De Maizière zu #Demografie – eins sagen, anderes lassen?

Es ist heute eine Hauptnachricht und schon die Botschaft in Überschriften: „Flüchtlingsdebatte – De Maizière sieht in Asyl keine Lösung demografischer Probleme“ („Süddeutsche Zeitung“, 01.09.2016). Allein ist dabei die Frage: Wie ernst meint ein Politiker wie de Maizière das – und was folgt (eigentlich) daraus? Und damit wird dies zu einem Beispiel der Rhetorik von Absichtserklärungen und nicht eingelösten, mithin zerredeten Absichten. Es ist möglich, dass de Maizière persönlich sich dies anders wünschte. Doch dies ist keine politische Realität und aufgrund einiger Rahmenbedingungen eher unwahrscheinlich – wohl aus Gründen.

Nun sei der Bevölkerungsschwund, der sich nach dem Ableben der um 2025 in Rente gehenden Baby-Boomer hin zu 2050 einstellt, also nicht primär durch Zuwanderung auszugleichen. Frage ist also: Wodurch sonst? Ich erwähnte selbst nicht nur einmal das Zauber-Argument von Experten wie Gerd Bosbach, die ständig steigende Produktivität mache es unproblematisch, dass ab 2040 der Greis nur noch den Greis zum Kinderspielplatz bringt („Deutschlandfunk“, 30.10.2012).

Dieses Argument ist wohl deshalb kurzsichtig, weil der Mensch keine Maschine ist und zum sozialen Miteinander auch eine gesunde Mischung gehört. Ältere, die nur noch von Älteren und ihren spezifischen Lebensproblemen umgeben sind, werden verstärkt zu Depressionen und wiederum folgenden psychosomatischen Problemen neigen. Während laut Bosbach also Roboter gewinnsteigernd Turnschuhe nähen etc., müssten die Senioren der Zukunft ganz andere sein als jene, bei denen schon seit Jahrzehnten in Deutschland steigende Raten von psychischen Erkrankungen wie Depression zu verzeichnen sind.

Sollte also in meiner Generation noch jemand daran interessiert sein, dass auch in Zukunft Jüngere und Kinder mit am Tisch sitzen, nachdem bei einem selbst der Rentenbescheid über monatliche 24,30 Euro eingeflogen ist, würde man schon seit Jahren zwangsläufig zu folgenden Hemmnissen für die Sorge um Nachwuchs gekommen sein:

  • Prekarisierung von Arbeitsplätzen
  • Prekarisierung von Geschlechterbeziehungen
    • Infragestellung von Rollenbildern (Feminismus)
    • steigende oder konstant hohe Scheidungsraten
  • Prekarisierung der Sozialsysteme und der Altersvorsorge
  • mangelnde Angebote zur Kinderbetreuung für Berufstätige
  • kulturelle Ablenkungsprogramme (Fernsehen, Computerspiele, Reisen, Sport, Luxus-Artikel)
  • anti-deutsches Engagement für weniger Geburten und mehr Zuwanderung

Der einzige Punkt, der hiervon systematischer politisch bearbeitet wird, ist jener der Kinderbetreuung (aber bisher wohl ohne nachhaltige Erfolge). Zu allen anderen Punkten herrscht weitgehend Funkstille.

Wir kennen die politische Linie, die Deutschland in diese Lage gebracht hat. Sie geht nicht zuletzt aus von langfristigen konspirativen Tendenzen. Dafür hat man sich Statthalter wie einen Josef „Joschka“ Fischer herangezogen, dessen Buch-Veröffentlichungen etwa solche Zusammenfassungen charakterisieren:

Deutschland muß von außen eingehegt, und innen durch Zustrom heterogenisiert, quasi „verdünnt“ werden.
(Die Welt, 07.02.2005)

Es ist diese Linie, die offensichtlich privilegiert für Fischers Pöstchen, so jene als Senior Fellow am „Liechtenstein Institute“ der „Woodrow Wilson School“, als Berater des „World Jewish Congress“, als Präsidiumsmitglied der „Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen“, als Gründungsmitglied und Vorstand des „European Council on Foreign Relations“, finanziert von George Soros.

Es ist nicht anzunehmen, dass Joschka Fischer Lebenserfahrungen nachholt, die ihm die Fragwürdigkeit seiner diesbetreffenden Positionen vor Augen führt – und der Mohr hat, bei weitem, seine Schuldigkeit bereits getan; Fachkräfte dieser Art wachsen nach.

Die eigentlich notwendigen unbequemen Konsequenzen aus den oben genannten, weitgehend ignorierten Punkten werden weder demokratische Politiker ziehen, die gewählt werden wollen, noch Journalisten, deren zahlende Kundschaft ebf. zunehmend zu jenen gehört, die zu den letzten stärkeren Jahrgängen made in Germany zählen. – Einstweilen darf der wohltuende Fischersche Blutverdünner kräftig zubeißen – auf Bewährung, versteht sich.

Deshalb entspricht jeder Hinweis auf Probleme, deren Ursachen man ebensowenig wie deren teilweise unausweichlichen Lösungen benennt, der Lexikon-Definition von „Heuchelei“:

ein moralisch bzw. ethisch negativ besetztes Verhalten, bei dem eine Person absichtlich nach außen hin ein Bild von sich vermittelt, das nicht ihrem realen Selbst entspricht.

Dieses „reale Selbst“ müsste sonst in der Wirklichkeit eingelöst werden. Auch systemische Bedingungen, die dies verhindern, muss man dazu weiterhin kritisieren.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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2 Responses

  1. Peter Hallonen sagt:

    Das Problem Demographie ist zwar politisch von höchster Relevanz – aber nur langfristig. Die umgedrehte Bevölkerungspyrimade ist für die nächsten zwei Jahrzehnte irreversibel bzw. wird irreversibel zu den gesellschaftspsychischen und sonstigen Schäden führen, die hier geschildert wurden, selbst wenn aus heiterem Himmel die Geburtenrate im Jahr 2017 wieder 2,1 betragen würde.

    Ich gehe einfach mal davon aus, dass diese Probleme vom Ausmaß her in etwa dem entsprechen, was z.B. der letzte Weltkrieg an Verwerfungen hinsichtlich Vertreibung, Zwangsarbeit, Inhaftierung, Verwitwung von Frauen, deren Männer im Krieg gefallen sind, psychische Langzeitschäden durch Mitlerleben von Bombenangriffen usw. entsprechen. Die Folgen davon wiederum spüren wir bekanntlich noch heute, beim Einen mehr, beim Anderen weniger.

  1. 2. September 2016

    […] Quelle: De Maizière zu #Demografie – eins sagen, anderes lassen? | filmdenken.de […]

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