#ARD-#Doku zum „Infokrieg im #Netz“

Ich muss zum zweiten Mal in die ARD-Dokumentation „Infokrieg im Netz“ hineinsehen, um wirklich ihre Thematik benennen zu können. Der YouTube-Infotext:

Sechs Wochen vor der Bundestagswahl fragt die Doku „Infokrieg im Netz“: Welche Rolle spielen Fake News und von außen gesteuerte Propaganda? Wie wird im Netz Stimmung gemacht? Und wie gut sind Abgeordnete vor Hackerangriffen geschützt?

Die Arbeit sei hier dokumentiert, weil sie ein aussagekräftiges Beispiel ist für die verwirrende Mischung unterschiedlicher Themen, die schon für sich genommen und entsprechend sinnlos gewordener Zeitbegrenzungen innerhalb solcher Sendungen zu verzerrend verkürzten Formen der Darstellung führt.

So führt die Argumentatioslinie allen Ernstes vom Thema Hacker-Angriffe zu kontroversen Debatten über Eliten und Verschwörungen, wie zuletzt zum US-Wahlkampf als „Pizzagate“ geführt. (Schon richtig, diese gingen auf geleakte Informationen zurück – aber ist das das Wesentliche an den Vorfällen im Vergleich zu anderen Aspekten?) Wie allüberall in angeblichen Qualitätsmedien widmen die Autoren Diana Löbl und Peter Onneken keiner der wirklich relevanten Merkwürdigkeiten Aufmerksamkeit – ein hoher Clinton-Berater wie John Podesta, der in seinem Büro abgründige alte Kunst mit einer Leichen-Sektion zur Schau stellt, dessen Bruder mit dem Besitzer einer Pizzeria die Vorliebe für pädophil-sadomasochistisch angehauchte Skandal-Kunst teilt, die persönlichen Beziehungen der Podestas zu einer Künstlerin wie Marina Abramović, die sich schon mit dem Werktitel „Spirit Cooking“ offen auf den Satanisten Aleister Crowley beruft (von „Zeit“, FAZ & Co. in Deutschland eisern totgeschwiegen) und ebenfalls mit gewaltsamer Grenzüberschreitung bis Todesgefahr kokettiert.

Da ich Kunstgeschichte studiert habe, weiß ich, dass damit noch nicht alles gesagt ist. Aber dem ist nicht entgegenzuwirken, wenn man, wie in vielen Fällen, nicht einmal anfängt, sich darüber Gedanken zu machen und darüber zu sprechen. Dazu sollen mit solchen ARD-Programmen Zuschauer offensichtlich erzogen werden. Und so widerspricht schon die hier mit wenigen Worten festzuhaltende Problematik dem, was eigentlich Grundlage der Selbstdefinition des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist – ein „Bildungsauftrag“:

Die Rundfunkfreiheit dient, so die Richter, primär der Aufgabe, die freie und umfassende Meinungsbildung in der Gesellschaft durch den Rundfunk zu gewährleisten.
(Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste: Der Kultur- und Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunkanstalten)

War wir hier sehen, ist aber weder „frei“ noch „umfassend“.

All das Fragwürdige (nicht nur) an der Causa Podesta interessiert das beschränkte Gemüt gebührenfinanzierter „Journalisten“ nicht. Sie plappern die löcherige Standard-Version des Skandals nach und verursachen bei Zuschauern einen diffusen Zustand des Halbwissens. Es ist dies, was eigentlich unter kritische Begriffe von „Verschwörungstheorie“ fällt – nicht das berechtigte Bemühen der Gegenöffentlichkeit, organisierten Missbrauch durch Eliten in allerlei Formen zu bekämpfen. Und dessen Komplize wird man, wenn man von hierzulande eigentlich üblichen Standards gründlicher Recherche, differenzierter Darstellung und Rechtsstaatlichkeit abfällt.

Ja, es ist leider eine Verfallsgeschichte, die wir an solchen Beispielen aktuell ersehen. Für eine vom Internet geprägte Öffentlichkeit ist sie allerdings immer weniger relevant. Diese Veröffentlichung auf YouTube durch die ARD erreichte innerhalb von einem Monat gerade einmal 3.100 Zuschauer.


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  1. Begriffsbestimmung: Verschwörungstheorie
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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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