Besser die Wulffheit?

Die „heute“-Nachrichten vom 20.12.2011 berichten über die neuen Vorwürfe gegen Bundespräsident Christian Wulff, er habe sich 2007 Anzeigen für eine Buchveröffentlichung von dem Unternehmer Carsten Maschmeyer bezahlen lassen.

An diesem kurzen Nachrichtenstück lässt sich zeigen, wie etwa mit der Wahl von Interviewpartnern auf der kurzen zeitlichen Distanz Politik gemacht wird. Soll heißen, dass es dabei auch um journalistische Objektivität und kritische Distanz geht. Dies lässt sich recht gut im Kontrast zu einem Bericht des „Spiegel“ vom selben Datum ersehen.

Im Textbericht des Nachrichtenmagazins werden Stimmen aus der Buchbranche zitiert, die besagen, dass bei Bezahlung von Anzeigen durch einen Dritten der Autor zu informieren ist. Das entspricht auch schon dem gesunden Menschenverstand, nicht aber den Äußerungen des Geschäftsführers Corporate Publishing beim Verlag Hoffmann und Campe, Manfred Bissinger, oder Wulffs damaligem Interviewer Hugo Müller-Vogg, die sich an der Begrenzung des Image-Schadens versuchen (oder so tun).

Die von den „Spiegel“-Autoren zusammengetragenen Aussagen wären schon zuviel für die wenigen Minuten des Nachrichtenbeitrags. Deshalb sind zwei inhaltliche Entscheidungen der Autorin des Berichts, Christiane Hoffmann, bzw. der „heute“-Redaktion umso signifikanter: 1) Der Bericht fasst den Anzeigen-Skandal zusammen mit der Entscheidung des Ältestenrates im niedersächsischen Landesparlament, Wulff nicht wegen der Annahme eines Privatkredits von Unternehmer Egon Geerkens’ Ehefrau zur Rechenschaft zu ziehen. Beides hat eigentlich nichts miteinander zu tun und muss v. a. getrennt bewertet werden. Deshalb suggeriert 2) die zwischengeschnittene Reaktion der Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Wulff werde hier schon generell exkulpiert:

Der Bundespräsident wird aufgeworfene Fragen beantworten und die Sachverhalte aufklären und ich denke, von daher verbietet sich auch jede Spekulation über irgendwelche anderen Aspekte.

Hier springt eine Vertreterin des CDU-Koalitionspartners in die Bresche. Was die Berichterstattung einfängt, ist also eine offiziöse Verlautbarung. Zwar wird innerhalb des Berichts zuvor schon Renate Künast (Die Grünen) mit kritischen Worten zu Gehör gebracht, doch sind diese ebenfalls allgemein gehalten und werfen Wulff generell ein korrumpiertes „System Hannover“ vor.

Man hätte hingegen mit relativ geringem Aufwand eine Expertenstimme einfangen können, die den schlichten Sachverhalt auf den Punkt bringt, dass die Finanzierung von Buch-Anzeigen durch private Investoren kein handelsübliches Verfahren ist. Wulff, der sich als persönlichen Freund Maschmeyers bezeichnet (hier bei 1:00 Min. zu hören), …

… will also nach eigener Aussage mit diesem Freund über eine Zahlung von 40.000 Euro zu seinen eigenen Gunsten nicht einmal gesprochen haben. Wenn man ihnen zuviel davon gibt, ist es ihnen nichts mehr wert. Und leider ist an solchen Menschen nichts mehr zu erziehen.

Wir halten noch einmal fest, dass Wulffs/Müller-Voggs 2007er Opus „Besser die Wahrheit“ betitelt ist.

Mehr Hintergründe zu dieser medialen Inszenierung eines Skandals im Blog „GesichterWissen“.

Über die Berichterstattung zu Wulffs Skandal-Serie und ihre verschenkten aufklärerischen Potenziale reflektiert informativ auch dieser Beitrag auf „nachdenkseiten.de“.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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1 Response

  1. Renate Maleika sagt:

    Wulff hat m. E. von Anfang an gewusst,dass diese Kreditnahme
    mit der niedersächs. Verfassund nicht rechtens ist. Sonst hätte er
    nicht diese Winkelzüge gemcht
    Er hat an andere immer strenge Maßstäbe gesetzt und sollte so schnell von seimem Amt zurücktreten. Sein Vorgänger ist wegen
    einer gesponserten Feier zuückgetreten, da waren kein Dutzend weitere Amigos.Was die Unkenntnis der Anzeigenkampagne von Maschmeyer angeht ist nicht glaubhaft, In dem Moment
    wo diese erschienen isr, mußte er doch dies erfragen und bei
    nicht Einverständnis auf Rückruf bestehen. In meinen Augen
    ist er ein mieser Advokat, der Deutschland nicht länger vertreten
    sollte

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