Die #Zensur-Schande der Tageszeitung „Die Welt“

Heute schrieb ich mal wieder ein paar Zeilen auf „www.welt.de“ als Kommentar, nun zu einer Rezension über die Hitler-Biografie von Peter Longerich. Beim Blick auf mein „Disqus“-Profil fällt mir gerade auf, dass fast alle meine Kommentare zu „Welt“-Beiträgen gelöscht wurden. Ich kopiere sie hier im Folgenden einmal ein.

Es ist schon eine armselige geistige Kultur, die sich hier dokumentiert. In bester totalitärer Manier zieht „Die Welt“ ihren Streifen durch. Die letzten bezahlten Journalisten des Landes können sich nicht daran gewöhnen, dass sie ein Gegenüber haben. Sie wollten tote, eingerichtete Distribution ihrer nicht selten halbgaren und zweifelhaften Informationen und Meinungen. Ein aufwändiger Apparat produziert die Blasiertheit der Autoren eines Großverlags, dessen Gründer Axel Springer einerseits Freimaurer war, andererseits an die Macht der Sterne glaubte und sich eine Haus-Astrologin hielt.

Es mag sein, dass Kommentare schon dann gelöscht werden, wenn sie Links enthalten. (Eine Redaktion könnte sie ja einfach löschen und den Kommentar dennoch freischalten.) Auch das Hinzufügen eigener Links sollte im Internet möglich sein. Es stellt eine der wenigen Möglichkeiten dar, wie auf den Angeboten der großen Redaktionen mit ihrer Marktmacht noch etwas anderes auftaucht als ihre in transatlantischen Meinungsküchen zusammengebraute Buchstabensuppe. Aber, wie gesagt, bei diesen Mindeststandards einer medialen Demokratie sind wir noch längst nicht angekommen – und werden es vielleicht auch nie sein, wenn sich nicht mehr Protest in der breiten Masse regt.

Hier meine Kommentare, die der Springer-Verlag nicht erträgt, vom aktuellsten an chronologisch absteigend:

Hitler-Biografie von Peter Longerich: Die Rezension
Peter Longerich setzt offensichtlich eine Geschichtsschreibung fort, in der gnadenlos auf Einzelpersonen fokussiert wird, statt Personen-Netzwerke – auch über Landesgrenzen hinweg – zu betrachten. Auch gehört der völkische Okkultismus zu den Grundlagen des Dritten Reichs – und hatte für Adolf Hitler, wie wir noch sehen könnten, ebenfalls größere Bedeutung, als es hier zu erahnen ist.
Selbst wenn Hitler sehr viel letztlich selbst bestimmte – wer beriet ihn? Woher kam das Know how, um vom “bedeutungslosen Niemand” einer zu werden, der mit den soziopsychologischen Gesetzmäßigkeiten einer Parteien- und Massenbewegung so sehr vertraut war, dass er nicht in Machtkämpfen zerrieben wurde?
Es gibt hierfür noch andere strukturelle und personelle Einflussfaktoren. Und sie scheinen von Longerich einmal mehr wegerklärt zu werden, auf dass wir unsere Geschichte nach wie vor nicht verstehen sollen.
https://filmdenken.de/hitler-bleibt-alleinherrscher-in-biografie-von-peter-longerich-kritik-rezension/

Gabriels Neue
Während viele Arbeitnehmer die eierlegenden Wollmilchsäue werden müssen, reicht es hier offensichtlich aus, “in der Öffentlichkeit wenig in Erscheinung” getreten zu sein, um eine “intern wichtige Vertrauensposition” zu erlangen und nun eines der wichtigsten SPD-Ämter zu übernehmen.
Vielleicht gibt es ja noch andere Kriterien, die hier karrierefördernd wirken. Auf mich macht dies und anderes jedenfalls den Eindruck.
https://filmdenken.de/katarina-barley-als-spiegelfigur-der-ursula-von-der-leyen-spd-cdu-doubles/

Die Debatte um die Leitkultur wird bleiben
Dass Menschen nach Identität suchen, sollte psychologisch und soziologisch eigentlich vorausgesetzt werden. Es müsste dann einen Weg geben, “Europa” an die Stelle einer anderen Identität zu setzen. Das gestaltet sich in unterschiedlichen Sprachen und Kulturräumen eher schwierig. Versuchen Sie doch einmal, ein Buch aus Frankreich per amazon zu bestellen.
Im Fall der Deutschen liegt der Fall nochmal anders, da ihre Identität nach 1945 nachhaltig beschädigt ist. Sie erleben das als tägliche Demütigung im Hinweis auf die Schandtaten ihrer Großeltern-Generation. Und ja, jede Identitätssuche steht dann unter Stress, während das Nationalbewusstsein von Engländern, Franzosen und anderen sehr robust zu nennen ist. Eine zweite ungünstige Voraussetzung, dies zu vereinheitlichen.
Die multiethnische Gesellschaft in Deutschland und anderswo hat dann mit praktischen und wirtschaftlichen Belastungen zu rechnen, die kaum noch realistisch vorgedacht sind. Vorgedacht wurde öffentlich überhaupt wenig außer im eher wissenschaftlichen Diskurs. Und so ist die aktuelle Situation auch keine, in der erst besonnen diskutiert und ausgehandelt werden könnte, was seit vielen Jahren als recht unausweichlich vorausgesagt wurde.
In all dem wirken auch erkennbare Interessen: Menschen gemeinsam verwalten, aber in getrennten Teilräumen halten, sie in ihren Gemeinschaften diversifizieren und voneinander distanzieren. Deutschland hat seine Einhegung erfahren und nimmt psychisch eine Sonderstellung als zwangsläufiger Schuldneurotiker ein. Statt dem Aus- oder Wiederaufbau von politischer Selbstbestimmung schaffen schlecht vorbereitete Notsituationen in der Flüchtlingspolitik immer mehr Baustellen, die soziale und politische Arbeit binden.
(Zweimal eingereicht, beim ersten Mal auch mit Link: https://filmdenken.de/asyl-chaos-schuld-sind-politik-und-presse/)

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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3 Responses

  1. Yasmu Nawa sagt:

    Mit dem gleichen google-Account kommentiere ich auch gerne mal Artikel auf welt.de und kann auch nur bestätigen, dass Kommentare ständig gelöscht werden. Ich kann offenbar kaum noch Kritisches schreiben, ohne Zensur.
    Heute kommentierte ich den Artikel http://www.welt.de/politik/ausland/article150942316/Obama-zeichnet-in-letzter-Rede-die-Zukunft-Amerikas-vor.html

    Gelöscht wurde innerhalb von 5 Minuten Folgendes:

    “Obama hat die Außen-Politik von Bush Jr. weitergeführt und sogar ausgebaut (z.b. Drohnenflüge verfielfacht), das sagt doch schon alles…”

    Manchmal teste ich dann aus, ob irgendwelche “Wort-Bots” benutzt werden, die automatisch löschen, darum schrieb ich dann:

    “Obama hat die Außen-Politik von Bush Jr. weitergeführt und sogar ausgebaut, das sagt doch schon alles…”

    Auch gelöscht. 😉

    Ich kann noch viele Beispiele aus meinem Profil geben, falls hier Interesse besteht (einfach Bescheid geben) mit wirklich noch harmloseren Kommentaren von mir; einmal habe ich nur aus dem Artikel zitiert und auch mit Gänsefüsschen gekennzeichnet, trotzdem: gelöscht.

    Grüße,
    Andy.

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