#Deutschlandfunk – wenn nicht deutsch, dann gleich doppelt

Man sollte sich beim Anhören des Deutschlandfunks immer wieder fragen: Was hat das eigentlich mit mir (dem Gebührenzahler) zu tun?

Um die Antwort zu rechtfertigen, kann man sicherlich tausenderlei Bildungsreferenzen finden. Auf der universellen Ebene ist es schon richtig, sich gleichberechtigt um allerlei Belange von Minderheiten in Indien über Zickenterror in Russland bis zu den Morgenandachten echter Gotteskenner zu kümmern.

In meinem Fall ist es so, dass wohl 95 % von dem, was mein Leben bisher bestimmt hat, in solchen Programmen nie vorkommt. Das führt bis hin dazu, dass ich seit 2006 Bücher publiziere, von denen das erste noch – bekannt gemacht über einen Uni-Verteiler – einmal im WDR mit einem Interview bedacht wurde. Danach blieb es in dieser Art Funk still.

Und deshalb fällt es mir auf, wenn ich heute Nacht im Bücher-Magazin “Andruck” von Asal Dardans “Betrachtungen einer Barbarin” höre, nach einer (nicht vorhandenen) Textversion des Beitrags suche und … noch eine weitere Dlf-Rezension des Buches aus dem Februar 2021 finde.

Jeder Verleger weiß, wie schwierig es rein statistisch ist, in den noch verbliebenen wortreicheren Massenmedien einen Rezensionsplatz für eine von Zehntausenden jährlichen Buch-Neuerscheinungen zu ergattern. Dardan ist nun für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert. Und schon eine Nominierung – Werbung an sich – reicht aus, um dem Buch noch eine weitere der raren Besprechungen im einzigen bundesweiten Wort-Radioprogramm zu verschaffen? Oder gibt es hier einfach kein Redaktionssystem, in dem einmal gecheckt werden muss, ob der jeweils Auserwählte schonmal von anderen Redakteuren auserwählt wurde?

In der neueren Rezension wird immerhin erwähnt, dass Daran ausdrücklich das Recht beanspruche, sich nicht an ihren iranischen Vater dahingehend erinnern zu wollen, dass er beim Geheimdienst arbeitete, während bei Deutschen permanent Erinnerungskultur für den Nationalsozialismus angemahnt werde (ab 4:00 Min.).

Verleugnete Erfahrungen, einseitige Aufklärungen und schleichend legalisierte Diskriminierungen, trügerische Selbstbilder von Nicht-Deutschen und Binationalen, per Subvention gezüchtete Narzissmen, Pseudo-Emanzipationsdiskurse ohne Fähigkeit zu Selbstkritik, geschweige denn der Konsequenzen daraus – das wären weitläufige Themenbereiche, die nun ihrer Bearbeitung durch unsere gebührenfinanzierten Dienstleister harren.

Das bisherige Kommunikationsverhalten der Auserwählten gibt jedoch wenig Anlass zu der Hoffnung, dass solche Aufgaben angegangen würden. Dem überproportionalen Einfluss der offiziellen Religionsvertreter auf öffentlich-rechtliche Redaktionen entspricht dieses Verhaltensmuster: eine Tradition, in der die moralische Belehrung nur dann höchst problematisch wird, wenn sie einen selbst betrifft. Man kann derlei wohl kaum als zukunftsfähig ansehen, und die Durchlässigkeit des Internets macht seine Wahnhaftigkeit bisher in einer ansteigenden Masse von Dokumentationen sichtbarer.

Die Fragen, die sich daran anschließen, sind systemisch ebenso tabuisiert wie Problematiken von Zuwanderung. Systemische Probleme sind nicht zu thematisieren, ohne Systeme in den Blick zu nehmen. Hinter diesen Systemen stecken Ideologien; an der Verbreitung von Ideologien arbeitet eine in der Moderne stärker modifizierte und diversifizierte Konfiguration von Institutionen mit den Menschen in ihnen. Eine für Institutionen wie den Deutschlandfunk neben Christentum und Judentum bis dato in verschiedensten Spielarten prägende Ideologie ist der Marxismus. Versucht man, mit denjenigen, die sich u. a. dieser Ideologie unterwerfen, darüber nach aufklärerisch-modernen Gesichtspunkten im Dialog zu reflektieren, habe ich mit meinen bisher 47 Lebensjahren etwas anderes als Gesprächsabbruch, Desinteresse und Schweigespirale noch nicht erlebt.

Wo zwischen “Identität” und “Zuschreibung” noch so manche “Differenzen” bestehen, die als solche überhaupt zu benennen man per “Poststrukturalismus” so effektiv abtrainiert hat …

Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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