Mit #Merkel in die Moloko Milk Bar?

Der Teaser zu einem Video heute auf der „Welt“-Website scheint mit Bedacht gewählt – als Motivaufnahme der Beethoven-Pose einer berühmten Filmfigur:

Die marodierenden Jugendlichen in Stanley Kubricks 1971er Verfilmung von Anthony Burgess’ „A Clockwork Orange“ (1962) erhalten neue Aktualität durch das, worum es im tagesaktuellen Video geht: Gesellschaften, die durch schwer disziplinierbare Jugendliche und junge Erwachsene, nicht zuletzt Zugewanderte, ihre innere Sicherheit gefährdet sehen.

Was Burgess und Kubrick interessierte, wird damit zum immer drängenderen Problem: überbordende Zerstörungslust und Libido, Gewalt (nicht zuletzt) aus Langeweile.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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4 Responses

  1. Tettenborn sagt:

    Kubrick ist immer aktuell, sag ich meinen Landsleuten schon seit Jahren. Ich finde die Interpretation hier sehr überzeugend, bestürzend überzeugend sogar. Aber bei „Clockwork Orange“ geht es ja wohl nicht um irgendwelche Jugendgangs, oder? Zumal Ausländerkriminalität Anfang der 70er-Jahre, als der Film entstand, noch keine große Rolle gespielt haben dürfte. Diese Jugendgang taucht in Kubricks Filmen immer wieder auf, aber es sind nicht immer junge Leute. Und um Klassikfans geht es schon gar nicht. Aus meiner laienhaften Sicht steht Beethoven hier für Humanität und die jungen Leute, die ihn gutfinden und dann gewalttätig werden, stehen für eine Personengruppe, die sich selbst als humanistisch bezeichnet, aber anders, nämlich entgegengesetzt handelt. Es könnte ebenso ein Film über Erich Mielke sein, der sich ja auch als Humanisten bezeichnet hat. Da der Film indes in der Anglo-Welt spielt, dürften die hier thematisierten Kreise auch eher dort zu suchen sein.

    • GM sagt:

      Meine Kommentare kommen etwas naiv und und unbeholfen daher. Dass in „Clockwork orange“ noch wesentlich Anderes zu bedenken und disskutieren ist nehme ich als Laie an. Mir ist von dem Film eben diese Gang in Erinnerung geblieben. Wahrscheinlich deswegen weil diese Gang diametral meiner Erfahrung der Welt widerspricht. Ich bin mir sicher , dass die zunehmende Entfernung von der uns als Menschenwesen gehörenden „Umwelt“ zu unlösbaren Problemen führen wird und bereits geführt hat. Dass ein Menschenleben losgelöst von der uns seit Urbeginn umgebenden Schöpfung überhaupt geführt werden kann ist für mich unvorstellbar. Der Umgang mit Pflanzen und Tieren, die Vielfalt und der Abwechslungsreichtum der Erdkugel mit ihren geologischen und klimatischen Bedingungen sind ein nicht zu ersetzender Bestandteil des Menschenlebens. Dieses Ganze ist nicht nur in biologischer Hinsicht unersetzlich sondern auch für die innere Verfasstheit des Menschen von Bedeutung. In den „entwickelten “ Ländern sind diese Beziehungen bereits gekappt und werden durch die Inhalte von Medien, durch Konsum technischer Geräte etc ersetzt ( „…es gibt keine spezifisch deutsche Kultur“).
      Es hat sich eine Abhängigkeit oder gar Erpressbarkeit in jeder Hinsicht gebildet. Sexualität und Erotik geraten zunehmend in die Fänge pervertierter Seilschaften. Sie diktieren inzwischen wie und was unsere Kinder empfinden. Das ist ja ein Thema diese Blogs. Bereits vor hundert Jahren wurde in Diskursen die Unterscheidung zwischen Kultur und Civilisation erarbeitet . Das fand damals in Deutschland statt und wird weitergeführt.

  2. sacul136 sagt:

    Gäbe es nicht gerade für die Zugewanderten, wenn sie sich denn integrieren wollten oder überhaupt müssten, nicht genug zu tun. Das Erlernen der Landessprache Deutsch, der hiesigen Feste, Sitten und Bräuche, gespeißt hauptsächlich aus der ihnen meist fremden christlichen Religion, aber auch aus der griechischen Philosophie und dem römischen Recht. Bei ausreichender „Bildung“ wäre das Nachgehen einer notwendigen Erwerbstätigkeit zu nennen, die ja durchaus im handwerklichen Bereich liegen könnte, da dort viele Stellen dank Unterbezahlung etc. mit Einheimischen unbesetzt bleiben. Diese Gewalt ist leider nur zum Teil aus Langeweile, aber oft aus religiöser ethnischer Intoleranz bzw. Selbstüberhöhung oder aus einem grundsätzlich anderen Werte – und Selbstverständnis, einer hoch autoritären, patriarchalischen und sexualisierten Alltagskultur, erwachsen. Mir ist nicht bekannt, dass die einheimischen Männer aus den sich verändernden Arbeitswelten von primären, zu sekundären, hin zu den tertiären Sektoren einen stärkeren Hang zur sinnlosen Gewalt entwickelten, sondern das sie im Gegenteil eher eine Art „Verweichlichung“, bzw. euphemistisch ausgedrückt, eine Zivilisierung erfuhren. Da alle gewaltsamen Akteure im Film weiß waren, dazu noch Milch tranken, was wiederum auf den nordischen Typ hinweist, könnte man es auch als eine Art vorsätzliche Umkehrung der tatsächlichen Verhältnisse begreifen.

    http://mediarats.org/pichost/i/691c05fa8c23.jpg
    http://lemerg.com/data/wallpapers/10/834209.jpg

    Das dieser hoch symbolische Film etliche Referenzen zur Saturnikonografie und – codierung besitzt, ist ebenfalls unübersehbar. (Hüte, Titel, Auge usw.)

  3. GM sagt:

    Mir steckt noch heute, ziemlich 40 Jahre nachdem ich „Clockwork Orange“ im Kino gesehen habe, der Schreck in den Gliedern. Wie sie treffend bemerken stellt sich heute die Frage nach der Ableitung dieser Energie: „überbordende Zerstörungslust und Libido, Gewalt (nicht zuletzt) aus Langeweile.“ Meine Vorstellungen gehen seit langem dahin wieder mehr sinnvolle und befriedigende handwerkliche Arbeit in den Lebensalltag zu integrieren. Es gibt in dieser Richtung ganz positive Ansätze in Landwirtschaft und Handwerk und eine allgemeine Suche nach einfacheren und bescheideneren Lebensgestaltungen. Der überall propagierte Fortschrittsglaube der Industrie und Machtelite verhindert jede vernünftige und sachliche Diskussion. Man sehe sich nur die auf uns niederprasselnde Werbung der Industrie und ihrer vorgestellten Lebensideale an.

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