Ein abgelehntes Vortrags-Konzept über Okkultismen und ihre #Symbolik

Als weiteres Lesestück zum vorigen Eintrag über die Realität satanistischer Verschwörungen in Deutschland gebe ich hier mein abgelehntes Konzept für einen Vortrag bei einer Tagung am 14.-16.06.2018 wieder.


CfP: Von Hinterzimmern und geheimen Machenschaften
Verschwörungstheorien in historischer Perspektive
Akademie der Diözese Rottenburg Stuttgart (Fachbereich Geschichte)

Dr. Daniel Hermsdorf (Kunstgeschichte/Medienwissenschaft), Autor, Blogger, Videograf, Verleger
Okkultismen und ihre Symbolik als hermeneutisches Desiderat und Politikum

Ausgehen möchte ich hier von Ihrer Leitfrage in „Sektion 3: Prävention durch Geschichte?“: „Welche Faktoren trugen dazu bei, Verschwörungstheorien zumindest in der Mehrheitsgesellschaft an die Ränder des Sagbaren zu verschieben?“

Als langjähriger Forscher und Publizist auf dem Feld sog. Verschwörungstheorien verwundert mich die weitgehende Abwesenheit des Begriffes Okkultismus im sich aktuell neuerlich ausdifferenzierenden akademischen Diskurs über Konspirationen, ihre Urheber, Praktiken und Zielgruppen/Opfer sowie die darauf bezogene existierende Enthüllungsliteratur. Hierzu lassen sich vorab drei Hauptaspekte nennen:

  1. Okkultismus als allgemeiner Begriff befindet sich in unmittelbarer semantisch-argumentativer Nachbarschaft zu Verschwörung(stheorie) – weil es um Verborgenes bzw. arkane Denk- und Kommuni­ka­tions­formen geht.
  2. Ihre wohl größte Konjunktur hatten Begriffsvarianten des Okkulten in den 1920/30er Jahren – in der Domäne der deutschsprachigen Verschwörungstheorie am prominentesten vertreten durch Erich und Mathilde Ludendorff als Kritik an geheimbündlerisch formiertem „Occultglauben“, an „Occultverblödung“ und „induziertem Irresein durch Occultlehren“.
  3. Im Zuge der Medialisierung nahezu aller Lebensbereiche hat sich – in einer unabgeschlossenen Dynamik – die Diffusion industriell fremdbestimmter symbolischer Praktiken drastisch verstärkt. Spielfilm und Popmusik sind als ästhetische Disziplinen die quantitativ wirksamsten Transformatoren für unabsehbar viele Anwendungen und Abwandlungen symbolischer Traditionen von primär diverser okkultistischer Provenienz.

Anhand dieser drei Punkte sind in der konkreten Ausarbeitung meines Vortrags wesentliche Beispiele, Argumente und eigene Perspektiven aufzuzeigen. Bezugspunkte hierfür sind in meiner eigenen Theoriebildung vielfältig gegeben – ob als Grundlagenwerk über Hauptthemen und erkenntnis­theoretische Grundlagen von Konspiratologie in meiner Buchpublikation „Okkultsymbolik und Machtpolitik“ (2016), als Fallstudien in „Kino Okkult. Bd. 1 – 11. September 2001“ (2011) und „Saturn Hitler“ (2016) oder zahlreichen Blog-Beiträgen auf filmdenken.de ab 2004.

Mit der Erwähnung von Erich Ludendorff als Militär, Politiker und schließlich fundamental­kritischem Autor zu Freimaurerei, Judaismus und Jesuitismus ist zugleich ein Hauptaspekt der konzeptuell für die kommende Tagung angesprochenen Marginalisierung bestimmter Argumentationen und publizistischer Projekte angezeigt: Nur in Deutschland kann ein Teil der relevanten zeit­genössischen Literatur (wie etwa in der nationalsozialistischen Staatsführung Alfred Rosenberg) aus zunächst rein sprachlich-praktischen Gründen bevorzugter Reflexionsgegenstand sein. Zugleich ist in der historischen Konsequenz der politischen Bewegung, mit der die Ludendorffs in fragiler, aber durchaus enger Beziehung standen, alles damit Verbundene – oder auch nur mittelbar Assoziierbare – einer skrupulösen, teils als einseitig ideologisiert wahrgenommenen Behandlung ausgesetzt.

Aus einer aufklärerischen, historiografisch und wissenschaftstheoretisch integren Perspektive fällt dies unter die zuvörderst kritisier- und revidierbaren Widersprüchlichkeiten einer an Prinzipien von „Freiheitlichkeit“ oder gar „herrschaftsfreiem Diskurs“ orientierten Öffentlichkeit der Gegenwart: Von den unübersehbaren Dokumenten freimaurerischer Leidenschaften für Okkultsymbole diverser Provenienz in baulichen Monumenten bis zu fast jedem industriell designten CD-Cover und Video für Popmusik-Hörer (um nur diese zu nennen) reicht das Aufgabengebiet einer konspiratologischen Kulturwissenschaft, für die bisher nur wenige systematische und innovative Entwürfe vorliegen.

Weiterempfehlen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Facebook
  • Twitter
  • LinkedIn
  • XING
  • Google Bookmarks
  • Y!GG
  • MisterWong
  • del.icio.us
  • Digg
  • Reddit
  • Technorati

Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

ANZEIGE
                        
Mit dem Nutzen des Kommentarbereiches erklären Sie sich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.

2 Responses

  1. Aus welchem Grund wurde der Text abgelehnt?

    • Es ist natürlich realistisch so, dass es bei einer solchen Tagung immer mehr Einreichungen als Vortragstermine gibt. Die Standard-Absage bezieht sich dann nicht auf inhaltliche, sondern solche organisatorischen Kriterien. Erst die Teilnehmer vor Ort sehen dann konkret, wer und was stattdessen ausgewählt wurde.

Kommentar verfassen