Agitprop der “Welt” zum 9/11-Jubiläum

Was objektiv die Wahrheit sei, bleibt schwer genug
auszumachen, aber im Umgang mit Menschen soll man davon nicht
sich terrorisieren lassen. Es gibt da Kriterien, die fürs erste ausreichen.
Theodor W. Adorno, Minima moralia (1951)

 
Es ist vollkommen erwartbar, was der Mainstream zu 9/11-Jahrestagen bringt. Man weiß nur nicht, ob er dabei realistisch einschätzt, wie Menschen, denen Informationen des Internets zugänglich wurden, mittelfristig darauf reagieren, dass in ihren sog. “Qualitätsmedien” selbst gut bekannte Tatsachen einfach übergangen werden. Die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001 sind in diesem Zusammenhang eines der besten Beispiele, weil so reich an Ungereimtheiten. Alles, was “etablierte Medien” genannt wird, spart diese Ungereimtheiten samt und sonders aus. Besonders ulkig sind die plumpen Versuche, in einer Art Ratgeber-Sprache die eigene Aufklärungspflicht nurmehr zu simulieren. Arm, wer als zahlender Kunde auf derlei noch hereinfällt. Es sind viele.

Für Menschen, die sich mit dem Thema beschäftigt haben, sind retrospektive TV-Sendungen oder Zeitungsartikel über 9/11 eine Tortur. Man begegnet einer autistisch anmutenden Welt, in der auf betäubende Weise dem Publikum eine halbwegs gesicherte Weltversion vorgegaukelt wird: ‘Gehen Sie weiter, es gibt hier nichts zu sehen …’

So auch heute der Geschichts-Redakteur Sven Felix Kellerhoff in der “Welt”. In fünf Abschnitten will er beispielhaft seinen Lesern erklären, wie über 9/11 “groteske Verschwörungstheorien”, “Lügen verbreitet” würden. Dabei sei die Wahrheit doch die offizielle von 19 islamistischen Terroristen, ihren Teppichmessern und sagenhaften Flugkünsten.

Ich gehe hier seine fünf Punkte unter der jeweiligen Überschrift durch und zeige, dass die Abgrenzung der Etablierten von sog. fake news auch in diesem Fall selbst eine Propaganda-Masche ist. Nach 9/11 scheint sie zur auffälligen Regel geworden zu sein – und ist gerade an diesem Beispiel so durchsichtig, dass Beschweigen doch eigentlich keinen Sinn mehr macht.

Platz 5: Keine Flugzeuge

Die Variante von no planes steht hier zu Recht als eine der angreifbarsten Alternativ-Erklärungen am Anfang. Dass sie nur sehr verbastelt zu begründen ist, ist kaum erklärungsbedürftig. Kellerhoffs Recherche führte ihn selbst jedoch offensichtlich nicht sehr weit: “[M]ehr als zwei Dutzend Videoaufnahmen” der Flugzeug-Einschläge gibt er als Zahl an. Es ist naheliegend, dass Kellerhoff bei den zahlreichen Novitäten, die ihn täglich aus jenen Verlagshäusern erreichen, die Anzeigen in seiner Zeitung schalten, keine Zeit mehr übrig hat für Bücher anderer Provenienz. Er hätte in meinem ersten Band von “Kino Okkult” zum 11. September 2001 bis S. 14 lesen müssen, um eine bessere Information finden zu können. Das wäre sogar mit der amazon-Vorschau gegangen.

Es sind vielmehr ca. 50 Videos, 2 vom ersten und die übrigen vom zweiten Flugzeug-Aufprall an den Hochhäusern. Was ich zu deren Machern zusammengetragen habe, findet man in dieser Form nirgendwo anders: Es handelt sich in vielen der namentlich bekannt gewordenen Fälle um Medien-Professionelle, vom Dienstleister für Video-Trick bis zum Ehemann einer hohen CNN-Mitarbeitern, der zufällig gerade seine Videokamera auf einem Hausdach positioniert hatte – insofern kein Wunder, als 2001 Video-Kameras noch nicht so zahlreich waren, Mobil-Telefone noch nicht mit solchen ausgestattet. – Mit einem noch überschaubaren Aufwand wären die niedrig aufgelösten Bilder von einem Hollywood-Studio durchaus zu fälschen gewesen. Der Himmel war wolkenlos – aus 50 Perspektiven jedenfalls leichter mit schon damals alltäglichen Filmtricks zu fälschen als unter einem Himmel mit zahlreichen einzelnen Wolken. Natürlich wirkt die Zahl ‘zufällig’ Beteiligter und möglicher gegenteiliger Zeugenaussagen relativ hoch. Aber finden Sie überhaupt Zeugenaussagen, die den Moment des Einschlags konkret beschreiben? Per Google ist dies mit “9/11 eyewitness plane hit tower” nicht so einfach und führt zur Aussage eines offensichtlichen Truthers, der am 30.11.2016 auf “Quora” antwortet:

Yes, many people saw “something” crashing into the towers, but I think it is notable that eyewitness accounts vary drastically. Some said that it was a missile (which was reported live), others said a plane with no windows… and mind you, a large missile looks quite a bit like an airplane, and can be made to look even more so with some adaptation.
[Ja, viele Menschen sahen “etwas” in die Türme krachen, aber ich denke, es ist bemerkenswert, dass Augenzeugen-Berichte drastisch variieren. Manche besagen, es sei eine Rakete gewesen (was auch live berichtet wurde), andere sagen, ein Flugzeug ohne Fenster … Man bedenke, dass eine große Rakete fast wie ein Flugzeug aussieht und erst recht so getarnt werden kann.]

Eine zurückhaltende und um Objektivität bemühte Bestandsaufnahme müsste sich aber stets hierauf zurückziehen: Beim rigorosen Nachdenken über die damalige Situation wird deutlich, dass entgegen der Omnipräsenz der Bilder des Ereignisses die Begleitumstände kaum eine sonstige Aussage hervorbrachten, die von einer unmittelbaren Ansicht der Flugzeuge vor der Explosion handelt. Statistisch war die Wahrscheinlichkeit auch in einer Großstadt gering, dass dies jemand aus dem richtigen Winkel ohne Sichtbarriere tatsächlich im Bruchteil einer Sekunde mitverfolgte. Als Passanten ihre Blicke nach oben wendeten, einmal, zweimal, sahen sie nur noch einen riesigen Feuerball an den modernistischen Fassaden.

Dies ist etwas ziemlich Einzigartiges an diesem Ereignis – und Grund für eine Ambivalenz der Wahrnehmung und möglicher Fakten, die auch Menschen dazu bringt, von no planes zu sprechen. Rein theoretisch können solche Versionen schon hergeleitet werden. Fragen, wie der Aufprall eines Aluminium-Flugzeugs in dieser Höhe auf einen Stahlgerüst-Bau anders hätte aussehen können/müssen als gezeigt, sind interessant zu durchdenken. Aber denken sollen “Welt”-Leser offensichtlich nicht. Sie sollen glauben – einem Journalisten, der anhand eines solchen Textes kaum seinem Status gerecht wird.

Der Diamantenhändler Michael Hezarkhani filmte jene Sekunden des zweiten Einschlags, die in Videos wie diesem von Collin Alexander in ihrer technischen Manipulierbarkeit demonstriert werden:

Je öfter man gerade diese deutliche Ansicht des Flugzeug-Aufpralls am Südturm ansieht, desto unwirklicher wird sie. Wenn Sven Felix Kellerhoff nicht mehr zu schreiben weiß als das, was uns erreicht, hat er vermutlich nie genauer hingesehen. Zu den Tugenden des Journalisten gehören Unvoreingenommenheit und Neugier. Der Standard solcher Berichte etablierter Medien ist die Wiedergabe einer offiziell verlautbarten Version und die Vermeidung jeder wachen Beobachtung und kritischen Frage. Es war und ist vielleicht einer jener Kriege, in denen etwas bekanntlicherweise zuerst stirbt.

Platz 4: Der Mossad ist schuld

Hat Kellerhoff sich mit der Uninteressantheit dieser ersten Schelte erst warmgelaufen, wechselt er nun in das Genre der “Ich habe ein antisemitisches Vorurteil gefunden”-Wettbewerbe, die seit Jahren in deutschen Medien, vertrauensvoll begleitet von der ehemaligen Stasi-Frau Anetta Kahane und anderen “Experten” wie Prof. Wolfgang “Luther hat die Blutsverwandschaft erfunden, die Halacha kenne ich nicht” Wippermann, durchgeführt werden. Vielleicht baut Kellerhoff, wie gesagt, bewusst eine Scheinevidenz auf – oder er denkt selbst so gestört, wie es dieser zweite Abschnitt dokumentiert.

Unter der hier reproduzierten Überschrift wartet er erst mit einer Verbeugung vor Adornos “Antisemitismus”-Zeihungen auf und springt dann zu den wohl irrigen Behauptungen, es seien systematisch Juden vor den Anschlägen gewarnt und dem Ort ferngeblieben.

Festzustellen ist hier zunächst lediglich, dass Kellerhoff eine Zwischenüberschrift setzt, die mit dem Inhalt des Abschnitts nichts zu tun hat, außer, dass der Mossad der Geheimdienst des jüdischen Staates und im Artikel von Juden die Rede ist.

Der nächste Abschnitt allerdings handelt von einer jüdischen Person, auf die jedenfalls eine Hälfte der zitierten Unterstellung zutrifft: Larry Silverstein, der wenige Wochen vor den Anschlägen die Gebäude auf lange Sicht pachtete und hoch versicherte, ging, entgegen seiner sonstigen täglichen Gewohnheit, nicht in einem Restaurant hoch im Turm frühstücken, sondern auf fortgesetzte Ermahnung seiner Ehefrau hin endlich einmal zum Hautarzt.

Platz 3: „Täter“ Larry Silverstein?

Zu Silverstein baut Kellerhoff eine Scheinlogik auf, die charakteristisch für den derzeitigen Umgang von Massenmedien mit allen Inhalten ist, die sie als “Verschwörungstheorie” bezeichnen. Er möchte (angeblich) zeigen, dass Behauptungen, Silverstein sei selbst in die Herbei- und Durchführung der Anschläge verwickelt gewesen, falsch sein müssen.

Wie versucht der “Welt”-Journalist dies zu begründen? – Er greift selbst das plumpeste anti-jüdische Verschwörungs-Motiv heraus und suggeriert seinen Lesern, dies sei der alleinige Gegenstand der 9/11-Debatten. Er oktroyiert dabei diesen Lesern eine standardisierte Schwundversion von Realität auf, die besagt, eine Verschwörungs-Hypothese zu 9/11 setze ein Vorgehen voraus, das wir auch aus einem Fernsehkrimi kennen könnten: einen simplen Versicherungsbetrug, hier jedoch mit Milliarden-Summen im Vertrag. Er suggeriert, es könne (oder solle laut “Verschwörungstheorien”) eine solche Aktion einzig dem Zweck gedient haben, einem Immobilien-Spekulanten in New York einige wenige Milliarden Dollar zu verschaffen – die er als älterer Herr mit erheblichem Vermögen in keinster Weise benötigt. Was Kellerhoff hier zu Recht als “groteske Verschwörungstheorie” einordnet, ist jedoch kaum repräsentativ für irgendetwas Nennenswertes (etwa in Buchform oder als thematische Internet-Seite), das betr. 9/11 über Silverstein publiziert wurde. Es geht ihm dann ausschließlich um einige Pöbel-Formate, die in solchen äußerst schlichten Kriterien denken, sonst nichts, und die etwa ihre Thesen auf ein paar Quadratzentimetern eines Internet-Memes unterbringen können. Das müsste man seitens von Kellerhoff im Text dann aber so moderieren. Ansonsten ist es die übliche Verhetzung, die unterschiedslos Menschen diffamiert, die sich in einem propagandistischen Schema (hier der CIA-Begriff “Verschwörungstheorie”) wegen bestimmter Übereinstimmungen in einen Topf werfen lassen. Wir sehen pauschalisierende und manipulative Argumentationsweisen, die in umgekehrter politischer Ausrichtung z. T. die hysterischsten Debatten bis hin zu Gerichtsprozessen nach sich ziehen; zumindest aber schonmal Rügen des Presserates.

Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.
Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.
http://www.presserat.de/pressekodex/pressekodex

Das im journalistischen Sinne Wesentliche wird überhaupt nicht erwähnt – und es ist das, was an erster Stelle die sog. Verschwörungstheorien über Larry Silverstein begründete. Bis heute haben – Dank selektiver und schon darin manipulativer Presse-Berichte – wohl recht viele Menschen kaum realisiert, dass am 11.09.2011 noch ein drittes Gebäude einstürzte – ohne einen Flugzeugeinschlag, angeblich wegen ein paar Beschädigungen durch Trümmerteile und brennende Büromöbel im Inneren. Es ist das Gebäude 7, das sich im Besitz Silversteins befand, eine getarnte CIA-Dependance, umfangreiche Archive von Steuerbehörden u. v. m. enthielt.

Was auf YouTube endlos wiederholt wird, taucht meines Wissens in deutschsprachigen TV-Dokumentationen eher selten – vielleicht auch mit zeitlichem Abstand noch seltener – auf: eine Zeugenaussage Silversteins, die Feuerwehr habe beschlossen, Gebäude 7 einzureißen (“to pull it”). Im vollen Wortlaut des Videos des US-amerikanischen Doku-Senders PBS:

I said, “We’ve had such terrible loss of life, maybe the smartest thing to do is pull it.” And they made that decision to pull and we watched the building collapse.

Es wird bis heute auch von Muttersprachlern gestritten, wie diese Äußerung wirklich zu interpretieren sei. Die plausibelste Variante ohne folgende sachliche Unklarheiten wäre, dass die “decision to pull” die Entscheidung zu einem Abzug aus dem Gebäude war, bevor es einstürzte. Für mich ist aber erstmal ein solches Argument aus einem Forum von “International Skeptics” (24.02.2012) maßgeblich:

You can bs all you want (lie would be more accurate), but where I come from, when people use the word “it”. they are not referring to a person or persons.
[Du kannst Unsinn reden, soviel du willst (lügen wäre der korrektere Ausdruck dafür), aber wo ich herkomme, bezieht man sich mit “es” als Personalpronomen nicht auf eine Person oder mehere Personen.

Auch die Abfolge der Worte bestärkt dies: Entgegen sprachlicher Konventionen – spekulieren wir mal gegen die Wahrscheinlichkeiten – mag Silverstein mit “it” die “firefighters” gemeint haben. Die Missverständlichkeit aber wird noch erhöht dadurch, dass auf “that decision to pull” sogleich “we watched the building collapse”, als sei dies nicht nur ein zeitlicher, sondern auch kausaler Ablauf einschließlich einer Handlung “to pull it”.

Silverstein mag sich – einmal radikal als sein Anwalt gesprochen – nicht der Schwere seiner Worte in der damaligen Situation bewusst gewesen sein. Es ist aber unwahrscheinlich. Hier spricht ein Milliardär über eine der größten Katastrophen seiner Zeit. Er dürfte dafür jede vorhergehende Beratung und jedes nachträgliche Einspruchsrecht gehabt haben. Er beschwor damit selbst die heftigsten Vorwürfe und Anfeindungen herauf. Eine nachträgliche eigene Erklärung hätte sicher nur weitere Diskussionen angefacht, soviel ist auch klar.

Ein absoluter Klassiker der 9/11-Truth-Bewegung ist hierzu ein abstruses Seitenstück, da eine BBC-Journalistin vom Einsturz des Gebäudes 7 berichtete, als es noch in Gänze hinter ihr im Bild zu sehen war.

Platz 2: Kontrollierte Sprengung

Hier erfolgt der wohl erste sachdienliche Hinweis des Artikels: dass eine Hochhaus-Sprengung keine Kleinigkeit ist. Es gibt nicht schon ausreichende Informationen darüber, wie eine kontrollierte Sprengung hätte durchgeführt werden können. Nach den heute üblichen Methoden wären solche Arbeiten relativ schwierig zu verbergen gewesen.

Kellerhoff:

Natürlich gibt es auch nicht den geringsten Hinweis darauf, dass es nächtliche Aktivitäten in den Türmen gegeben hatte oder dass mehrere Tonnen hochexplosiven Sprengstoffs zum WTC gebracht worden wären. Und es gab – anders als bei allen kontrollierten Sprengungen – im Schutt nicht die geringsten Reste der hochstabilen Zündschnüren aus Hightech-Materialien, die bei kontrollierten Sprengungen so lange intakt bleiben müssen, bis sie genau koordiniert im richtigen Moment den Zündimpuls übermittelten.

Der Superlativ eines nicht einmal “geringsten Hinweises” ist ein Indiz, dass Kellerhoff kaum je begonnen hat, zum Thema zu recherchieren – wenn es sich eben nicht um eine bewusste ironische Parodie handelt.

Uns ist schon klar, dass heute bezahlter Journalismus oft organisierte (teils unbewusste) Blödelei ist … Ein solcher Einschub ist abermals möglich, da Kellerhoffs Text spätestens an solchen Stellen in die dreiste Umdrehung von Begebenheiten übergeht. Ein “Welt”-Journalist will uns weismachen, er habe zu einem solchen Zweck nicht “9/11 suspicious events world trade center explosive” gegooglet?

Die große Organisation “Architects & Engineers for 9/11 Truth” rebloggte am 07.09.2018 einen Artikel, der solche verdächtigen Ereignisse um 9/11 aufarbeitet. Dazu gehören erhöhte Sicherheitsmaßnahmen kurz vor den Anschlägen, auffällige temporäre Abschaltungen von Sicherungssystemen in Gebäude 7 …

The additional security measures were withdrawn in the days before 9/11. Bomb-sniffing dogs were “abruptly removed” on September 6 and September 11 was “the first day there was not the extra security,” Daria Coard, a guard in the North Tower, said.
[Die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen wurden in den Tagen vor 9/11 wieder eingestellt. Sprengstoff-Spürhunde wurden am 6. September abgezogen, und der 11. September war “der erste Tag ohne Extra-Security”, so Daria Coard, eine Aufsicht im Nordturm.]

Es gäbe dazu Einiges mehr aufzuzählen.

Zu diesem Abschnitt fehlt aber sogar noch ein sehr entscheidender Einwand, der aus dem von Kellerhoff selbst Postulierten logisch zwingend hervorgeht. Er sagt uns ja, die Türme seien aufgrund der Flugzeugeinschläge eingestürzt. Die offizielle Version besagt, die Widerstandskraft der unterschiedlich hohen unteren Gebäudeteile (Hunderttausende von Tonnen, v. a. Stahl und Beton) unter den Einschlagstellen sei fast unterschiedslos die von Luft gewesen (siehe diesen früheren Beitrag).

Der Chef-Konstrukteur des WTC, Leslie Earl Robertson, wies stets auf seine statischen Vorkehrungen auch gegen Flugzeug-Einschläge hin:

Die Konstruktion sollte Orkanen mit Windgeschwindigkeiten von 300 Stundenkilometern standhalten, den schlimmsten Erdbeben und dem Einschlag einer Boeing 707, des größten Passagierflugzeugs der damaligen Zeit.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/world-trade-center-architekt-robertson-der-turmbauer-a-783700.html

Die Architektur des Gebäudes mit seinem stabilen Kern, einer gitterförmigen Außenhaut aus Stahl und eingehängten Böden ist nicht alltäglich. Auch darauf bezogen gibt es Ansätze zur Erklärung, warum die Türme ohne zusätzlichen Sprengstoff o. Ä. hätten einstürzen können. Dies sei hier aber nur erwähnt, weil es eine Voraussetzung der offiziellen Version wäre, die Kellerhoff stützt: ein Gebäude, das so instabil gewesen sein soll, dass es durch je einen Flugzeugeinschlag (im Fall von Gebäude 7 viel geringeren Schaden) zum kerzengeraden Einsturz gebracht werden konnte, den Experten visuell nicht von einer kontrollierten Sprengung unterscheiden können.

Und hier tut sich ein halbwegs vertrackter Selbstwiderspruch Kellerhoffs auf: Er behauptet ja, dass wie “bei allen kontrollierten Sprengungen” “mehrere Tonnen hochexplosiven Sprengstoffs zum WTC gebracht” hätten werden müssen. Wenn aber WTC 1, 2 und 7 in zwei Fällen durch einen willkürlich platzierten (einmal oben mittigen, einmal in der Mitte seitlichen und schrägen) Flugzeug-Einschlag bzw. Schäden durch herabfallende Trümmer und innere Brände punktgenau hätten einstürzen können – wie groß wäre dann der Aufwand gewesen, dies mit einer kontrollierten Sprengung durchzuführen? Laut Kellerhoff kann der angeblich unkontrollierte Einsturz dieselbe äußerliche Charakteristik haben wie eine kontrollierte Sprengung. Die Durchführung einer Spreng-Aktion im Fall von 9/11 schließt er jedoch aus, da das nicht habe heimlich durchgeführt werden können, was bei seiner gleichzeitig völlig eindeutig behaupteten realen Version offensichtlich gar nicht notwendig war?

Man kann sich dazu lediglich noch streiten, ob die Folgen der Einschläge und Brände jene Folgen hätten haben können, die wir in Film-Aufnahmen sehen. Was Kellerhoff seinen Lesern als gut geprüfte Information vermittelt, ist jedoch eben dies: zwei in keinster Weise für solche Zwecke gedachte, mit Kerosin betankte Flugzeuge konnten eine Zerstörung bewirken, die sonst nur im ganzen Gebäude nach genauen Plänen verteilte Sprengladungen hätten haben können. Eine Anbringung aber von Sprengladungen, die dieselbe Wirkung gehabt hätten wie zufällig explodierende Flugzeuge an der Außenwand und in wenigen Etagen, sei unbemerkt von Unbeteiligten nicht möglich gewesen und hätte denselben Aufwand erfordert wie eine übliche kontrollierte Sprengung?

Platz 1: Ein Plan der US-Regierung

Dies klingt erfolgversprechend für den Michael-Butter-Preis für die Kritik der vom Kritiker in der kritisierten Form selbst erfundenen Verschwörungstheorien. (Der Tübinger Amerikanist tourt oft mehrmals die Woche, um unter deutschen Zuhörern seine vermeintlichen Aufklärungen zu verbreiten. Er argumentiert ebenso wie hier Kellerhoff – siehe diese Beiträge.)

Wie zum Thema Mossad wird ohne jeden Beleg behauptet, es gebe jemanden (oder zumindest jemand Nennenswerten, als Internet- oder Buchautor), der die These vertrete, ‘die US-Regierung’ oder ‘der Mossad’ oder gar ein Immobilienhändler und Vermieter in Manhattan hätten ‘den Anschlag an 9/11 begangen’.

Das Ziel der bösen „Neo-Cons“ in der Regierung von Präsident George W. Bush sei es gewesen, die Zustimmung der Amerikaner für einen Krieg gegen den Terror zu bekommen und im Irak einzumarschieren.

Mit Alex Jones wurde Kellerhoff und so vielen anderen dann noch ein Boxsack bereitgestellt, auf den er die folgenden Absätze lang einprügelt – ein leichtes Opfer, wenn komplexe Argumentationen den Autor, zumindest aber die von ihm erwarteten Leser zu überfordern scheinen. Und ein Boxsack kommt selten allein – Kellerhoff widmet den letzten Absatz Donald Trump als einem Verschwörungstheoretiker, der bei Bedarf einfach seine Ansichten ändere.

Wenn auch blinde Hühner Körner finden, gibt doch kaum ein ernstzunehmender Truther etwas auf das Gebrülle von Alex Jones – schon dies ist eine Desinformation Kellerhoffs über eine ‘Szene’ von Verschwörungstheoretikern, die er zu kennen (anhand dieses seines Textes beurteilt) nur vortäuscht.

Blicke in einen der deutschen Bestseller zu 9/11 wie Mathias Bröckers’ “Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.” (2002) zeigen schnell, dass es bei historischen Theorien zu geheimdienstlichen Vorgängen zumal in den USA mit seinen diversen Diensten und riesigen Apparaten um ganz andere Differenzierungen geht als das Holzschnitt-Argument, das Kellerhoff fälschlich als das Eigentliche darstellt und sich nur deshalb selbst als souveräner Kritiker gebärden kann:

Denn auch innerhalb der CIA, des ISI, der Taliban können wiederum Fraktionen bestehen, die unterschiedliche Strategien verfolgen, und es gibt möglicherweise noch weitere Einflussachsen, die selbst aktiv werden oder die die eine oder andere Fraktion für ihre Zwecke instrumentalisieren.
https://books.google.de/books?id=6vw7DgAAQBAJ&pg=PT188

Es gibt in solchen Theorien (um die es eigentlich geht, wenn wir 9/11 verstehen wollen) weder “die US-Regierung” (weil neben anderen Organisationen gerade der Geheimdienste weite und unbekannte Handlungsspielräume hat) noch um “den US-Geheimdienst”, weil dieser keineswegs einer einheitlichen Strategie folgen muss.

Es ist nun eindeutig, dass Kellerhoff hier besonders “groteske” Ansätze aufführen wollte – doch mit welchem journalistischen Relevanz-Kriterium und mit welcher Genauigkeit in einer Einordnung für die Leser? – Meine Erläuterungen geben dafür Kriterien an. Es handelt sich schon um die üblichen verkürzten und klischeehaften Ansichten, die in hier laufend dokumentierten und kommentierten Publikationen vorkommen.

Wir sehen an solchen Beispielen auch, dass journalistische Formate der Etablierten durch ihre weitgehende Vermeidung von externe Verlinkungen oder gar eingebettete Videos auf heute erschreckend zu sehende Weise hinter die Möglichkeiten des Internets zurückfallen, das unser Wissen nun seit 20 Jahren mit- und umformt. Kellerhoffs Verlagschef Mathias Döpfner wird am 06.09.2018 zitiert:

Eine neue Generation an Journalisten wird sich über die nächsten Jahrzehnte etablieren mit Modellen, die den digitalen Journalismus um ein Vielfaches besser machen als den analogen Journalismus.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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3 Responses

  1. Kapp sagt:

    Lieber Daniel, ich danke Dir sehr für diesen Beitrag! 1. Weil er eine journalistische Posse aufgreift, über die ich gestern nur verwundert den Kopf schütteln konnte, 2. weil es überhaupt eine Rückschau auf dieses “Ereignis” ist, zumal dieses Jahr auch wieder auf einen Dienstag gefallen… so viele Qualitäts- und Alternativmedien haben dazu gar nichts mehr zu sagen.
    Also immerhin noch eine anständige Replik auf diese Frechheit von Nebelkerze! Danke!

    Ein kürzeres und schonenderes Wecksignal als dies habe ich nicht gefunden:
    http://peace-press.org/#dienstag

    Sei hier bitte noch für alle Mitmenschen im Halbschlaf verlinkt…

  2. Kapp sagt:

    und vielleicht darf ich noch anfügen, aus einer längeren Mail, die ich zum Thema neulich bekam, das empfand ich als sehr gut auf den Punkt gebracht:

    >>Es gibt in der Wissenschaft überhaupt keinen Fortschritt und keine Entdeckung ohne Theorie, Hypothese, Vorstellung oder Gedanke. In gewisser Weise ist jede Frage eine Theorie, die Antwort ist das Faktische oder der Beweis, dass die Theorie falsch war. Wer also die Theorie ablehnt, der lehnt das Fragen ab. Wer die Theorie ablehnt, der lehnt das Denken ab. Das Denken ist aber genau das, was den Menschen zum Menschen macht.

    Was sind denn das für Menschen, die so große Furcht haben vor der Verschwörungstheorie? Sie haben Angst, dass die Theorie falsch sein könnte. Na und? Dann muss sie eben korrigiert oder widerlegt werden. Wer sich vor dem Irrtum fürchtet, ist ein Feigling. So wie Hegel sagte: „daß diese Furcht zu irren schon der Irrtum selber ist.“ (Einleitung zur Phänomenologie des Geistes)<<

  3. GM sagt:

    Vielen Dank für Ihren Kommentar zu dem 9/11-Artikel von Sven Felix Kellerhoff in der “Welt”. Kellerhoff übergeht die technisch-physikalischen Probleme ( besser Unmöglichkeiten) des Vorganges. Mit keinem Wort geht er auf die konstruktiven Grundlagen der Gebäude ein. Er weiß nichts davon. Zu meinem Leidwesen muss ich gestehen, dass ich das 9/11- Geschehen damals ebenso wie viele Millionen anderer Menschen nicht bezweifelt habe. Zwei Flugzeuge schlagen in die Türme ein und die Türme brechen deswegen zusammen. Einfach. Ich hatte zu dem Zeitpunkt mein deutsches Ingenieur- Diplom schon einige Jahre. Allerdings war ich mit den konstruktiven Grundlagen der beiden Türme nicht vertraut. Auch mit dem Abbruch von Stahlhochhäusern hatte ich mich noch nie befasst. Vor allem habe ich mir zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen können, dass es eine derartig bösartige Skrupellosigkeit geben könnte, die die ganze Menschheit an der Nase herumführt und ihr ein ungeheurerliches Theater vorlügt.
    Durch den Film ” von Markus Fiedler und Frank Michael Speer ” die dunkele Seite der Wikipedia” bin ich auf Daniele Ganser aufmerksam geworden und habe mir den Vortrag an der Universität Tübingen angesehen. Dort war plötzlich von Zusammenbruch von WTC7 die Rede. Ein drittes gewaltiges Hochhaus. Davon hatte ich noch nie gehört. Presse und Kellerhoff und Welt warum? Der “Zusammenbruch” dieses Gebäudes ist allen Autoritäten der Fachgebiete Statik und Bauphysik zufolge eine Sprengung. ( zuletzt Prof. Dr.Ing. Leroy) Auch ich als Ingenieur kann diese gezielte und sauber durchgeführte Sprengung nur als Sprengung bezeichnen. Was soll das sonst sein?
    Die Zwillingstürme. Das World-Trade-Center WTC1 und WTC2. In der Konstruktion sind die Zwillingstürme ganz unterschiedlich zu WTC7. Die riesenhaften Gestaltkubuse im Erscheinungsbild sind je ein einziges riesiges Stahlgeflecht. Die Fenster der Gebäude sind die Öffnungen in diesem Stahlgeflecht. ( Die Fenstergrößen konnten daher auch nicht verändert werden. In allen Filmen zu den beiden Türmen des World Trade Centers sind diese kleinen Fenster zu sehen. Besonders beim Bau der Gebäude ist diese konstruktive Eigenheit nachzuvollziehen.) Dieser stählerne Aussenpanzer ist daher extrem elastisch und nimmt 40% der auftretenden Zug- und Druckkräfte auf. 60% der Druck- und Zugkräfte werden von dem inneren Kubus der Core-Stahl-Säulen aufgenommen. Etwa bei Winddruck oder Einschlägen in dieses Stahlgeflecht. Konstruktionsbedingt wird jede Pervorierung dieses Stahlgeflechtes mit einer sofortigen Umleitung der Zug- und Druckkräfte beantwortet. Eine äusserts stabile und elastische Konstruktion die dem Einschlag der Flugzeuge unbeeindruckt standgehalten hat. Unzerstörbar. Diese Stahlgeflecht-Kubuse können nicht “einstürzen” oder sich selbst zerlegen. Unter keinen Umständen ausser durch gezielte Sprengung. Genauso wenig führt eine Schwächung einer der zahlreichen Core-Säulen im Inneren Kern der Gebäude zu einem plötzlichen Einsturz. Es ist bei Höchstbelastung eine Umleitung der Zug- und Druckkräfte anzunehmen. Möglicherweise dadurch bedingt leichte Verformungen. Sonst nichts. Das was wir am 11. September 2001 gesehen haben ist kein Einsturz sondern eine präzise und genau durchgeführte Sprengung. Uns wurde vorgespielt, dass das Eigengewicht der Konstruktion zu einem Zusammenbruch geführt hat. Die Konstruktion der beiden Türme ist gut dokumentiert und wird auf Dauer allen “Zusammenbruch”-Lügen der Presse widerstehen. Merkwürdigerweise eigneten sich gerade die beiden Zwillingstürme konstruktionsbedingt für das uns vorgespielte Lügentheater am allerwenigsten.

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