Neuer Quatsch-Höhepunkt der #Integration: #Arabisch lernen

Wie der “Focus” (15.05.2016) berichtet, fordert die Hamburger Linguistin Prof. Angelika Redder die Deutschen nun auf, wegen der verstärkten Zuwanderung Arabisch zu lernen.

Ich merke hier nur einmal an: Eine solche Äußerung dokumentiert einerseits die Weltfremdheit einer Universitäts-Mitarbeiterin. Andererseits zeigt sie den hiesigen National-Masochismus, der gerade in Zeiten der sog. Flüchtlingskrise immer skurrilere Blüten treibt.

Warum ich dies so schreibe?

Wer sich im internationalen Raum bewegt oder auch nur im Internet recherchiert, kommt um Englisch nicht herum. Sicher werden sich die Englisch-Kenntnisse vieler weiter verbessern, weil wir etwa über YouTube immer mehr englischsprachige Videos sehen. Dennoch ist es so, dass der Englisch-Unterricht in Schulen allein es nicht erlaubt, ohne größere Anstrengungen originale Filme etc. zu verstehen. Für Texte im Studium bedarf es einer gewissen Übung, auch wenn dort ähnliche Fachterminologien eine Erleichterung sind.

Ich spreche damit vom Englischen. Meine Erfahrung als jemand, der in der gymnasialen Oberstufe einen Französisch-Leistungskurs hatte und sich verstärkt etwa für französische Filmgeschichte und -Literatur interessierte: Es gab in meinem Erwachsenenalter kaum jemand – auch nicht im universitären Milieu und unter Journalisten -, der dieses Interesse verstärkt geteilt hätte. Buch-Bestellungen aus Frankreich dauerten halbe Ewigkeiten, auch heute sind sie über amazon komplizierter (Kreditkarte erforderlich). Ein intensiverer kultureller Austausch mit dem direkten Nachbarland Frankreich, dessen Sprache oft als Zweitsprache in der Schule gelehrt wird, findet immer noch nicht statt. Ich habe über Jahrzehnte kaum Begegnungen gehabt, bei denen ich Französisch hätte sprechen können. Dies wäre also etwas Vordringliches, wenn man sich um das Thema Sprachenlernen der deutschen Bevölkerung kümmern wollte.

Nun kommt Frau Redder auf die oben genannte Idee. Aufgrund des von mir zuletzt Gesagten ist sie schon deshalb unrealistisch, weil wir sehen: Neben dem allgegenwärtigen Englischen war schon über die letzten Jahrzehnte eines friedlichen Europas keine Zeit und kein Platz für noch eine weitere Sprache im Leben der Menschen. Selbst Englisch wird immer noch von vielen, wenn nicht den meisten gemieden, wenn es um schriftliche Nachrichten oder die gesprochene Sprache etwa in Filmen geht.

Welchen Sinn soll dann eine solche Aufforderung von Frau Redder machen? Es wäre primär sinnvoll, dass mehr Menschen ihre Englisch-Kenntnisse verbesserten. Damit werden sie auch für noch mehr Kommunikationen erreichbar, die von Nicht-Muttersprachlern betrieben werden, die ihrerseits Englisch sprechen.

Ungebührlich sind Äußerungen Redders schon deshalb, weil jeder Zuwanderer nach Deutschland an erster Stelle das zu tun hat, was ein Zuwanderer in anderen Ländern eigentlich selbstverständlich tut: die Sprache seiner neuen Heimat lernen. Welches ökonomische Verständnis liegt hingegen zugrunde, wenn man von den vielen erwartet, sich einer Minderheit anzupassen?

Ökonomisch ist diese Fragestellung, weil Sprachen zu lernen einen hohen Zeitaufwand bedeutet. Welchen praktischen Zweck soll etwa das Erlernen von Arabisch für deutsche Bürger haben – zumal dann, wenn eigentlich diejenigen, die hier leben und Arabisch sprechen, selbst unbedingt Deutsch lernen sollten? Haben wir unbegrenzt Zeit für alles und jeden, während doch die meisten darüber klagen, für vieles keine Zeit zu haben – einschließlich des Kinderbekommens und der Erziehung ihrer eigenen Kinder oder der Pflege ihrer Gesundheit?

Sollen sich mehrfache arabischstämmige Väter in Deutschland also gemütlich von ihrer Frau mit traditionellen Gerichten ihrer Heimat bekochen lassen und Arabisch plaudern, ohne ausreichend Deutsch zu lernen, während kinderlose deutsche Singles weiterhin am Feierabend gehetzt die Tiefkühl-Pizza in den Ofen schieben, um anschließend ihren Arabisch-Kurs zu absolvieren? Come on!

Ökonomisch ist diese Fragestellung auch, weil außer ein paar Alltags-Gesprächen mit Arabisch-Sprechenden von der Kenntnis arabischer Sprache in Westeuropa wenig praktische Vorteile zu erwarten sind. Natürlich sollte es Spezialisten geben, die für westliche Unternehmen bei Geschäftskontakten in die arabische Welt sprachlich vermitteln. Aber sollte es dafür nicht auch bei Bedarf genug Muttersprachler geben, die sich hier angesiedelt haben? Sollte deren Bildung nicht ausreichen, um diesbetreffende Anforderungen zu erfüllen – worum hätten sich dann deutsche Sprachwissenschaftler zu kümmern? – Darum, dass nun Deutsche Arabisch lernen, um Arbeiten zu übernehmen, die an erster Stelle für gebildete, Arabisch sprechende Zuwanderer eine Karriere-Chance bieten könnten?

Einzelne Gegenargumente, wie im Focus-Artikel aufgeführt, halte ich für für trügerisch und ablenkend von den eigentlichen Notwendigkeiten und Problemen:

Bislang habe das Lernen in der Schule als mühsam gegolten, weil es um Sprachen ging, die die Schüler nicht direkt anwenden konnten. “Nur wenn man dann in den Ferien nach Frankreich oder Spanien fuhr, konnte man das wieder benutzen.” Die Sprachen der Zuwanderer hätten dagegen einen direkten kommunikativen Wert. Die bisher üblichen Sprachen müssten deswegen nicht aufgegeben werden. Das zeigten viele Inder oder Afrikaner, die ganz selbstverständlich vier- bis fünfsprachig seien.

Redder übergeht dabei, dass das Lernen einer Sprache als solches kaum weniger zeitaufwändig wird, nur weil anschließend eventuell mehr Gelegenheiten bestehen, sie anzuwenden. Ob dem so ist, bleibt zudem fragwürdig: Mein 40jähriges Leben im Ruhrgebiet mit recht vielen moslemisch geprägten Bevölkerungsteilen etwa bestand in einer fast vollkommenen Nicht-Begegnung mit jenen, die dort zunehmend die Straßen bevölkern. Wie eine praktische Annäherung von Bevölkerungsgruppen, die sich durch soziale und kulturelle Differenzen sehr wirkungsvoll voneinander abgrenzen, gestaltet werden könnte (oder eben nicht), wäre zuvörderst von deutschen Wissenschaftlern zu beobachten und zu besprechen.

Die im Artikel wiedergegebenen Argumente ignorieren auch, wie gut jemand eine von mehreren Sprachen spricht. Sich halbwegs in Deutsch verständigen zu können, bedeutet nicht schon Einstellungsvoraussetzungen für anspruchsvolle Berufe oder eine vitale Teilhabe an der neuen Sprachgemeinschaft, etwa durch literarische Schöpfungen. Im Gegenteil wird das Publikum für Letztere voraussichtlich in den nächsten Jahrzehnten schrumpfen. – Eine notwendige Konsequenz könnte darin bestehen, Prioritäten zu setzen. Und diese könnten lauten: Mehr Menschen sollten besser Englisch lernen, um sich über Landesgrenzen hinweg zu verständigen; Zuwanderer sollten besser Deutsch lernen, um sich in Deutschland zu integrieren; beim Sprachenlernen sollte man darauf achten, das Erlernen der praktisch und vor Ort wichtigen Sprachen gründlich zu betreiben, statt sich auf mehreren Schauplätzen bei ohnehin knapper Zeit zu verzetteln. Sehen wir darin die Unterschiede zur Agenda einer Angelika Redder?

Dass eine deutsche Universitäts-Professorin wie Redder solche demnach realitätsfremden und effektiv die eigene Gemeinschaft gängelnden und sogar schädigenden Ideen in die Welt setzt, ist demnach kein Kavaliersdelikt. Es ist ein Zeugnis zerstörerischer Ideologie, die sich um kaum mehr verdient macht als die Ausbreitung und fraglose Akzeptanz des Islams.

Dass Deutsche und andere westliche Kulturvölker mittlerweile vielfach die Kulturen in ihrer eigenen Sprache nicht mehr ‘verstehen’, darunter bewusst und unbewusst leiden, habe ich in Blog, Büchern und Videos mittlerweile hundertfach gezeigt. Multiplikatoren finden sich bei Focus & Co. dafür bisher nicht. (Der Focus forderte einmal ein kostenloses Rezensionsexemplar von “Glotze fatal” an, verzichtete dann aber auf jede Erwähnung.) Die Irrwitzigkeiten einer Angelika Redder sind vielerlei Berichte wert. Auch hierin liegt ein Zerstörungsprogramm, das nun wohl in seine letzte Phase geht. Am Ende wird vielleicht jene Armut stehen, die bis heute Arabisch spricht. Technische und kulturelle Innovationen brachte sie seit Jahrhunderten leider nur wenige hervor.

Der westliche Liberalismus kippte in den letzten Jahrzehnten vielfach in einen maß- und gedankenlosen Multikulturalismus nach Art Angelika Redders um, der sich von sich selbst zutiefst entfremdet hat, kinderarm und durch anerzogenen Selbsthass würdelos geworden ist. Darin treffen im Übrigen die nachhaltigen Vorurteile und die Verachtung von Moslems gegenüber dem Westen zu.

Weiterempfehlen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Facebook
  • Twitter
  • LinkedIn
  • XING
  • Google Bookmarks
  • Y!GG
  • MisterWong
  • del.icio.us
  • Digg
  • Reddit
  • Technorati

Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

ANZEIGE
                        
Mit dem Nutzen des Kommentarbereiches erklären Sie sich mit der Datenschutzerklärung einverstanden.

5 Responses

  1. Goldmann sagt:

    Eines der wichtigsten Güter einer Kultur ist eine gemeinsame Sprache….. ergo:

    Einen Vorschlag zu unterbreiten, eine Sprache zu erlernen, damit es keine Missverständnisse gibt, …dann bleibt nur… LERNT DEUTSCH, werte “Neubürger”, denn kein größeren Schaden kann einer Kultur zugefügt werden, wenn ihr der Charakter, der Geist und die Sprache genommen werden!!!

    Beste Grüße

    Goldmann

  2. Daniela sagt:

    Deutsch und Englisch lernen ist ok. Französisch als 2.Fremdsprache ist eh out -die jungen Leute lernen lieber Spanisch, weils leichter ist. Warum aber nicht mal Arabisch ins Gespräch bringen? Ich verstehe die Aufgeregtheit nicht, mit der hier gegen eine Horizonterweiterung argumentiert wird. Vor ein paar Jahren hieß es: Lernt Chinesisch! Als die Chinesen als neue Exportweltmeister auftauchten. Auch eine tolle Idee. Wenn die Millione Syrer etc. hier jetzt ankommen und man kann ein paar Brocken Arabisch, um ins Gespräch zu kommen, bevor man dann wie üblich mit Deutsch-Englisch weiterredet, wirkt das nett. Ebenso würden die ganzen Tunesien-Marokko-Sonnentouristen profitieren im Urlaub dort. Also warum hier jetzt so eine Überfremdungspanik daraus machen? Es soll ja nicht Englisch als 1.Fremdsprache dafür abgesetzt werden. (Mal unter uns: Könnte das eine Wirkung der heimlichen Hirnwäsche der Medien sein, die eine xenophobische Stimmung verbreiten wollen, damit unsere lieben Machteliten von ihrem Totalverssagen beim Regieren unseres Landes ablenken lassen wollen? Damit alle Ausländer hassen, statt zu fragen, warum ein paar reiche Schmarotzer sich unser ganzes Geld einstecken, während Schulen, Krankenhäuser, Straßen usw. verkommen? A la “Kieler Sex-Mob-Panikmache”, wisst ihr noch? 2 Syrer hatten ein paar Mädels ganz harmlos angebaggert, die kreischten und die Presse und Polizei bliesen das zu “30 Araber begrapschten deutsche Jungfrauen” auf -wie einst bei den Nazis…)

    • Ich finde die Idee, die Sprache des anderen zu lernen, auch schön und richtig. Nur bemerke ich über Jahrzehnte, dass sie auf der Seite moslemischer Zuwanderer in größerer Zahl als bei anderen Herkünften nicht ausreichend existiert. Beim Fördern und Fordern kommt das Fordern vielleicht deutlich zu kurz. Das ist umso schädlicher, wenn die in den Herkunftsländern vorherrschenden autoritären Strukturen in der Erziehung bewirken, dass man deutsche Zurückhaltung und Entgegenkommen als Schwäche interpretiert, der gegenüber man sich verhalten kann, wie man will. Deshalb könnte es viel wichtiger sein, als allererstes und deutlich die Ansage zu machen: Entweder, Ihr lasst Euch auf die Kultur des Gastlandes ein und macht Euch die Mühe, dessen Sprache zu lernen – oder es wird mit uns nicht funktionieren. Der ganze Diskurs ,Fremde sprachen lernen‘ funktioniert doch eigentlich auf der Basis: Es ist gut, den anderen wahrzunehmen, wertzuschätzen und sich auf seine Kultur einzulassen. Nun kommen Menschen aus einem anderen Land nach Deutschland. Wo liegt hier die Bringschuld von Deutschen? Warum fordert man von Deutschen einmal mehr eine aufwändige Zuwendung für Zuwanderer, nun noch in ihrem privaten Zeitbudget, wo der deutsche Staat doch schon kollektiv allerlei Leistungen erbringt, von denen der Normalbürger in den Herkunftsländern nur träumt?

      > Könnte das eine Wirkung der heimlichen Hirnwäsche der Medien sein, die eine xenophobische Stimmung verbreiten wollen, damit unsere lieben Machteliten von ihrem Totalverssagen beim Regieren unseres Landes ablenken lassen wollen? Damit alle Ausländer hassen, statt zu fragen, warum ein paar reiche Schmarotzer sich unser ganzes Geld einstecken, während Schulen, Krankenhäuser, Straßen usw. verkommen?

      Das kann auch ein erwünschter Effekt sein. Ein “Totalversagen” ist aber auch die Zahl von Leistungsempfängern in Berlin-Neukölln. Wer als ethnisch-religiöse Gemeinschaft über Jahrzehnte deutlich mehr Leistungen von anderen empfängt, als er selbst zurückgibt, muss als erstes darauf angesprochen werden, was er selbst ändern muss, wenn er bleiben möchte. Zu einem solchen Zeitpunkt darüber reden zu wollen, dass diejenigen, die schon die Kinder einer größeren Zahl von moslemischen Zuwanderern ernähren, weil diese es selbst in dieser Gesellschaft nicht tun, auch noch Arabisch lernen sollen, halte ich deshalb nach wie vor für grundsätzlich verfehlt.
      Die Vorbehalte gegenüber Moslems gelten nicht für jeden in gleichem Maße, für manche gar nicht. Aber in nennenswerter Größenordnung liegen erhebliche Probleme vor – in der Bildung, im Verständnis von Rechtsstaatlichkeit, in Gleichberechtigung der Geschlechter (die bei uns teilweise schon eher ins Gegenteil umgekippt ist). Unser Problem ist nicht, dass Deutsche Arabisch lernen müssten. Unser Problem ist, dass es eine stark wachsenden Zahl von Bürgern gibt, die in größeren Anteilen ein kulturfremdes Rechtssystem wie die Scharia gutheißen, bei wachsender Frustration vielleicht sogar wieder zu einem fundamentalistischen Islam zurückfinden, auch wenn sie zeitweise liberale Ansichten angenommen hatten.
      Im Fall ernster Notlagen können schon wenige tausend radikalisierte ISIS-Kämpfer in Deutschland fürchterliches Leid anrichten. Dies sind unsere primären Probleme, nicht das Erlernen einer Sprache, in der es für uns kaum relevante Literatur zu lesen gibt.
      Das verhält sich ganz anders mit dem Französischen: Neben dem starken Überhang an sprachlicher Produktion ist Französisch für unseren Kulturraum die zweitwichtigste Sprache – nicht zu unterschätzen etwa für die Philosophie der letzten Jahrzehnte. Spanisch gewinnt natürlich durch die demografische Entwicklung etwa der USA global an Relevanz.
      Wie gesagt: Es wiederholen sich für mich hier die Figurationen der Gedächtnislosigkeit und Maßlosigkeit, wenn man meint, dass es egal sei, dass immer noch zu wenige gut Englisch sprechen, nur sehr wenige Französisch, nun aber ausgerechnet noch auf Arabisch umgestellt werden soll, was Drittsprachen betrifft. An erster Stelle steht eigentlich die Erkenntnis, dass auch in der Vergangenheit der Erwerb einer Zweit-, erst recht einer Drittsprache auch bei Deutschen nur eingeschränkt stattfand. Deutsche sollten besser und mehr Englisch lernen. Diejenigen, die dann noch Zeit für eine Drittsprache haben, sollen dies gern nach freier Entscheidung tun – Gegenstand für eine breite Debatte muss es angesichts der Realitäten wohl kaum sein. Was im Fall Französisch schon mit Einschränkungen verbunden war, wird nun für das Arabische gefordert, als wären Menschen beliebig konfigurierbar und als hätte der Tag beliebig viele Stunden.

  3. JoeT sagt:

    Man sollte an dieser Stelle nicht vergessen, dass viele Muslime die kommen, bzw. die auch schon hier kurz oder lange sind, nicht ausschließlich Arabisch sprechen, sondern in nicht unerheblicher Menge Farsi oder Paschtu. Selbst sprachlich Begabte dieser Sprachen können zwar Arabisch lesen, verstehen diese im Prinzip aber genauso wenig wie wir.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.