Antwort an ein ausgetretenes Mitglied der „Deutschen Mitte“

Die Bundestagswahl ist längst vorbei. Eine der wenigen Alternativen zum bestehenden Parteienspektrum neben der „Alternative für Deutschland“ war die „Deutsche Mitte“. Wie die Parteiarbeit weitergeht, werden wir sehen.

Ich dokumentiere hier einmal eine private Antwort, die ich heute an ein frisch ausgetretenes Mitglied der „Deutschen Mitte“ schickte. Es werden daran ein paar Aspekte und Problematiken deutlich, die weiter im Diskurs zu bearbeiten sind. Auch kann ich hiermit noch Nachträge zu meinen bisherigen Äußerungen über den Parteivorsitzenden Christoph Hörstel machen.


Hallo …,
danke für die Info und die Weiterleitung.

Ich kann das komplett verstehen. Nachdem ich in meinem vorletzten Video nochmal Hörstel öffentlich zugesprochen habe, habe ich es gleich wieder bereut.

Allerdings glaube ich, dass ein Kommunikations-Talent wie er es in anderen Parteien weit gebracht hätte. Die Schwächen und offenen Flanken, die man bei ihm finden kann, existieren doch bei Erfolgreicheren auch – sie können diese aber nach meiner Einschätzung einfach nur besser überspielen, durch gute Organisationsstrukturen und nicht zuletzt finanzielle Förderung. Damit ist so gut wie alles möglich. Und vielleicht haben wir doch z. B. in Barack Obama einen US-Präsidenten gesehen, der außer von einem Teleprompter abzulesen wirklich gar nichts kann.

Ich würde der Gerechtigkeit halber immer fordern, das mal mit offensichtlichen Kenntnissen und Fähigkeiten Hörstels zu vergleichen.

Die Äußerungen zu Wahlfälschung sind Mumpitz, völlig klar …

… (wie auch Aktionen etwa mit Nachtwölfen fragwürdig, …

… jedenfalls eher ungünstig in der Wirkung auf ein bürgerliches Publikum hier). Panikreaktion sicherlich. Vielleicht hat sich im Stress auch in gewissem Umfang wahnhaftes Denken gebildet. Davor ist keiner gefeit. (Spekulationen über Agententätigkeit etc. lasse ich hier mal weg. Die würden zu anderen Erklärungen führen.)
Und wenn Du schreibst:

Er ist einer der vielen Verlierer in diesem System und führt mit Hilfe der DM seinen Rachefeldzug gegen die, die ihn ausgesondert haben, weil es bessere gab.

Sowas könnte ich m. E. auch auf mich beziehen. Dazu will ich hier keine Vorträge halten. Setze mich gerne mit karrieremäßig erfolgreicheren Medienwissenschaftlern auf ein Podium. Du würdest sehen: Ich bin bereit dazu, die andere Seite meistens nicht. Ich bin auch bereit, über deren Themen und Thesen zu reden. Umgekehrt nach meiner Erfahrung nicht.

Zumindest darin ähnelt die Situation bei Hörstel der meinen. Lasse mal irgendeinen ARD-Fuzzi betr. geopolitischer Themen gegen Hörstel antreten. Das wäre die Art von Comedy, auf die ich schon lange warte.

Es gehört zur gesamten Problemlage, dass zugunsten bestimmter Interessen Scheiße aufpoliert wird und alle Alternativen praktisch lahmgelegt sind – und dabei noch manipuliert und angeleitet werden, sich gegenseitig fertigzumachen. (Wo es mir unterlaufen ist, räume ich das gerne ein.)

Das bedeutet auch noch nicht, dass alles bei Hörstel der Weisheit letzter Schluss sein muss. Hier und da hat er sich vergriffen – u. a., denke ich auch, in seiner wenig erkennbar begründeten Zuneigung zum Islam. Wo es nicht zu affirmativ wird, stimme ich ihm aber auch zu, dass keine zu tiefen Gräben innerhalb unserer Gesellschaft aufgrund religiöser Orientierungen gezogen werden sollten. In dieser Gefahr befinden sich natürlich ‚rechte‘ Bewegungen, und angesichts der statistischen Lage in Deutschland wird das wohl weder umsetzbar sein noch irgendjemand nützen. Wo es geht, muss man sich verständigen. Hörstel hat dem Anschein nach versucht, hierin eine moderate Position zu besetzen.

Wir befinden uns in einer spätestens seit 9/11 anhaltenden latenten Kriegssituation. Ich bin Hörstel erstmal dankbar, dass er das recht präzise ausspricht und uns Informationen und v.a. Sichtweisen zugänglich macht, die sonst nirgendwo auftauchen. Und wenn, dann bei Akteuren, die kaum ein journalistisches Handwerk gelernt haben.

Wie gesagt: Ich verstehe Deinen Unmut und schwanke selbst immer wieder zwischen erwähnten Sichtweisen. Und ich tue im Gespräch hier das, was ich auch von anderen erfahre: Nochmal eine andere Perspektive zu erinnern. Es gibt wohl weitaus Bekämpfenswerteres als die Inhalte von Hörstel. Es gibt weitaus Schlechtere in seinem Fach.

Das ändert leider nichts daran, dass wir sehen, welche Querelen und Konkurrenzverhältnisse in Parteien ganz schnell entstehen. Das sieht wohl jeder voraus, der bereits Erfahrungen im Metier hat. Halten wir die betreffenden Probleme vielleicht erstmal fest und hoffen wir, dass es irgendwelche Auswege daraus gibt, die uns weiterbringen und weitere Verschlechterungen der Gesamtlage nur befördern – wenn Du mich fragst.

Dank und herzliche Grüße
Daniel

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de – Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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