Gegensätzliche Perspektiven auf #Mord und Proteste in #Chemnitz

Die Ereignisse nach dem wahrscheinlichen Mord an Daniel H. durch einen Iraker und einen Syrer in Chemnitz bleiben bisher im Rahmen des Erwartbaren – glücklicherweise gibt es keine gravierenden Ereignisse im Protokoll zu ergänzen. 18 Menschen sollen verletzt worden sein, 37 Strafanzeigen gestellt (Stand 02.08.2018). (Es werden keine besonderen Fälle hervorgehoben.)

Dabei geht es nach wie vor auch darum, einen halbwegs realistischen Ablauf und die anschließende Interpretation durch die massenmediale Brille getrennt wahrzunehmen. Das Bild wird erweitert durch zahlreiche YouTube-Videos. Es lassen sich nicht mehr so einfach eindeutige Bilder produzieren – obwohl die große Mehrheit immer noch nur die Nachrichtenbilder kennenlernt. Wer am 02.09.2018, knapp eine Woche nach dem Mord, die “tagesschau” um 20 Uhr ansieht, hört von einem Mord kein Wort mehr. Es gebe “Ausschreitungen”, wegen denen der Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zu “Widerspruch gegen Fremdenfeindlichkeit und Hetze” aufruft.

Schaut man aber auf YouTube, kommen gänzlich andere Perspektiven auf das Ereignis zum Tragen.

Der “Volkslehrer” Nikolai Nerling sah sich bei Protesten in der Stadt um und sprach mit anderen Medien-Vertretern und Demonstranten. Einer von ihnen, Benjamin Gruhn, hat mit einem Anwohner des örtlichen Umfelds der Tat gesprochen, der keinerlei Polizeisirenen etc. gehört haben will. Unabhängig davon aber wird in diesem Video von Nerling am deutlichsten in den hier aufgeführten Beispielen ausgesprochen, dass die Reaktionen auf die Proteste mit einem Szenario übereinstimmen, in dem jeder echte oder konstruierte Vorwand benutzt wird, in erster Linie ‘rechten’ Widerstand und nicht so sehr die aktuellen Auslöser der Gewalt einzelner Asylbewerber zu thematisieren.

Gruhn betont auch, die sog. “Hetzjagden” gegen Ausländer durch demonstrierende Rechtsextreme seien in den medial übermittelten (verbalen) Berichten weitgehend übertrieben worden. Es hätten nur am Rande Provokationen stattgefunden, es sei aber (in seinem Sichtbereich) zu keinen Tätlichkeiten gekommen.

Dies erfährt zumindest auch unparteiische Bestätigung in diesem interessanten Statement eines Beobachters, der als Mensch mit Migrationshintergrund Besorgnisse über Gewaltkriminalität teilt und selbst keine problematischen Erfahrungen während der Demos gemacht hat – allenfalls einige “böse Blicke” anderer Teilnehmer.

Jedenfalls fällt es nicht leicht, von politisch rechts motivierter Gewalt während der Demonstrationen Video-Bilder zu finden. Was sich u. a. findet, ist eine kleine Störung von linker Seite:

Wenn die tagesschau von “Ausschreitungen” spricht – müssten dann nicht entsprechende Dokumente zu finden sein? Sucht man auf YouTube nach “Chemnitz Ausschreitungen”, so findet man zwar ein paar so lautende Video-Titel. Doch die sonstigen Angaben und Vorschaubilder (ohne dass ich alle jetzt durchsehen kann) versprechen nicht gerade, das anschaulich zu machen. Konkret wird es zur milderen Variante, “bepöbelt und bedroht worden” zu sein. Ein Mann zu Beginn blutet an der Stirn.

“Spiegel TV” betont die “hohe Gewaltbereitschaft insbesondere der rechten Demonstrationsteilnehmer”. Die Bilder machen schon glaubhaft, dass es leicht zu mehr offener Gewalt hätte kommen können. Aber es war offensichtlich nicht der Fall. Die Berührungen mit der Polizei wirken näher als die von linksextremen Demonstranten, die eher auf Distanz bleiben, wobei es ebf. zu Eskalationen hätte kommen können:

“eingeschenkt.tv” hat eigene Bilder der Massen von Demonstranten und Ordnungskräfte – jedoch ohne sichtbare Eskalation.

Etwas soziologischen Hintergrund liefert ein Beitrag des MDR-Magazins “Exakt”:

Durch die große Öffentlichkeit in Chemnitz werden auch in größerer Zahl Streitgespräche am Rande sichtbar, die ganz individuelle Sichtweisen (keine einheitliche Zustimmung zu sog. “Nazi”-Positionen) deutlich machen. So sind es Erinnerungen an friedlicheres Zusammenleben mit Zuwanderern in der DDR, hier bei “EiTja” …

… oder im Video von “Remstal Rebell” gegenüber ZDF-Moderatorin Dunja Hayali die Klage über manipulative Medien und die einhellige Pauschal-Schelte gegen angeblich nur ‘rechte’ Demonstrationen.

Man hört, wie angespannt die Situation im Gespräch ist. Menschen artikulieren eine starke Differenz zwischen ihrer Weltwahrnehmung und dem offiziösen Bild der Massenmedien. Leider wird derzeit immer wieder in erster Linie Streit und wohl auch Abbruch und Rückzug geschehen, weil soviel unbesprochen und ungeklärt ist, dass jeder schnelle Schlagabtausch keine echte Wahrnehmung der Argumente der Gegenseite erlaubt. Und derjenige, der selbst keine subventionierten medialen Lautsprecher hat, fühlt sich meist übergangen, ignoriert, für dumm verkauft.

Aber wie wir sehen – es gibt schon neue Möglichkeiten, Gegenrede zu üben. Es wäre besser, wenn sich in alternativer Information nicht das durchsetzt, was seinerseits vereinfacht und irreführt. Und keine neuerliche Gewalttat von anderer Seite es ermöglicht, nicht über die eigentlichen Ursachen dieser Wut und dieses Streits zu sprechen. So war es bisher der Usus in Massenmedien, die leider auch Verschweigen und Kleinreden aus nur teilweise transparenten politischen Gründen für eine dauerhaft aufrechtzuerhaltende Praxis halten. In manchen Situationen mag dies Erfolg versprechen. Aber immer und überall?

Man muss es dann hier so zusammenfassen: In der aktuellen Situation steht ein sinnloser Mord durch Migranten – ggf. durch einen bereits abgelehnten Asylbewerber – gegenüber der Artikulation eines bürgerlichen Unbehagens, das am Rande auch in Gewaltaufrufe und Hetzreden ausufert. Wenn im wording der Nachrichten nicht (wie bei anderen offensichtlich ‘gesetzten’ Themen) andauernd das schwerwiegendste Ereignis in Erinnerung gerufen wird, sondern nach wenigen Tage nur noch das Problem eines darauf reagierenden Rechtsextremismus, wird sich an der Wahrnehmung derer, die etwa den Öffentlich-Rechtlichen als Anhänger abhanden gekommen sind, kaum etwas ändern. Sie werden sich bestätigt sehen, dass gerade ihre Sorgen nicht ernstgenommen werden, wo deren Anlass am deutlichsten ist. Werden so empfundene (aber auch faktische) Zwangs- und Drucksituationen aufrechterhalten, steht am Ende die weitere Radikalisierung der Betroffenen – nicht Verständigung und Ausgleich, wo sie denn noch denkbar sind.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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8 Responses

  1. Maria Regina Göler von Ravensburg sagt:

    Leider gibt es nur Scheindebatten zwischen Linken und Rechten, aber dies ist leider kein intellektuelles Problem. Hier ist die Emotionale Pest am Werk:

    https://orgonomie.wordpress.com/tag/kampf-gegen-rechts/

    Wie sollen wir dieses Problem jemals in den Griff bekommen? Mit Logik, Vernunft und Verstand allein ist es nicht zu lösen!

  2. Maria Regina Göler von Ravensburg sagt:

    Ein Video fehlt noch in deiner Sammlung:
    https://youtu.be/BJDI3ZRfjSc

    Ein Libanese beschimpft Polizisten und schreit, dass er die ganze Stadt flicken will. Ein Deutscher würde vermutlich sofort auf dem Boden liegen und verhaftet werden.

  3. Anna Christina Sydonia Göler von Ravensburg sagt:

    Also wenn es bald nicht ordentlich knallt, dann weiß ich auch nicht!

    Diese Regierungssprecher sind einfach nur noch hoch peinlich und grenzdebil. Warum lachen die Journalisten diese Leute nicht aus und gehen?

    https://www.youtube.com/watch?v=oSIe3qbjykU

  4. GM sagt:

    In der “Mittelbayerischen Zeitung” in Regensburg erscheint am Mittwoch den 29. August 2018 eine fast halbseitige Karikatur. In einem Klassenzimmer steht links eine Lehrerin vor der Tafel. In ihrer Sprechblase: …..und wo ist Sachsen? rechts neben ihr im Klassenzimmer steht ein kleiner Glatzkopf vor einer Deutschlandkarte mit den Bundesländern. Er zeigt mit dem rechten Arm den Hitlergruß direkt auf das Bundesland Sachsen. In seiner Sprechblase: RECHTS!
    Dieses Beispiel aus der Provinz zeigt die gerade eskalierende Hetzpropaganda der Zeitungs- Fernseh- und Radiomedien. Diese brutale und unverschämte pauschale Aburteilung eines ganzen Bundeslandes ist unglaublich. Auch in den Angriffen der letzten Stunden auf den Verfassungspräsidenten ist eine eskalierende Hetzkampagne deutlich wahrzunehmen. Die Wortwahl und die vernichtende Kritik ist absolut einmalig. Scheinbar kämpfen diese Medien jetzt um ihre Deutungshoheit. In der Eskalation ist eine gewisse Parallele zu den gerade stattfindenden Vorgängen in Amerika zu beobachten.

  5. l2012ucas sagt:

    Die Zustände in diesem Land sind wirklich nur noch absurd. Nachdem ein Deutscher mit Migrationshintergrund von wahrscheinlich mehreren Tätern, von denen mindestens einer schon wieder längst abgeschoben gehörten, brutalst mit den Messer auf offener Straße ermordet wird, demonstrieren angeblich Rechtsradikale zu Tausenden vor der Karl Marx Statur in Chemnitz und der linke Mainstream veranstaltet daraufhin ganz spontan ein Großhappening für eine bunte offene angebliche Mehrheitsgesellschaft, da man aus kognitiver Dissonanz über die Situation nicht mehr in der Lage ist Kausalzusammenhänge zu erfassen. Daraufhin soll der Verfassungsschutz Thüringen die AfD beobachten, während der Verfassungsschutzpräsident generell rechte Hetzjagden in Frage stellt und dafür massiv angefeindet wird. Nur Tage später der Fall Köthen, der zeigt, dass neuerdings hoffentlich alle Opfer von tödlicher Gewalt durch merhmalige Tritte gegen den Schädel auf mögliche Vorerkrankungen untersucht werden müssen, was mich an der Fall Niklas aus Bonn erinnert. Und wieder war der Täter ein abzuschiebender Asylbewerber. Nicht nur die Behörden versagen, die Politik und die verantwortlichen Akteure sind zutiefst gespalten (Causa Merkel-Seehofer usw.), auch die Massenmedien hetzen fast unisono gegen ein ganzes Bundesland und spalten willentlich die Bevölkerung. Es gibt auch Indizien, dass wir es mit einer von oben geplanten zugelassenen Zuspitzung der Situation zu tun haben.

    https://www.youtube.com/watch?v=LyCcexMDDdA (Oliver Janich)

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/chemnitz-mutmasslicher-taeter-yousif-a-sollte-abgeschoben-werden-a-1225820.html
    https://www.focus.de/politik/deutschland/22-jaehriger-starb-tatverdaechtiger-von-koethen-haette-abgeschoben-werden-sollen-warum-er-das-land-nicht-verliess_id_9563125.html

    https://www.focus.de/politik/deutschland/22-jaehriger-starb-tatverdaechtiger-von-koethen-haette-abgeschoben-werden-sollen-warum-er-das-land-nicht-verliess_id_9563125.html

    https://rp-online.de/nrw/panorama/fall-niklas-aus-bonn-totgetretener-17-jaehriger-hatte-vorschaedigung-im-hirn_aid-18641459

    https://www.rosenheim24.de/service/reingeklickt/kollektive-beschimpfungen-gegen-sachsen-kommentar-phaenomen-netz-6808835.html

    Auch möchte ich auf eine mögliche okkulte Bedeutung des Namens Daniel hinweisen. Auf jeden Fall haben wir die Endung EL für https://de.wikipedia.org/wiki/El_(Gott)
    https://en.wikipedia.org/wiki/El_(deity) (Saturn)

    Dann Dan für möglicherweise Tribe of Dan.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Tribe_of_Dan
    https://www.youtube.com/watch?v=t-99Py871Ls&t=338s

    Dann verschwindet die Tage ein weiterer Daniel mit 33 Jahren.
    https://www.tz.de/stars/daniel-kueblboeck-weiter-vermisst-dieter-bohlen-sorgt-mit-video-fuer-entsetzen-saenger-sprang-wohl-von-aida-kreuzfahrtschiff-zr-10224184.html

    Hintergrund in royal purple.

    • Zu allem d’accord. Danke auch für den Hinweis auf Daniel Küblböck. Ich erinnere mich noch an den Auftakt mit “Deutschland sucht den Superstar”, anschließende Plakat-Kampagnen mit Daniel Küblböcks Namen, irgendwann dann die Nachrichten über die Kollision mit einem Gurken-Laster. Nun ein möglicherweise tragisches Ende in der Labradorsee mit Alterswert einer der wichtigsten Okkult-Zahlen, die ich auf Twitter dauernd aus der Presse filtere, ja. Ich muss mich mit meinen 44 auch vorsehen, dass ich nicht noch berichtenswert werde. Ich habe gerade auch noch nebenbei eine Kunstfigur in Arbeit, deren Nachname an “Küblböck” anklingt (was unbewusst war, ich hatte bisher gar nicht daran gedacht). Aber das wissen bisher nur ein paar Menschen. Ich schreib’s hier einfach mal hin, auch wenn es nichts bedeutet. Aber es gehört zu den persönlichen Wahrnehmungen dieser Medien-Realitäten.

    • Maria Regina Göler von Ravensburg sagt:

      Daniel Küblböcks Tod – Okkultes Ritual? – War er ein Callboy für die Elite?

      https://youtu.be/EbJnTMWPKUM

  6. l2012ucas sagt:

    https://wize.life/themen/video/82390/dieter-bohlen-aeussert-sich-zu-kueblboeck-und-erntet-kritik

    Bohlens Pullover mit der Aufschrift “Be one with the Ocean”, ziemlich makaber. Er wirkt auch nicht wirklich geschockt und traurig, versteckt sich hinter seiner Sonnenbrille.

    https://www.berliner-kurier.de/news/promi–show/daniel-kueblboecks-mentor-dieter-bohlen-aeussert-sich-nach-pietaetlosem-auftritt–31243344

    Trägt eine New Yorker Cap, New York war immerhin das Ziel der Kreuzfahrt. 251 auf den ozeanblauen T-Shirt, vlt. die 8? Im Hintergrund ist ein Seepferdchen zu sehen. “Ähm, sorry?!”

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