Alexis Tsipras im Bunde der Aufrührer

Die morgige Wahl in Griechenland wird zeigen, ob die dortigen Wähler die Macht von Alexis Tsipras (r.) stärken. Hier ist er Julian Assange (l.) zu vergleichen. Äußerliche Ähnlichkeit verbindet einen Hacker und Netz-Aktivisten („WikiLeaks“) mit dem Anführer der linken bisherigen Gewinner-Partei der Euro-Krise, „Syriza“.

Julian Assange - Alexis Tsipras

Fotos: Espen Moe / Joanna (CC)

Eine Menge Unwägbarkeiten sind mit der Griechenland-Wahl verbunden. Und in einem hat Tsipras Recht: Die Krise, von der seine Landsleute gebeutelt sind, hat mit Finanzmarkt-Akteuren und Transaktionen im globalen Geldverkehr zu tun. Die härtesten Konsequenzen treffen relativ Unbeteiligte in der ärmsten Bevölkerung. Das Geld von jenen zu holen, die es nahmen, bedürfte es aber prinzipiell internationaler Ermittlungen und Sanktionen – derzeit eine eher absurde Vorstellung.

Es ist ideologisch ganz naheliegend, dass Tsipras in Julian Assange ein Pendant hat. Im gobalen Datennetz – einem anderen Phänomen der Supranationalität wie den Börsengeschäften – ist Assange ein Robin Hood, ein Aufklärer, wenn man der Presse und einem autobiografischen Buch des WikiLeaks-Sprechers trauen darf. Tsipras muss auf reale Auswirkungen virtueller Buchungen reagieren und wendet sich dabei gegen hegemoniale Player. Assange hat prinzipiell dieselben Eliten im Visier, wenn er über das Netz Kriegsbilder oder interne Informationen aus geschützten Bereichen publiziert.

Oppositionelle wie diese beiden Männer bedeuten im Spiel der gesellschaftlichen Kräfte immer auch einen Test: Folgt die Bevölkerung einem Tsipras, der internationale Verträge ignorieren will und mindestens vorübergehend ein noch größeres Sicherheitsrisiko für Währung und sozialen Frieden bedeutet? Wie wirken sich die Enthüllungen von WikiLeaks tatsächlich aus? – Zu Letzterem ist zunächst anzumerken, dass die USA sich aus Kriegen zurückziehen und in Zukunft andere strategische Wege gehen wollen als jene, die zu einem gewissen Teil durch Sichtbarkeit im Internet diskreditiert sind.

Doch während wir noch kaum überblicken, wie solche Bewegungen in Politik und Netzkultur wirklich entstanden, wird eine Geschichte bereits zum Spielfilm: Steven Spielberg hat Rechte an Büchern über Julian Assange erworben.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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