„Flache Erde“ ohne vollständige Erklärung des Sternenhimmels – #FE

In Ergänzung zum vorigen Artikel lässt sich an einem neuen Video, „#FE | Warum verändern sich die Sternbilder nicht?“, von Rob Alphanostrum zeigen, wo die Debatte über eine angeblich „Flache Erde“ immer und immer wieder die entscheidenden Fragen umgeht.

Nach wie vor gilt meine Beobachtung zur Flache-Erde-Theorie:

Die Situation eines einzelnen menschlichen Betrachters wird absolut gesetzt.

Zu den Sternbildern bedeutet dies, dass man nicht nur den Sternenhimmel über dem eigenen Kopf, sondern auch den an anderer Stelle der „Erde“ einbeziehen und erklären können muss. Es gibt seitens der FE-Bewegung keine mir bekannten komplexen Modelle, die zeigen würden, wie über einer scheibenförmigen Erde ein Sternenhimmel sich bewegen sollte, der von der flächigen Position unseres „nördlichen“ Standpunkts so aussieht wie in Alphanostrums Video, aber von anderen, „südlichen“ aus gesehen ganz andere Sterne sichtbar werden lässt. Wie man auf jeder Landkarte den Globus flächig zeigen kann – welches Muster würde der Inhalt einer vollständigen Sternenkarte haben, der diese folgenden Sternkarten in ein neues Ganzes nach FE-Konstruktion überträgt?


CC BY-SA 3.0 Roberto Mura

Zu einem weiteren Hauptargument des Videos von Alphanostrum hätte er wohl nur selbst einmal „Parallaxe Sternbilder“ googlen müssen. Jedenfalls finde ich dann solche Aussagen (MOZ, 22.06.2012):

Die sogenannte parallaktische Verschiebung ist nämlich selbst bei den allernächsten Sternen extrem gering. So beträgt sie bei dem 4,5 Lichtjahre entfernten hellen Stern „Alpha Centauri“ am südlichen Himmel nur knapp eine Bogensekunde. Das entspricht etwa einem Zweitausendstel des Vollmonddurchmessers.

Das Video versucht, solche parallaktischen Verschiebungen im Nahraum zu illustrieren – wieder „[d]ie Situation eines einzelnen menschlichen Betrachters wird absolut gesetzt“ durch Übertragung vom Nah- auf den Großraum. Etwas, was nicht mit bloßem Auge zu erkennen ist, ist nicht zwangsläufig unbeobachtbar mit aufwändigen technischen Instrumenten (die mir nicht zur Verfügung stehen, da muss ich Astronomen zunächst glauben). Die parallaktischen Verschiebungen existieren also im Nah- wie auch Fernraum nach denselben räumlichen Gesetzen. Aber sie bewirken in der Fernansicht für die Alltagswahrnehmung nur unmerklich geringe Veränderungen.

Auf Schritt und Tritt begegnen im FE-Kontext diese Verwechslungen unterschiedlicher Bedingungen unter unterschiedlichen Raumbedingungen. Kommentator andy carsten zeigt Unverständnis für die Aussage „erde+atmosphäre sind n geschlossenes system“ – als wenn dafür nicht komplexe Argumente vorlägen. (Die kann ich aus meiner Position nicht kompetent überprüfen, aber ich sehe auch nirgendwo nennenswerte wissenschaftliche FE-Literatur, die auf einem erkennbaren mathematisch-physikalischen Level Gegenentwürfe liefern würden. Es geht meist um Vergleiche, die man angeblich in seinem eigenen Zimmer oder auf einem Spaziergang mit bloßen Augen anstellen könne.)

Frank N. Stein bemerkt höhnisch, dass „wir uns (und unser Sonnensystem) mit 800.000 km/s bewegen“ sollen, hält dafür aber den „physikalischen Beweis“ für unmöglich. An solchen Stellen weiß man gar nicht mehr, von welchen Sternen und welchem Sonnensystem eigentlich die Rede ist.

Klar, wenn wir uns (und unser Sonnensystem) mit 800.000 km/s bewegen würden, sollten an einem fixen Punkt im Universum nach recht kurzer Zeit die Sterne daran vorbeiziehen.

Selbst wenn einem folgende Beschreibung wahnwitzig erscheint („Trends der Zukunft“, 17.07.2013):

NASA Wissenschaftler wissen schon seit Längerem, dass sich unser gesamtes Sonnensystem binnen unserer Galaxie, der „Milchstraße“ wie eine Kanonenkugel durch das Universum bewegt. Nun ist es der NASA gelungen, diese Bewegung zu beobachten. Bei den Beobachtungen hat sich herausgestellt, dass unser Sonnensystem einen Milliarden Kilometer langen Heliumschweif hinter sich herzieht.

Natürlich sind solche Aussagen für Laien in keinster Weise überprüfbar:

Um den Schweif unseres eigenen Sonnensystems zu sehen haben die Raumsonde Informationen über neutrale Partikel, die sich an der Grenze unseres Sonnensystems reiben gesammelt und daraus haben die Wissenschaftler die Visualisierung zusammengesetzt.

Aber widersprechen solche Beschreibungen den sonstigen astronomischen Befunden?

Ich verstehe die Beschreibung so, dass ein schon für Menschen unvorstellbar riesiges Gebilde, das Sonnensystem, sich als Ganzes bewegt. Die darin stattfindenden Bewegungen sind aufgrund der gegenseitigen Anziehungskräfte etc. (nach der herkömmlichen Physik) relativ stabil inkl. aber von Vorkommnissen wie Kometen. Die Vorstellung einer schnellen Bewegung durch das noch größere Universum schließt der oben zitierten ‚Lehrmeinung‘ (jedenfalls der aktuellen Berichterstattung) folgend „unser gesamtes Sonnensystem binnen unserer Galaxie, der ‚Milchstraße'“[,] ein, die sich eben „wie eine Kanonenkugel durch das Universum bewegt.“

Man sollte schlicht nicht die gesunde Skepsis gegenüber jedem mehr oder minder theoretischen Großentwurf in ihre willkürliche und unselbstkritische Vereinseitigung, nämlich den nicht schlüssig begründeten Zweifel an allem und jedem, treiben. Vieles so Beschriebene ist für den einzelnen Menschen schier unvorstellbar. Die Astronomie bietet Vorstellungen an. Und neben manchen Merkwürdigkeiten macht es ernsthaft Sinn, radikal zu zweifeln, nur, wo gravierende, verständlich nachgewiesene Widersprüche (nicht nur kurzschlüssige Scheinbeweise, eingeschränkte Sichtweisen und regellose Übertragungen) auftauchen und am besten auch ein schlüssiger Gegenentwurf vorliegt. (Einzelne Filmaufnahmen aus dem Weltraum hingegen könnten aus verschiedenen Gründen gefälscht sein und machen nachweislich den Eindruck, liefern schlüssige Indizien.)

Die ganze Debatte hat bisher im Wesentlichen ein Gutes, das man nicht nur geringschätzen muss: Dass wir uns fragen, was wir selbst überhaupt wahrnehmen, dass wir uns aktiv mit der naturwissenschaftlichen Beobachtung des Weltalls beschäftigen, statt nur bunte Weltraumbilder anzustarren. Und wir sehen an solchen Missverstehbarkeiten komplexer Realitäten vielleicht modellhaft, was in vielen anderen Formen zu evidenter ideologischer Verfälschung führen kann. Wie erwähnt, sind es falsche Vergleiche und Übertragungen, Ausschluss empirischer Daten von der Betrachtung, schließlich übertriebenes Selbstbewusstsein in der Vertretung falscher Ansichten. Die Umgangsformen vieler FE-Vertreter wecken jedenfalls ebensowenig Vertrauen für Ihre manipulative Simulation von Radikalkritik.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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4 Responses

  1. Anne Möhr sagt:

    Frage an alle Flach-Erdler. Wenn es sich um ein geschlossenes System handelt, weshalb wird die Luft nach oben immer dünner?

  2. sos sagt:

    Der Film oben läuft nicht.

    Und warum nennen Sie diesen Film nicht?
    — > „Flache Erde den Nordstern sieht man von überall !!!!! Beweis !!“

    https://www.youtube.com/watch?v=D_qusIKcI1c

    Ihre verallgemeinernden Vorwurf, bzgl. der FE-Beobachter, die ihre Betrachtung verabsolutieren würden*, trifft ja wohl eher auf Sie zu. Denn Sie verabsolutieren Ihr Weltbild und vereidigen damit sogar noch die esoterische heliozentische Weltsicht der Logen.

    Und wo ist jetzt Ihr unwiderlegbarer Beweis, daß es sich bei der Erde doch um eine Kugel handelt?

    ———————————————–

    * Nach wie vor gilt meine Beobachtung zur Flache-Erde-Theorie:

    Die Situation eines einzelnen menschlichen Betrachters wird absolut gesetzt.

    • Doch, das Video läuft.
      Und ich schrieb Ihnen schon am 15.03.:
      „Lesen Sie bitte meine beiden Beiträge zum Thema – und wenn Ihnen daran gelegen ist, der These einer Flache Erde Gewicht zu verleihen, gehen Sie bitte wenigstens auf einen der sachlichen Einwände ein.“
      Hinweise ignorieren, die Gegenseite mit anderen Fragen und Video-Hinweisen traktieren ist bisher das Einzige, was als Reaktion kommt – auf die einfache Frage, wie ein Sternenhimmel über einer Flachen Erde aussehen soll. Und Sie sind selbst in der Bringschuld. Sie sagen, die Erde ist keine Kugel, obwohl die meisten dieser Auffassung sind. Und behaupten damit, die herrschende Theorie auch des Sternenhimmels sei falsch. Welche ist ihre?
      Die FE-Vertreter übergehen selbst solch eine unübersehbare Tatsache (es gibt bisher keiner komplexe Erklärung zu Sternen über einer FE) zugunsten ihrer ständig wiederholten Scheinbeweise (Horizont ist waagerecht, weil ein kleines Menschlein ihn als waagerecht wahrnimmt etc. pp., deshalb könne die Erde keine Kugel sein und alle damit verbundenen Beobachtungen seien damit auch gleich als irrig erwiesen).
      Hier tun Sie nun so, als wäre das verlinkte Video irgendein Beweis. Es wiederholt nur die Behauptung eines Autors des 19. Jahrhunderts, Samuel Rowbotham, dass der Polarstern überall zu sehen sei. Können Sie dafür noch eine neuere Quelle nennen – oder gar irgendein Foto, das den Polarstern von einem Ort aus gesehen zeigt, den der Globus auf der Südhalbkugel darstellt?

  3. Hier noch ein Dialog mit Rob Alphanostrum auf YouTube zum Thema:

    https://www.youtube.com/watch?v=n9CLyeO8gKo&lc=z124itsocy2ifv0qt04cenbb2rjau5hjzaw

    filmdenken
    Es fehlen nach wie vor schlüssige Erklärungen der Himmelsansicht auf Nord- und Südhalbkugel (bzw. je nach Standort auf der Flache-Erde-Karte). Oder wo gibt es die? – Habe dieses Video dazu ausführlich kommentiert: http://filmdenken.de/flache-erde-ohne-vollstaendige-erklaerung-des-sternenhimmels/
    Rob Alphanostrum
    Zu diesen Fragen gibt es schon so einiges an Material hier auf YT. Z.B. Hier: https://www.youtube.com/results?search_query=flat+earth+star+constellations+north+and+south Mich persönlich interessieren diese Fragen nur sekundär, jedenfalls im Augenblick. Ich betrachte diese Sache (FE) auch nur mit dem normalen Menschenverstand. Ich drehe auch sofort ab, wenn mir jemand mit undurchsichtigen Formeln kommt. Mathematik ist gut und schön, aber sie bildet eben nicht die Realität ab, sie abstrahiert diese. Das ist ein Unterschied, den die Globeheads nie im Kopf haben. Damit bewegen sich die meisten Leute, die an den Globus glauben, in der virtuellen Realität von Mathematik und abstrakten Ideen. Innerhalb dieser Konstrukte mag alles korrekt funktionieren, aber ihr Gegenstand sind logische ideelle Normierungen und eben nicht die Realität. Ein Beispiel: Ich habe einen Wasserbehälter der 77,4 Liter Wasser enthält. Ich darf jeden Tag 37 mal 64,3 Tropfen davon verwenden. Wie lange dauert es bis alles Wasser aufgebraucht ist. Ein Mathematiker könnte jetzt daraus die komplexesten Berechnungen anstellen. Was jedoch sagen die Zahlen tatsächlich aus über diesen Sachverhalt? Unsere komplette Wissenschaft hat den Pfad des normalen Menschenverstandes lange verlassen und konzentriert sich stattdessen nur noch auf mathematische Konstrukte. Ja, Mathematik ist sehr wichtig, aber sie gibt uns keine Antworten auf die wichtigsten Fragen unseres SEIN. Ich sage dir, es ist unmöglich eine Sternenmasse zu bestimmen, es ist unmöglich eine Entfernung zu einem Objekt zu bestimmen dass 1000 Lichtjahre entfernt ist. Das sagt mir meine einfache menschliche Vernunft. Jeder der es anders sieht hat diese Vernunft verloren und lebt in einem konstruierten Weltbild. Denke einfach an die angeblich detektierten Gravitationswellen. Glaubst Du wirklich, man könnte eine Raumverzerrung von 1/1000 eines Protonen-Durchmessers als Auswirkung einer Gravitationswelle, die in 20 Lichtjahren Entfernung ihre Quelle hat, irgendwie messen? Genau solchen Schwachsinn verkaufen die uns aber als Beweise und kassieren dafür unglaubliche Summen Steuergelder. Im Kern geht es wie immer, um Geld. Anderes Beispiel: Das Luna Range Programm. Hier werden Leute dafür bezahlt, dass sie Laser-Strahlen von der Erde auf den Mond schicken. Hier sollen diese von den angeblich dort befindlichen Reflektoren zur Erde zurück gesendet werden. Ein Laser-Puls umfasst 100K Photonen. Ab und zu kommt mal ein Photon zurück. das sagt jedenfalls die Software, die dieses Projekt überwacht. Glaubst du so etwas?
    filmdenken
    Unter dem Link finde ich „Etwa 956 Ergebnisse“. Gibt es kein Video, das eine nach Deiner Meinung haltbare Erklärung wiedergibt? Das erste Ergebnis von Eric Dubay (https://www.youtube.com/watch?v=ahNfU7zYlmY) hatte ich schon gesehen (ist teilweise akustisch kaum zu verstehen; ein konsistentes komplexes Modell des Sternenhimmels scheint es nicht zu enthalten, nur die Behauptung, ein solcher Himmel würde exzentrisch über der FE rotieren). Das zweite sah ich gerade erst (https://www.youtube.com/watch?v=2VmjyY0zfeY). Es ist eine steinerweichende Laberei. Wie können FE-Vertreter allen Ernstes glauben, alle exakten Bestimmungen von Sternbildern, wie wir sie sehen, und die öffentlich frei zugänglichen Sternenhimmel-Visualisierungen im Internet mit individueller Eingabe eines Standpunktes (auf einer Kugelerde nach deren Darstellung) ignorieren und einfach nur behaupten zu können, aufgrund eines rotierenden Sternenhimmels – ebenso auf der Südhalbkugel – sei das herrschende Modell irgendwie auch nur in Zweifel gezogen? „Die Erdachse zeigt zufälligerweise fast genau auf auf den Polarstern. Die Erde dreht sich um diese Achse, einmal in 23h 56min. Da wir auf der Erde stehen und uns mit ihr mitdrehen, scheint es für uns, als stünden wir fest und unbeweglich, und der Sternenhimmel dreht sich um uns. Das ist eine optische Täuschung. Nicht die Sterne drehen sich, sondern wir mitsamt der Erdkugel.“ (https://astrokramkiste.de/polarstern) Was sollte auf einer Flachen Erde von Neuseeland aus einen anderen Sternenhimmel sichtbar werden lassen als von Berlin aus betrachtet, und zwar in der Rotation um ein Zentrum herum, das aber eindeutig Richtung Norden ein ganz anderes ist als in Richtung Süden – wo immer der auf der FE auch wäre, er ist ja rundherum, also jedenfalls in einer bestimmten Richtung, um die sich die Sterne am dortigen Himmel ‚drehen‘? „Der Polarstern befindet sich derzeit nur etwa 0,7° vom nördlichen Himmelspol entfernt und ist daher auf der Nordhalbkugel der Erde ganzjährig sichtbar (zirkumpolar), auf der Südhalbkugel hingegen nie.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Polarstern)

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