Als Betty Boop den #Saturn traf

In Dave Fleischers Zeichentrickfilm “Betty Boop’s Ups and Downs” (1932) greift die damals noch aktuelle Weltwirtschaftskrise auf die Cartoon-Figuren über. Erst verliert aller menschlicher Besitz den Wert, dann steht die ganze Erde zum Verkauf bei günstigem Preis. Mars und Venus winken ab. Doch der Saturn hat offensichtlich ein geschäftliches Interesse. Auch Bimbo ist wieder mit von der Partie – ja, genau der, der sich so sehr der Initiation in den Geheimbund verweigerte.

Dass der Saturn ein jiddisches Englisch spricht und das raffgierige Kapital mimt, wird man den Machern des Films wohl nachsehen. Es ist ja das jüdische Duo Dave und Max Fleischer (die beide selbst aus einfachen Verhältnissen stammten). Und siehe da: Der Venus gab eine gewisse Ann Rothschild die Stimme.

Wie ich in “Saturn Hitler” nachzeichne – während auch Hitler die Zeichensprache der Astro-Faszination erlernte, arbeiteten die jüdischen Kunsthistoriker um Aby Warburg schon an ihrer berühmten Studie “Saturn und Melancholie”, die erst 1964 abgeschlossen und veröffentlicht wurde. Und, wie es Moshe Idel 2011 in “Saturn’s Jews” mitzuteilen erlaubt war, es fehlte in dem mehrhundertseitigen Buch jeder Hinweis auf “jüdisches Material” in der Kulturgeschichte des Saturn.

Derzeit laufen in der deutschen Kunsthistorik vieljährige Aby-Warburg-Festspiele. Hier noch eine Auswahl von relevanten Buchtiteln. Von der historischen – nicht zuletzt weltweiten popkulturellen – Tragweite der Saturn-Motivik darin ein Wörtchen zu finden, erwarte ich nicht. Wissenschaftlicher Sorgfalt und der von Erwin Panofsky geprägten Ikonologie erweist dies einstweilen nicht die stärkste Referenz.

Horst Bredekamp, der zu Aby Warburg zuletzt zweifach publizierte, Herausgaben machte und dem Sternenbeobachter Galileo Galilei eine Monografie widmete, gehört ja zur Gründungsintendanz des Humboldtforums im Berliner Stadtschloss. Schauen wir einmal, wohin das berühmte Humboldtsche Bildungsideal uns noch zu tragen vermag.

Dazu Humboldt:

Soviel Welt als möglich in die eigene Person zu verwandeln, ist im höheren Sinn des Wortes Leben.

In die Sterne zu gucken, ließ er sich bekanntlich auch nicht verbieten. Lang ist’s her.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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1 Response

  1. l2012ucas sagt:

    In diesem Zusammenhang kommt mir die Autobiographie ” Erinnerung an ein Jahrhundert: Gespräche mit Georges Leroux” vom jüdisch-stämmigen europäisch kanadischen Philosophen Raymond Klibansky in den Sinn, die ich aufgrund seines bewegten Gelehrtenlebens mit Gewinn vor Jahren las. Er war Mitherausgeber von “Saturn und Melancholie”. Tiefer gehende, mir noch nicht bekannte Aspekte der Saturnthematik haben ich dort jedoch auch nicht finden können.

    https://www.perlentaucher.de/buch/raymond-klibansky/erinnerung-an-ein-jahrhundert.html

    Trotzdem existiert noch einiges, auch außerhalb des astrologischen Segments, an Literatur und auch ein außergewöhnliches Video zum Thema “Saturn and Ceremonial Magic”.

    https://www.youtube.com/watch?v=QulVK3lkVdI

    https://www.amazon.de/gp/product/0820337978/ref=ppx_yo_dt_b_search_asin_title?ie=UTF8&psc=1

    https://www.amazon.de/Abgrund-Seele-Saturn-L%C3%A1szl%C3%B3-F%C3%B6ld%C3%A9nyi/dp/3882212675/ref=sr_1_3?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&keywords=Goyas+Abgrund&qid=1571397121&sr=8-3

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