üblichen Projektpartner …
    https://www.welt.de/vermischtes/article232927183/Bushido-Ich-bin-ein-Wrack-koerperlich-wie-seelisch.html

  2. Wenige Tage nach diesem Artikel das Attentat auf Journalist Peter R. de Vries in den Niederlanden:
    “Die Polizei konnte kurz nach dem Attentat am Dienstagabend zwei mutmaßliche Täter verhaften: einen vorbestraften Polen und einen einstigen Rapper aus Rotterdam mit Wurzeln in der Karibik.
    Für Kenner der Drogenmafia und für die Öffentlichkeit ist längst klar, dass diese Tat – fünf Pistolenschüsse aus nächster Nähe – ein blutiges Zeichen setzen sollte: Die organisierte Kriminalität führt vor, dass im Land niemand mehr sicher ist.”
    https://www.welt.de/politik/ausland/article232426307/Mordanschlag-auf-Journalisten-Niederlaendische-Buergermeister-fordern-radikale-Aenderung-der-Drogengesetzgebung.html

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