„Telepolis“-Beitrag zu Netz-#Journalismus und #Gegenöffentlichkeit

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Hier ein Hinweis zu meinem aktuellen Artikel auf „Telepolis“:

Netz-Journalismus wird anders – oder er wird nicht sein
Die Wechselwirkung zwischen Datennetz, Inhalt und Wirtschaftsform bleibt eine Zwickmühle

Ich zeichne hier ein möglichst schonungsloses Bild der Lage, die ich auch in diesem Fall für recht aussichtslos halte – wenn man nicht das Verhalten der Akteure zueinander und die Spielregeln stark verändert. Ansonsten verstärkt sich all das, was man betreffs des Journalismus als „Krise“ bezeichnet. Dazu gehört, dass sich die Macht einiger weniger und von Medienkonzernen schlichtweg immer mehr vergrößert. So weiterbetrieben, wird sich die neue Öffentlichkeit und Pluralität des Internets nicht aufrechterhalten lassen. Denn alles braucht eine ökonomische Basis, um dauerhaft existieren zu können.

Einen Kommentar, der positive Veränderungsmöglichkeiten sieht, habe ich hier ausführlicher beantwortet.

Symptomatisch finde ich auch diesen Kommentar, der mein Lamento über fehlende Vergütungen für Internet-Veröffentlichungen kritisiert:

ähnlich dümmlich argumentieren banker die meinen im internet muß geld zu machen sein da hätten sie einen anspruch drauf (onlinebanking usw) und dann rufen sie nach der polizei, staat und kontrolle wenn die konten abgeräumt werden. die idee das das internet für diese zwecke nicht eingerichtet ist kommt denen in ihrer unerträglichen borniertheit gar nicht.
schreibts euch hinter die ohren ihr rotznasen: das internet wurde nicht für euch gemacht. ihr seid der krebs der das internet kaputt macht. der endlose september.
und jetzt gehts runter von meinem grundstück.
http://www.heise.de/forum/Telepolis/Kommentare/Netz-Journalismus-wird-anders-oder-er-wird-nicht-sein/hab-aufgehoert-zu-lesen-bei/posting-29144790/show/

Davon ausgehend kann ich, glaube ich, noch einen weiteren wichtigen Zusammenhang benennen: Über das Internet als neue Öffentlichkeit sprechen Menschen aus den Arbeitsbereichen Kultur, Technik und Wirtschaft. Die Wirtschaftler suchen nach neuen Geschäftsmodellen. Das klappt mit zurückschickbaren Versandartikel teils sehr gut. Journalismus ist als Investment auf dieser Grundlage bisher schlichtweg nicht interessant. Kulturschöpfende bemerken schnell – wie auch der stationäre Handel von allem möglichem – dass das Internet ihr Geschäftsmodell fast gänzlich zerstört. Und dann gibt es noch den dritten Typ, den ich hinter diesem Kommentar einmal vermute. Es ist in etwa der Typ des Programmierers, der seine Dienstleistungen sehr hochpreisig verkaufen kann. Er interessiert sich auch für Kultur – und kann sich sogar beliebig viele Bücher, Musik-CDs oder Bluray-Discs leisten, wenn ihn etwas ernsthaft interessiert.

Natürlich ist dieser Kommentar irrig schon aufgrund der Tatsache, dass niemand, der journalistisch publiziert, es sich aussuchen kann, ob das Internet seiner gedruckten oder zugangsbeschränkten Publikation mit Gratis-Ware Konkurrenz macht. Der Kommentar zeigt abermals, wie geringe Sachkunde sich mit umso größerer Überheblichkeit paart. Auch das ist eine wohl zunehmende Tendenz. Und sie wird auf der Ebene der Wirtschaftler und der Techniker sicherlich ideologisch eher noch angeheizt werden von jenen, die an gleichberechtigter Kommunikation und Transparenz keinerlei Interesse haben. So wird man Journalismus und kritische Öffentlichkeit endgültig tottrampeln. Man kann sich ausmalen, was danach folgt.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de – Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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2 Responses

  1. gm sagt:

    Danke für Ihren Artikel in Telepolis. Ich möchte Ihren Ausführungen mal wieder zustimmen. Es gibt hier etwas zu bemerken für mich. Einmal ist für mich (subjektiv) klar, dass ich in den letzten Jahren in wichtigen Themenfeldern nur über über alternative Nachrichtenkanäle im Internet informiert wurde. Dass empfinde ich als wirklich bemerkenswert. Wie kann es sein, dass über entscheidende Themen nicht von den von uns bezahlten Medien berichtet wird? Auch die Zeitungen haben hier in den letzten Jahren versagt. Früher war ich regelmäßiger Leser von SZ oder auch mal der Zeit. Inzwischen habe ich nach vergeblichen Versuchen mein geliebtes Zeitungslesen eingestellt und versuche mich im Netz zu informieren. Unter anderem schaue ich auch bei Ihnen vorbei. Eigentlich sollten Sie daher für Ihre Arbeit auch ein Stück von den Medienabgaben bekommen. Um eine gerechte und ausgewogene Finanzierung auch von kleineren Portalen und Seiten im Netz zu ermöglichen habe ich einen Vorschlag zu machen. Der Vorschlag geht dahin monatlich jedem Bundesbürger ein Punktekonto zu geben. Diese Punkte kann jeder Bürger an die Medien seiner Wahl verteilen. Danach richtet sich dann die Höhe der finanziellen Mittel die z.B zu Ihrer Internetseite zugeordnet werden. Vielleicht nicht wirklich ausgereift die Idee. Aber es wird irgendein Kriterium gefunden werden müssen um eine gerechte Zuordnung der Zahlungen zu bewerkstelligen. So geht’s jedenfalls nicht weiter. Nochmal Dank für Ihren interessanten Artikel.

    • Danke für die Bestätigung! Ich sehe eine Grenze der praktischen Umsetzbarkeit darin, dass Menschen dann permanent in ein solches System eingeloggt sein müssen. Das werden viele aus Datenschutzgründen nicht wollen. Auch würden sie dann komplett im Leseverhalten überwacht. Damit hätten es nicht zuletzt randständige Meinungen wieder schwieriger, Förderung zu erfahren, da sich nur wenige ‚trauen‘ würden, dafür selbst Punkte zu vergeben, auch wenn sie es vielleicht richtig finden. Darüber hinaus wäre noch recht viel Aktivität erforderlich. Manchen Artikel fände man gut und würde später denken: ‚Ach so, ich hätte noch Punkte dafür vergeben müssen …‘ Die einfachen und stetigen Regelungen (wie ein automatisch abgebuchter Betrag der Rundfunkgebühren) sind dem praktisch überlegen.
      Ansonsten wäre ich natürlich sofort dafür und würde mich über jede Initiative dieser Art freuen.

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