Heinz Bude und die Ambivalenz des Wohlstands

Die aktuelle Phoenix-Sendung „Im Dialog: Michael Krons im Gespräch mit Prof. Heinz Bude“ (08.12.2017) ist allemal ein interessantes Anschauungsbeispiel. Man kann vorerst nur Varianten durchspielen, wie so etwas in 10 Jahren gesehen würde – weise Voraussicht und Gelassenheit oder realitätsfremdes Darüber-Hinwegreden und beflissenes Beschwichtigen? Dieselben Aussagen und Tonlagen werden je nach vorläufigem Ausgang der Geschichte so oder so wirken.

Schon heute wird diese Differenz so wahrgenommen werden: von denen, die existenziell von den besprochenen Entwicklungen betroffen sind. Bude geht hier schon aus von einem schleichenden Abstieg der Mittelschicht, der nur vereinzelt bestritten wird. Doch auch er versucht, Deutschland im Vergleich als einen Hort der Glückseligkeit aufscheinen zu lassen, in dem Unzufriedene nur zu wenig die Realitäten andernorts kennen. Über Migrationsbewegungen sind wir mit solchen entfernten Lebenslagen mehr und mehr konfrontiert.

Ich will das Video hier nicht referieren, aber noch anmerken: Heinz Bude steuert schließlich wieder auf die emphatische Vision eines Miteinanders, dass sich auch ökonomisch systematisieren lässt. Gastgeber Michael Krons ordnet dies als eine optimistische gegenüber anderen, pessimistischen, Varianten ein.

Wer eine solche Sendung im Vergleich zu Kommentar- und Wut-Kulturen des Internets sieht, wird schon bemerken, dass es um dieselben Themen geht. Warum ein Professor wie Heinz Bude nicht schärfer formuliert und auch Negativ-Entwicklungen hervorhebt, bleibt danach als Frage im Raum. Natürlich sind nicht alle Mega-Themen in einer halben Stunde anzusprechen. Es geht dabei neben Verteilungsgerechtigkeit – und dies auch in Abhängigkeit vom Folgenden -, sondern auch um ganz neue gesellschaftliche, familiäre Situationen und eine für die heutige Öffentlichkeit unkalkulierbare Gesamtlage betr. Automatisierung, Digitalisierung, Finanz- und Migrationskrise, Energieerzeugung und Rohstoffe, Kriegsgefahren. Es kommt immer u. a. darauf an, wie die bestehenden und kommenden sozialen Lagen seiner Zuhörer aus deren eigener Sicht zu bewerten sind, ob sie die Begriffe der Akademie, die Bude vertritt, als angemessen einordnet.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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