#Rezo scheitert im Fakten-Check zum #Klimawandel

Der Medien-Rummel um das Video “Die Zerstörung der CDU” war in den letzten Wochen allgegenwärtig. Die kritischen Stimmen waren in der Minderzahl und erwartungsgemäß in der eher konservativen Presse zu finden (so in der FAZ und in der “Welt”, interessanterweise hinter den Bezahlschranken).

Bei massenmedialen Botschaften kommt es mindestens bis zur Mittelfrist nicht darauf an, welchen überprüfbaren Wahrheitsgehalt sie haben, sondern, wie oft sie wiederholt werden. So lässt es sich am aktuellen Beispiel erneut ersehen – die derzeit 14 Mio. Abrufe, die Rezos Video zählt, …

… sind von anderen kaum einzuholen – mit Folgen über die einzig für die Grünen erfolgreichen jüngsten Europawahlen hinaus. (Die aktuellen Wahl-Umfragen sehen die Grünen teils schon als stärkste Partei über 20 %.)

Es ist deshalb hier eher eine Chronistenpflicht des laufenden Wahnsinns, erstens den Hinweis auf weitgehende Widerlegungen der von Rezo in aller Arroganz und Aggressivität vorgebrachten gefälschten Informationen zu geben; und diese noch durch ein paar Anmerkungen zu ergänzen.

Eine weitgehend überzeugende Durchsicht nimmt das “Europäische Institut für Klima und Energie” (EIKE) vor, das per Website und YouTube seit Jahren komplexe Gegenargumentationen kostenlos bereitstellt. Dass ein Rezo sie zur Kenntnis genommen hätte, lässt sich nicht ersehen. Er vertritt auch im Video eine heute nicht zuletzt Jüngeren anerzogene Überheblichkeit, jede Kritik an der Klima-Hysterie pauschal zurückzuweisen.

Das EIKE hat in einem Beitrag von AR Göhring und HJ Lüdecke die wichtigsten Argumente Rezos kommentiert und mit anderslautenden Gegendarstellungen verlinkt: “Skandal-Youtuber Rezo, seine ‘Lieblingspartei’ CDU und der ‘Klimaschutz'”.

Ich habe die Aussagen aus dem Video noch einmal wörtlich transkribiert, zitiere und ergänze Folgendes:

Die letzten vier Jahre waren die viertwärmsten ever.

Das EIKE verweist auf Michael Limburgs Kritik der Messtechnik:

Das Argument ist bestürzend einfach zu verstehen: Klima-Hysteriker halten die Steigerung einer globalen Durchschnittstemperatur über ca. 100-150 Jahre für bewiesen – während schon in größeren geschlossenen Bauwerken die exakte Berechnung einer Durchschnittstemperatur äußerst aufwändig wäre. Die Troposphäre, in der Luftschichten in permanenter Bewegung sind, ist über den ganzen Globus gespannt zwischen 8 und 18 km hoch.

In Limburgs Video ist sehr aufschlussreich die selten besprochene Übersicht, wann wo überhaupt global Temperaturen durch erdnahe Stationen gemessen wurden und werden (ab 32:52 Min.). Nur das generelle Faktum zerstört wohl jede angeblich ‘objektive’ Gewissheit: Nicht nur ist die Berechnung von Durchschnitts-Temperaturen im globalen Maßstab per se ein hoffnungsloses Unterfangen, jedenfalls was Toleranzbereiche weniger Grade betrifft. Das Netz der Messstationen ist darüber hinaus sowohl historisch wie auch geografisch äußerst ungleich verteilt. Vergleicht man heute angebliche Durchschnittswerte mit jenen aus früheren Jahrzehnten, so werden u. a. abgeleitete Gesamtwerte mit ganz unterschiedlicher Datenbasis verglichen. Alles ist abhängig von komplizierten Modellen mit vielfachen Vorannahmen – gewiss ist dabei einzig, dass diese nicht zu Exaktheiten im Bereich weniger Temperatur-Grade führen können – schon gar nicht im historischen Vergleich.

Als eine quantitative Veranschaulichung sei dazu nur erwähnt, dass auch die heute vergleichsweise hohe Anzahl von Messstationen äußerst gering zu nennen ist:

But remember: the NOAA says it is currently using just 1,500 of the 6,000 stations on the map, which is only a quarter.

http://www.scmsa.eu/donnees-climat/Temperatures_EN.pdf

Wenn also die “National Oceanic and Atmospheric Administration” der USA weltweit 1.500 Messstationen verwendet, so bedeutet dies im Durchschnitt, dass durchschnittlich auf knapp 100.000 km2 je eine Station einen Temperaturwert regelmäßig aufzeichnet, der anschließend in einen Durchschnittswert eingeht.

Selbst höhere Angaben wie die von 7.000 Stationen weltweit mit längeren Datenreihen und 30.000 in Betrieb befindlichen verändern nicht den Befund, dass eine Station nur einen vereinzelten Temperaturwert auf einer großen Fläche registriert, auf der an anderen Punkten mit Sicherheit Abweichungen im Bereich von mehr als 1° vorliegen können.

Wenn wir also diese noch heute mehr als löcherige Datenbasis haben, die für frühere Jahrzehnte, geschweige denn Jahrhunderte keine plausiblen Vergleichswerte hat, wird bei Rezo daraus die Suggestion, die letzten vier Jahre seien die wärmsten “ever” gewesen. Das klingt jugendsprachlich vertrauenerweckend, ist aber in seinem Inhalt ein purer Unsinn, der jeglicher Begründbarkeit entbehrt.

Das ist diese Aussage auch nach allgemein akzeptiertem wissenschaftlichem Verständnis zur Erdgeschichte: Niemand bestreitet, dass es in längeren Zeiträumen teils gravierend wärmere Phasen gab, die weder mit CO2-Werten noch mit menschlicher Existenz korrelieren.

Wissenschaftlicher Konsens ist zunächst, dass wir uns heute nach einer langsam abklingenden kleinen Eiszeit befinden. Ob wir heute wirklich wärmere Temperaturen haben als etwa in den 1940er Jahren, ist schon nur eingeschränkt verlässlich zu beweisen. Warum es damals jedenfalls über Jahre wärmer war als in Jahrzehnten danach, in denen so viel mehr CO2 in die Atmosphäre gelangte? – Die Klima-Hysteriker interessieren solche Fragen offenbar nicht.

Wenn Rezo “ever” sagt, bezieht er sich aber auf die gesamte Erdgeschichte. Woher er diesbezüglich die Gewissheit nimmt? – Man weiß es nicht, wenn man dieses Diagramm anschaut:

Die farbigen Linien zeigen verschiedene Datenreihen an – und damit Toleranzbereiche in der Genauigkeit. In einzeln Datenreihen gibt es also schon 1,5° Temperatur-Abweichung von einer angenommenen Basislinie aus gesehen (hellblau: GISP2-Eisbohrkern aus Grönland), die heute als Durchschnittswert für katastrophal und menschengemacht gehalten wird. (Dies ist ungefähr der Zeitpunkt, ab dem Gletscher deutlich langsamer – und bis heute – weiterschmelzen, wie sie es 12.000 Jahre zuvor auch schon taten. Deshalb die Beschriftung “End of Last Glacial Period” – mit offensichtlich magischen Ursachen, denn von menschengemachter, und zwar noch viel radikalerer Erwärmung bei -8.000 Jahren ff. gehen auch heute allseits geförderte Forscher wohl nicht aus.)

Hier wie anderswo basiert die Argumentation der Klima-Katastrophiker zunächst auf einer willkürlichen Beschränkung auf den Zeitraum der letzten 100-150 Jahre – und selbst dies noch manipulativ je nach Start- und Endpunkt angeblich eindeutiger Steigerungen und Senkungen grafischer Kurven.

Man könnte noch mehr zu Ungunsten von Rezos Position diesbetreffend sagen, doch zunächst weiter im Sprechtext seines Videos hin zum zweiten Klima-Kernsatz:

Naturkatastrophen nehmen durch die Erderwärmung zu.

Das EIKE kommentiert:

Fake news; selbst der Weltklimarat (IPCC) belegt das genaue Gegenteil in Kapitel 2.6 seines Sachstandsberichts AR5 von 2013, wir haben aus gegebenem Anlass mehrfach darüber berichtet, zum Beispiel hier und hier. Die immer wieder behaupteten „häufigeren Extremwetterereignisse“ sind vom IPCC nicht auffindbar.

Hier ist es bei voraussehbaren Rückfragen erforderlich, stets die allerneuesten Aussagen der heute meinungsführenden Institutionen heranzuziehen. Rezos Aussage ist vom “Intergovernmental Panel on Climate Change” (IPCC) tatsächlich nicht gedeckt. Dieses formuliert in der Zusammenfassung seines 2014er Berichts durchgehend weich mit “likely” (wahrscheinlich) und “at most medium” (höchstens im mittleren Bereich), es geht für die Gebiete außerhalb der USA und Europas nicht um ‘Beweise’, sondern um “confidence” in diese Auffassung, das schon mittelmäßig hoch sei (Kursivierung vom IPCC):

Changes in many extreme weather and climate events have been observed since about 1950 (see Table SPM.1 for details). It is very likely that the number of cold days and nights has decreased and the number of warm days and nights has increased on the global scale. It is likely that the frequency of heat waves has increased in large parts of Europe,
Asia and Australia. There are likely more land regions where the number of heavy precipitation events has increased than where it has decreased. The frequency or intensity of heavy precipitation events has likely increased in North America and Europe. In other continents, confidence in changes in heavy precipitation events is at most medium. {2.6}

Dass Rezo daraus eine “ist”-Aussage macht, ist also eine grobe Manipulation und nichts anderes. Wenn die Zahlen das hergäben, würde gerade das IPCC es klar formulieren.

Und die vom Sprecher angegebene Quelle gibt es erst recht nicht her – sie kümmert sich nur um das ländliche Australien:

Natural disasters, climate change and mental health considerations for rural Australia
Shirley A. Morrissey and Joseph P. Reser
School of Psychology, Griffith University, Gold Coast, Queensland, Australia
https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1111/j.1440-1584.2007.00865.x

Nun Rezo zu sog. “Klima-Flüchtlingen”:

Es sind bereits ganze Landstriche untergegangen. Und deswegen gibt es viele, viele Millionen Flüchtlinge, die ihr Zuhause verloren haben und irgendwo anders untergebracht werden müssen.

Die Widersprüche hierzu auch in der Mainstream-Presse sind leicht zu finden, so etwa am 08.11.2017 in der “Zeit”:

Der Klimawandel trifft arme Bevölkerungsgruppen, die sich selbst nur sehr begrenzt schützen können, besonders stark: Kleinbauern, Fischer oder städtische Arme. Sie leben ohnehin unter harschen Bedingungen. Entscheiden sie sich, ihre Heimat zu verlassen, dann lässt sich empirisch kaum erfassen, ob Umweltfaktoren oder andere Ursachen die maßgeblichen Beweggründe waren.

Mit anderen Worten: Ist schon die These einer sprunghaften und anormalen globalen Erwärmung und eines menschengemachten Klimawandels eher wackelig in der Bestimmung von Vergleichswerten und der Begründung früherer, teilweise viel extremerer Warmzeiten in der Erdgeschichte, wird innerhalb einer linksgrünen Agenda das Schuld-Argument gegenüber den Industriegesellschaften nun auch noch auf die sozioökonomische Misere in anderen Erdteilen ausgeweitet, deren Migrationsbewegungen in Bausch und Bogen ebf. als anthropogene CO2-Folgen ausgegeben werden. Dies also – aufgrund der von Rezo fast gänzlich missbräuchlich vorgespielten ‘einhelligen Forschungsmeinung’ – ebenso eine dreiste Manipulation.

Ein ähnlich gelagerter – aber nicht so krasser – Fall tritt beim nächsten Zitat ein:

Außerdem sterben 100mal schneller Tierarten aus als vorher. Wir verlieren komplette Lebensräume wie Korallenriffe, und Biologen sagen sogar, dass ein neues Massenaussterben wahrscheinlich passieren wird, wie es das das letzte Mal vor 66 Mio. Jahren gab. Damals ist das übrigens passiert, weil ein Asteroid, so groß wie ‘ne Großstadt, auf die Erde geballert ist.

Für seine Art der Veröffentlichung führt Rezo eine recht große Zahl von Zitat-Belegen an – nur nicht jene aus vergleichbaren offiziellen oder mindestens offiziösen Quellen, die ihm deutlich widersprechen. Hier lässt sich das Bundesministerium für Umwelt ebenso anführen, das für Artensterben Klima-Effekte erst als vierten Punkt und im Zusammenspiel mit anderen bedeutenderen Faktoren nennt; …

Klimaveränderung: Veränderungen von Artarealen infolge klimatischer Veränderungen sind im Prinzip ein natürlicher Vorgang. Bedrohlich am vom Menschen verursachten Klimawandel ist zum einen das (in natürlichen Zeiträumen betrachtete) extreme Tempo der Veränderung, das die Anpassungsfähigkeit vieler Arten überfordert. Außerdem sind fatale Wechselwirkungen zwischen Klimaveränderungen und Habitat-Zerstörungen durch den Menschen zu verzeichnen.

Ähnlich klingt die neueste Einlassung von Jared Diamond, der die Gefahr eines globalen Kollapses sieht, dabei aber vor einer einseitigen Fokussierung auf den Klimawandel warnt (Tagesspiegel, 30.05.2019). Er hält den Klimawandel für beeinflussbar:

Falls wir den Klimawandel, die Ungleichheit und den Ressourcenmangel bewältigen, aber die Ausbreitung von Nuklearwaffen nicht, sind wir geliefert. Wenn uns die nukleare Abrüstung gelingt, aber wir den Klimawandel nicht aufhalten, sind wir ebenfalls dran.

Der “Focus” (28.07.2009) referiert (wohlgemerkt 2009) eine Auswertung von 24.000 wissenschaftlichen Studien mit Betonung anderer wirkungsvollerer Faktoren als dem Klimawandel:

Wie die Studie zeigt, stellt neben der Einfuhr nicht einheimischer Tiere die Zerstörung des Lebensraumes in Ozeanien die größte Bedrohung für Flora und Fauna dar. 80 Prozent der vom Aussterben bedrohten Spezies verdanken ihren Status der Zerstörung ihrer natürlichen Lebenswelt.

Die Erwähnung der Korallenriffe ist zumindest vereinfachend, denn andere Faktoren werden auch hier zuerst genannt, so vom “Pro Wildlife Blog” (31.07.2018):

Umweltverschmutzung, Überfischung und die steigenden Temperaturen durch den Klimawandel sind die Hauptfaktoren, warum die Korallenbänke in immer größeren Ausmaßen ausbleichen und absterben.

Rezo orientiert sich eher an Darstellungen wie jenen der Wikipedia, die zu Beginn ihres Artikels über “Korallenbleiche” so tut, als sei alleine “globale Erwärmung” die unumstrittene Ursache. Lesenswert ist dabei der vielleicht bezeichenderweise letzte Satz des Artikels:

Gesunde Korallen sind auch widerstandsfähiger gegen Temperaturschwankungen.

Zudem weckt der Blick in die längere Erdgeschichte Zweifel an heute verbreiteten, angeblich wissenschaftlichen Begründungen des Korallensterbens, folgt man einmal dem “Science Skeptical Blog” (22.10.2014) betr. der ebf. oft mit Klimawandel und CO2 assoziierten Übersäuerung der Meere:

Allerdings hat der CO2-Gehalt der Atmosphäre in der “Muschelkalk-Zeit” rund 1.500 ppm (CO2-Teile pro eine Million Luftteilchen) betragen, was in etwa dem vierfachen des heutigen Gehaltes entspricht. Eigentlich hätte infolge einer “Versauerung” der Meere also kein Muschelkalk im heutigen Deutschland gebildet werden können.
Die “Muschelkalk-Zeit” belehrt uns aber eines Besseren. Kalkalgen und Korallen bauen mächtige Riffe auf (z.B. der kalkigen Ostalpen). Die ehemals 1000 km breiten Riffgebiete wurden bei der Bildung der Alpen auf 150 km zusammengepresst und in luftige Höhen gehoben. Aus dieser Zeit gibt es viele versteinerte Uferzonen zu finden.

Möglicherweise ein Flüchtigkeitsfehler ist der nun folgende Konjunktiv bei Rezo – nach seiner Auffassung steht es doch definitiv fest, dass keine Meeresströmung und keine sich verändernde kosmische Strahlung eine merkliche Verringerung von Temperaturen auf der Erde bewirken könnten. In Rezos Auffassung “ist” doch alles Mögliche und lasse sich nicht mehr ändern, nachdem es in wenigen Jahrzehnten von Menschen gemacht wurde. Warum “würde” es dann “für Hunderte oder Tausende von Jahren so bleiben” – etwa wenn oder wenn nicht …? – Man hätte es zumindest korrigieren können, wenn man sowieso nach fast jedem Satz stressige jump cuts setzen muss. Aber ab 14:36 Min. sagt Rezo dann ohnehin, dass “die Wissenschaft sagt, es ist noch alles machbar, wir müssen nur krass andere politische Entscheidungen treffen.” (Darin sind offensichtlich Vorstellungen auch einer Ausfilterung und Einbunkerung von CO2 unausgeprochen enthalten – sonst wäre ja eben nicht mehr “alles machbar”.)

Und das alles ist bereits passiert, weil es 1 Grad durchschnittlich wärmer geworden ist. Und selbst das würde jetzt für Hunderte oder Tausende von Jahren so bleiben, selbst wenn die Menschheit morgen aufhören würde, Benzin und Kohle zu verbrennen.

Das “geworden ist” stellt die oben schon nachhaltig bezweifelten Tatsachenbehauptungen diskursiv auf Dauer.

Dann kommt Rezo zu den zentralen Dämonen eines apokalyptischen Szenarios:

In erster Linie passiert das durch die Gase CO2 und Methan. Je mehr davon in der Luft ist, desto wärmer wird’s halt. Methan verursachen wir in erster Linie durch unsere industrielle Tierhaltung, aber ich klammer das mal aus Zeitgründen aus, weil CO2 mit Abstand der größte Faktor für die Erderwärmung ist […].

Das EIKE resümiert in seinem Artikel zum Video:

Das Klima unseres Planeten wird multikausal von der Erdsonne, den Mondzyklen, den Zyklen der schweren Nachbarplaneten, der kosmischen Hintergrundstrahlung, Vulkanausbrüchen, und, ja, auch zu geringen Teilen von Atmosphärengasen bestimmt. Bis etwa 1990 war das Konsens in der Naturwissenschaft; heute reduziert man monokausal auf CO2 und Methan.

Wer das nicht versteht oder verstehen will, sollte sich ausführliche Vorträge von EIKE-Referenten ansehen und -hören. Bei der tatsächlich existenziell dringenden Suche nach den wirklichen Ursachen von Klimawandel und möglichen begründeten Prognosen findet man medial relativ gut sichtbar nur hier statistische Auswertungen, die auf wellenhafte Regelmäßigkeiten hinweisen, die sich in unterschiedlicher Frequenz überlagern und aufaddieren (d. h. besondere Wärme-Höhepunkte erzeugen, die Jahrzehnte oder länger dauern können).

Hier zwei Videos von Carl-Otto Weiss und Horst-Joachim Lüdecke, die dazu auch gemeinsam Aufsätze in Fachzeitschriften publiziert haben:

Das, was vom Video Rezos zumal bei Jugendlichen, aber auch oberflächlichen Zeitungslesern oder TV-Guckern hängen bleibt, ist abermals nicht zuletzt das Mem der für den Klimawandel hauptverantwortlichen Spurengase. Die Arbeit jener Wissenschaftler, die auf unbekannte Weise keinerlei Beachtung in heutigen Mainstream-Medien erhalten, zeigt jedoch andere Gesetzmäßigkeiten auf, die empirisch bestimmbar sind. In jedem Fall gehört deshalb zum kompetenten Sprechen über Klimawandel die rhetorische Einschränkung, dass es anhand plausibel definierbarer Gesetzmäßigkeiten auch noch größere Unbekannte in der Gesamtrechnung gibt.

Rezo zitiert dazu ja im Informationsfluss seines eigenen Videos nur mit satirischen Absichten die vereinfachende Aussage der AfD-Politikerin Beatrix von Storch, “die Sonne” sei die eigentliche Ursache. Doch neben deren simplen wärmenden Lichtstrahlen und deren Wechselwirkung mit dauernd veränderter Wolkenbildung gibt es eben auch noch Sonnenstürme, die andersartige Strahlungen zur Erde bringen; sowie deren Auswirkung auf weitere kosmische Strahlungen, die ebf. auf bisher nur unzureichend geklärte Weise Einfluss auf das Ökosystem der Erde haben. Die Wikipedia resümiert dies mit deutlich ausgewiesener Unabgeschlossenheit im Gegensatz zu Rezos Behauptungen im Video, die von ihm dargestellte Lehrmeinung werde von knapp 100 % aller Wissenschaftler vertreten:

Ein Zusammenhang zwischen der Bildung von Wolken und der galaktischen kosmischen Strahlung (GCR) wurde seit den 1970er Jahren in den USA postuliert. Seit den 1990er Jahren trug insbesondere der dänische Physiker und Klimaforscher Henrik Svensmark zur Verbreitung dieser These bei. Eine Überblicksstudie mehrerer internationaler Forschungseinrichtungen aus dem Jahr 2006 sah den Einfluss einer dynamischen Heliosphäre auf das Erdklima bei Betrachtung sehr langer Zeiträume als wahrscheinlich an. Über den Wirkungszusammenhang mit der Wolkenbildung gibt es verschiedene Hypothesen. Forschungsprojekte zum Mechanismus eines Zusammenhangs von kosmischer Strahlung und Wolkenbildung laufen derzeit am CERN (Projekt CLOUD Cosmics Leaving OUtdoor Droplets), der ersten Klimakammer an einem Teilchenbeschleuniger.

Die folgende Aussage Rezos lässt sich als sukzessive Steigerung des Unsinns seiner Ausführungen werten:

Das heißt, es gibt verschiedene Stellen in der Natur, wo CO2 in die Luft kommt. Aber das wurde dann auch immer vorher aus der Luft genauso rausgezogen. Deswegen blieb auch die Menge von CO2 über Millionen von Jahre[n] ziemlich gleich. Das Problem ist also nicht, dass es CO2 gibt, sondern, dass es mehr wird. Und wer ist daran schuld? Wir. Zu 100 %. […] Es gibt keinen einzigen seriösen Wissenschaftler, der das Gegenteil behauptet.

Der Gegenargumente wären so einige. Hier erwähnt seien nur:

  • Schon die Einbringung von CO2 in die Atmosphäre durch Verbrennung fossiler Brennstoffe bedeutet ja gleichzeitig, dass dieses CO2 Teil des Ökosystems ist. Es wechselt seine Orte und Zustände oder löst sich als Molekül sogar in einzelne Bestandteile auf. Es gibt verschiedene CO2-Senken, in denen es erdgeschichtlich relativ lange verbleiben kann, bis es wieder in die Luft übergeht. Wenig davon ist einfach und bisher vollkommen verlässlich zu definieren. (Für die Meere und CO2-Gehalte ergeben sich vergleichbare Messprobleme wie die genannten für Temperaturen.)
  • Erdgeschichtlich befinden wir uns eher am unteren Ende jemals vorhandener CO2-Konzentrationen in der Luft, wie dieses Diagramm der renommierten Zeitschrift “Nature” veranschaulicht; Rezos Formulierung “über Millonen von Jahre[n]” ist definitiv sachlich falsch anhand des heute Bekannten:
  • Auch die meist gezeigten, auf Eisbohrkernen basierenden Rekonstruktionen weisen ja über die letzten Hunderttausende von Jahren erhebliche Schwankungen auf, wie diese Auswertung des Vostok-Eisbohrkerns aus der Antarktis zeigt:

    Das CO2 (grün in der Mitte) der Erdatmosphäre schwankte laut dieser Auswertung zwischen 180 und knapp 300 ppm. Schon die Verlässlichkeit dieser Rekonstruktionen ist ein eigenes, komplexes und unabgeschlossenes Thema. Völlig einleuchtend sollte aber sein, dass wir wenige solcher Proben haben, die an einem Ort so weit in die Erdgeschichte zurückblicken lassen. Diese wenigen auf dem ganzen Erdball verteilten Funde müssen miteinander abgeglichen (kalibriert) werden, was wiederum eine Fülle von Annahmen voraussetzt, die in der laufenden Diskussion sind.
  • Rezo folgt im Tenor erwartbarerweise etwa dem Wikipedia-Eintrag zum Kohlenstoffzyklus. Dessen sachliche Zweifelhaftigkeit sollte jedoch unmittelbar deutlich werden – wie es auch für andere gut bekannte Diagramme wie die sog. Hockeyschläger-Kurve gilt. Hier werden dann nicht nur relativ wenige vorhandene Messdaten zu einem angeblichen globalen Durchschnittswert vereint, der sehr diskussionswürdig bleibt; es wird teilweise auch suggeriert, als sei an Eisbohrkernen z. B. aus der Antarktis ohne jede Umrechnung ein (irgendwie, muss man wohl schlussfolgern) global zutreffender Wert ablesbar. So geschieht es in der Wikpedia-Quelle “RealClimate” (24.11.2005), von den Lexikon-Autoren wiedergegeben: “Aus der Analyse von Bohrungen im antarktischen Eis ergibt sich, dass die globale Kohlenstoffdioxid-Volumenkonzentration der Atmosphäre mindestens in den letzten 650.000 Jahren nie 300 ppm überschritten hat.” Allgemein bekannt ist, dass Eisbohrkerne aus Grönland historisch leider nicht so weit zurückreichen, aber – wie fast alle anderen weiter entfernten Orte – aufgrund anderer klimatischer Zonen andere, in diesem Fall höhere – Werte aufweisen (siehe auch dazu einen EIKE-Beitrag: “Das Komische an diesen grönländischen Eisbohrkernen: Sie zeigen während der Warmperioden des Holozäns und  der Pleistocene Interstadials [“eine Warmperiode, die wegen ihrer geringen Ausdehnung nicht den Namen Zwischeneiszeit verdient*] einen viel höheren CO2-Gehalt (330 bis 350 ppmv).”). – Korrekt an der Wikipedia-Formulierung ist deshalb vorerst einzig, dass mit den am Vostok-Kern durchgeführten Messmethoden und Ableitungen diese Werte ausgelesen wurden, die sich unterhalb von 300 ppm befinden. (Zu allem Überfluss werden Eisbohrkern-Kurven auch von den medial sichtbarsten Experten mit neuesten Datenreihen wie vom Mauna Loa kombiniert, die eine einzige abschließende drastische Steigerung vor Augen führen und selbst auf bestimmten Modellrechnungen beruhen.)

Vertretbar ist mit Blick auf die Eisbohrkern-Daten lediglich die Aussage, dass sich die nach bestimmten Methoden (v. a., aber nicht in den tiefsten äußerst fest gepressten Schichten) aus winzigen Luftbläschen abgeleiteten ppm-Werte von CO2 offensichtlich erdgeschichtlich seit ca. 1 Mio. Jahren jeweils im Verlauf von ca. 100.000 Jahren zyklisch recht schnell zu einem Maximum steigern, um dann langsamer wieder auf ein Minimum zu fallen – dies laut Eisbohrkern-Auswertungen etwa in einer Spanne von +-100 ppm.

Rezos ungeschickte Formulierung, eingelagertes CO2 werde “dann auch immer vorher aus der Luft genauso rausgezogen” muss nur deshalb diskutiert werden, weil sie wie nichts anderes seit Jahren den aktuellen Klimawandel-Diskurs beeinflusst hat. Als Sachaussage indiskutabel, aber von kaum einer öffentlichkeitswirksamen Instanz überhaupt kritisiert, behauptet er einen im unmittelbaren Verständnis seiner Worte kurzfristigen regelmäßigen Austausch von CO2 in Atmosphäre und biologischen Organismen und Substanzen. Wenn die CO2-Menge aber innerhalb von Hundertausenden Jahren deutlich, dabei recht regelmäßig schwankt und nach Lehrmeinung ab ca. 1 Mio. Jahren in der Vorzeit noch deutlich höher lag, ist die Formulierung “über Millionen von Jahre[n] ziemlich gleich” eine Irreführung. Wird sie von dafür zuständigen Kommentatoren kritiklos durchgewunken, ist dies eines der stärksten Krisenzeichen für eine funktionierende Qualitätskontrolle publizistischen Arbeitens.

Von Prof. Stefan Rahmstorf (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, PIK) wird ein solches Vorgehen ausdrücklich belobigt. Die hier angesprochenen Problematiken betreffen in vielerlei Hinsichten auch die Thesen des ausgebildeten Physikers und Ozeanografen Rahmstorf. Das gerade angeführte Zitat zu “keine[m] einzigen seriösen Wissenschaftler, der das Gegenteil behauptet”, begrüßt er in seiner Blog-Lobrede auf Rezo (die die Tageszeitung “Märkische Allgemeine” übernahm) ausdrücklich. Er bestätigt Rezo dabei ebenso in der Bezeichnung der Skeptiker als “ein paar Dullis, die bezahlt wurden von der Ölindustrie”.

Der gerade im Wikipedia-Text erwähnte Henrik Svensmark ist jedoch ein Beispiel zur Widerlegung der Aussage Rezos, es gebe “keinen einzigen seriösen Wissenschaftler, der […] behauptet”, Menschen seien nicht zu 100 % verantwortlich für die Erhöhung des CO2-Gehalts und die angeblich wesentlich daraus resultierende globale Erwärmung. Korrekt ist vielmehr, dass es hier wie anderswo unabgeschlossenen Streit zwischen Lehrmeinungen und Theorien gibt, die für Laien äußerst schwer einzuschätzen sind. Dazu der Personen-Eintrag der Wikipedia zu Henrik Svensmark:

In einer 2012 bei der Royal Astronomical Society erschienenen Studie postuliert Svensmark einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Biodiversität, der Plattentektonik, insbesondere deren Einfluss auf das Ausmaß von Küstenbereichen und der Anzahl von Supernovae im Umfeld der Erde über die letzten 500 Millionen Jahre. Die Primärbioproduktivität des Meeres, das Nettowachstum der photosynthetisch aktiven Bakterien sei allein durch die kosmische Strahlung zu erklären. Zudem sei ein inverser Zusammenhang zwischen erhöhten Supernovaeerscheinungen und dem Kohlendioxidanteil[] der Atmosphäre zu finden, den Svensmark auf in kälteren Ozeanbereichen erhöhte Bioproduktivität zurückführt.
Untersuchungen zu Svensmarks Thesen finden unter anderem im Rahmen des 2006 am CERN gestarteten Projekts namens CLOUD (Cosmics Leaving OUtdoor Droplets), unter der Leitung von Jasper Kirkby statt und wurden auch von Svensmark während des dänischen SKY Projekts untersucht. Eine Überblicksstudie zu Forschungen und Ergebnissen zum Zusammenhang zwischen kosmischer Strahlung und Klima wurde 2007 bei Space Science Reviews veröffentlicht.

Man könnte hier im Stile Rezos ebenso herumkaspern und fragen: CERN? Häh? Ist das nicht dieser Verein, über den die Tagesnachrichten immer so bewundernd berichten? Wie passt es denn zusammen, dass da Svensmarks Thesen experimentell überprüft werden, wenn es doch gleichzeitig “keinen einzigen seriösen Wissenschaftler” geben soll, der sowas ansatzweise behauptet?

Und schließlich behauptet Rezo noch eine absehbare völlig problemlose Umstellung auf Erneuerbare Energien, die weder technische noch ökonomische Probleme erwarten lasse.

Wissenschaftler haben gezeigt, dass wir viel schneller auf Erneuerbare Energien umsteigen könnten, sogar weltweit. Die Berechnungen unterscheiden sich in erster Linie darin, dass die einen sagen: Ja, das wird genauso teuer wie die bisherige Energieversorgung, also: Win-Situation. Und die anderen sagen: Es wird sogar günstiger als die bisherige Energieversorgung, also: Win-Win-Situation.

Das wäre sprichwörtlich zu schön, um wahr zu sein. Das EIKE sieht in seiner Rezo-Kritik mindestens 4,5 Bio. € Kosten auf Deutschland zukommen, während schon heute Ärmere unter den Energiekosten zu leiden hätten.

Der „Zappelstrom“ der Windrädchen ist nicht grundlastfähig und wird zu flächendeckenden Total-Stromausfällen führen.

Das Problem ist selbstredend, dass man es nur einmal ausprobieren und dann nicht unbedingt einfach rückgängig machen kann. (Auf dem Begriff “Irreversibilität” insistiert Rezo nur betreffs der Zerstörung der Heimat von “Klima-Flüchtlingen”.)

Um Rezos erste Quelle zur leichten und risikoarmen Umsetzung der Energiewende zu überprüfen, …

Matching demand with supply at low cost in 139 countries among 20 world regions with 100% intermittent wind, water, and sunlight (WWS) for all purposes
Mark Z.Jacobsona Mark A.Delucchib Mary A.Camerona Brian V.Mathiesenc
https://doi.org/10.1016/j.renene.2018.02.009

… müsste man 35,95 € für ein PDF bezahlen. Der zweite Artikel …

Solar photovoltaics demand for the global energy transition in the power sector
Christian Breyer Dmitrii Bogdanov Arman Aghahosseini Ashish Gulagi Michael Child Ayobami Solomon Oyewo Javier Farfan Kristina Sadovskaia Pasi Vainikka
First published: 02 November 2017
https://doi.org/10.1002/pip.2950

… kostet mindestens 16,50 $. Derlei hat mit wissenschaftlichen und politischen Fortschritten des Internets nichts zu tun. Zumal für ein Projekt der Menschheitsbeglückung würde man als Autor andere Wege wählen.

Und so geht es weiter mit den Literaturangaben. Soweit ich sehe, zitiert Rezo zur konkreten Umsetzung der Energiewende nur einen frei verfügbaren Artikel:

Löffler, K., Hainsch, K., Burandt, T., Oei, P.-Y., Kemfert, C. & von Hirschhausen, C. 2017. Designing a model for the global energy system—GENeSYS-MOD: An Application of the Open-Source Energy Modeling System (OSeMOSYS). Energies 10:
https://www.mdpi.com/1996-1073/10/10/1468

Dass Erneuerbare Energien auch ihre bezahlten Lobbyisten haben, ist Rezo keine Erwähnung wert. Es gibt noch düsterere Interpretationen, warum man einem Industrie-Standort wie Deutschland teure und ggf. im Großen gar nicht funktionierende Energie-Infrastrukturen aufdrängen sollte. Ein ursprünglicher Plan der Sieger des Zweiten Weltkriegs war ja die Zurückstufung Deutschlands zu einem Agrarland. (Beim Zusammenbruch von Energieversorgung würde in Industrieländern darüber hinaus allerdings recht unausweichlich ein blutiger Bürgerkrieg mit Millionen von Toten ausbrechen, selbst beim sicheren Rückbau von Atomkraft-Anlagen über längere Distanzen könnte zum falschen Zeitpunkt fehlende Stromzufuhr sicherlich Notfälle auslösen.)

Schon entworfene technologische Konzepte und Modellrechnungen ihrer Wirtschaftlichkeit sind Fachdiskussionen für Erneuerbare Energien, die ich bisher deutlich weniger überblicke als die hier angerissenen Hauptfragen der CO2-Debatte.

Für Erneuerbare sind jedoch eindeutig Speichertechniken erforderlich. In dem zugänglichen Konzept von Löffler et al. findet sich der Begriff “battery” ganze dreimal, in angehängten Legenden dann noch in “Dummy-Technology for battery storage” sowie:

Storages
S_Battery_Lion Lithium-Ion battery
S_CSP_storage Storage-technology connected to CSP with storage
S_H2 Hydrogen (gas) storage
S_Heat_cen Heat storage for central heating
S_Heat_dec Heat storage for decentral heating
S_PSP (Hydro) Pump-storage-plant

Wenn ich gerade noch einmal zum Thema Lithium nachlese (“Energy BrainBlog”, 26.03.2018), hat sich an den grundsätzlichen Fakten, die ich in einem Blog-Beitrag vom 10.06.2010 erwähnte, nichts Wesentliches geändert.

Sicherlich hat Rezo schon Daniele Gansers These der Ressourcenkriege um Lithium wahrgenommen. Er dürfte sich damit ebenso wohlfühlen wie mit absehbar entstehenden weiteren komplizierten und teils neuen Bedarfen für die technischen Voraussetzungen zur Gewinnung Erneuerbarer Energien. Seiner Ansicht nach soll dies also schon sicher durchgerechnet sein, während ausreichende Lithium-Vorräte bei steigender Nachfrage bisher auf das Enddatum von ca. 2050 taxiert sind. Bis dahin müsste man bspw. auch dafür Ersatz oder effiziente Recycling-Methoden gefunden haben (was nicht prinzipiell unmöglich, aber derzeit auch nicht schon öffentlich bekannt ist).

Es ist hier zur Sicherheit abschließend anzumerken, dass es keinesfalls um die Verharmlosung ökologischer Problemlagen und Katastrophen geht, die im Artensterben, in chemischer Verseuchung, Massen-Tierhaltung und Landverbrauch zu sehen sind. Es könnte eine der größten Ironien der Geschichte moderner Gesellschaften sein, wenn eines ihrer existenziellsten Hauptprobleme nur in einer irreführenden Version endlich wahrgenommen würde. Plastikmüll in Meeren oder industrielle Landwirtschaft, Glyphosat oder selbst die einzelnen Klimawandel-Folgen hatten über Jahrzehnte nicht jene Massen mobilisiert, die nun mit dem Argument einer notwendigen CO2-Reduktion hoch emotionalisiert auf Straßen demonstrieren und ggf. Einschränkungen ihres Lebenskomforts und Wohlstandes fordern.

Ob Rezo auch umweltverträgliche Konzepte für die Produktion von elektronischen Musikinstrumenten hat, die im Video in ihren ölbasierten Plastikgehäusen um ihn herumstehen? – Es ist nur eine von vielen Fragen, die eigentlich an die “Fridays for Future”-Generation zurückgehen müsste.

In letzter Konsequenz kann sich so für die demonstrierenden Wohlstandskinder die Frage ergeben, ob sich ihre eigenen Ansprüche wohl auf Dauer mit ihren ökologischen Reinheitsgeboten wirklich decken. Trifft die hier recht vollumfänglich an der Klima-Hysterie entwickelte sachliche Kritik zu, so ergibt sich daraus ein sehr problematisches Bild: Statt sich zuerst gründlich mit den zuständigen Naturwissenschaften zu beschäftigen, würden dann umso extremere Forderungen gestellt, die ebenso halt- wie wirkungslos sein könnten. Ihre eigentliche Funktion bestünde dann darin, die Protestierer in ihrem Selbstbild als Weltenretter zu bestärken, während die praktischen Notwendigkeiten ganz woanders liegen. (Dazu ließe sich sehr vieles anführen, u. a. der global steigende harte Wettbewerb um Wohlstand, bei dem es auch in Deutschland zukünftig mehr Verlierer geben könnte, wenn die falschen Entscheidungen getroffen werden.)

Beim martialischen Titel von Rezos Video angefangen würden dann Kriterien greifen, die die Psychologie dem Narzissmus zuordnet:

  • Selbstidealisierung – im Sinne eines überhöhten Selbstwertgefühls und einer überzogenen Selbsteinschätzung. Der Narzisst hat ein grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit und glaubt von sich, „besonders“ und einzigartig zu sein.
  • Fremdabwertung – im Sinne einer Verachtung und aktiven Herabsetzung des anderen, das zu einer Kooperationsunfähigkeit führt. Der Narzisst zeigt deswegen eine Gier nach Bewunderung, legt ein Anspruchsdenken an den Tag, ist ausbeuterisch, unwillig zur Empathie, neidisch und arrogant.

Wie hier im Blog immer wieder mal angemerkt, treffen wir bei langfristig unaufgelösten Problemstellungen und Diskursblockaden zumindest Strukturmerkmale an, die man in Formen, die Rezo wohl “fucking heftig” nennen würde, als “Denkstörung” bezeichnet. Gepaart mit narzisstischer Überheblichkeit trifft dies schon ansatzweise zu, wenn ein junger Mann, der selbst bekundet, sich erstmals mit einem solchen Thema beschäftigt zu haben, gleichzeitig so auftritt, als könne er zweifelsfrei einen objektiven Forschungsstand mitteilen, obwohl Gegenargumente komplett ausgeblendet bleiben:

Das eingeengte Denken ist fixiert auf einige wenige Bewusstseinsinhalte und die Gedanken kreisen um nur wenige Themen. Es fehlt ein Überblick und verschiedene Gesichtspunkte können nicht einbezogen werden.

Wenn die hier gegebenen Hinweise zielführender sind, trifft dies dann leider auch auf Spitzenpolitiker, an erster Stelle der Grünen, zu.

Zu den größten logischen und diskurspraktischen Problemen gehört hierbei, dass sich mehrere Sachargumente und Herleitungen überschneiden und Interessengruppen (nicht immer transparent) agieren: Globale Durchschnittstemperaturen sind schwierig zu bestimmen, erst recht in historischer Perspektive. Wäre eine globale Erwärmung innerhalb der Moderne dennoch vorhanden und zu beweisen, beweist dies noch nicht, dass dies auf anthropogenes CO2 allein zurückzuführen ist (wovon auch kein ernstzunehmender Forscher ausgeht). Hätte anthropogenes CO2 isoliert eine heute angenommene Wirkung, ist dies noch nicht zwingend eine zutreffende Modellrechnung für ein komplexes Klima-System, in dem hier erwähnte Faktoren wie Wolkenbildung, kosmische Strahlungen usw. ebenso eine Rolle spielen und Wirkungen anderer Faktoren auf bisher teils unbekannte Weise vermindern oder verstärken. Aus der Klimawandel-Debatte abgeleitete politische Agenden könnten auch für ihre Vertreter Folgen haben, die sie bei realistischer Abschätzung zu vermeiden versuchen würden. Einfluss auf die öffentliche Debatte hat sowohl eine ökologische Ideologie als solche (die teils gut begründbar ist, teils aber Zweifel hervorruft) wie auch deren politische Vertreter, die um gut bezahlte Parlamentssitze buhlen; darüber hinaus sind Industrien der Erneuerbaren Energien im Spiel, die bestehende Versorgungssystem und ihre Betreiber ablösen wollen, die ihrerseits teils sachlich, teils individuell interessengeleitet argumentieren, sowie die machtpolitischen Antagonisten auf dem geostrategischen Schachbrett; für alle Seiten werden in unterschiedlichem Maße Methoden der offenen und verdeckten Public Relations genutzt, wobei die Weitergabe von Informationen teils ungeprüft erfolgt und nicht immer ein Bewusstsein für Gegenargumente und begleitende Absichten der Publikation solcher Informationen erkennen lässt.

Definitives Zwischenergebnis dieses Wirrwarrs ist es, dass ein zuvor nur durch Trivialitäten aufgefallener YouTuber mit einem Debatten-Beitrag nationale Reichweite erlangt, der zum Thema Klimawandel fast keine korrekte Information enthält und Teil einer politischen Bewegung ist, in der Jugendliche mit Unterstützung ihrer Eltern, der grünen Partei, mächtiger Industrieller und von akademischen Klimaforschern Meinungsführerschaft beanspruchen und für ihre wöchentlichen Demonstrationen dem Schulunterricht fernbleiben. – Ob nicht demografischer Niedergang, relativ unkontrollierte Massen-Zuwanderung und (auch aus Letzterem resultierende) Mängel im Bildungssystem (bei verzerrter Einschätzung von anthropogenen CO2-Wirkungen) die primären Gefahren für eine Zukunft in Industrieländern sind, gegen die zu demonstrieren wäre, sei hier als Frage nur angedeutet.

Als vorletzte Bemerkung mache ich hier gern das Eingeständnis, dass ich mit Anfang 20 für eine solche Bewegung durchaus anfällig gewesen sein dürfte – ich interessierte mich damals nur mehr für Kino. – Die Angst vor ökologischen Katastrophen begleitete mich seit Kindertagen, als ich TV-Moderator Peter Gatter im NDR-“Panorama” das Ozonloch beschwören hörte, das mittlerweile wieder geschlossen sein soll.

Es wäre ein eigenes aufschlussreiches Thema, wie es zu dem Medienphänomen des Rezo-CDU-Videos kam. Man kann eine Fülle von Vermutungen anstellen – er eignet sich ebenso als Promoter der ökologisch orientierten Politikansätze (wo sie denn in der Konsequenz wirklich umweltfreundlich sind), wie das Hanebüchene seiner Aussagen mindestens mittelfristig aufzeigen helfen könnte, wie dysfunktional unser Mediensystem mittlerweile geworden ist und mit welcher Perfidie eine bestimmte Klientel auch offensichtliches Halb- und Nichtwissen als quasi-religiöse Erlösungshoffnung verkauft.

Sollte eine Energiewende tatsächlich gelingen, so wäre dies nur erfreulich und dabei technisch innovativ und deshalb faszinierend. Dass dies ohne beschränkte Ressourcen funktionieren sollte, ist heute jedoch, wie gezeigt, neben vielem anderem nicht absehbar. Die überdreht dargebotene Pseudo-Autorität eines Rezo mit ihren fast durchgehenden sachlichen Fehldarstellungen ist so ziemlich das Letzte, was ein politischer oder gar wissenschaftlicher Diskurs bräuchte – wenn er nicht einen Nullpunkt markierte, ab dem sich wirklich etwas zu ändern hätte.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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1 Response

  1. https://youtu.be/jfjSWYLFMTk?t=239

    Hier ab 3:59 Min.:

    Rezo heißt Yannick Frickenschmidt, Vater Pfarrer, Mutter gebe Meditationskurse, studierte an der TU Dortmund (BILD plus berichtete).

    Der YouTuber Oli findet einen Yannick Frickenschmidt, der eine Abschlussarbeit zu demselben informatischen Thema geschrieben hat.

    Meditationslehrerin Annette Frickenschmidt, die auch unter dem Dach der Kirche wirken darf, kommt auch äußerlich als Mutter in Frage:

    https://www.ekir.de/www/mobile/service/arbeitskreis-meditation-17073.php

    Bestätigend dies:

    http://www.science-skeptical.de/klimawandel/wer-steckt-hinter-rezo-und-was-ist-seine-motivation/0018182/
    “Rezo, der mit bürgerlichen Namen Yannick Frickenschmidt heißt (siehe u.a. Neue OZ vom 28.05.2019) wuchs in einer Pfarrersfamilie in Wuppertal auf. Sein Vater und seine Mutter sind dort heute immer noch Pfarrer in einer evangelischen Gemeinde. Ebenso Pfarrer waren sein Großvater, zwei Tanten und zwei Onkel.”

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