Heiko #Maasʼ Ahnung vom #Journalismus – #SPD

Justizminister Heiko Maas hat unlängst Straffreiheit für Beihilfe zum Landesverrat für Journalisten gefordert. Klingt progressiv. Nun gibt er noch eine Losung gegen die Entwertung journalistischer Inhalte durch das Internet aus:

„Wir brauchen im digitalen Zeitalter nicht weniger, sondern mehr Qualitätsjournalismus – auch, weil sich im Netz viele Amateure tummeln; auch mit einer pubertären Lust am Tabubruch.“

„Qualitätsjournalismus“ – hmm. Denkt da der Minister weit genug? Zunächst mal wurde bei dem Treffen des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger deutlich, dass immer mehr etablierte Zeitungen im Internet Paywalls errichten und also Geld für Artikel verlangen. Maas grenzt als Politiker nun auch noch ‚guten‘ Journalismus von ‚schlechtem‘ Journalismus ab. Etwa Soziale Medien wie Twitter stehen dabei in der Kritik, auf denen Nachrichten durch viele ausgewählt und weitergegeben werden.

Zwei wichtige Dinge übersieht Maas in solchen kurzschlüssigen Äußerungen – die wohl aus seinem Teilressort „Verbraucherschutz“ herrühren.

Erstens könnte man größeres Augenmerk auf die zwangsläufige Entwertung von Inhalten durch das Internet richten. In schonungsloser Sicht müsste man zugunsten eines Journalismus, über den dann bitte an erster Stelle die Leser urteilen, erkennen, dass diese Abwärtsspirale vorerst nicht aufzuhalten ist. Der übrigbleibende Bezahl-Journalismus wird dadurch nicht besser, sondern abhängiger und bescheidener finanziert. So absurd ist also Maasʼ Wunsch zu diesem Zeitpunkt: Die laufende Entwicklung wird sich fortsetzen. Sie wird abgeschwächt werden können, vielleicht, in gewissem Maß. Mehr Qualität dürfte vorerst nicht zu erwarten sein. Aber man kann ja einen frommen Wunsch äußern und ihn als politischen Realismus verkaufen. Es ist der vorerst imaginär bleibende zweite Schritt vor dem ersten. Denn:

Zweitens hätte eine Sorge um „Qualitätsjournalismus“ sich an erster Stelle nicht gegen Menschen zu wenden, die immer selbstbestimmter mit Information und Vernetzung umgehen, sondern gegen Medien- und Konzernmacht, die im Hinblick auf Journalismus als solchen vor allem selbst als die größte Ursache für einen Verlust von „Qualität“ zu identifizieren sind. Maas prügelt lieber auf unbekannte Blogger ein, weil ihm dann keiner seiner elitären Marionettenspieler gram ist. So geht echte Untertanen-Mentalität an vermeintlicher gesellschaftlicher Spitze.

Mein voriger Beitrag über die Verbreitung einer fragwürdigen Studie der UniCredit-Bank über große Nachrichten-Agenturen und ergo ‚Qualitäts-Zeitungen‘ wie „Die Zeit“ ist als Beispiel für ein solches Argument gleich bei der Hand. Maas hätte auch ein Klagelied über die Ausdünnung des unabhängigen Journalismus durch neoliberale Effizienzsteigerung und die Uniformierung der Inhalte durch Agenturmeldungen singen können, schon längst singen können. Aber erst, wenn unabhängige Meinungen auf neuen Spielplätzen auftauchen, beginnt der SPD-Minister über Qualitäten des Journalismus nachzusinnen und sehnt sich nach einer schon halb untergegangenen Zeit. Und fragt sich lieber nicht nach tiefergehenden Gründen des Untergangs und einer schonungslosen Diagnose, wie sie guten Journalismus auszeichnet.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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