Björn #Höcke ein neuer #Hitler? – #AfD

Auf Facebook kommentierte ich gerade einen geteilten Artikel aus dem “Tagesspiegel” von Matthias Meisner über den Nachgang der Thüringer Landtagswahl mit dem Wortlaut:

Höcke ist ein Mann, der in seinem Buch schreibt, dass ein Alleinherrscher, der sich seines „verkümmerten männlichen Selbstbewusstseins“ entledigt habe (und der natürlich er selber ist), nötig sei, um die Demokratie, die er „im letzten Degenerationsstadium“ sieht, zu überwinden. Dieser Führer solle das Projekt einer „Rückeroberung“ des Landes von „fremde(n) Völkerschaften“ forcieren und ein „groß angelegtes Re-Migrationsprojekt“ durchführen. Dieses werde auch Menschen mit deutschem Pass nicht verschonen; unter deutscher Führung solle “der Islam”, also die Deutschen und Europäer muslimischen Glaubens, bis zum Bosporus „zurückgedrängt“ werden. Ein solches Projekt gehe nicht ohne eine Politik der „wohltermperierten Grausamkeit“, denn der „Verwesung nahes Leben“ könne „nur durch das gewaltsamste Verfahren reorganisiert werden“. Wenn einmal „die Wendezeit gekommen“ sei, „dann machen wir Deutschen keine halben Sachen.“ Politische Gegner dieses Projektes sollen dabei ausgeschaltet oder in einem „Aderlass“ zur Emigration gezwungen werden; es bedürfe hierfür männlicher Härte und Unerbittlichkeit, denn man werde „leider ein paar Volksteile verlieren (…), die zu schwach oder nicht willens sind, sich der fortschreitenden Afrikanisierung, Orientalisierung und Islamisierung zu widersetzen (…)“.

Ganz klar für mich: So geht es nicht. Nur sind Befunde und Erfahrungen, von denen ausgehend eine solche Reaktion, solche Fantasien entstehen, als solche leider nicht durchweg so unrealistisch.

Meine Antwort auf die besorgten Kommentatoren, die teilweise diese Vision Höckes für umsetzbar halten:

Man sollte aber vielleicht nicht vergessen, dass die Weimarer Republik, in der Hitler mit bekanntermaßen zunächst keinesfalls grandiosen Ergebnissen an die Macht gehievt wurde, eine ethnisch eher homogene war – außerdem frei von der Erfahrung der Nazi-Zeit und der darauf folgenden Kriegsniederlage sowie Besatzung.

Wie offensichtlich ein Teil der ostdeutschen AfD-Anhänger unterschätzt Höcke die statistischen Realitäten und lebensweltlichen Konsequenzen von Multi-Ethnizität ebenso wie die praktische Schwäche der ostdeutschen Länder, die 1) relativ geringe Bevölkerungszahlen haben und 2) von Finanztransfers abhängig sind (sicher auch durch Deindustrialisierung nach der Wende, aber das ändert man halt nicht, indem man groß daherredet).

Eine Parallele zur NSDAP besteht vielleicht noch im Abenteurertum derer, die sich ggf. militanten Verbünden anschließen würden – allerdings waren dies damals im Kern sozial eher isolierte Freikorpsler, die außer Krieg nichts kannten. Heute sind es junge Männer, die an Warmwasser und Internetverbindung gewöhnt sind, auch im rechten Bereich (ich hoffe, es fühlt sich niemand motiviert, mir das Gegenteil zu beweisen, BITTE: Es würde auch nichts bewirken).

Wer die Angstkulisse eines “rechten Terrors” größeren Ausmaßes aufbaut (ich rede nicht von einzelnen Taten, die schmerzhaft und tödlich sein können, die aber praktisch nichts in der Masse bewirken – wenn nicht vielmehr Ablehnung), sollte doch wenigstens einmal den praktischen Ablauf durchspielen. Sollten da ernste Gefahren entstehen, was wäre die Reaktion? An welcher Tankstelle sollten mobile Einsatztrupps da ihre Vorräte auffüllen? Mit welchen Waffen und welcher Munition sollten sie sich gegen die aufmarschierten US-Truppen über mehr als ein paar Tage zur Wehr setzen? Was sollte Deutschland nach einer illusorischen Machtübernahme dann anderes passieren als Venezuela? (Allein, dass solch ein Gedankengang in der Mainstream-Presse nicht gegen Höcke aufgefahren wird, sollte stutzig machen.)

Statt Höcke noch weiter zu einem potenziellen nächsten Hitler zu stilisieren, sollte man ihn deutlich darauf ansprechen, dass der Versuch, in Deutschland einen Hitler NACH Hitler aufzustellen, für die entsprechende Vorhut lange Gefängnisstrafen oder den Tod im Kampf mit vollkommen übermächtigen militärischen Einsatztruppen aus dem In- und Ausland bedeuten würde. Erhebliche Gegenwehr gäbe es auch zivil aus einer hochgradig durchmischten Bevölkerung (in 10-15 Jahren schon 40% junge Erwachsene mit noch deutlichem Migrationshintergrund, davon 20% Moslems). Dann aus die Maus.

Für diejenigen, die NICHT möchten, dass über Integrationsprobleme und etwa die in privaten Gesprächen mir gegenüber schon mehrfach kommunizierten Diskriminierungen von Deutschen in Berlin-Neukölln ausführlich debattiert wird, ist Höcke ein Glücksfall. Er wird ggf. noch über Jahre dafür sorgen, dass ein Reden über Deutschenfeindlichkeit, Homophobie, systematische Frauen-Unterdrückung bei Moslems, von krassen Kriminalitätsphänomenen der Clan-Familien (trotz vieler Berichte derzeit) fortgesetzt in denselben Topf eines neuen Hitlerismus geworfen und damit isoliert werden kann.

Es ist eher wahrscheinlich, dass dies der einzige effektive Beitrag Höckes ist, der in der politischen Landschaft übrig bleiben wird.

Wer in Thüringen in 10-20 Jahren die stark überzähligen Älteren versorgen und teils pflegen soll, …
https://statistik.thueringen.de/datenbank/TabAnzeige.asp?tabelle=kr000103||
… habe ich Höcke auch noch nie erklären gehört. Wer ihn das nicht fragt, macht sich derselben Unterlassung schuldig und stärkt eine Imago Höckes, die aufgrund dieser unabänderlichen Tatsachen keinen Bestand haben kann, ob man das nun will oder nicht.

Nachtrag:

“Messerklinge in die Journalistenfresse” von K.I.Z. “gegen Rechts”, gerappt auf derselben Veranstaltung in Chemnitz, auf der Frank-Walter Steinmeier redete, ist mir übrigens auch nicht lieber.

Wer Daniel H. umbrachte, bevor “gegen Rechts” demonstriert werden musste, kann man vielleicht auch nochmal nachlesen:
https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/messerattacke-an-daniel-h-lange-haftstrafe-im-chemnitz-prozess-16345994.html

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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3 Responses

  1. Heute diese Zeilen im “Handelsblatt”:
    “Eine De-Industrialisierung der ehemaligen DDR hat es aus Sicht von Historikern und Ökonomen aber nicht gegeben. In vielen Kernregionen Ostdeutschlands haben sich aus den Ruinen bis heute wieder neue und erfolgreiche industrielle Zentren entwickelt. So etwa im Stahl, in der Chemie und im Braunkohleabbau. Jetzt müssen sie sich in Zeiten von Digitalisierung und Dekarbonisierung aber ein weiteres Mal neu erfinden.”
    https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/30-jahre-nach-der-wende-die-industriezentren-des-ostens-stehen-vor-einem-neuen-umbruch/25195450.html
    Das geht aber nach meinem Verständnis nur, wenn genug und die richtigen Leute da sind. Björn Höcke gibt den harten Mann – er muss aber liefern in der Frage, woher eine von ihm angestrebte Stärke de facto denn kommen soll. Man wundert sich, dass in einem solchen politischen Umfeld neben starken Sprüchen nicht auch harte Fragen gestellt und der Sprechende aus der argumentativen Verantwortung entlassen wird. Bitte demnächst das mal in den Vordergrund stellen und nicht nur “Höcke, Höcke” rufen:
    “Neben der Konjunktureintrübung mit möglichen Auswirkungen auf die Autoindustrie und den Maschinenbau sei die demografische Entwicklung ein Grund für das geringe Beschäftigungswachstum in Thüringen. Viel Menschen gingen in den Ruhestand, die Zahl der Thüringer im erwerbsfähigen Alter sinke.
    Arbeitgeber würden immer weniger neue Mitarbeiter finden, erklärte der Chef der Landesarbeitsagentur, Kay Senius. „Ohne Zuwanderung von Fachkräften wird sich das auch nicht ändern.“ Mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in Thüringen rechnet Senius nicht, obwohl ein Szenario auch von einen um 1,2 Prozent ausgehe.”
    https://www.thueringer-allgemeine.de/leben/arbeit-ausbildung/prognose-kaum-zusaetzliche-beschaeftigung-2020-in-thueringen-id227219235.html

  2. l2012ucas sagt:

    Der Popanz Björn Höcke wird doch hauptsächlich durch die linksliberalen etablierten Medien aufgebaut, die durch gezielte Interviewfallen oder semantische Wortklaubereien, Stichwort “Mahnmal der Schande”, ein völlig übertriebenes Bild dieses Mannes zeigen, der für mich keinen demagogischen oder gar hetzerischen Ton anstimmt.

    https://www.youtube.com/watch?v=NHIfa8-bbLA
    https://www.youtube.com/watch?v=VCVhcDgBPKY

    Trotzdem habe sie die Irrealität einer gewaltsamen völkischen Übernahme gut herausgestellt. Auch das man vielerorts von “Weimarer Verhältnissen” spricht, macht mich bei der jetzigen Wirtschaftslage und dem im Vergleich zur Zeit nach 1918 ruhigen politischen und ideologischen,kaum militarisierten Klima noch stutzig. Die AfD ist für mich eine absolut notwendige Korrektur gegen eine von links forcierte langsame Abwicklung unserer bisherigen Gesellschaftsordnung.

    Des Weiteren könnte man ohne große Phantasterei auch ein alternatives, wenn auch unwahrscheinlicheres Szenario beschreiben.
    Die Islamisierung usw. in Deutschland schreitet in einem solchen Maße voran, dass selbst die Sicherheitsinteressen einer möglicherweise bald mehr nationalstaatsorientierten, weniger globalistischen USA bedroht wären. Stellen sie sich vor, aufgerundet 200.000 deutsche Soldaten mit Unterstützung von 50.000 US-Soldaten und einen potenziellen Freiwilligenverband von 1,5 Millionen Waffenbesitzern, dazu noch mögliche Untergrundnetzwerke und Verbündeten aus dem konservativ-christlichen Ausland, vlt. Polen usw, träfen dann auf ethnisch völlig durchmischte islamistisch-radikalisierte, aber in keinster Weise militärisch geschulte Kämpfer. Das das immer noch ein mit allen Mitteln abzuwendendes Horrorszenario à la Jugoslawienkrieg wäre, kann man nicht bestreiten. Wohl möglich ist der Eiserne Vorhang auch ein bitter erkaufter später Glücksfall der Geschichte, da in Ostdeutschland und Osteuropa Rückzugsraum vorhanden wäre, wenn sich in Westeuropa der Worst Case, aufgrund z.B. eines Weltsystemcrashs, tatsächlich ereignen sollte.

    https://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/start/streitkraefte/grundlagen/staerke/!ut/p/z1/hY7NCsIwEISfxUOv2Zji761VEKWCYtE2F0nbmCoxKWlsfHwjngSLc9vZb4YBChlQxbqrYPaqFZP-zun4HE-TNCEzQtLdYonX2zCOh3tCVschnP4B1L9xjyIMh4pD7jsmfR3p3kNAgd5Yx56o0cZKbhEr3wshr5mqJN_pMvoYG6BC6uIzPVJFOBVADb9www16GG_X1jbtPMABds4hobWQHFU8wL8StW4tZF8gNPfM4XAkuyQavABia8kH/dz/d5/L2dBISEvZ0FBIS9nQSEh/#Z7_B8LTL2922TPCD0IM3BB1Q22TQ0

    https://www.dw.com/de/die-us-armee-in-deutschland-zahlen-und-fakten/a-50151636

    https://rp-online.de/panorama/deutschland/zahlen-und-fakten-zu-deutschlands-schuetzen-und-waffen_iid-17658333

    https://de.wikipedia.org/wiki/Hannibal_(Netzwerk)

    • Ich stimme Ihnen hier vollkommen zu. Da ist mein Szenario vielleicht noch zu optimistisch. Die Diskussion der Gefahr von Bürgerkrieg begleitet mich auch schon seit Jahren.
      Vielleicht ist beides nicht richtig: Höckes Option eines Rückzugs auf einen dann weiter dezimierten Nationalstaat mit einem autoritären Führer (undenkbar in einer vernetzten Welt, es sei denn, man will in Nordkorea enden) ebensowenig wie die Behebung eines Ausnahmezustandes durch alliiertes Militär, dann Regierung durch Notverordnungen etc. Soweit ich das einschätzen kann, würden doch alle ernsten Ausnahmezustände Folgen haben, die wir nicht komplett abschätzen können, die aber schnell zu Technikkatastrophen und Versorgungsengpässen führen, deren Folgen noch schlimmer sind als vorübergehende Kampfhandlungen mit größeren Zahlen von Toten. Hier gibt es weitere Ausführungen eines solchen Falls:
      “Das Fazit der Autoren ist klar: Deutschland ist auf einen solchen Fall schlecht vorbereitet. “Unterstellt man das Szenario eines mindestens zweiwöchigen und auf das Gebiet mehrerer Bundesländer übergreifenden Stromausfalls, kämen die Folgen einer Katastrophe nahe”, heißt es in der 260-seitigen Studie, die der taz vorliegt. Diese wäre “nicht ,beherrschbar’, allenfalls zu mildern”.”
      (https://taz.de/Stromausfall-Szenario-fuer-Deutschland/!5123407/)
      Vielleicht begegnen wir einem Zustand von Alternativlosigkeit, der im Grunde global besteht: Es darf einfach nicht passieren. Alles andere ist besser, so schlimm es auch heute erscheinen mag. – Und das ist dann wieder ein Argument gegen Höckes Unbedingtheit in der Behandlung laufender Krisen. Ja, Deutsche/Westeuropäer werden statistisch recht zwangsläufig zu einer Minderheit in ihrem Land, wären irgendwann nicht mehr messbar als solche vorhanden. Ja, es gibt erhebliche Ungleichheiten in Leistung und Leistungsnahme, in Kriminalitätsstatistik und Gewaltpotenzial bei bestimmten Migranten-Gruppen, an erster Stelle moslemisch geprägten Zuwanderergruppen. (Selbst manche günstigeren Zahlenangaben muss man etwa mit Kosten für Gefängnis-Aufenthalte konfrontierten, die in Gesamtrechnungen gerne weggelassen werden: https://rp-online.de/politik/deutschland/gefaengnisse-in-deutschland-immer-mehr-auslaender-sitzen-in-haft_aid-36501705.)
      Die Islamisierung wird durch Fluchtbewegungen natürlich verschnellert. Es gibt starke Konzentrationen in bestimmten Regionen. Wie viele in dieser Form gewaltbereit wären, kann ich nicht realistisch einschätzen. Ein Standard-Argument sind auch noch Animositäten von Migranten untereinander, auch von Moslems gegenüber Moslems (u. a. Sunna/Schia).
      Vielleicht ist ein Gebot der Stunde, nach Möglichkeit allen zu verdeutlichen, dass sie nur verlieren könnten in einem echten Ausnahmezustand. Aber das löst natürlich nicht die Probleme eines Sozial- und Schuldensystems. Und es kommt auf die Ansprechbarkeit, beginnend bei der Sprachkompetenz an. Da gibt es Probleme, die fast nur die AfD deutlich anspricht. Deshalb sind die kognitiven Ausfälle auf der Linken für mich kaum harmloser als radikale und dabei kaum oder gar nicht praktisch umsetzbare Ideen, die bei Höcke neben korrekten Problemdiagnosen stehen.

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