Chancen politischer Erneuerung – #YouTube #Blogs #Facebook #AfD

Dieses neue Video fasst ein paar meiner Gedanken und Erfahrungen zusammen über den politischen Einfluss der Blogosphäre, von YouTube, sozialen Medien und neuen Parteien. Ich denke, es ist höchste Zeit für solche Supervisionen. In wesentlichen Fragen etwa von Finanz- und Flüchtlingskrise bleibt kaum noch Zeit, um notwendige Erneuerungen abzuwarten – die auch immer noch scheitern können bzw. voraussichtlich sogar werden. Deshalb ist es notwendig, erkennbare Fehler wenigstens zu benennen, um ihre Bearbeitung zu ermöglichen. Das Internet ist ein vertracktes Ding, das ebenso Utopien der Kommunikation Wirklichkeit werden lässt, wie es teilweise leider auch die Chancenlosigkeit alternativer Informationen verdeutlicht oder sogar wieder verstärkt, nachdem es ihre Veröffentlichung technisch ermöglicht hat.

Hallo, liebe Zuschauer!

Danke zunächst einmal, dass Sie es bis hierhin geschafft haben. Sie sehen auf YouTube, welche Videos wieviele Aufrufe haben. Leider schalten viele Macher die Statistiken für die Öffentlichkeit ab, sonst könnten wir noch deutlicher sehen, worum es mir in diesem Video geht: was die Chancen und – jedenfalls bisherigen – Vergeblichkeiten dieser Medien-Revolution sind.

Ich spreche hier von jenem Teil der Öffentlichkeit, der auf politische Erneuerungen hinwirkt.
Das ist in der Wirklichkeit schon wieder eine komplexe Gemengelage von sogenannten Rechten oder Linken, von Konservativen oder Freidenkern, von journalistischen und akademischen Spezialisten und Amateuren, von Geschichtsrevisionisten und Verschwörungstheoretikern, von Kritikern bestimmter Lebensbereiche, seien es Wirtschaft, Ernährung, Gentechnik oder Medizin.

Alle eint, dass sie eher selten zu den wirklich Etablierten gehören und eine Mehrheitsmeinung vertreten – ob in ihren Fachbereichen oder innerhalb der Bevölkerung im Ganzen. Und deshalb stellt sich für sie die Frage, wie stark sie wachsen können, um wirkliche Veränderungen herbeiführen zu können.

Die sozial bedeutendste Aktion dieser Art in den letzten Jahren war sicherlich die Gründung einer Partei wie der AfD. Ich verlinke im filmdenken-Blog-Beitrag zum Video ein paar meiner Artikel zu diesem Thema. Dieses wichtigste Beispiel wird uns im Wahljahr 2017 etwas zeigen, was ich hier anspreche: ob nämlich Erneuerung möglich ist. Ich sage das ganz unabhängig davon, was die AfD wirklich ist und wer sie organisiert, ob offen oder verdeckt.

Wir sehen, dass dort Menschen aufeinandertreffen, die Veränderungen fordern, die sich organisieren können (und lassen) und die Millionen von Wählern mobilisieren. Nur dies will ich hier damit sagen. Das Problem ist, dass, selbst, wenn die AfD bei der Bundestagswahl 20 % Stimmanteil erreichen würde, sie nicht an der Regierung beteiligt würde. Alles weitere würden wir dann sehen. Das letzte Beispiel dieser Art waren die Piraten, und die lösten sich in der folgenden Phase innerlich auf.

Worauf ich hinweisen möchte, ist, dass dies schon ein Maximum politischer Veränderung nach einem jahrelangen Prozess wäre: dass eine neue Partei 20 % erreicht. Ihre Vertreter würden anschließend ein paar Parlamentsreden halten und Anfragen stellen. – Ich will hier gar niemand entmutigen, spalten oder demotivieren. Meine eigene Arbeit verläuft nun über fast 20 Jahre in dem Modus „Du hast keine Chance, aber nutze sie“.

Aber wenn man nicht unnötig Chancen verschenken will, sollte man an dem Punkt, an dem wir jetzt sind, wenigstens ein paar Gedanken verlieren, was wie läuft, welche Aussichten bestehen und was dafür die Faktoren sind.
In diesem Video hier möchte ich im Wesentlichen auf ein Strukturmerkmal eingehen, das wir in mehreren Bereichen sehen. Wir haben es immer mit einer Netzwerk-Struktur zu tun, mit Knotenpunkten und Verteilstationen. Durch allgegenwärtige technische Medien sind heute fast alle über dieses Netzwerk erreichbar – allerdings albern sie oft eher herum oder schauen Pornos, wenn sie das Internet nutzen, als dass sie darüber nachdächten, wie diese Gesellschaft ihren Hals aus der Schlinge ziehen könnte. Und dass sie das schafft, ist alles andere als gewiss.
Ich vereinfache hier einmal sehr grob zu einer Infografik dieses riesigen Netzwerkes. Das Ganze nenne ich also die Gesellschaft und alle ihre Teilnehmer. Nun haben wir einen Teilbereich dieses Netzwerks, in dem werden verschiedenste alternative Deutungen der Wirklichkeit vertreten, und eine neue Partei soll verschiedene Dinge anders machen als bisher.

Für die alternative oder Gegenöffentlichkeit im Internet kann ich hier keine exakte Größe angeben. Ein solches Bild würden wir vermutlich in der Chefetage der Medienkonzerne und Sender sehen. Würden wir in einer Demokratie leben, hätten alle Zugang dazu, die diese Herrschaften bezahlen. Stattdessen aber werden solche Informationen hochpreisig gehandelt und geheimgehalten.

Es ist möglich, dass die dort Beteiligten sehen, dass inhaltlich Neuartiges und politisch Relevantes ein absolutes Randdasein fristet.

Wer in Blogs ganz andere Weltsichten erlebt, wer auf Facebook sieht, dass es andere Menschen gibt, die sie teilen, kann die Hoffnung schöpfen, dass Veränderungen möglich werden. Dazu muss man solche Veränderungen aber auch erst einmal wünschen. Ein größerer Teil der Bevölkerung lebt offensichtlich noch in relativ stabilen Verhältnissen, und Beruf, Familie und Hobbies beanspruchen soviel Zeit, dass man kaum dazu bereit ist, sich aufwändig und selbstständig weiterzubilden, nach wirklichen Alternativen zu suchen. Man selbst benötigt vielleicht gerade keine. Das ist Angebot und Nachfrage.

Wir haben also zwar Tausende von Blogs, und die Produktivität in Deutschland ist einmal wieder ziemlich einzigartig. Aber es kommt natürlich auch auf Besucherzahlen und Reichweite an. Tausend Blogs, die täglich nur 20 oder 50 Menschen lesen oder 1000 Artikel, von denen nur der erste Absatz gelesen wird, sind praktisch wirkungslos.
Wir haben ein paar Konzerne und Sendeanstalten, die im weitreichenden Netz quasi das Licht an- und ausschalten können. Und auf der Wetterkarte der Information ist die Gegenkultur bisher wohl allenfalls ein lokales Gewitter.
Mir selbst sind natürlich auch wenige Leser willkommen, und ich bilde mir ein, bei diesen wenigen dann manchmal mehr Wirkung zu entfalten, wenn sie selbst vielleicht noch andere Menschen beeinflussen etc. So haben politische Öffentlichkeit und Geisteskultur schon immer funktioniert. Aber trotzdem war es nun über Jahrzehnte so, dass diese Geisteskultur in Medien mit einer gewissen Reichweite stattfand. Die Randfiguren in diesem Theater hatten immer noch mehr Leser und Zuschauer, als es heute meistens gelingt, wenn man selbst eine Website aufmacht.

Es kann also sein, dass wir zwar 200mal so viele Blogs haben wie Zeitschriften mit einer definierten Redaktion – und vielleicht sogar einem Geschäftsmodell. Dennoch wird aber unsere Öffentlichkeit immer noch von dem dominiert, was wir „etablierte Medien“ nennen: einige Zeitungen und Zeitschriften und ihr Internet-Ableger sowie die öffentlichen und privaten TV-Sender.

So ergibt sich dann dieses Symbolbild einer ausstehenden statistischen Aufbereitung. Wir haben ein riesiges Gebilde. Doch nur ein kleiner Teil, der in besonders viele kleine Einzelteile zerfällt, macht Ausnahmen von der Regel und entwickelt echte Alternativen und Neuerungen.

Es geht dann natürlich um das Wachstumspotenzial. Und das kann ich nicht wirklich beurteilen. Es gibt einzelne wirtschaftlich erfolgreiche Beispiele, wie etwa den Kopp Verlag. Aber ich sagte eingangs schon, dass wir oft kaum einschätzen können, bis zu welchem Punkt Videos und Texte überhaupt tatsächlich geschaut und gelesen werden.
Das kann ich zunächst nur als Erinnerung, Statusmeldung und Angebot in kritischer Hinsicht formulieren:

  1. Publikationen ohne Reichweite sind (vorläufig) wirkungsarm.
  2. Die uferlose Produktion von Fragwürdigem und Minderwertigem im Internet verdrängt leider auf ihre Weise erneut Produktionen von echter Relevanz.
  3. Inhaltliche Arbeit braucht Finanzierungsmodelle, die oft nicht ausschließlich Gewinn-Interessen dienen können.
  4. Einschaltquote allein ist kein vernünftiger Maßstab.
  5. Veränderung braucht Organisation.

Dieser letzte Punkt ist vielleicht der politisch Entscheidende. Und er führt mich eher zu der Befürchtung, dass mit den Neuen Medien noch kein Siegeszug freien Denkens und politische Emanzipation vollzogen ist. Das ist nochmal ein eigenes Thema mit mehreren Facetten.

Ich deute hier nur mal an (bzw. wiederhole), dass wir es mit in mindestens 100 Jahren gewachsenen Strukturen zu tun haben, was die Spitzen der Macht betrifft. Die lassen sich ihre Claims nicht gerne streitig machen und gehen mit allen Machttechniken gegen Konkurrenten vor.

Der weitere Aspekt dieses letztgenannten Punktes ist, dass Organisation oft Hierarchien mit sich bringt. Sie lassen sich heute fast nur oder ausschließlich über Geld aufrechterhalten. Wo kein Geld zu verdienen ist und deshalb niemand über Bezahlung entscheidet, fehlen kompetente Führungskräfte, oder die Struktur zerfällt, weil keine Führung akzeptiert wird.

Hier haben wir auch so manche tragikomische Äußerung im Internet, die ohne wirkliche eigene Kompetenz behauptet, nun alles ganz anders und besser machen zu wollen. Das ist teilweise leider eine Abwärts-Spirale, denn die Betreffenden ziehen dann gerade jene als Zuschauer und Leser an, die noch mehr zu lernen hätten als andere. Wenn sie sich den Idioten als Lehrer aussuchen, kommen sie aus dem Sumpf ihrer eigenen Unwissenheit erst recht nicht heraus. Und so mancher Nepper und Pseudo-Guru ist im Internet auf Kundenfang.

Medien sollten dazu dienen, unseren Horizont zu erweitern und nicht, einen begrenzten Horizont auch noch endlos zu reproduzieren. Wer den Mainstream kritisiert, sollte demgegenüber auch das Internet betreffend nicht schweigen.
Ich spare mir hier und heute zunächst, einen Maßnahmen-Katalog zu entwerfen oder Aufrufe zu starten. Mir bleibt ohnehin wenig, außer eigene Angebote zu machen und abzuwarten. Wir müssten eine Menge besprechen, eine Menge organisieren. Allerdings haben wir äußere Zwangslagen in den Kriegen der Welt und einem maroden Geldsystem, um nur diese zu nennen. Vieles Denkbare ist davon praktisch in Frage gestellt.

Was ich derzeit bei vielen Erlebnissen und Begegnungen bemerke, ist, dass neben positiven Anzeichen auch irrationale Hoffnungen entstehen. Und vor allem ist den meisten wohl nicht klar, wieviel Zeit und Mühe echte Erkenntnis erfordert, wie nachhaltig man an sich selbst und im Dialog arbeiten muss, um dabei voranzukommen.
Die Etablierten in Medien oder Wissenschaft fühlen sich – trotz vielerlei Krisen – wohl noch relativ sicher, dass sie ihr Spiel weiterspielen können. Ich habe das an Tausenden von Punkten in Büchern und Blog-Beiträgen kritisiert und Probleme aufgezeigt. Es fällt mir allerdings schwer, selbst unter Spezialisten gesprächsfähige und -willige Menschen zu finden. Viele Fragen sind schließlich doch wieder Aufgabe für Spezialisten, deren Wissen dann für eine größere Öffentlichkeit aufbereitet werden muss. Es gibt derzeit kaum solche Spezialisten, die nicht von großen Medienkonzernen oder staatlichen Institutionen bezahlt würden. Dabei folgen sie den dortigen Vorgaben und sperren sich wie die Opportunisten aller Zeiten dagegen, dass andere zu Wort kommen oder Strukturen verändert werden.
Es kommt wohl auf die individuellen Spielräume und einen gewissen Leidensdruck an, damit in diesem Kräfteverhältnis etwas in Bewegung kommt. Hoffen wir, dass es keine existenziellen kollektiven Krisen sein werden, die selbst wieder die Grenzen des Denk- und Machbaren enger ziehen.

Natürlich sind Kommentare zu diesem Video sehr erwünscht – und abonnieren Sie doch diesen Kanal oder, noch besser, das Blog auf filmdenken.de, um auf dem Laufenden zu bleiben. Danke Ihnen für᾿s Zuschauen und bis zum nächsten Mal!

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de – Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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5 Responses

  1. l2012ucas sagt:

    Das ist sicherlich nicht die politische Erneuerung, die einem so vorschwebt. Die Bilder sagen mehr als tausend Worte, auch die Zahlen zur Wahl und ihre Symbolik sprechen eine deutliche Sprache für die, die sie lesen wollen und/oder können.

    https://images.kurier.at/46-96333708.jpg/htmlTaggingImage620/262.636.009

    http://www.swr.de/-/id=19504686/property=thumbnail/pubVersion=1/width=316/14tkd87/Emmanuel%20Macron.jpg Louvre Pyramide – Sigil of Saturn

    https://kauilapele.files.wordpress.com/2017/05/macron_victory_speech_0028_hands_up_under_eye_of_pyramid.jpg?w=640

    Pyramide mit Auge? mögliche Handgesten

    https://scontent.ftxl1-1.fna.fbcdn.net/v/t34.0-12/18386461_1073251932806733_683481803_n.png?oh=837f6b2273da854bd8d31c4fad8758d3&oe=59137B21

    nette Satire und knappe Analyse, lasse mich aber lieber vom Gegenteil überraschen, obwohl das eine kleine Hoffnung ist

  2. Ich überlege immer noch, wie man solche Videos technisch aufbereiten müsste, damit man solche Videos so wie man das ja auch bei Texten macht, „querlesen“, also „querhören“ kann. (Mir ist das hochgradig wichtig, denn 12 Minuten hören, dazu fehlt mir – meist – die Geduld.)

    Offenbar hast Du hier den gesprochenen Text auch als Blogartikel eingesprochen, ja, ok, dann hätte ich mir ja das Anhören eh sparen können!

    Aber ich finde die in diesem Video ansatzweise verwirklichte Idee, immer einmal wieder so ein paar Power-Point-Grafiken einzublenden, auf denen die jeweils wichtigsten Aussagen oder Forderungen drin stehen, eigentlich ziemlich gut. Man kann dann, wenn man Aussagen findet, die einen interessieren, immer noch genauer reinhören. Das erst mal nur so zur Anregung. Ich glaube, wenn die über das ganze Video verteilt werden, ist das eine Erleichterung für den Rezipienten.

    Zum Inhalt: Wir haben die eigentliche Problemstellung noch gar nicht richtig formuliert. Das geschieht nirgendwo. Bei Hagen Grell hat das aber – ausgerechnet, bezeichnenderweise – grade mal eine überzeugte Katholikin angesprochen (siehe „Christen vs. Patrioten: Feinde oder Verbündete?“) (Auch das Video übrigens ist mir wieder einmal viel zu lang, um es sinnvoll „querhören“ zu können.)

    Ich möchte sagen: Die eigentliche Problemstellung ist die Dichotomie von Erkennen und Handeln. Und das ist noch eine wesentlich grundlegendere Frage als wie man Gegenöffentlichkeit sinnvoll „organisieren“ kann. (Man hört ja schon bei der Stellung des Problems hier wieder die ganze grenzenlose Hilflosigkeit heraus.)

    Die eigentliche Problemstellung möchte ich vorläufiger Weise folgendermaßen formulieren: Wenn verwöhnte und zu Tode amüsierte Menschen „intelligent“ werden an dem einen oder anderen Punkt, wenn sie das eine oder andere durchschauen, was um sie herum geschieht und wie es geschieht, dann heißt das noch lange nicht, dass tief eingegrabene Verhaltens-Verwöhnungen (all das, was von früher Kindheit an durch seichtes, oberflächliches Amüsement bei jedem von uns im Gehirn und in Verhaltensprogrammierungen angerichtet worden ist, insbesondere ab der Pubertät) sofort wie auf Knopfdruck unwirksam sind.

    Die meisten Aufklärer in der heutigen Gegenöffentlichkeit hängen aber diesem Glauben geradezu selbstverständlich an. (Auch ich selbst neige immer wieder dazu. Man muss sehr bewusst gegen ihn angehen, sonst kommt man von dem gar nicht los.) Ich glaube also, man muss diesen Glauben auch erst einmal als eine sehr große Selbsttäuschung durchschauen.

    Man kann sich das folgendermaßen klar machen: Jeder Abhängige und Süchtige weiß, dass das ERKENNEN, dass man süchtig ist, oder sogar der EKEL davor noch längst keine Garantie dafür ist, dass er von dieser Sucht auch weg kommt. Denn dafür genügt nicht allein Erkenntnis. Um Verhalten „umzubahnen“ (also Verhaltens-Ressourcen aller Art neu zu organisieren, effizienter zu organisieren – zunächst einmal bei jedem einzelnen für sich selbst), bedarf es Kompetenzen, die den Bereich des reinen ERKENNENS weit überschreiten.

    Ein Süchtiger muss den Willen in sich erstarken lassen, von seiner Sucht wegzukommen. Solange er diesen Willen nicht hat und solange die Willensstärke nicht im Wachsen ist. wird er immer wieder dazu neigen, an der einen oder anderen Stelle seine Situation schön zu reden. Denn dazu ist unsere Ration auch ganz hervorragend geeignet. Und dann verpufft jeder Erneuerungswille über Nacht wieder, bzw. er wächst nicht weiter, er wird nicht nach und nach stärker und stärker. Oder wo sieht man es denn, dass der verhaltene Zorn wächst und wächst? Sozusagen als eine „Zornbank“? Wo tut er das denn? Bzw. anders herum gefragt: Reicht das Sammeln von Erkenntnissen aus, das Stammkapital der Zornbank endlich zu erhöhen?

    Und noch ein Gedanke: Will man von einer Sucht, von einer Verwöhnung weg kommen, bringt das IMMER Entzugserscheinungen mit sich. Und zwar oft sehr heftige. Es kann aber die Erwartung ausgesprochen werden, dass Menschen, die nicht nur im Erkennen der Situation ihrer Zeit voraus sind, sondern auch in der Umwelt-Unabhängigkeit ihrer auf die nichtrationale Seite der Wirklichkeit ausgerichteten inneren Haltung, die einzigen sind, die überhaupt nachhaltig etwas bewirken können.

    Und das ist – so funktioniert diese nichtrationale Seite der Wirklichkeit – unabhängig von der Zahl derer, die hier zu Haltungsänderungen kommen. Die Religion weiß von diesem Zusammenhang. Sie sagt zum Beispiel „Wo zwei von euch in meinem Namen versammelt sind, da bin ich unter euch“. Und dieses „in meinem Namen“ kann nur in dem Sinne der gemeinsamen Ausrichtung auf nicht allein rational begreifbare Werte, Seeleninhalte gemeint sein. (Dadurch dass die christliche Religion eine vollständig in Raum und Zeit eingeordnete Gottperson an die Stelle dieser nichtrationalen Wirklichkeit gesetzt hat, die zudem aber sowieso schon längst als „Gotteswahn“ durchschaut ist, an die kaum noch einer wirklcih glaubt, hat sie erst alles auf diesem ganzen Gebiet hochgradig durcheinander gebracht. Denn ein christlich-religiöser Mensch kann völlig rational an seine Religion herangehen und MERKT gar nicht, dass das WESEN des Religiösen nichtrational ist.. Und er macht sich dann auch nie ausreichend klar, wie WEIT jenseits aller Rationalität das Wesen des Religiösen sein kann, OHNE in irgend einen Widerspruch zu gesunder Rationalität zu gelangen.

    Wenn aber auf diesem Gebiet Fortschritte erzielt werden könnten und sollten, dann frühestens kann etwas wirklich nachhaltig in die Zukunft Weisendes erwartet werden.

    Das alles erst einmal nur in großer Vorläufigkeit gesagt. Rilke hat das Bild des schwerfälligen Schwanes, der sich an Land bewegt, in die Diskussion geworfen, um aufmerksam zu machen darauf, mit welcher Problematik man es zu tun hat, wenn man sich im Bereich der nichtrationalen Seite der Wirklichkeit sinnvoll bewegen will. Wir sind auf diesem Gebiet ALLE nur Stümper, Rilke hat sich davon selbst nie ausgeschlossen. Es ist das WESEN dieser nichtrationalen Seite der Wirklichkeit, dass sie nicht abrufbar ist auf Knopfdruck, sondern eben nur über mühsame Kombinationen aus Denkänderungen, die aber von VERHALTENS-Änderungen gefolgt werden müssen, wenn sie nachhaltig sein sollen. Und gesellschaftsverändernd.

  3. l2012ucas sagt:

    Sehr guter Kommentar. Ich teile ihre Einschätzung zur Situation der „neuen“ Medienlandschaft. Es ist teilweise regelrecht erschreckend, wie stark und durchdringend die etablierten Massenmedien das öffentliche Bewusstsein bestimmen und mit welch mangelnder Kompetenz die Rezeptienten auf das eigentlich doch durchschaubare Manipulationsspiel hereinzufallen scheinen. Bestes Beispiel ist die aktuelle Präsidentschaftswahl in Frankreich. Mit Emmanuel Macron wird einer krisengeschüttelten Nation wieder mal extrem kurzfristig (seit 2016, Gründung der Bewegung En marche!) eine regelrechte alternative Heilsfigur vorgesetzt, die bei genauerer Betrachtung dem Establishment bzw. den Hintergrundmächten ziemlich nahe steht. Jesuitische Privatschule, Tätigkeit als Berater Hollandes, wirtschaftsliberale Denkfabrik (Derregulierung), Anstellung bei elitärem Modehaus, bei einem Pharmariesen und nicht zuletzt bei der Investmentbank Rotschild als Partner dem Milliardendeals überantwortet wurden (Pfizer – Nestle), sprechen doch eine deutliche Sprache. Allein ein smartes, sympathisches, pseudosoziales Auftreten und eine medienwirksame Beziehung zu seiner 24 Jahre älteren ehemaligen Lehrerin täuschen nicht über uneingeschränkte EU Loyalität, den Wunsch der Deregulierung, möglicherweise dem damit einhergehenden Abbau sozialer Standards und einer Weiterführung des Multikulti-Irrsinns hinweg. In den Massenmedien wird er als weltoffen, kosmopolitisch und global bezeichnet, während Le Pen nur fremdenfeindlich, rassistisch und ultranational sein soll. Da der Front National, den ich nicht uneingeschränkt unterstütze, quasi eine etabliertere AFD abgibt und Macron Rückendeckung von Seiten des Establishments genießt, ist das schon eine auch für die politische Zukunft Deutschlads interessante Konstellation. Entweder ist das wahre Establishment wirklich in Sorge, man ist sich seiner Sache sehr sicher oder man unterstützt und infiltriert beide Seiten.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Emmanuel_Macron
    https://de.wikipedia.org/wiki/En_Marche_!

    Hier noch einige interessante sehenswerte Bilder von Macron, die zeigen, das er nicht den neuen Wind in die politischen Landschaft bringen wird:

    https://www.vorwaerts.de/system/files/styles/large_30x_node_full/private/images/141020_tber_pht63.jpg?itok=SNrj6ngT
    http://media-cdn.sueddeutsche.de/image/sz.1.3466536/940×528?v=1492428192000
    http://www.capital.de/assets/images/1/macron-hollande-gettyimages-533756962-a5f83f11.jpg

    Hier nutzt er die selbe Geste wie Baron David de Rothschild. (Eckstein und Pyramide mit Augesymbolik, Finger bilden die 33?)

    https://i1.wp.com/www.bornpower.de/david.jpg?resize=350%2C200
    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/18/Sommet_%C3%A9co_franco-chinois-1960.jpg

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