„Deutschland im Wandel“ – In memoriam Prof. Peter Kruse

Auf Empfehlung kehrte ich noch einmal zurück zu diesem Video, das ich schon vor längerer Zeit einmal eingesehen hatte – und empfehle es deshalb dringend weiter, weil im Blog noch nicht geschehen. Es ist ein Vortrag von Prof. Dr. Peter Kruse beim Kongress „ZEITZEICHEN“ am 15.02.2015 in Berlin: „Deutschland im Wandel – Systemoptimierung oder Paradigmenwechsel?“

Damit verbunden ist die Tatsache, dass Kruse noch im selben Jahr an Herzversagen starb. Seine Biografie kann man hier nachlesen.

Ein Tod mit 60 Jahren ist in einem Fall wie dem Kruses besonders bestürzend. Er vermittelt das Gefühl, dass die letzten guten Kräfte hierzulande im Schwinden begriffen sind; ob danach noch etwas kommt?

Dabei war Kruse kein Außenseiter, beriet sogar den Bundestag. – Das ist umso verwunderlicher, als seine Botschaft eine durchaus kritische ist. Es ist ein gutes Beispiel für privatwirtschaftlich geförderte Forschung – das vereinzelte „dm“-Logo in der Präsentation zeigt, wer solches Denken ermöglicht hat.

Dass Kruse seine Arbeit nicht fortführen konnte, kann man als fatales Signal zur Zeit lesen. Er zeigt in diesem Vortrag deutlich Krisen-Tendenzen auf. Dazu gehört, dass betr. politische Öffentlichkeit und gesellschaftlichen Wandel als ein statistisches Hauptphänomen bei deutschen Bürgern ein Gefühl der Resignation registriert wurde. – Hieran zu arbeiten, wäre also eine Aufgabe von Demokraten. Wer leitet sie heute dazu an, nachdem Kruse nicht mehr ist?

Beim Wiedersehen wird mir zugleich deutlicher als vorher, wo die Grenze dieser Argumentation liegen könnte. Wie an so vielen anderen Stellen (oft verbunden mit mehr Kritikwürdigkeit in der Sache selbst) entsteht auch bei Kruse die Suggestion, die laufenden Entwicklungen seien samt und sonders ein statistischer Zufall, seien selbststeuernd, nicht von außen zu steuern und sehr unübersichtlich.

Dabei zeigt seine eigene, schon relativ komplexe Erhebung, was nicht zuletzt mehr und mehr mit Big Data angestellt werden kann: Übersichtliche, objektive Befunde zu statistisch feststellbaren Verteilungen bestimmter Ideen, Ansichten und sprachlichen Bezeichnungen in der Masse von Teilnehmern unserer Gesellschaft.

Die mit großen Summen – nicht zuletzt aus öffentlichen Geldern – für interne Darbietungen versorgten Dienstleister im Beratungswesen werden den Spitzen in Wirtschaft und Politik sicher schon heute weiterführend ein recht präzises Bild geben, wer und wieviele unter den gut 80 Mio. Bundesbürgern welche Haltungen vertreten, worauf dies gründet, mit welchen anderen Faktoren es in Verbindung steht (Herkunft, Wohlstand, Konsumgewohnheiten u. v. m.).

Man kann daraus sicherlich vielerlei Schlüsse ziehen, die selbst nicht oder kaum in der Öffentlichkeit auftauchen: Interessengeleitetes Handeln von Eliten und privatwirtschaftlichen Akteuren, gezielte, aber indirekte Manipulationen der öffentlichen Meinung und der Verhaltensweisen der Massen.

Dies wären Anschlussfragen, zu denen man (auch) von den wertvollen Forschungen Kruses her gelangen kann. Dass einer wie er heute fehlt, schmerzt. Dass es Ersatz gäbe, ist bisher nicht abzusehen. Wem dies nützt, ist leider ebenso offensichtlich.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de – Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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