#Flüchtlinge und #Integration – Deutschlandfunk vs. Hörer-Kommentar

Am 06.10.2018 sendete der „Deutschlandfunk“ in „Campus und Karriere“ eine Diskussion mit Experten zum Thema „Geflüchtete – Wie gelingt die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt?“ (hier die MP3s des Beitrags und der Diskussion; sie sind praktischerweise auf der Seite zur Sendung nicht eingebettet).

Ich stieg recht spät in die Sendung ein und hörte dort die Aussage eines der „Experten“ (32:38 Min.):

Wir haben etwa 8 % Analphabeten unter den Geflüchteten …

Im Vergleich zur Bildungs-Republik Deutschland mit ihren 4 % totalen und 14 % funktionalen Analphabeten wäre dies eine respektable Quote. Aber was tut man nicht alles für den guten Ruf der „Flüchtlinge“, wenn man in seiner eigenen Heimat in erster Linie Nazi-Gene zu beklagen hat – v. a. dort, wo, wie in Sachsen, derzeit mit die besten Schüler anzutreffen sind.

Wer derzeit in der Rolle solchen Expertentums unterwegs ist, darf keine harten und skeptischen Gegenansichten vertreten – so jedenfalls der allgegenwärtige Eindruck. Lässt man jedoch Stimmen einer unverstellten Realität zu, klingt dies sogleich anders als über den größten Teil solcher Sendestrecken hinweg (38:06 Min.):

Sie haben gesagt, der Iraner kann B1. Das reicht nicht, um auf seinem Ausbildungsniveau sich mit den anderen Teilnehmern am Markt dann auseinandersetzen zu können.

Ein Anrufer aus dem bayerischen Dorf Peterskirchen wird zu 30 afghanischen Flüchtlingen ausführlicher (46:10 Min.):

In Ihrer Runde hat man den Eindruck, wie wenn die mit Ausbildung schon kämen oder kein Problem hätten, die Sprache zu lernen oder so. Also, ich kann nur genau das Gegenteil sagen. Bei uns, von diesen 30 Afghanen sind ungefähr … bestimmt 25 Analphabeten […]. Die […] bekamen keine Sprachschule und nix […]. Und da haben Privatleute selbst die Alphabetisierung in die Hand genommen. […] Eine dreijährige Ausbildung … haben die bei uns überhaupt keine Chance. Ich persönlich betreue einen, der damals Analphabet war. Der macht eine Ausbildung als Auto-Mechatroniker.
Das ist ja schon weit fortgeschritten dann …
Ja, aber … […] Der hat das erste Jahr zweimal gemacht, eine andere Chance hätte der nicht gehabt. Im ersten Jahr ist er nicht benotet worden. […] In den technischen Fächern war der meiner Meinung nach ganz gut. Das Problem ist, diese Sprach-Fächer, wie z. B. Deutsch und Ethik und Sozialkunde … Er versteht im Unterricht eigentlich ganz wenig … Also, wenn ich ihn nicht betreuen würde, dann hat er überhaupt keine Chance, aber gar keine Chance. Aber aufgrunddessen, weil er so wahnsinnig fleißig ist, schreibt der auch teilweise Einser oder Zweier in diesen fachlichen … was mit der Mechatronik zu tun hat. […] Entweder sind die anderen Flüchtlinge um so viel besser als wie unsere 30 … […] Ich finde es schon bemerkenswert, dass bei uns kein einziger eine Ausbildung hatte … Ja, einer war dabei, der hat einen Bachelor gehabt, einen Bachelor in IT, und der wollte dann in den ortsansässigen IT-Firmen hat er dann sozusagen Probe gearbeitet und die haben gesagt, irgendwie ist der nicht geeignet. Aber die anderen haben überhaupt keine Ausbildung, und die stellen sich irgendwie vor, man erklärt ihnen fünf Handgriffe, so ungefähr, und dann machen die das. […] Das ist extrem schwierig, die unterzubringen. Und was in der Runde eigentlich überhaupt nicht angekommen ist, dass teilweise die große psychische Probleme haben. Wenn z. B. irgendwo in Afghanistan ein Anschlag war, wo es wieder einen Haufen Tote gegeben hat, dann sind die eigentlich … an diesem Tag völlig durch den Wind.

Moderator Manfred Götzke ist beim Thema Afghanen hier mehrfach betont empathisch, hält den Mechatroniker für „weit fortgeschritten“ und setzt abschließend gleich nach: „… weil sie an ihre Familie denken …“. Wie selbstverständlich konservative Werte von Journalisten gefeiert werden, wenn sie andere Kulturen betreffen … Aus der Sicht aktueller „Kulturwissenschaften“ sind das im Kern völkisch-faschistoide Ideologien, und dementsprechend denken und reden ansonsten diejenigen, die diese Lehrmeinungen für sich akzeptieren und auch als einzige selbst als Multiplikatoren im bestehenden deutschen System zugelassen werden – in Institutionen, Redaktionen und Sendern. Dies führt zu Formulierungen wie jenen der Wikipedia zu „Familienideologie“:

Familienideologie ist eine zumeist kritisch verwendete Bezeichnung für Ideologien und Vorstellungen, die eine patriarchale bürgerliche Familie als unentbehrlichen Wert darstellen und mithin die Unterdrückung von Frauen und Kindern perpetuieren, eine freiere Entfaltung der Sexualität ablehnen und somit auch an der Stabilität kapitalistischer Produktionsverhältnisse Beitrag haben [sic].

Es gibt viele solcher Momente, in denen Vertreter wie die Deutschlandfunker ihren Hörern eine Weltsicht einzuhämmern versuchen, in der sich außerhalb von Deutschland nur um das Wohl der Menschheit bemühte Mechatroniker mit Familiensinn befinden, die lediglich besser betreut werden müssten, um den Platz am Holocaust schuldiger Deutscher einzunehmen. Nur am Rande wurde demgegenüber seit vielen Jahren im Wesentlichen die Erkenntnis wiederholt, dass die Abkömmlinge von Ein-Buch-Religionen sich mit Bildung im hiesigen Sinne sehr schwer tun – und in der zweiten und dritten Generation oft noch umso frustrierter aufgeben. Als einzige existenzielle Option bleiben dann finanzielle Transferleistungen.

Es kommt natürlich immer auf die Herkünfte und Prägungen der aktuellen Kohorten von Asylbewerbern an, ob sie diese Tradition fortsetzen. Die „Deutsche Islam-Konferenz“ formuliert es derzeit so:

Das Niveau schulischer Bildung ist bei Menschen mit Migrationshintergrund durchschnittlich niedriger als in der angestammten Gesellschaft. Speziell unter den Zuwanderern aus muslimischen Herkunftsländern weisen Muslime ein niedrigeres Bildungsniveau auf als Angehörige anderer Religionsgemeinschaften. Dennoch bestehen auch unter den muslimischen Migranten größere Unterschiede je nach Herkunftsland. Wie schon vielfach in anderen Studien ermittelt, belegt auch die Studie des Bundesamtes, dass die Gruppe der türkischstämmigen Muslime den höchsten Bildungsrückstand aufweist: einem Anteil von 17 Prozent ohne Schulabschluss stehen nur 28 Prozent an Personen mit hohem Bildungsabschluss gegenüber. Nur Muslime aus dem Nahen Osten und sonstigen afrikanischen Ländern schneiden mit einem Anteil von 17 bzw. 15 Prozent an Personen ohne Schulabschluss ähnlich schlecht ab. Mit Abstand das höchste Bildungsniveau weisen hingegen iranischstämmige Muslime auf. Über 80 Prozent von ihnen verfügen über die Hochschulreife.

Dies bedeutet allerdings nicht, dass Iraner zu 80 % Akademiker sind, sondern, dass nicht zuletzt Akademiker versuchen, den Zuständen im Iran zu entfliehen. Der Akademiker-Anteil wird dort 2015 inländisch vom „Institut der deutschen Wirtschaft“ mit 52 % angegeben. Mit welchem Wert dies hierzulande vergleichbar ist, erschließt sich mir gerade nicht – schließlich sollen gerade einmal 17 % der Deutschen einen „akademischen Abschluss“ haben. Oberflächliche Leser solcher Zahlen erhalten also zu einem Land wie dem Iran den Eindruck, es verfüge über mehr als dreimal so viele Hochschul-Absolventen im Vergleich zu Deutschland.

Der auf so eher zweifelhafte Weise hochgejubelte Iran ist zudem das atypischste Beispiel für derzeitige Zuwanderung überhaupt, wie die „Bertelsmann Stiftung“ 2017 zeigt:

Die Studien deuten insgesamt darauf hin, dass die relative Mehrheit der jeweils betrachteten Geflüchteten eine formelle Schulbildung im oberen Bildungsspektrum – meist des Herkunftslands – angibt. Insbesondere Personen aus dem Iran ragen dabei mit stark überdurchschnittlichem Bildungsniveau heraus. Gleichzeitig ist jedoch der Anteil der Flüchtlinge, die keine oder nur eine geringe Schulbildung aufweisen, die auf dem Niveau der Grundschule bzw. der Primarstufe liegt, ebenfalls relativ hoch.

Auch wenn, wie in den Hörer-Meldungen ebf. deutlich wird, man jede unnötige Verzögerung der Akzeptanz befähigter zugewanderter Bewerber vermeiden sollte, die nach wie vor entsteht – es bleibt kaum vorzustellen, dass Probleme kleiner werden, die alle etablierten Medien über Jahrzehnte eher kleingeredet haben. Die Bessergestellten in unserer Gesellschaft beginnen viele dieser Probleme wohl auch gerade erst wahrzunehmen, während sie sie bisher durch eingeübten sozialen Ausschluss und höheren Wohlstand von sich fernhalten konnten – und dies nach Kräften weiterhin versuchen. Die starken Veränderungen statistischer Realitäten, die sie währenddessen unter fachkundiger Anleitung von Lobby-Organisationen und Wissenschafts-Mafias immer noch selbst eifrig begrüßen (wie auch hier gezeigt), werden die Bruchstellen dieses Weltbildes jedoch voraussichtlich immer deutlicher werden lassen.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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