Derrick entlarvte Jeffrey #Epstein ab 1976

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Das, was mit dem Fall Jeffrey Epstein so manchen Ideologie-Priester und Verfasser personenloser Theorien in kognitive Dissonanz bringen dürfte, hatte im deutschen Fernsehen wohl eine lange währende versteckte Vor- und Parallelgeschichte. Eines der wenigen anwendbaren Mittel zur Reaktion auf Lebensgefährder war die Einkleidung in parabelhafte Geschichten und physiognomische Doubles. So geschah es systematisch in den ZDF-Serien “Der Kommissar” (1968-76) und “Derrick” (1974-98) aus der Feder von Herbert Reinecker, produziert von Helmut Ringelmann.

Die hier aufgeführte Reihe beginnt fernsehhistorisch exakt mit dem Eintritt Jeffrey Epsteins, eines Mannes ohne jedwede relevante Ausbildung, in eine steile Karriere innerhalb der Hochfinanz und des Beratungswesens. Dass bei Epstein noch andere Dienstleistungen eine Rolle spielten, wurde 2005 mit dem ersten Prozess wegen Zuhälterei und sexuellen Missbrauchs Minderjähriger öffentlich.

Doch just 1976, als die Biografie Epsteins Anheuern bei der Investmentbank Bear Stearns dank persönlicher Verbindungen verzeichnet, trat in einer “Derrick”-Folge (“Tod des Trompeters”) erstmalig Sky Dumont in einer Rolle auf.

Dumont erschien zuvor schon zweimal in “Der Kommissar” und hatte 14 Einsätze in “Derrick”. 1972 war seine erste Rolle in diesem Reigen jene des Zuhälters Manuel Derrick in der “Kommissar”-Folge “Rudek”. (Dieser Rollenname hebt ihn natürlich unter allen anderen Schauspielern der Serien merkwürdig hervor.) Der Mann, zu dem er physiognomisch in Entsprechung steht, ist mit Jeffrey Epstein der heute gerichtsnotorische Zuhälter minderjähriger Prostituierter für äußerst wohlhabende Kunden bis hin zum englischen Königshaus.

Paradigmatisch für das Rollenmodell eines Epstein ist wohl jene des Reisebüro-Besitzers Limbach in “Der Mann aus Antibes” (1985), der ständig wechselnde junge Frauen bei sich wohnen lässt. “Dann jage ich sie zum Teufel”, sagt Limbach. (Nebenbei: Dieser Name begegnet uns in der Realität 1994-2002 mit Jutta Limbach als Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts.)

Zwischen den Darstellern der oben stehenden Bilderreihe ergibt sich schon in der Besetzungsliste ein eindeutiges Beziehungsgeflecht. Karl Heinz Vosgerau bildet sozusagen die Klammer – indem er jeweils einmal mit jedem anderen in einer “Derrick”-Folge auftrat, wiederum beginnend mit Sky Dumont:

Gib dem Mörder nicht die Hand (1994) > Wolf Roth
Tödliches Patent (1990) > Peter Bongartz
Die Entscheidung (1980) > Sky Dumont

Was sollte Sky Dumonts filmhistorisch wohl exponierteste Rolle werden? – Jene des mondänen Sandor Szavost in Stanley Kubricks “Eyes Wide Shut” (GB/USA 1999). (Zum jüdischen Thema darin siehe etwa diesen Essay von Bryn V. Young-Roberts.) Die Parallele zum Fall Epstein ist vollkommen offensichtlich: Kubrick schildert mit dem Arthur-Schnitzler-Stoff, teilweise gedreht in dem ehemaligen Rothschild-Schloss Mentmore Towers, den geheimgesellschaftlichen Eingang in eine elitäre Welt des Sex-Kultus. Die Uraufführung des Films erlebte der Regisseur nicht mehr, wie wir wissen.

“Außer Eingeladenen wird niemand zugelassen”, bemerkt Sky Dumont in “Derrick – Die Entscheidung”, worauf Karl Heinz Vosgerau erwidert: “Ich weiß.” – Diese Folge stellt ein Familien-Ensemble vor, in dem die Vosgerau-Figur um ihr Erbe gebracht werden soll. Dumont gehört zum Mörder-Trio. Die finale Entlarvung spricht mit Brigitte Horney eine schon im Dritten Reich bekannte Schauspielerin aus.

Weitere Einzelheiten und Plots bedürften jener Erläuterung, die (nicht nur) in Deutschland seit Jahrzehnten zum unterdrückten Wissen zählt. – Hier sei nur noch bemerkt, dass “Tödliches Patent” insofern auffällig ist, dass diese Folge eine der wenigen expliziteren Schilderungen von Wirtschaftskriminalität in den Reinecker-Serien ist. “Gib dem Mörder nicht die Hand” führt im Kontrast zu einer von Arbeitslosigkeit und Verzweiflung bedrückten kleinbürgerlichen Welt in die internationale Organisierte Kriminalität, in diesem Fall chinesische Triaden. (Für die Kenner: Auch der kabbalistische Lebensbaum wird in sog. “Triaden” aufgeteilt.)

Über die zwei “Derrick”-Folgen “Das Floß” (1994) und “Hölle im Kopf” (1997), die organisierten sexuellen Missbrauch thematisieren, schrieb ich im Mai 2018 schon diesen Beitrag.

Des Weiteren bleibt hier zunächst noch anzumerken, dass ein physiognomistisches Spiel mit Sky Dumont als Epstein-Double offensichtlich die Frage aufwirft, ob es schon 1972 denkbar gewesen wäre. Auch 1976, mit Beginn von Epsteins Bank-Karriere, hätte es im Prinzip Insider-Wissen erfordert – wenn er überhaupt schon in der Vermittlung minderjähriger Sex-Partnerinnen aktiv gewesen sein sollte.

Die Recherchen dazu beginnen nun erst, wie Thomas Volscho in “The Daily Beast” (27.07.2019) vermerkt:

In the fall of 1969, Epstein started at Cooper Union and studied there for two years until the spring semester of 1971. […] It turned out that Epstein was enrolled at NYU between September of 1971 and June of 1974. Thus, most of Epstein’s college study years were spent at NYU. I verified that he did not graduate from NYU with their registrar.

In a 2002 profile in New York magazine, Thomas Landon reported that Epstein studied at NYU’s Courant Institute of Mathematical Sciences. It is not clear why Epstein attended two institutions of higher education but did not graduate from either. When Epstein joined the board of Rockefeller University, he misrepresented his educational and employment background; a press release stated that he had “studied physics at Cooper Union in New York and then joined Bear Stearns, becoming a Limited Partner until 1981.” Between Cooper Union and Bear Stearns, Epstein studied at NYU and was a teacher for two years (two unreported and significant events). When a convicted sex offender facing sex-trafficking charges was first employed as a teacher, it bears at least some scrutiny.

https://www.thedailybeast.com/jeffrey-epstein-dodged-questions-about-sex-with-his-dalton-prep-school-students

Eine auf Epstein abzielende Inszenierung hätte demnach eine Art geheimdienstlicher Ausspähung dieses Milieus erfordert. Zu diesem Zeitpunkt waren die deutschen TV-Serien-Macher jedoch noch nicht zu jenen immensen Vermögen gelangt, die die folgenden Jahrzehnte erbringen sollten – das Vorhandensein von Kapital wäre eine der Voraussetzungen zur konspirativen Beobachtung von Personen jenseits des Atlantiks gewesen, etwa mit dem Fokus auf sexuelle Kontakte zu Minderjährigen. Eine andere Option zur Erklärung wären Geheimdienst-Kontakte oder andere Untergrund-Strukturen, in denen solche Informationen zur Erpressung verwendet werden.

Die Reinecker-Ringelmann-Serien sind aus meiner Sicht jedenfalls ein welthistorisches Panorama, in dem es großflächig um solche Personen-Vergleiche und deren weitere Kontexte in Machtpolitik, Hochfinanz und reichen Dynastien geht. – Eine 700seitige Buchpublikation dazu bedürfte nur noch einer Schlussbearbeitung. Ihre Veröffentlichung würde besser nicht erneut im Alleingang durchgeführt – bisher von mir angesprochenen (Film-)Historikern ist das erneute Gespräch mit mir keineswegs verwehrt, jeder andere sei dazu eingeladen.

Jeffrey Epstein wuchs als Kind einer jüdischen Familie in Sea Gate, einer Gated Community am äußersten westlichen Rand von Coney Island in Brooklyn auf. Er besuchte die Lafayette High School in Brooklyn und dann das private College Cooper Union in Manhattan, von dem er 1971 verwiesen wurde. Von 1971 bis 1974 war Epstein am Courant Institut für Mathematik an der New Yorker Universität eingeschrieben, die er ohne Abschluss verließ.

Donald Barr, der Direktor einer exklusiven Privatschule an der Upper East Side in Manhattan stellte Epstein trotz dieser lückenhaften akademischen Ausbildung mit erst 20 Jahren an. Dort unterrichtete er von 1974 bis zu seiner Entlassung 1976 Physik und Mathematik. In seiner Zeit als Lehrer freundete sich Epstein mit dem Sohn und der Tochter von Alan Courtney „Ace“ Greenberg (1927–2014) an, der damals Vorstand bei der Investmentbank Bear Stearns war. Dort heuerte er 1976 an und stieg zügig auf. 1980 gehörte er zur Geschäftsführung von Bear Stearns.

1982 gründete Epstein seine eigene Vermögensverwaltung, die J. Epstein & Co, nach eigenen Angaben spezialisiert auf Geldanlagen für Milliardäre. Sein enger Geschäftspartner wurde der Milliardär Leslie Wexner, dessen Holding mehrere Bekleidungsunternehmen zählen, darunter die Unterwäschenkette Victoria’s Secret. Wexner war der einzige nachweisbare Kunde Epsteins.

1996 verlegte Epstein den Sitz seines Unternehmens ins Steuerparadies Jungferninseln, wo ihm unter anderem die beiden Privatinseln Great Saint James und Little Saint James gehörten. 2019 gab Epsteins Anwaltsteam vor Gericht ein Vermögen von insgesamt mehr als 550 Millionen US-Dollar an. Sein Immobilienbesitz bestand aus einer Stadtvilla an der Upper East Side, einer Ranch New Mexico, einer Villa in Palm Beach und einem Apartment an der Avenue Foch in Paris. Laut Medienberichten war er Besitzer einer Boeing 727, eines Hubschraubers und mehrerer Luxusautos.

2004 gründete Epstein mit Jean-Luc Brunel die Modelagentur MC2. Epstein investierte eine Million Dollar in das Unternehmen und stellte in New York ein Gebäude für Brunel und die Models der Agentur zur Verfügung. 2015 ging er eine millionenschwere Partnerschaft ein und investiert in das Startup Reporty Homeland Security. Das Unternehmen ist mit der israelischen Rüstungsindustrie verbunden und wird von dem ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak geleitet. Epstein und Barak standen sich nah, und Epstein bot ihm häufig Unterkunft in einem seiner Apartments in Manhattan an.

Zu Epsteins weiteren einflussreichen Freunden zählten unter anderem Prinz Andrew, der ehemalige US-Präsident Bill Clinton sowie der heutige US-Präsident Donald Trump. Epstein war Mitglied in der Trilateralen Kommission und im Council on Foreign Relations. Seit dem Jahr 2000 betrieb er die steuerbegünstigte Jeffrey Epstein VI Foundation, die 2003 an die private Harvard-Universität 30 Millionen Dollar gezahlt hat.

https://de.wikipedia.org/wiki/Jeffrey_Epstein

Dieser und andere Beiträge auf filmdenken.de sollen in keiner Form der pauschalen Feindlichkeit gegenüber Juden oder anderen völkischen sowie religiösen Gruppierungen und ihren Abkömmlingen Vorschub leisten. Sie fordern allerdings auf, sich auch innerhalb bestehender identitärer Gemeinschaften in aller Deutlichkeit gegen gravierendes Fehlverhalten zu positionieren. Alles andere trägt bei zu fortgesetzt scheiternder Verständigung und Gewalt.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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2 Responses

  1. l2012ucas sagt:

    Äußerst interessant und durchaus plausibel. Leider sind mir beide Serien “Derrick” und “Der Kommissar” zu wenig bekannt. Wenn die Entlarvung oder Offenlegung dieser okkulten Machenschaften in Film und Serie schon so weit zurückliegt, muss die filmhistorische Lücke der Aufarbeitung immens sein. Aktuellere Beispiele für Okkultsymbolik im Film konnte ich bei “Godzilla 2”, bei “The House With a Clock in Its Walls” und dem Tatort “Borowski und das dunkle Netz” ausmachen, wobei die beiden Erstgenannten eher christlich -endzeitlicher und der Tatort eher soziomedialer Natur sind.

    Godzilla II – King of the Monsters:

    https://www.youtube.com/watch?v=NQPghluCM9k
    https://autisticmercury.com/2019/06/04/an-esoteric-review-of-godzilla-king-of-the-monsters/
    https://www.krone.at/1932174
    https://www.quora.com/In-Godzilla-King-of-the-Monsters-what-is-the-symbolism-behind-the-scene-featuring-King-Ghidorah-and-the-cross

    The House With a Clock in its Walls (Saturn Symbolik, Farbsymbolik im Film)

    https://www.catholicnews.com/services/englishnews/2018/the-house-with-a-clock-in-its-walls.cfm
    https://christiananswers.net/spotlight/movies/2018/housewithaclockinitswalls2018.html
    https://www.youtube.com/watch?v=5noS6qGxcbM (https://de.wikipedia.org/wiki/Asasel) (Schlüsselsymbolik, Saturn ist zu sehen, Regenschirm usw.)

    Der Schwarzwald (bzw. Deutschland) wird als Zentrum okkulter Kräfte erwähnt:

    http://okkultesfreiburg.de/
    https://de.wikipedia.org/wiki/Weida-Konferenz
    https://de.wikipedia.org/wiki/Fraternitas_Saturni

    Borowski und das dunkle Netz:

    https://tatort-fans.de/tatort-folge-1015-borowski-und-das-dunkle-netz/
    https://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/videos/borowski-und-das-dunkle-netz-102.html (23.06.19)
    https://www.bild.de/regional/muenchen/muenchen-aktuell/maedchen-in-muenchen-vergewaltigt-polizei-schnappt-wolfsmaske-taeter-62912402.bild.html (27.06.2019)

    “Er trägt eine furchteinflößende Wolfsmaske, darüber Kapuze, einen Rucksack mit herausschauendem Teddykopf…”

    Wolfmaskenparallele und Hinweis auf Pädophilie (Teddy)

    • Danke, ja – wenn es “Kulturwissenschaften” gäbe, gäbe es ganze Forschungsbereiche dazu, ansonsten befindet sich die westliche Kultur noch in einem vor-reflexiven Stadium diesbetreffend.
      Eine auffällige Wolfsgestalt findet sich, beispielhaft nochmal dazu erwähnt, im TV-Geschehen auch in dem surreal angehauchten “Polizeiruf 110 – Wölfe” (2016) von Regisseur Christian Petzold.

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