Der kleine Mut des Revolverhelden #Tarantino

Wenn’s gar nicht mehr anders geht, muss man sich öffentlich schuldig bekennen. In dieser Situation befand sich untrüglich Regisseur Quentin Tarantino nach seiner langjährigen Zusammenarbeit mit Produzent Harvey Weinstein. Weinstein wird gerade in Serie der sexuellen Belästigung, sogar der Vergewaltigung beschuldigt und hat sich angeblich in eine Therapie begeben.

Die “Süddeutsche Zeitung” (20.10.2017) zitiert die “New York Times”:

“Ich habe genug gewusst, um mehr zu tun, als ich getan habe”, sagte Tarantino der Zeitung.

Das ist allerdings ein heute geradezu universeller Satz. Wir können an einem sehr konkreten und schon recht gut gesicherten Fall beobachten, was an sehr vielen Stellen einer übersättigten und träge gewordenen Gesellschaftsform falsch läuft. Man kann sprachliche Floskeln aneinanderreihen – wie das Verteidigen von Pfründen; die Krähen, die anderen kein Auge aushacken; das in sich geschlossene System, das die Fähigkeit zur Selbstreinigung verloren hat usw. Man müsste dabei auch an historischen Vergleichsbeispielen eruieren, für wie lange eine solche Phase des folgenlosen Lamentos aus vereinzelten Anlässen fortdauert, bis deutlichere Veränderungen eintreten.

Bisher ist das betreffs der sexuellen Missbrauchspraktiken in Hollywood und anderen elitären Bereichen nicht geschehen. Demnach legt der aktuelle Erfahrungswert eher nahe, dass es vorerst genauso weitergehen wird.

Es gibt in diesen Dingen kein Wenn und Aber. Jeder, der verhindern will, dass schon Minderjährige den schmierigen Fingern geiler Säcke und Kinderschänder ausgesetzt sind, muss sich aktiv dagegen verhalten – an erster Stelle natürlich Eltern, die ihre Kinder solchen Industrien vorenthalten müssten. Seitens von Presseorganen würde es ebf. einen schlichten Boykott bedeuten. Alles andere ist Toleranz und Begünstigung solcher Taten. Und das, was Tarantino nun über sich selbst sagt, gilt seit vielen Jahren also für die ganze Branche.

Von Tarantinos Filmen hat mir “Jackie Brown” am besten gefallen – die Arbeit, in der er sich am wenigsten in Prügel- und Schießorgien ergeht. Mich hat dabei schon immer die Frage begleitet, was Erwachsene dazu verleitet, etwas so Inhaltsleeres von immer längerer Dauer zu produzieren. Und nun sehen wir die Kehrseite dieser oberflächlichen Kraftmeierei: die Feigheit eines Millionärs, an bestehende Verhältnisse nicht zu rühren, nicht mindestens intern Druck auf unmenschliche Verhaltensweisen auszuüben – und im Zweifelsfall eben einfach die Beziehung aufzukündigen und sogar öffentlich über das auszusagen, was in die Öffentlichkeit gehört.

An allererster Stelle gilt dies für das Thema Pädophilie in Hollywood oder anderswo, wie es immerhin von einzelnen jüngeren Schauspielern zuletzt angeklagt wurde – und auch als historisches Phänomen mittlerweile sichtbarer ist als zuvor.

Weinsteins Helfer sitzen heute in allen etablierten Redaktionen oder schwiegen als Branchenkollegen wie bisher sein bekanntester Regisseur. Wir sollten ihnen tief in die Augen sehen und nicht locker lassen. Der Brechreiz muss erstmal ihre eigene Kehle erreichen.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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1 Response

  1. l2012ucas sagt:

    Weinstein war auch Großspender für Hillary, Obama und für die Demokratische Partei. Mehr und mehr verliert Hillary Clinton ihre sowieso geringe Glaubwürdigkeit, auch und gerade im Bereich Feminismus und Frauenrechte. Sie umgibt sich mit teils dubiosen, teils kriminellen Figuren, wie ihrem Mann, ihren Wahlkampfmanager Podesta und/oder Spendern wie Weinstein.

    https://deutsch.rt.com/gesellschaft/58944-warum-hillary-clintons-feminismus-beim-hollywood-mogul-harvey-weinstein-ins-wanken-geriet/

    Die Aussage der Miss Russland Finalistinnen ist natürlich auch skeptisch zu betrachten, da in Russland gesellschaftlich zwar etwas andere, dafür aber für die Betroffenen nicht umbedingt weniger besorgniserregende Zustände herrschen könnten.

    https://www.welt.de/politik/ausland/article161587829/Seine-Frau-zu-verpruegeln-ist-in-Russland-keine-Straftat-mehr.html

    Interessant ist auch die mögliche verborgene Bedeutung hinter dem Namen “Harvey Weinstein”, da der Kennedyattentäter ebenfalls Harvey hieß, und Geheimakten kurz vor der Freigabe durch Trump stehen sollen.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Lee_Harvey_Oswald
    http://www.tagesschau.de/ausland/trump-kennedy-akten-101.html

    Es gibt eine Weinstein-Rothschild Verbindung.
    https://www.belr.com/team-member/jay-weinstein/
    https://www.belr.com/who-we-are/

    Ich musste auch an den Weinstein denken, also dem Bodensatz (Salze der Weinsäure) in Weinen. Vlt. eine weitere Rothschild Verbindung.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Ch%C3%A2teau_Mouton-Rothschild

    Des Weiteren ist Weinstein, wie die Rothschilds, jüdischer Abstammung.

    Historiker David Weinstein – Dumont Verbindung, Familiendynastie auf ähnlichem Level wie die Rothschilds
    http://www.temple.edu/tempress/titles/1575_reg.html

    https://www.youtube.com/watch?v=qSYss7VNA8Q – etwas seltsamer Kanal, habe keinen Historiker David Weinstein finden können außer https://www.amazon.de/Jewish-Exiles-European-Thought-Shadow-ebook/dp/B073QT4BKV/ref=sr_1_fkmr0_1?ie=UTF8&qid=1508840850&sr=8-1-fkmr0&keywords=Jewish+Exiles+and+European+Thought+during+the+Third+Reich

    Wie lange wohl stillschweigen bewahrt wurde, oft sicherlich aus karrieretechnischen Kalkül, ist auch an diesen Joke-Video aus dem Jahr 2013 ersichtlich.

    https://www.youtube.com/watch?v=KCNvREKTnQc

    Logo der Weinstein Company – https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:The-Weinstein-Company-Logo.svg

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