Historische Entstehung von #Banken-Macht und #Marx‘ „#Kapital“-Begriff

Der US-amerikanische Sozialhistoriker Richard Tilly, Träger des Helmut-Schmidt-Preises 2009, schreibt in „Geld und Kredit in der Wirtschaftsgeschichte“ (2003, S. 100):

Hier sieht man gewissermaßen Wurzeln des später so ausgeprägten Universalbankgeschäftes. Einen wichtigen Entwicklungssprung kann den 1840er Jahren zugeordnet und mit der Eisenbahngeschichte in Zusammenhang gebracht werden. Als sich in der zweiten Hälfte der 1830er Jahre in Deutschland Pläne zum Bau von Eisenbahnen häuften, übernahmen in vielen Fällen Privatbankiers, zum Teil aufgrund ihres Vermögens, aber auch wegen ihrer Erfahrungen mit den Staatspapiergeschäften und wegen ihrer Kontakte zu einer wachsenden Zahl reicher Kapitalisten, gleichsam zwangsläufig eine führende Rolle bei der Realisierung solcher Pläne. Wie im theoretischen Abschnitt erläutert, beruhte diese Leitrolle der Privatbankiers auf ihrer Schlüsselposition in dem damaligen Netzwerk von Kapitalisten: Im Mittelpunkt und als Schaltstelle vieler Zahlungsströme bekamen sie Zugang zu Informationen über Anlagemöglichkeiten und Anlagekapital zu geringeren Kosten als jene Kapitalisten und kapitalsuchenden Unternehmen vermochten. Sie dürften eher in der Lage gewesen sein, Gründergewinnmöglichkeiten zu erkennen als andere Unternehmen und Kapitalisten. Wahrscheinlich deshalb finden wir viele Privatbankiers in den ersten Gründungskomitees, ihre Häuser als Zeichnungsstellen für Aktien, ihre Leiter als Führer der Emissionskonsortien und sie selbst insgesamt natürlich als Bankiers der neugegründeten Eisenbahnaktiengesellschaften, wobei die Privatbankiers, je nach Geschäftslage, zeitweise als deren Schuldner, zeitweise als deren Gläubiger, auftraten.
https://books.google.de/books?id=QHbEseKC0esC&pg=PA99

(Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Titeln ist solch ein Buch derzeit über den Handel nicht bestellbar.)

Karl Marx (ca. 1875)
Foto: John Mayall

Bei Marx ist das, was Tilly uns zeigt, im Wesentlichen eine unpersönliche Funktion eines angeblichen „Kapitals“ … „Geldkapital“ führe „Operationen“ aus … Klingt, so gesehen, doch wie ein Trickfilm.

Von dem Gesamtkapital sondert sich nun ab und verselbständigt sich ein bestimmter Teil in Form von Geldkapital, dessen kapitalistische Funktion ausschließlich darin besteht, für die gesamte Klasse der industriellen und kommerziellen Kapitalisten diese Operationen auszuführen.
Wie beim Warenhandlungskapital trennt sich ein Teil des im Zirkulationsprozess in der Gestalt von Geldkapital vorhandenen industriellen Kapitals ab und verrichtet diese Operationen des Reproduktionsprozesses für das gesamte übrige Kapital.
Die Bewegungen dieses Geldkapitals sind also wiederum nur Bewegungen eines verselbständigten Teils des in seinem Reproduktionsprozess begriffenen industriellen Kapitals.
http://www.marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_b/banken.html

Es ist dabei sogar ein Selbstwiderspruch … Der Begriff des Kapitals hat selbst „Fetischcharakter“, wenn man dem Wortsinn trauen und nicht in (inhaltliche) Spekulation verfallen wollte, die viele doch so sehr scheuen. Zu diesem Begriff Ingo Elbe:

Der objektiv begründete Schein (der immer nur einer für ein Subjekt sein kann) der Naturhaftigkeit spezifisch historisch-sozialer Reichtumsformen.
http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/IMG/pdf/Elbe_Fetischcharakter.pdf

Aufschlussreich sind vor diesem Hintergrund gesellschaftliche Verbindungen (im ganz nüchtern soziologischen Sinn), die mindestens über sein direktes Umfeld in die über wenige Jahrzehnte rapide aufstrebende Rothschild-Bankfamilie führen. So kann man es bei Wolfgang Waldner („Der preußische Regierungsagent Karl Marx“) nachlesen.

Ingo Elbe referiert weiter:

Die realen Erscheinungsformen des Werts, seine gegenständlichen Repräsentationsverhältnisse, transportieren so Evidenzen für verkehrte Deutungen, denen die unmittelbare Wahrnehmung der Wareneigner aufsitzt.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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