Die #Finanzkrise laut “Money Monster” – #Kritik #Trailer

Der gerade angelaufene neue Film “Money Monster” von Jodie Foster spitzt die Finanzkrise auf einen Amoklauf zu. Ein TV-Moderator (George Clooney) wird von einem geschädigten Anleger (Jack O’Connell) im Studio überfallen und vor den Kameras als Geisel genommen.

Die Story von Alan DiFiore und Jim Kouf nimmt zwei Umkehrungen vor: Zum einen ist eine Merkwürdigkeit der Finanzkrise doch die, dass bisher nichts dergleichen passierte. Oder gibt es Amokläufer, die explizit auf die Finanzkrise hin ihre Tat verübten? Dann ist die Erzählung davon also selbst eine reine Fiktion, die vorgibt, von einer eminent wichtigen Realität zu erzählen.

Das Thema wurde 2003 schon von Uwe Boll mit “Assault on Wall Street” bearbeitet. Hier ist es ebenso ein Kleinanleger, der aus Verbitterung über Verluste Amok läuft.

Beide Filme entscheiden sich also dafür, das sich in seinem Kern im Abstrakten der Zahlen abspielende Drama an einer solchen männlichen Figur zu erzählen. Die Täter haben ohnehin nicht viel, verlieren alles und drehen durch.

Die zweite Umkehrung ist damit, dass der eigentlich kaum wohlhabende und machtlose bzw. gänzlich entmächtigte Kleinanleger anfänglich selbst einen Fehler gemacht hat: sich überhaupt am Börsenspiel zu beteiligen. Er ist de facto ein Spiel eingegangen, dessen Risiken ihm theoretisch hätten klar sein können. Das mag von der Inszenierung gar nicht betont werden – aber es ist implizit absolut klar.

Eine moralische Konsequenz der laufenden und sich weiter verstärkenden Finanzkrisen in den USA, Europa und China ist jedoch, dass schließlich die vielen, die – mit Guthaben in Geldform oder ohne – von Währungs-Crash und Weltwirtschaftskrise betroffen sind oder wären, persönlich oft nicht direkt mit Aktienhandel zu tun haben. Natürlich basieren viele Lebenspraktiken und -umstände darauf, dass Unternehmen Aktien ausgeben und mit dem eingenommenen Geld erst wirtschaften können. Aber dieser Zusammenhang führt wiederum ins Abstrakte und wäre schwierig mit Personen zu dramatisieren. Er bezieht sich darauf, welche Form des Wirtschaftens sich eine Gesellschaft gegeben hat. Änderungen daran wären dann Revolutionen oder Radikalreformen. Davon zu erzählen, wäre nicht unmöglich. Diskussionen über Geldtheorie betreiben dies schließlich auch.

Aber die Kino-Produktionen verwenden die genannte Handlungs- und Figurenkonstruktion. Von der Realität der Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt aus betrachtet wird also ihre eigene direkte Unbeteiligtheit, aber Betroffenheit von der Finanzkrise (die sie wütend machen und zu offenen Protest führen könnte) auf eine Hauptfigur im Film projiziert, die sich direkt beteiligt hat, aber so ernst die Folgen der Finanzkrise zu spüren bekommt, dass sie sich für etwas rächt, was sie als Risiko erklärtermaßen selbst eingegangen war: bei der Spekulation maximal alles zu verlieren.

Es ist doch auffällig, dass es in beiden genannten Filmen so ist. Der Gedankengang der Macher ist sonnenklar: ‚Wie bringen wir einem Publikum das nicht zu den reichen, von Aktien profitierenden Schichten gehört, die Dramatik der Finanzkrise nahe?‘ Antwort: ‚Indem wir die Finanzkrise an einem echt Betroffenen illustrieren, der rein formal doch – im Gegensatz zu Publikum selbst – auch auf niedrigster Ebene Täter war.‘

Ein moralischer Kern der Finanzkrise ist wohl der, dass, je reicher direkt Beteiligte und Verantwortliche sind, sie desto weniger effektiv von Krisenphänomenen geschädigt sind, ggf. sogar noch durch Wetten (Derivate) oder Krisenfolgen davon profitieren. Die Ideologie der beiden Filme ist demgegenüber eine Normalisierung der Finanzkrise in der – bisher unrealistischen – Rachefantasie des kleinen Mannes.

Die Handlungswiedergabe zu Jodie Fosters Film verspricht uns allerdings, dass unter dem Druck des Amoklaufs die Hauptfiguren von Clooney und Julia Roberts einer Verschwörung im Finanzwesen auf die Spur zu kommen hätten. Das Filmplakat wartet sogar auf mit dem Slogan: “Not every conspiracy is a theory”.

money-monster-plakat

Siehe dazu auch im Gesichter-Blog: „Money Monster“-Autor ist Satanisten-#Double

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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