BILD: Bekokster #Iraker mit Beil = “Bub”

Die “Bild”-Zeitung gehört – so die traditionelle Springer-Linie – nicht zu den Zeitungen, die konsequent gegen Interessen schon länger hier Lebender argumentiert. Teilweise ist sie es, in der die nicht-deutsche Herkunft von Gewalttätern schon einmal eher benannt wird als an anderer Stelle.

Heute findet sich ein possierliches Gegenbeispiel aus dem Karneval:

Mit einem Beil hat ein 17-Jähriger in Pforzheim eine Faschingsgruppe bedroht. […]

Der 17-Jährige wurde positiv auf Cannabis und Kokain getestet und einer Erzieherin seiner Jugendhilfeeinrichtung überstellt, da von ihm laut Polizei keine weitere Gefahr ausging.

https://www.bild.de/regional/stuttgart/stuttgart-aktuell/festnahme-bub-bedroht-faschingsgruppe-in-pforzheim-mit-beil-68850194.bild.html

Auch etwa die “Stuttgarter Nachrichten” beschränken sich auf diese Version. Die Website “die neue welle” (ein Angebot von Radio Karlsruhe) hingegen leitet den Bericht ein mit den Worten:

Ohne ersichtlichen Grund hat ein 17-jähriger Iraker am Samstagabend mehrere Personen in Pforzheim mit einem Beil bedroht.

https://www.die-neue-welle.de/display-news/17-jaehriger-bedroht-faschingsgesellschaft-in-pforzheim-mit-beil

Die Reflexion über Herkunftsangaben wird wohl noch eine Weile weitergehen. Besser wäre es nach meiner Ansicht, hier einfach Transparenz walten zu lassen – und auch einen bestehenden Migrationshintergrund in der vorigen Generation miteinzubeziehen.

Erst dann würde das Rate- und Suggestionsspiel stoppen, das in interessierten Kreisen über soziale Medien täglich stattfindet. Allerlei Gewaltmeldungen – teilweise mit eher typischen Anzeichen von Konflikten nach ‘Ehrenkodex’ oder Standorten in sozialen Brennpunkten – werden betont weitergereicht, weil man kontinuierlich den Eindruck hat, dass Massenmedien über NS-Gewalttaten vor 80 Jahren stündlich ausführlich berichten und die aktuellen Taten von Menschen aus aller Herren Ländern in Deutschland dann erneut als die von “Deutschen” berichtet werden.

Kein unbescholtener Zuwanderer will, dass dies so weitergeht (weil es in Form von ungerechtfertigter Diskriminierung ihn selbst treffen kann). Die Sorge sollte nun einmal an erster Stelle Opfern gelten – ohne Rücksicht auf das offensichtliche Bedürfnis von linker Seite, überall ‘deutsche Schuld’ erneut bestätigt zu finden.

Vieles hat mit vielem zu tun: Auch die aktuelle Debatte, ob Die Linke anders als die AfD zu behandeln sei, könnte sich durchaus an ihrer Stellung zur Geschichte des Marxismus-Leninismus bemessen. Natürlich werden dessen Opferzahlen (im Gegensatz zu anderen) auch von der Wikipedia eingangs als “schwer zu verifizieren” eingeordnet, so betreffs der Stalinschen Säuberungen:

Die Gesamtzahl der Opfer aus dieser Zeit ist nicht bekannt und schwer zu verifizieren, Schätzungen von Historikern reichen von mindestens etwa 3 Millionen Toten bis hin zu weit über 20 Millionen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Stalinsche_S%C3%A4uberungen

Ich erwähne dies, weil diejenigen, die bei Diskussionen hier im Blog offensichtlich (aber meist anonym, versteht sich) die Stimme erhoben haben, sich vermutlich eher in dieser politischen Tradition sehen. Im Vergleich zur Aufarbeitung von NS-Verbrechen haben sie noch eine lange Reihe von Gedenkstunden nachzuholen. Und die Frage bleibt einstweilen, ob allerlei Relativierung und Rechtfertigungen im Namen von Gewalt mit Migrationshintergrund nicht weitere Beispiele ideologischer Verzerrungen mit Gewalt- und Todesfolgen sind.

Wie gesagt, wir benötigen dazu erst einmal valide Zahlen. Wie auch im Fall von Vaterschaften sind die staatlichen Stellen in Deutschland dazu angehalten, die Bevölkerung über Realitäten von Migration im Unklaren zu halten. Zum Thema Ehrenmorde/Femizide interviewte zuletzt Fabian Goldmann die Juristin Julia Kasselt. Ihr Fazit lautet:

Ehrenmorde sind also ein seltenes Phänomen, das durch die Medienberichterstattung sehr verzerrt dargestellt wird. […]

Die Ehrkultur selbst ist nichts Religiöses, das ist ein altes stammesgesellschaftliches Phänomen, das schon viel länger existiert als zum Beispiel der Islam.

https://www.tagesspiegel.de/wissen/forschung-zu-ehrenmorden-auch-deutsche-toeten-ihre-frauen/25519340.html

Es scheint wie ein pseudo-religiöser Segensspruch für Linksorientierte, wenn man wieder einmal aussprechen darf: “Auch Deutsche töten ihre Frauen.”

Beiträge wie jene von Fabian Goldmann bieten seiner linksliberalen Zielgruppe offensichtlich die Gelegenheit, den Zusammenhang ‘Migration und Gewaltkriminalität’ einmal wieder beruhigt zu den angeblichen ‘Mythen des Rechtspopulismus’ einzusortieren. Sie dürften ihre Aufmerksamkeit selten richten auf anderslautende Berichte. Zuletzt etwa arbeitete die “Rheinische Post” (04.02.2019) die amtliche Statistik durch eine Umfrage bei den amtlichen Stellen nach:

In Berlin und Hamburg kommt bereits mehr als jeder zweite Häftling aus dem Ausland. In NRW stieg der Anteil seit 2015 von 33 auf mehr als 36 Prozent. Das ergab eine Umfrage unserer Redaktion bei allen Länderjustizministern.

https://rp-online.de/politik/deutschland/gefaengnisse-in-deutschland-immer-mehr-auslaender-sitzen-in-haft_aid-36501705

Worum sich die Linke in erster Linie kümmert, verdeutlicht etwa ein kurz darauf veröffentlichter Bericht von “Correctiv”, in dem man dem österreichischen “Wochenblick” Fehler nachweist:

In einem Artikel von „Wochenblick“ werden korrekte Zahlen zur Kriminalität von Zuwanderern im Jahr 2018 in falschen Kontext gesetzt. Einige Angaben sind gänzlich falsch.

https://correctiv.org/faktencheck/migration/2019/06/25/wochenblick-verbreitet-falsche-zahlen-zur-kriminalitaet-von-zuwanderern

Die bleibenden Fragen sind für mich: Was hat in diesem Kontext echte Priorität? Ist der journalistische Hinweis auf Vorurteile statistisch angemessen vertreten im Vergleich zum Bericht evidenter Tatsachen – Taten, die Opfer ggf. ihr Hab und Gut, ihre Gesundheit oder ihr Leben kosten? – Es wäre die Aufgabe für eine quantitative Inhaltsanalyse. Man kann ja einmal nach einem Universitäts-Professor suchen, der dies als Abschlussarbeit annimmt, oder nach einer Förder-Institution, die die Entstehung einer solchen Arbeit unterstützt (oder gerne hier kommentieren, falls es eine solche Arbeit schon gibt – ich vermute jedoch nach meinen Erfahrungswerten, eher nicht).

Natürlich würde es auch darum gehen, ob Migrationshintergründe und religiöse Zugehörigkeiten einen Einfluss haben auf das Risiko, etwa in Partnerbeziehungen Gewalt zu erleiden. Bieten die offziellen Kriminalitäts-Statistiken dazu Anhaltspunkte? Wer es hier oder anderswo findet, kann es gerne kommentieren – ebenso Gründe, warum man diese Frage erst gar nicht stellen dürfen sollte. Es soll ja neben Folgen (wenn man sie denn bemerkt) auch Ursachen geben, die nicht immer schon bekannt sind, bevor man überhaupt davon gesprochen hat.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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