Die Traumwelt der #taz und die #Sprache von #Bushido

In einer Studie hat die Amadeu Antonio Stiftung „Rechtsextreme und menschen­ver­ach­tende Phänomene im Social Web“ beobachtet. Diese gibt es fraglos. Beklagt wird eine Verfestigung und Ausbreitung von Haltung und Jargon zur gesellschaftlichen Mitte hin. Es versteht sich, dass die „taz“ hierzu sekundiert („Die neue Dimension der Aluhüte“, 01.07.2016).

Sprachliche Verrohung ist unproduktiv, das ist vollkommen klar. Was man bei taz & Co. vermisst, ist der gleiche Maßstab bei anderen Themen und Personenkreisen. Sie hätten nun seit vielen Jahren Front machen können gegen die unterirdischen Texte deutscher Rap-Musik, die nicht selten aus migrantisch-moslemisch, bildungsfern geprägtem Milieu stammt. (Nicht, dass King Orgasmus One besser wäre.) Schließlich werden dort millionenfach Musikstücke verkauft – und noch viel öfter gehört und verinnerlicht -, die vor Sexismus, Rassismus und Gewaltverherrlichung nur so strotzen. Sie repräsentieren all das, was taz-Autoren angeblich verabscheuen. Doch was findet man, wenn man im taz-Archiv nach „gangster rap“ sucht (oder „gangsta rap“)? – Für eine Tageszeitung finde ich das nicht gerade üppig im Verhältnis zum Handlungsbedarf.

Man könnte das für andere Lebensaspekte weiter durchgehen, nur sind die frisierten oder auch nur totgeschwiegenen Kriminalstatistiken immer noch interpretationsbedürftiger als Zeilen von Bushidos Tonträger mit dem infantilen Titel „CARLO COKXXX NUTTEN 3“ (2015). Schon der Songtitel „Wenn dein Kiefer bricht“ lässt eigentlich keine Wünsche offen für politisch korrekte Belehrungen. Weiter in Bushidos Text heißt es:

Ich ficke eure Teeniemütter-Zahnspangen-Gang
Und dein Vater hat noch Kacke an den Arschhaaren häng‘
[…]
Und all die Missgeburten heulen rum
Nur die stärksten überleben Deutschraps Säuberung
[…]
Yeah, Rap hat keine Rasta-Frisur
Deine Hurenmutter liebt dich nur dank Fachabitur
Nutte, guck, wie ich dich kalt mache
[…]
Wer will Krieg, Nutte?
Ihr seid alle soft, weil ihr Schatten boxt
Ich schicke deutschen Rap zurück in sein Rattenloch
Deine Fans sind alle Transen und Junkies
Ich mache dich zum Hund und du musst tanzen wie Lambi
Electro Ghetto, Gangsterrap aus Titan
Ich wünsche mir ’nen Autounfall für Michel Friedman
Fernsehgarten, RTL, Kay One, Krake Paul
Grüß mal deine Mutter, dieses nimmersatte Blasemaul

Das Album mit den drei Kokain-Linien auf dem Cover erreichte mit mehr als 100.000 verkauften Exemplaren in Deutschland Gold-Status. Man stellt sich vor, wie der taz-lesende Pädagoge vor Schülern steht, die solche Zeilen in Dauerschleife hören, und sie über den sensiblen Umgang mit anderen Menschen und Kulturen aufklären will.

Auch zu Bushido finden sich eher einzelne Erwähnungen im taz-Archiv denn eine nachhaltige substanzielle Auseinandersetzung mit dem, was unsere Multikultur prägt. Im Zweifel taugt er dann noch für eine Blödelei am Rande der Fußball-Berichterstattung (15.06.2016):

Deschamps hat in der Halbzeit-Pauser [sic] offenbar die heftigsten Bushido-Lines zitiert und seine Spieler mit sinnlosen Beleidigungen aufgeweckt.

Nein, wie putzig. Ist es nur nicht für jene Gewaltopfer, die man hier nicht so richtig bemerken will – und erst recht nicht voraussehen will bei sich rasant ändernden Mehrheiten in unserer Gesellschaft. Bushidos „Kultur“ ist ein wesentlicher Teil unserer demografischen Zukunft.

Das gehört zum Spaltsinn der derzeitigen Linken: Migrantisch geprägtes Gewalt-Proletentum erzeugt bei ihnen – im Gegenteil zu deutschen Schlägertypen – kognitive Dissonanz. Man erzeugt lieber die Illusion, es sei möglich, die eigene aussterbende Kultur aus Kunstmarkt und Feminismus den vitalen Reaktionären von moslemischer Seite erfolgreich andienen zu können. Im Zweifelsfall klammert man sich an den Ausnahme-Intellektuellen, der die Überwindung krasser kultureller Gegensätze scheinhaft als Einzelperson verkörpert. In der taz problematisiert man eher Antisemitismus in einem Projekt für Flüchtlinge, die angeblich unbedingt Theater spielen wollen, um deutsche Sprache sorgt man sich betreffs eines Chatbots, der bei Asylanträgen helfen soll. Eine Spenden-Aktion für Flüchtlinge der Tageszeitung finde ich gerade gar nicht mehr. Ich erinnere mich an Video-Interviews mit bereits gut Deutsch sprechenden Akademikern als Betroffenen.

„Aluhüte“ will man tendenziell in jenen sehen, denen die hier skizzierten Kulturen, Tendenzen und Zukunftsszenarien an die Nieren gehen – und die sich nach vielen Jahren des Schweigens in mancher Lebenslage auch nur noch mit deutlichen oder allzu deutlichen Worten zu helfen wissen. Manches ist dabei, das sich mit Bushidos Niveau wenig tut. Ursache und Wirkung sollte man jedoch sorgsam betrachten.

Und wir warten dann auf großflächige Studien darüber, welche Grundlagen eines friedlichen Zusammenlebens und erfolgreichen Wirtschaftens unter den gegebenen Voraussetzungen wirklich vorhanden oder auch nur erreichbar sind. Popkultur ist für die ideologische Prägung der heranwachsenden Teilnehmer dabei wohl bedeutsamer als alles andere. Eine Idiotie hiesiger Forschung und Presse, sich darum so gut wie gar nicht zu kümmern – ein recht eindeutiger Beleg für die Thesen jener, die taz-Redakteure hingegen als „Aluhüte“ ansprechen zu müssen vermeinen. Nutznießer der Bushido-Kultur sind Kriegstreiber und Kulturzerstörer, denen für eine von ihnen dominierte Medienöffentlichkeit das Niedrigste noch nicht niedrig genug ist. Studierte tazler mit Multikulti-Flausen sind ihre nützlichen Idioten, immer noch.

In der taz sind es Leserkommentare, die es für mich treffender formulieren als der redaktionelle Inhalt von Michael Gruber. So bemerkt Albrecht Pohlmann:

Die TAZ sollte – ebenso wie die Antonio-Amadeu-Stiftung – differenzieren können zwischen Haßrede, offensichtlichem Nonsens à la Chemtrails und kritischer Recherche, welche regierungsoffizielle Versionen gerade von Vorgängen der sogenannten „Sicherheitspolitik“, aber auch der Finanzindustrie usw. in Zweifel zieht. Der TAZ scheint diese Differenzierungsfähigkeit in den letzten Jahren abhanden gekommen zu sein, indem in ihr häufig der rechte Kampfbegriff des „Verschwörungstheoretikers“ verwendet wird. Damit bin ich nicht einverstanden und es ist einer der Hauptgründe, weshalb ich nach über einem Vierteljahrhundert mein TAZ-Abo gekündigt habe.

Eine „karin“ befleißigt sich hingegen der Rolle der ideologischen Aufseherin und verwahrt sich gegen die Verlinkung zu anderen Quellen, die hier immerhin durchdringen:

@Ulrich Frank Ich glaube, es geht bei Haßrede hintergründig auch um den von Ihnen verlinkten Artikel. Dort, auf RussiaToday, wird eine Journalistin und ihr Kommentar auf äußerst krude sowie persönlich abwertende Weise niedergemacht. Sachliche Kritik sieht anders aus. Über deren Bericht (ich kenne ihn nicht), kann man gewiß geteilter Meinung sein. Nicht jedoch über den des RT-Autors. Der ist mies.
Liebe taz! Ich finde es überhaupt nicht in Ordnung, links zu solchen Artikeln unkommentiert freizuschalten.

„Khaled Chaabouté“ ist im ganzen Internet nur als Kommentator bei taz und „Freitag“ zu finden. Er drückt sich sehr gewählt aus und weist aus linker Sicht meist sehr konsequent auf Diskriminierungen von Migranten etc. hin:

Man nimmt zwar gerne den strukturförderischen Aspekt von Unterkünften für Flüchtlinge an, das bringt schließlich Geld für Bau- und Betreuungsfirmen, aber auf der Straße sind Geflüchtete genau so Freiwild wie das versprengte Häuflein der Antifa-Aktivist_innen oder die Gegner des Braunkohletagebaus.

Am Rande zeigt sich also auch bei der taz eine durchaus gut begründete und zu begrüßende Änderung von Meinungsbildern. Ansonsten setzen sich vorerst ideologische Reflexe fort, in denen (nicht nur) ein linksliberaler Mainstream – nicht zuletzt von Meinungsmachern – immer noch mehr oder minder befangen ist.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de – Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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1 Response

  1. Afonso dos Santos sagt:

    Gestatten Sie mir die Bemerkung, sehr geehrter Herr Hermsdorf,- Sie sind der Marcel Proust des Neuen Untergangs des Abendlands.
    Ihre Ausdrucksweise ist vollkommen genau und vorbildlich abgemessen.
    Auch in Ihren geschaetzten analogen Publikationen habe ich keine einzige „Schlampigkeit“ entdecken muessen.
    Aber das … Publikum, mag eben gerne einen Sloterdeik labern hoeren… weil, wenn man schon nix versteht, dann bitte richtig.
    Ich wuensche Ihnen einen Verleger vom Range Unselds, und uns dass Sie den Mut nicht verlieren.

    Hochachtungsvoll, Afonso

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