„Postfaktisch“: die falsche #Verschwörungstheorie unbedeutender #Ausländerkriminalität

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat „postfaktisch“ zum Wort des Jahres 2016 gekürt. Das ist hier zunächst deshalb erwähnenswert, weil es nicht zuletzt die umstrittene Grenze zwischen neutraler Berichterstattung und Verschwörungstheorie betrifft. Wer sich mit dem letzteren Begriff allgemein und seinen vielfältigen Anwendungen näher beschäftigt, wird schnell merken: Die Auswahl eines solchen Wortes gehört genauso zum Vernebelungsspiel wie vieles andere. Insofern ist es eine schlechte Wahl: „Postfaktisch“ war schon jede Priesterreligion, und die modernen Demokratien, erst recht die weit ausgreifende Popkultur machen da nur beschränkt eine Ausnahme.

Das Thema ist auch relevant und anwendbar auf Berichterstattung und Bewertung von Umständen der Massen-Zuwanderung und „Flüchtlingskrise“. Der Mainstream möchte es so darstellen, dass einheimische Bürger an einer Fehlwahrnehmung leiden, wenn sie ihr Land sich zum Schlechteren verändern sehen und etwa über Gewalt in Flüchtlingsunterkünften und durch Flüchtlinge erschreckt sind. Wenn sie entgegen der verbreiteten journalistischen Rhetorik bemerken, dass die Straftaten von Zuwanderern seit jeher deutlich zahlreicher sind als die von Einheimischen.

Nichts anderes als das Letztere ist die statistische Tatsache, wie sie das Bundeskriminalamt übermittelt. Alles andere ist das Zerreden der Tatsachen, bis hin zum Wikipedia-Artikel „Ausländerkriminalität“. Viele Statistiken weisen nicht Täter, sondern Verdächtige aus – was anschließend an erster Stelle die falsche Bezichtigung ausländischer Mitbürger als Vorurteil zu definieren hilft. Manche Statistiken schließen ausländerrechtliche Straftaten mit ein. Sie werden zur angeblichen ‚Objektivierung‘ gerne herausgerechnet. Das kann man meinetwegen tun, auch wenn es nicht zwingend ist: Es bedeutet ja, dass einem neu Zugewanderten eingestanden wird, gegen die Gesetze der von ihm aufgesuchten neuen Heimat in diesem Fall verstoßen zu dürfen, als würde er dazu ein natürliches Recht haben. So irre sind mittlerweile inländerfeindliche Diskursstrategien. Außerdem wird die soziale Lage von Zuwanderern berücksichtigt, was ebenso nicht ganz falsch wie auch nicht ganz richtig ist: De facto bleibt, dass Zuwanderer ein proportional erhöhtes Kriminalitätspotenzial in die Gesellschaft einbringen – aus welchem Grund auch immer.

Noch das Bundeskriminalamt wird dafür bemüht, um, wie der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR, 08.06.2016), zu der Aussage zu kommen:

Zuwanderer begehen nicht mehr Straftaten als Deutsche.

Eine solche Aussage ist jedoch höchstens annäherungsweise korrekt, wenn man also sagt, dass ein Ausländer unbedenklich Straftaten gegen das Ausländerrecht begehen darf und die soziale Herkunft weitere Arten von Straftaten im Vergleich zu Bessergestellten rechtfertigt. Auf Statistiken von Verdächtigen statt Tätern zu verweisen, bedeutet lediglich den illusionistischen Trick eines eindeutig tendenziösen Vergleichs. Denn die Statistik verurteilter Täter ist dennoch eindeutig. Statista gibt die Ausländerkriminalität für das Jahr 2014 wieder:

Statistik: Verteilung verurteilter Personen in West- und Ostdeutschland nach Nationalität im Jahr 2014 | Statista

Gehen wir also von 81,2 Mio. Gesamtbevölkerung im Jahr 2014 aus, davon 65,2 in West- und 16 Mio. in Ostdeutschland, so beträgt der Gesamtanteil ausländischer Straftäter an dieser Statistik 25,3 %. Demgegenüber betrug der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung 2014 gut 10 %. Der Anteil von Nicht-Deutschen an den verurteilten Straftätern in Deutschland liegt also 150 % höher als der von Deutschen. In den genannten Statistiken werden Taten gegen das Ausländerrecht wohl nicht herausgerechnet, ebensowenig wird aber differenziert für länger hier Lebende und Eingebürgerte.

Eine weitere Strategie des Postfaktischen in organisierter Lügenpresse ist es, bestimmte Informationen erst verzögert herauszugeben, sodass sie in der Wahrnehmung nicht mehr den gleichen aktuellen Nachrichtenwert erhalten – oder sie eben aus allerlei Gründen ganz auszusparen. In den letzten Tagen konnte man zahlreiche Presse-Artikel lesen, in denen zu der in Kronshagen bei Kiel bei lebendigem Leib verbrannten Frau nur von einem ‚41jährigen Täter‘ und „Ehemann“ die Rede war (so im „Spiegel“, in der „Süddeutschen Zeitung“, der „Frankfurter Rundschau“, in der „Welt“ noch heute nur Erwähnung der Nationalität des Opfers). Schließlich lesen wir etwa im „Tagesspiegel“ (07.12.2016, nachträglich aktualisiert):

Der 41 Jahre alte mutmaßliche Täter kam der Polizei zufolge vor rund 20 Jahren aus Afrika nach Deutschland und hat einen unbefristeten Aufenthaltstitel.

Was „Post“ im Neusprech unserer Lieblingsmedien noch bedeutet, muss an anderer Stelle diskutiert werden. Ihre Stammkunden scheinen es nicht zu ahnen.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de – Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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4 Responses

  1. GM sagt:

    Bestätigung. In der „Mittelbayerischen Zeitung“ keine Erwähnung der Identität des Verbrechers in Kiel. In derselben Ausgabe ein ausführlicher Bericht (eine Seite) darüber, dass es keinen erhöhten Ausländeranteil der Kriminalität in Deutschland gibt. Lügenpresse kriminell.

  2. Jin Ling sagt:

    Über 100 Statistiken finden sie hier:
    https://luegenpresse2.wordpress.com/2016/10/16/statistiken-die-politiker-und-presse-immer-wieder-leugnen/

    Beachten sie auch die Artikel mit Hinweis auf STATISTIKFÄLSCHUNGEN!!!

  1. 9. Dezember 2016

    […] Quelle: „Postfaktisch“: die falsche #Verschwörungstheorie unbedeutender #Ausländerkriminalitä… […]

  2. 10. Dezember 2016

    […] „Gehen wir also von 81,2 Mio. Gesamtbevölkerung im Jahr 2014 aus, (…) so beträgt der Gesamtanteil ausländischer Straftäter an dieser Statistik 25,3 %. Demgegenüber betrug der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung 2014 gut 10 %. Der Anteil von Nicht-Deutschen an den verurteilten Straftätern in Deutschland liegt also 150 % höher als der von Deutschen. In den genannten Statistiken werden Taten gegen das Ausländerrecht wohl nicht herausgerechnet, ebensowenig wird aber differenziert für länger hier Lebende und Eingebürgerte.“ (filmdenken) […]

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