#Bertelsmann über #Moslems und #Flüchtlinge

Die Presse feuert aus allen Rohren Ergebnisse der Bertelsmann-Studie „Engagement für Geflüchtete – eine Sache des Glaubens?“. Unter dem „Zeit“-Artikel dazu (27.03.2017) werden gerade 428 Kommentare gezählt. Ich lese nur die ersten davon, deren Tenor fast einhellig ist und die wichtigsten kritischen Fragen schon ansprechen – im Gegensatz zu sog. seriöser „Presse-Berichterstattung“, die aktuell in dem Weiterreichen der Stiftungs-Infos besteht.

Schade, dass Bertelsmann nicht die Muslime in Saudi Arabien, Qatar und Oman befragt hat.

„Das hohe Engagement von Muslimen bedeute allerdings nicht, dass sie die Flüchtlingshilfe für religiöse Einflussnahme missbrauchten. Diese Annahme sei haltlos, heißt es in der Analyse – allenfalls bei ein bis zwei Prozent der Helfer könne von einer Absicht gesprochen werden, Geflüchtete zu radikalisieren.“
Dazu hätte ich jetzt gerne belastbare Quellen. Behauptungen sind noch keine Belege – auch bei Bertelsmann nicht.

Die seit bereits […] mehreren Generationen in Deutschland lebenden Muslime sind doch ganz offensichtlich noch lange nicht so gut integriert, dass sie zwischen deutscher Stammbevölkerung und neuen Zuwanderern vermitteln könnten.

„Demnach gaben 44 Prozent der befragten Muslime an, im vergangenen Jahr Flüchtlingen ehrenamtlich geholfen zu haben.“
Da die 44 Prozent auf Selbstauskünften beruhen, wäre es vermutlich aufschlussreicher gewesen, direkt ehrenamtliche Gruppen und Einrichtungen zu befragen.

5 millionen muslime, ca. 1 million flüchtlinge – also wird jeder Flüchtling von ca. 2 menschen mit Migrationshintergrund betreut. Das nenne ich mal einen guten Betreuungsschlüssel.

Menschen antworten bei Umfragen sehr häufig deutlich anders als real gehandelt wird. Oft sind es Scham, gesellschaftlicher Druck oder Ähnliches die eine wahrheitsgemäße Antwort nicht zulässt.

Am 16.12.2016 veröffentlichte die „Preußische Allgemeine Zeitung“ (PAZ) den Artikel „Die irre Welt der »Flüchtlingshelfer«“, basierend auf einer Studie des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung. Hier wurden 2291 Personen befragt. Bei Bertelsmann sind es 10.000, allerdings aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Großbritannien und der Türkei für den gesamten „Religionsmonitor“; ich ersehe es auf die Schnelle nicht, ob es angegeben wird, aber es dürften betr. Moslems und Flüchtlinge in Deutschland dann mehrere Tausend Befragte sein.

Der PAZ-Artikel von Frank Horns ist im Ganzen lesenswert. Er dürfte allgemein als nicht ‚politisch korrekt‘ gelten. Doch die darin angesprochenen Realitäten sind für Betroffene schwerwiegend. Und der ganze Umgang mit dem Thema, wie er etwa in der Bertelsmann-Studie kulminiert, versetzt zumindest einen Teil der Leser mittlerweile nur noch in Fassungslosigkeit – ob der Plattheit einer aufgesetzten Multikulti-Seligkeit, die allen bestehenden sozialen Problemen widerspricht. Da sind Vernünftigkeiten und Selbstbehauptung so etwas von gründlich abtrainiert worden – und die Jüngeren sind davon durch verstärkte Propaganda in Schulen wohl noch heftiger betroffen. Wer nicht eine Tageszeitung wie „Die Welt“ liest (unter den größten die einzige Tageszeitung dieser Art), bekommt seltener die Krisen-Meldungen, öfter aber den Einzelfall mit human touch geboten.

Der Kernaussage der Bertelsmänner widerspricht das Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung diametral:

Der Anteil muslimischer Mitbürger an den „Flüchtlingshelfern“ beträgt nur 2,5 Prozent und war damit im Vergleich zu einer Umfrage aus 2014 sogar noch geschrumpft.

Man stellt sich nun auch die laut oft wiederholtem Forschungsstand tendenziell konservativen moslemischen Familien vor. Sollen die Männer plötzlich Hilfstätigkeiten für Flüchtlinge ausüben, während ihr traditionelles Familienbild sie davon eher freistellt? Der „Remscheider General-Anzeiger“ (18.12.2014):

Eine augenfällige Ungleichbehandlung sieht Cumart im Juristischen: „Der Islam ist patriarchalisch. Beispielsweise darf ein Muslim eine Jüdin oder Christin heiraten, eine Muslima darf es nicht.“ Der Mann im Islam sei Autorität und Führer der Familie, der Gehorsam von seiner Frau verlangen darf.

Obwohl man partout die Haare der Dame vor den lüsternen Blicken anderer Männer verbergen will, hat man also kein Problem damit, die Ehefrau oder gar Tochter in Flüchtlingsheime mit zahlreichen sexuell ausgehungerten jungen Männern zu schicken, die wenig zu verlieren haben?

Der PAZ-Artikel weiß über die Flüchtlingshelfer:

Zu elf Prozent waren es Studenten, zu 50 Prozent Berufstätige und zu etwa 20 Prozent Rentner. Ein wichtiges Ergebnis der Studie: Die „Flüchtlingshilfe“ ist weiblich. Rund 75 Prozent sind Frauen, In der Gruppe der unter 50-Jährigen steigt ihr Anteil sogar auf 80 Prozent.

Man bräuchte also weitere Nachprüfungen, um solch widersprüchliche Ergebnisse miteinander abzugleichen. Und dass wohl keiner der schon hier zusammengetragenen ernsten Einwände von der Bertelsmann Stiftung selbst oder erst recht den Berichterstattern berücksichtigt wird, ist ein weiteres Alarmzeichen. Man fragt sich zunächst ganz einfach, wer das in dieser Form glauben soll.

Über die weiblichen Flüchtlingshelfer schreibt die PAZ dann noch:

Viele haben studiert und arbeiten in gut bezahlten Berufen.

Auch dies passt nicht zu den Statistiken über Moslems, wie hier bei Masoumeh Bayat („Die politische und mediale Repräsentation in Deutschland lebender Muslime“):

Rund 50 % der Muslime besitzen eine mittlere oder niedrige schulische Bildung, etwa 34 % einen hohen Bildungsabschluss und rund 15 % keinen Abschluss.

Nachdenklich macht, dass Bertelsmann zwar das besondere Verhältnis von Frauen zu „Flüchtlingen“ nicht verbalisiert, aber auf der Startseite www.religionsmonitor.de dieses große Header-Bild präsentiert:

So ist es mittlerweile vielfach illustrativer Standard. Hat man die Hiesigen in Scheidungsdramen gestürzt und auf der Porno-Halde abgeladen, wird auf „ze.tt“ (23.03.2017) geklagt: „Mein Feminismus hat mich beziehungsunfähig gemacht“. Währenddessen hat der therapeutische Ehrgeiz sich ganz denen zugewandt, die noch nicht so lange hier sind (WAZ, 26.03.2017):

  • Im Lore-Agnes-Haus lernen junge Flüchtlinge das richtige Flirten
  • Auch Sexualaufklärung spielt dabei eine Rolle: „Das geht und das geht gar nicht“
  • Wie können geflüchtete Jugendliche Wege finden, Mädchen oder Jungen richtig anszusprechen?

(Interessant: Obwohl auf einem großen Portal, wo sonst alles zu finden ist, listet die News-Suche von Google diesen Artikel mit den Suchbegriffen „junge Flüchtlinge Flirt“ nicht auf. Aber die anderen Links zeigen, dass dies wohl die legitime Fortsetzung Humboldtscher Bildungsreformen ist. Wer mit 15 schnell genug die geeignete Sexualpartnerin gefunden hat, wird die Leistungsanforderungen eines Mathematikstudiums, mit dem immer mehr Abiturienten überfordert sind, sicher besser erfüllen, soweit ist das plausibel. Dafür spricht auch, dass an Schulen oft nur noch Schadensbegrenzung statt Unterricht betrieben wird. Aber wer braucht bei mehr Leistungsnehmern schon Leistungsträger?)

Ob wohl moslemische Security-Leute zu den Flüchtlingshelfern gezählt werden? – Hierzu erreichen uns ja Vorfälle wie diese („Die Welt“, 18.02.2016):

„Schädelprellung, Monokelhämatom rechts, Stumpfes Thoraxtrauma, stumpfes Bauchtrauma. Anamnese: Patient ist heute von vier Securitypersonen zusammengeschlagen worden, seitdem massive Kopfschmerzen und Schmerzen im Bauch. Patient wurde mit dem RTW gebracht.“ […]
„Sie warfen mir vor, ich hätte den Islam beleidigt, prügelten mich nieder und traten mir ins Gesicht“, sagte der zum Christentum konvertierte Südiraner mit verschwindend leiser Stimme der „Welt“. Fast täglich würden er und 13 weitere Christen in dem Oberurseler Asylheim von muslimischen Flüchtlingen beschimpft, vor allem, wenn sie mit ihren kleinen Bibeln in der Hand zweimal pro Woche zum Gottesdienst gingen.

Ich will das nicht verallgemeinern, aber irrelevant ist es ebensowenig. Es ist gravierend wie noch mehr, was in kein allgemeines Bewusstsein vorgedrungen zu sein scheint. Nicht Wahlergebnisse, aber Reaktionen des Publikums im Internet zeigen immerhin, dass es so nicht weitergeht: mit geförderter Naivität und Leichtsinn sowie Gesinnungsterror, der mit willkürlichen Wirklichkeitsausschnitten spielt.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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