Spuren von 9/11 und #NSU in „Der Kommissar“ (1970)

Für den 11.07.2018 ist die Urteilsverkündigung im NSU-Prozess in München angekündigt. Das Thema habe ich hier mehrfach besprochen, zum Prozess am deutlichsten hier.

Der Zufall wollte es, dass ich vor einer Lesung von Daniel Kehlmann (siehe den vorigen Eintrag) in Berlin den Anlass wahrnahm, mir Folge 22 der ZDF-Serie „Der Kommissar“ von 1970 anzusehen – „Tod eines Klavierspielers“, inszeniert vom Vater Michael Kehlmann (seine einzige Arbeit in diesem Rahmen).

Diese Folge ist einmal mehr sehr dicht gewoben – innerhalb des Mammut-Werks von über 400 Serien-Folgen, die Herbert Reinecker für den Mainzer Sender schrieb, wesentlich in den beiden Formaten der Freitags-Krimis „Der Kommissar“ und „Derrick“. Eines meiner unveröffentlichten Bücher versammelt auf fast 700 Seiten dazu deutende, politisch-historische und bildwissenschaftliche Argumente. Jedes Mal, wenn ich wieder etwas schaue, erhöht sich für mich der Druck im Kessel der Bezüge zu deutscher Realität in Gegenwart und Geschichte. Fast nichts wird seit Jahren erbarmungsloser totgeschwiegen an der deutschen Mediengeschichte als diese erfolgreichsten Serien ihrer Zeit.

Gleich zu Beginn stolperte ich über etwas, an das ich im Kontext von „Der Kommissar“ immer wieder dachte: Die Buchstabenfolge „NSU“. Die einzige mir bekannte Inszenierung der TV-Figur des Kommissar Keller (Erik Ode) außerhalb der Serie und zu einem Werbezweck erfolgte nämlich für das Modell „Ro 80“ des Auto-Herstellers NSU (1977), ein Jahr nach Beendigung der TV-Serie.

Der Zusammenhang bestand für mich an erster Stelle darin, dass neben Herbert Reinecker noch mehrere Medienkünstler aus der Zeit des Nationalsozialismus in der Wirtschaftswunder-Zeit wieder Fuß fassten und … erneut zu den Erfolgreichsten ihres Fachs avancierten. Die Relevanz ihrer Vorgeschichten geht deutlich darüber hinaus, was heute der öffentliche Kenntnisstand ist – denn die weiterführenden Fragen sind politisch derzeit absolut nicht opportun und würden den laufenden Betrieb stören.

Was ich nun sah, ist u. a. diese Einstellung der ersten Szene:

Ein Klavierspieler (Manfred Spies) hat sich in eine Straftat verwickeln lassen und flieht vor seinen Komplizen. Er kommt zu Fall hinter einem Transporter. Und dieser trägt ein Nummernschild, auf dem das „M“ für München wie gefälscht oder aus unerfindlichen Gründen mit einem senkrechten Streifen abgeklebt wirkt. Die rechte Senkrechte verschwindet fast und lässt deshalb auf den ersten Blick lesen: „N-SU“.

Sollte es sich dabei um eine Bildstörung (Artefakt) im Video handeln? Ich habe hier als zweites den Ausschnitt aus einem weiteren Frame des Schwenks einkopiert – es wirkt dort identisch, die gesamte verwackelte Einstellung durch. (Vielleicht kann jemand in seiner DVD einmal nachsehen und ein noch höher aufgelöstes Standbild einsenden?)

Mein innerer Monolog: Das Firmen-Kürzel als Entsprechung zur rechtsterroristischen Gruppe, die sich in den 1990er Jahren in Sachsen bildete und die man heute als NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) bezeichnet, wird zunächst wohl fast jeder als reinen Zufall abtun. Dass sieben Jahre vor dem NSU-Auto-Werbefilm in der TV-Serie ein Nummernschild eine Besonderheit aufweist – muss das ernsthaft besprochen werden? (Nummernschilder geben in diesen Serien eine Menge her … aber hier?)

Doch selbst, wenn eine digitale Verfälschung vorliegt: „M-SU“ hätte im Nachhinein denselben Anklang (auch wenn man ein Nürnberger Kennzeichen hätte verwenden können). In dieser Einstellung kommt noch ein Wesentliches hinzu: die Zahl „113“ kombiniert zwei der wichtigsten Zahlen des herrschenden massenmedialen Okkultismus: 11 und 13 (siehe mehrere Beiträge hier).

Dies deutet auf verschwörerische Tätigkeiten hin, die bei Reinecker aus heutiger Betrachtung wohl das Hauptthema seiner Serien genannt werden müssen. (Wenn Sie „Verschwörungstheorien“ bekämpfen: In historischer Sicht müssen Sie dann an erster Stelle für das Nachkriegs-Deutschland die Einsetzung einer Historiker-Kommission zum Wirken von Herbert Reinecker, Alfred Weidenmann und anderen im zweiten öffentlich-rechtlichen TV-Sender ZDF einfordern. Es ist nirgendwo in der Bundesrepublik – und insg. vor ca. 1 Mrd. Zuschauern – so intensiv Verschwörungstheorie zur besten Sendezeit betrieben worden wie hier. Wer sich medienhistorisch stattdessen mit irgendeinem „strukturellen Antisemitismus“ an anderer Stelle glaubt beschäftigen zu müssen, leidet an offensichtlicher Desorientierung, wenn Sie mich fragen. Ich bin dazu jederzeit ansprechbar. Finanzielles Kapital zur Verbreitung von Aufklärung habe ich leider nicht – und dies bedeutet in einem solchen Fall das faktische öffentliche Nicht-Vorhandensein von „Aufklärung“, die allerlei Leute bejubeln, wenn sie 200 Jahre zurückliegt.)

Also: Auch „M-SU“ klingt fast wie „NSU“, und die 113 ist keine vollkommen beliebige Zahl. – Ich könnte theoretisch über eine einzige solche Folge einen ganzen Buchtext schreiben, doch will ich mich auf das Folgende beschränken.

Das gegenwärtige Thema NSU erwies sich für mich in einer weiteren Szene als nicht-trivial für diesen Bezug auf eine Filmproduktion von 1970: Als solche erkennbare Migranten sind für die Reinecker-Serien eine große Seltenheit – was schon damalige gesellschaftliche Realitäten nicht wirklich abbildete. Freundlich gezeichnet wurde dann allenfalls ein italienischer Gastwirt, der seinerseits von italienischen Mafiosi erpresst wird („Derrick – Tod eines Italieners“, 1981). Türkische oder arabischstämmige Menschen kommen fast nie vor – bezeichnenderweise am deutlichsten in einer „Kommissar“-Folge, die wegen ihrer despektierlichen Zeichnung von Türken im Giftschrank des ZDF landete („Das goldene Pflaster“, 1975) und mir deshalb unbekannt ist. – Nur hier wurde einmal explizit, dass es in den Reinecker-Serien um eine dezidiert deutsch-nationale Position ging, in der auch Front gegen Nicht-Deutsche gemacht wurde – zumindest, wenn sie sich in Deutschland befanden. Ausland als solches kam in Reineckers Geschichten fast nie in irgendeiner Weise vor – höchstens z. B. als der Ort, wo die deutsche Hippie-Unschuld den Drogen-Dealer kennengelernt hatte (von „Der Kommissar – Mykonos“, 1972, bis „Derrick – Der Mann aus Antibes“, 1985).

Deshalb fällt es dem Serien-Zuschauer auf, wenn in „Tod eines Klavierspielers“ ein Mann mit ‚südländischem‘ Aussehen auftritt – Rollenname „Kovacz“ (Abspann: Ibrahan Aslahan, laut „Internet Movie Database“ Ibrahim Aslahan, auch bekannt aus „Derrick – Tod des Wucherers“, 1977). (Gerade in den letzten Tagen geisterte ja der kroatische Nachname Kovacs mit Niko Kovacs als neuem Trainer der Fußball-Mannschaft von „Bayern München“ durch die Nachrichten.)

In den wenigen Worten, die Kovacz spricht, klingt gleich zu Beginn wieder N-S-U an (29:54 Min.):

„Wenn es um die Uhrzeit geht …“ (…enn es u…)

Abschließend folgt noch (30:11 Min.) akustisch schwer verständlich:

„Wenn es erwünscht wird …“

… was ich interpretiere als die Absicht der Figur, sich dafür zu rechtfertigen, dass sie aussagt – allerdings auf ausdrückliches Bitten eines Verdächtigten, der als Einziger etwas dagegen haben könnte, aber gerade die erwünschte Entlastung als Alibi erhält. Erneut hören wir „…enn es …“, im genuschelten „erwünscht“ am deutlichsten das „ü“.

Dies sind also eher kursorische Zeichen in dieser Folge. Sehr dominant im Bild sind einmal wieder Pfeiler-Formen, wie ich sie an einer „Kommissar“-Folge auch in „Kino Okkult 1 – 11. September 2001“ (2011) besprochen habe. Dauernd sind sie im Interieur des Nachtclubs „Pacific Bar“ präsent mit hölzerner Maserung. So steht der Gewohnheitsverbrecher Harro Bosche (Günther Ungeheuer) in aller Ausführlichkeit neben einem solchen Pfeiler.

Schauspieler wie Ungeheuer waren im ZDF über Jahrzehnte Doubles für Zielpersonen der historisch-politischen Kritik. Hier liegen zwei physiognomische Entsprechungen nahe, die beide in ein und dieselbe allgemeine Richtung gehen: Vertreter des Großkapitals und der Finanz-Oligarchie. Erst 2012 verkündeten David Rockefeller und Jacob de Rothschild die gemeinsame Vermögensverwaltung. Die gemeinsamen Linien führen jedoch bis ins 19. Jahrhundert und dem Beginn von Rockefellers Aufstieg zurück (siehe „Saturn Hitler“, 2016).

Das Thema wird auch noch einmal unmissverständlich in der ersten langen Einstellung mit Handkamera angesprochen, wenn die Leuchtreklame der „Bäckerei Fugger“ zu sehen ist.

Die mittelalterlichen Fugger gehörten ja zu den Begründern eines wohlhabenden, privatwirtschaftlichen, dynastischen, international operierenden Familien-Prinzips.

Die Inszenierung von Ungeheuers Figur neben einem Tower-artigen Gebilde (als Entsprechung zu den „Twin Towers“ des „World Trade Center“) weckt in der 9/11-Historie noch eine weitere Assoziation: Der Holzpfeiler im Bild ist mit einer Stromleitung verdrahtet. Eine zentrale Frage der Aufklärung gegen die offizielle Verschwörungstheorie (zweier Flugzeuge, die drei Wolkenkratzer innert Sekunden zum Einsturz bringen, wobei 1,2 Mio. Tonnen Stahl und Beton sich verhielten wie Luft) …

The structure below the level of collapse initiation offered minimal resistance to the falling building mass at and above the impact zone. The potential energy released by the downward movement of the large building mass far exceeded the capacity of the intact structure below to absorb that energy through energy of deformation.
Since the stories below the level of collapse initiation provided little resistance to the tremendous energy released by the falling building mass, the building section above came down essentially in free fall, as seen in videos. As the stories below sequentially failed, the falling mass increased, further increasing the demand on the floors below, which were unable to arrest the moving mass.
(https://www.nist.gov/el/faqs-nist-wtc-towers-investigation)

… ist es, ob Installationen für Sprengladungen im Gebäude angebracht wurden, die dabei notwendig verkabelt gewesen wären.

Das Motiv der Stromleitung – um es nochmal im szenischen Kontext zu bestärken – taucht auch an einer Portiersloge mit einer zweifachen hohen und länglichen Tower-Form in Holz-Kassettierung und als Seitenfläche einer Trennwand auf:

In dieser Szene ist die wohl offensichtlichste Entsprechung zum NSU-Komplex gegeben. Denn eine der am absurdesten wirkenden Begebenheiten ist die Behauptung des Verfassungsschutz-Agenten Andreas T., die zwei Schüsse auf Halit Yozgat, den Betreiber eines Kasseler Interet-Cafés, nicht gehört zu haben, obwohl er nachweislich als Kunde noch an seinem Rechner eingeloggt war. Anschließend will er den blutüberströmten Toten nicht hinter dessen Theke haben liegen sehen, während er eine Münze auf die Theke legte. (Das Wort „Münzen“ sehen wir ja in der obigen „Kommissar“-Einstellung mit dem Nummernschild ebf. als Reklame.)

Eine solche nicht zwingend überzeugende Zeugenaussage ist es auch, die die Figur des Portiers im „Kommissar“ (Georg Lehn) macht – weil der Gangster Bosche (s. u.) ihn bedroht hat, leugnet er, von der räumlichen Position liegend hinter der Theke aus nichts Verdächtiges gesehen zu haben, obwohl in Wirklichkeit (und später als Rückblende zu sehen) Bosche mit der Tatwaffe an ihm vorbeilief. – Auch die Handfeuerwaffe ergibt eine gewisse Entsprechung von TV-Serienfolge und NSU-Berichten: Will Bosche die Waffe lediglich verschwinden lassen, und besteht die Auflösung des Falles in einer tragischen Verwicklung, bei der Bosche die Waffe lediglich an sich nimmt, streiten zum NSU bis heute die Experten über Herkunft und zwischenzeitlichen Verbleib einer Ceska-83, die schließlich in der Wohnung der angeblichen Serien-Täter, durch einen Brand beschädigt, aufgefunden wurde.

Die Tower-Formen an der Rezeption würden im szenischen Kontext immer noch nicht besonders befriedigend für eine 9/11-Deutung ausreichen, wenn nicht u. a. eine weitere der heute vorliegenden Hypothesen zur Sprengung des World Trade Center eine visuelle Entsprechung erhielte: die Atomexplosion von einer unterirdischen Basis aus.

Es ist die nur halb absichtliche Täterin (Ingrid Andree), die ihren Schatten auf die Tür mit der Nummer 17 wirft. Von dieser hohen länglichen (Tower-)Form umfangen stehend, hat sie – wie eine Rückblende zeigt – dem Pianisten durch dessen geschlossene eigene Zimmertür in den Kopf geschossen (angeblich nicht beabsichtigend, ihn zu treffen).

Durch Andrees Bob-Frisur hat ihre Silhouette im Schatten nach oben hin eine pilzige Form. Das sei hier nicht als Autor-Intention platt behauptet – man stelle sich dabei zunächst lediglich die Frage, welche Bild-Metapher ein Vorwissen über eine geheime Spreng-Installation hätte hervorrufen können, wie es von Dimitri Khalezov (www.911thology.com) als seit Bau des WTC bestehende Vorrichtung der unterirdischen Atom-Sprengladung behauptet wird.

Das Thema ist für mich vor dem Hintergrund vieler Einzelheiten der Reinecker-Serien so deutlich, wie ich es hier natürlich nicht umfänglich abbilden kann. Selbst der Timecode von 9:11 Min. hat für mich schon verblüffende Resultate erbracht – und das gezeigte Bild der Tür mit Schatten ist, wie im Screenshot dokumentiert, zu genau diesem Zeitpunkt in der Folge zu sehen.

Ich sage damit wohlgemerkt nicht, dass Khalezovs These allgemeinverständlich bewiesen wäre – meine Anfragen bei Atom-Fachleuten wurden erst gar nicht beantwortet. Es könnten jedoch zu „Kommissar“-Zeiten schon ähnliche Informationen kursiert sein, die zu genau dieser Vorstellung geführt hätten. (Dafür gibt es auch im damaligen deutschen Unterhaltungs-Kino nicht nur ein anwendbares Beispiel, wie mein Buch ausführlich zeigt.)

Die Zahl 17 lässt sich eher mit Mühe noch als verschlüsselte 11 auffassen. Sie ist zwar mehrfach im Bild, doch als Zimmernummer für das Geschehen zentral ist jene gegenüberliegende Nr. 16, die auch als Türschlüssel im Bild ist …

… und die, auf den Kopf gedreht, schon zwei Drittel der 9/11 ergibt (91). Auch die oben beschriebene 113 auf dem Nummernschild ist figural nahe an der 119, wodurch in Kombination mit „M/N-SU“ beide hier angesprochenen Codes, von Buchstaben und Zahlen, aufeinandertreffen.

Erweitert wird die Twin-Tower-Symbolik etwa noch durch einen Spielautomaten im Hintergrund der Pacific Bar. Harry Klein (Fritz Wepper) bestellt in der Szene mit einer sehr kurz zum ‚Victory-Zeichen‘ erhobenen Linken zwei Bier auf eigene Rechnung (die Einladung von Bosche ablehnend) und passt sich der Sprache des italienischen Kellners an:

„Due!“

Dies – neben zwei Hochhaus-Türmen – auf die schon sprichwörtlich gewordene Geheimloge „Propaganda Due“ zu beziehen, hätte 1970 Insider-Wissen erfordert. Erst ab 1981 wurde schrittweise aufgeklärt, dass der Freimaurer-Verein weite Bereiche des öffentlichen Lebens in Italien unterwandert hatte, organisierte Kriminalität mit Wirtschaft und Politik verband sowie Einfluss auf inszenierten Links-Terrorismus nahm.

Im kriminellen Konzert der Propaganda Due durfte der Vatikan nicht fehlen. Ist er angesprochen, liegt für Reinecker jedoch eine deutlich frühere Informationsquelle nahe: Schon Erich Ludendorff hatte in Reineckers prägender Jugendzeit das verschwörungstheoretische Tableau ebenso gegen pauschal angesprochene Juden ausgerichtet, wie auch gegen Freimaurer und die Jesuiten als katholischen Geheimorden mit konspirativen Machtinteressen. So darf das Rothschild/Rockefeller-Double in „Tod des Klavierspielers“ denn auch stilgerecht als notorischer Gangster in ein Jesuiten-Ornat schlüpfen:

Die Verletztheit Reineckers nach seinem vorläufig verlorenen Traum vom nationalsozialistischen Idealstaat kann ich heute in der Hinsicht verstehen, als er die Bigotterie der Herrschaft von Rockefeller & Co. über das Nachkriegs-Deutschland anprangerte. Hatten sie zuvor teilweise mit deutschen Nazis kollaboriert, hielten sie anschließend Verbindungen zu konspirativen Strukturen (siehe die Personalie Reinhard Gehlen oder „Gladio“) und ließen ihren Vasallen John McCloy (einen sozialen Aufsteiger) die junge Bundesrepublik auf die Schiene setzen, waren sie sehr erfolgreich im Vertuschen ihrer eigenen Vergangenheit: Rockefellers Beteiligung an Auschwitz über die I.G. Farben (BUNA-Werke), wie auch seine unter unmenschlichen Bedingungen geführten industriellen Arbeitslager für Einwanderer in den USA; die Frühgeschichte seines Imperiums nach Art der robber barons. (Interessant auch, wie 1980 Gerd Bucerius in der „Zeit“ über Standard Oil / IG Farben schrieb.) Ist das damals etablierte transatlantische Regime der Alliierten noch heute eine Grundlage dafür, dass z. B. das anspruchsvollste überregionale Radioprogramm des „Deutschlandfunks“ fast stündlich das Thema ‚Holocaust und deutsche Schuld‘ erinnert, freuten sich geschäftlich Beteiligte an diversen Todesindustrien wie die Rockefeller-Familie ihres teils kriminell erworbenen Reichtums und nannten sich schließlich in Serie „Philanthropen“.

Ich komme abschließend zu einem weiteren bildgeschichtlichen Hintergrund aktueller Begebenheiten um den sog. NSU: die Double-Funktion der überlebenden Haupt-Angeklagten Beate Zschäpe für den britischen Premierminister 1940-45 und 1951-55, Winston Churchill (bekannt ja visuell für sein Victory-Zeichen mit Zeige- und Mittelfinger).

Von ihrem prekären sozialen Hintergrund her, vom Links-zum Rechtsextremismus übergewechselt, entspricht Beate Zschäpe eher den biografisch Benachteiligten, die man um 1940 des öfteren für das Wachpersonal in nationalsozialistischen Konzentrationslagern oder für Einsatzgruppen des „Sicherheitsdienstes“ (SD) ausgewählt hatte. Nicht zuletzt diese begingen, soweit uns bekannt, fern der Heimat und oft auf Befehl Taten, die heute als Dokumente deutscher Kollektivschuld im Minutentakt massenmedial ausgestrahlt werden. Ist hierbei auch nach konspirativen Einwirkungen zu fragen, ist der Beitrag des britischen Geheimdienstes MI6 zum Nachkriegs-Rechtsextremismus mittlerweile offiziell – war doch etwa der langjährige führende NPD-Funktionär Adolf von Thadden ihr V-Mann. Dass die Deutschen das Problem mit Extremisten nicht loswurden und dafür immer und immer wieder als ganzes Tätervolk gemaßregelt werden konnten und noch werden können – dafür wurde in diesem Beispiel etwa ganz offensichtlich gesorgt. Was war wohl nun wirklich im Fall des NSU? Wie weit wären solche Leute gekommen ohne die zahlreichen Geheimdienstleute in ihren Reihen? Und mit welchen Konzepten und Absichten arbeiteten diese in Wirklichkeit?

Ein Organisator des Zweiten Weltkriegs war der Hochgrad-Freimaurer Winston Churchill, 1938 von Unbekannten aus seiner Pleite wegen Alkohol- und Spielsucht gerettet und nicht erst seitdem Diener in höherem Auftrag. Skeptiker gegen Verschwörungstheorien (interessant zu lesen etwa diese Diskussion auf „Wikiquote“) scheinen meist nicht einmal zu wissen, was Teil seiner hoch offiziellen Biografien ist: etwa seine willentliche Entscheidung, ca. 1-3 Mio. in den britischen Kolonien von Indien und Bangladesh dem Hungertod zu überlassen, oder seine Verantwortung für Zehntausende Tote in südafrikanischen Konzentrationslagern der ersten Stunde.

Auch wenn die gerade gesetzten Hyperlinks zumindest in der englischsprachigen Presse unserer Tage deutlich zeigen, was bei Churchill damals Sache war, dürften gerade in Deutschland heute noch viele glauben, es habe sich bei Churchill in erster Linie um einen Humanisten und Literatur-Nobelpreisträger gehandelt, der Deutschland von Hitler befreite.

Und so verzerrt ist auch das Weltbild einer Presse zu nennen, die das Allgemeinwissen über Churchill für das deutsche Publikum kaum einmal um seine genozidalen Handlungen erweitert; im Fall einer Frau aus einfachsten Verhältnissen wie Beate Zschäpe jedoch über Jahre ausführlichst – aber auch in weitgehender Oberflächlichkeit – Prozess-Berichte absetzt, während der Angeklagten bisher kaum aktive Teilhabe an den zehn Mordtaten (9 Migranten, 1 deutsche Polizistin) selbst nachgewiesen wurde.

Die Münchener Richter sind nicht darum zu beneiden, auf der schwierigen Beweis-Grundlage eine angemessene Entscheidung zu treffen. Beginnend mit dem durchaus fragwürdigen Doppel-Selbstmord von Zschäpes Kumpanen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos rissen Nachrichten von Selbstmorden als Mittäter Verdächtigter oder von Zeugen nicht ab (werden jedoch, von Kai Voss’ „Das NSU Phantom“ bis Thomas Lecorte auf „NSU Watch“, völlig widersprüchlich bewertet). Dies lässt jeden ernsthaft an der Sache Beteiligten wohl zumindest vorsichtiger und befangener werden.

Wir werden morgen die Nachrichten zum Richterspruch über den NSU und Beate Zschäpe sehen. Wer auch nur beispielhaft in die Prozess-Protokolle hineingelesen hat, erhält den Eindruck einer enervierenden und zähen Inhaltsleere, die sich in der Vermeidung von Aussagen, die gegen Beteiligte verwendet hätten werden können, über die Jahre dieses Verfahrens ausbreitete.

An einer Stelle zeigt sich, dass für Beate Zschäpe laut ihrer Aussage das gilt, was in der weitgehenden Selbstentfremdung von deutschsprachiger Kulturproduktion (abseits vielleicht noch von ARD-„Tatorten“ und einigen anderen neu produzierten TV-Serien) auch dazu geführt hat, dass die Reinecker-Serien innerhalb weniger Jahre in der Versenkung verschwinden konnten. Nichts von Zschäpe Gelesenes und Gesehenes wurde in deutscher Sprache verfasst. Aus dem Protokoll vom 29.09.2016, dem 313. Verhandlungstag:

Ich habe schon immer gerne und viel gelesen. Das Spektrum umfasste Fantasy-Romane, Krimis und Tatsachenromane. Als Beispiele kann ich nennen: Der Herr der Ringe, Harry Potter, Die dunkle Turm Saga von Stephen King und John Grisham Romane.
Folgende TV-Serien habe ich gerne angesehen: Castle, Bones, Alias, Desperate Housewives, Monk, Malcolm Mittendrin und zahlreiche mehr.
Zu meinen Lieblingsfilmen gehören Filme mit Robert DeNiro, die Dan Brown Reihe, Fluch der Karibik, Miss Marple, der kleine Lord, der Herr der Ringe und Marvell Comic-Verfilmungen.
Im Laufe der Zeit habe ich weniger Filme und mehr Serien gesehen, da diese kürzer waren. Auch bei den Büchern habe ich zunehmend kürzere Romane bevorzugt, da mir immer mehr Ruhe und Konzentration fehlten.

Ob damit nicht zugleich ein mittlerweile eigentlich katastrophaler kollektiver Geisteszustand und Umgang mit Worten und Begriffen benannt ist, wirft als Frage ja auch just die sprachkünstlerische Arbeit auf, die ich am Beispiel des Sohnes des Regisseurs der hier ausführlich besprochenen „Kommissar“-Folge im vorigen Eintrag erklärte.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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