Zwei Versionen von #Integration in der #ARD

Es ist aufschlussreich, zwei Dokumentationen aus dem aktuellen Angebot der ARD-Mediathek miteinander zu vergleichen, die beide den Themenkreis Migration und Integration beleuchten.

Da wäre einmal „betrifft: Flüchtlinge – Wie gelingt Integration?“ (SWR, 31.05.2017). Die Sendung ist Teil einer Langzeit-Begleitung, nun seit drei Jahren, in Schwäbisch Gmünd. Deshalb hat der Interessierte mindestens eine Geschichte schon in früheren Versionen gesehen: einen Afrikaner, der auf einem Bauernhof eingestiegen ist und dort erfolgreich mit anpackt.

Die beiden anderen afrikanischen Zuwanderer befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Willkommenskultur. Einer war zunächst in einer Kleingruppe bei einem älteren Ehepaar untergebracht und ist dort allein verblieben. Er nennt die alte Dame „Mama“, und diese bekundet, sich verjüngt und an die Schulzeit ihrer eigenen Kinder erinnert zu fühlen. – Als Arbeitsgelegenheit für den Migranten hat sich Altenpflege angeboten.

Noch ein weiterer Protagonist dieses Beitrags ist mittlerweile als Altenpfleger tätig. Er hat schon eine Prüfung geschafft und gehört zur Belegschaft eines Pflegeheims.

Es sind drei vorläufig erfolgreiche Integrationsgeschichten – mit wohl variierenden Wahrscheinlichkeiten für ihren Fortgang. Es ist die Frage, ob bei etwaigen Problemen, die auftreten können, die Kamera angeschaltet bleibt.

Eine etwas andere Realitätsversion liefert „Wir sind Eure Lehrer – Donya unterrichtet an der Gesamtschule Duisburg-Marxloh“ (WDR, 29.05.2017). Hier sehen wir die Realitäten der zweiten, dritten, vierten Generation von Migranten, in der Mehrzahl aus moslemischen Kulturen.

Die Journalistin Donya Farahani schlüpft in die Rolle der Lehrerin und begleitet sonst einen männlichen Deutschen und eine Lehrerin mit eigener moslemischer Herkunft. Letztere hat, wie sie erzählt, natürlich Heimvorteil bei ihren Schülern.

„Wir sind Eure Lehrer“ dokumentiert selbst nicht die krassesten Krisen-Situationen. Nur im verbalen Bericht wartet der Lehrer mit erschreckenden Beispiel auf, so jenem der Schülerin, die auf eine andere mit einem großen Messer losging. Es wird nur geschildert, aber wenig problematisiert, dass in den Unterrichtsstunden aufgrund des inklusiven Konzeptes drei Leistungsgruppen parallel beachtet werden müssen: stark, mittel und schwach. Arbeitsblätter müssen in drei Versionen angefertigt werden. Lernziele bleiben des öfteren auf der Strecke.

Wie in jeder Studie zum Thema wird deutlich ausgesprochen, dass der Beitrag gerade moslemischer Eltern für die Schulen problematisch ist: Die Verantwortung für die Bildung der Kinder wird komplett der Schule überlassen, die damit überfordert sein muss.

Was haben diese Jugendlichen in unserer Gesellschaft zu erwarten? – Für die moslemischen Frauen ist es klar: Sie werden zumindest ein paar mehr Kinder als ihre deutschstämmigen Geschlechtsgenossinnen bekommen. Nicht unwahrscheinlich ist, dass sich diesen Kindern anschließend mindestens dasselbe, wenn nicht ein schlechteres Bild in solchen Schulen bieten wird.

Für diejenigen, die Arbeit suchen, wird es ein schwerer Start werden. Wer in dem so beschriebenen Setting viele formale Anforderungen nicht wird erfüllen können, hat auf zukünftigen Arbeitsmärkten voraussichtlich noch weniger Chancen als heute. Er wird optimalerweise aus Überschüssen einer automatisierten Produktionstechnik Transferleistungen erhalten – wie Millionen andere, die durch Digitalisierung und Automatisierung ihre Arbeitsstellen verlieren oder erst gar nicht finden.

Im Vergleich der beiden Dokumentationen fällt allerdings auf, dass zu den ausschließlich alleinstehenden männlichen Flüchtlingen kein Problem-Aspekt zur Sprache kommt. Es kommt einem wie ein Werbefilm für die Aufnahme von Zuwanderern vor. Auf der Ebene des Mangels an Arbeitskräften in der Altenpflege ist dies kaum kritisierbar. Zu fragen bleibt aber, wie die Situationen tausender anderer Flüchtlinge sich gestaltet. Wer von ihnen hält Sprachkurse wirklich durch, wer findet Anschluss auf dem Arbeitsmarkt und im sozialen Leben?

Man darf dabei skeptisch sein. Und die Fortsetzungsgeschichte der Kinder in Duisburg-Marxloh entspricht eben voraussehbaren Situationen, die im Umfeld der aktuellen Flüchtlinge erst nach ihrer eigenen Familiengründung eintreten werden. Die Bereitschaft, größere Hürden auf dem Weg in eine soldarische Gesellschaft zu nehmen, steigt dabei nicht unbedingt an, wie wir wissen. Vom praktisch Machbaren nicht zu reden.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de – Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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