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#FuckTheEU: Neuland für USA-Lover

Dass die Schlaubis aus der Netzkultur sich über Kanzlerin Angela Merkel amüsierten, weil sie „Internet“ kaum kennt, war einen der letzten größeren shitstorms wert. „Neuland“ hieß der Begriff, über den sich die Berufscoolen amüsierten. Und wie der Homie seine Ghetto-Erfahrung, feierten die digital natives ihre Heimeligkeit im vernetzten Nirgendwo gegenüber der scheinbaren Naivität der Kanzlerin. Gerade tobt nun ein neues Hashtag durch die Debatten auf Twitter und sonstwo: „#FuckTheEU“ sind die Worte, die, optimiert für 140 Zeichen inklusive Privatmeinung, von der Präsidenten-Beraterin Victoria Nuland per abgehörtem Telefonat mit dem unkrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch lanciert wurden.

In meiner Wahrnehmung trifft dies gerade zusammen mit einer Ankündigung auf dem Buchmarkt: Am 13.02.2014 kommt die Neuerscheinung von Tobias Jaecker: „Hass, Neid, Wahn. Antiamerikanismus in den deutschen Medien“. Zehn Jahre nach seiner Publikation „Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September. Neue Varianten eines alten Deutungsmusters“ vertieft Jaecker also das Thema in einer allgemeineren Variante: Nach seiner Abwehr von nach wie vor bestehenden Verdachtsmomenten, dass an 9/11 neben CIA & Co. auch der Mossad und zionistische Akteure in den USA beteiligt waren, keilt Jaecker nun statt gegen „Antisemiten“ gegen „Antiamerikanisten“.

Im Rahmen meiner eigenen Recherche für „Kino Okkult 1 – 11. September 2001“ (2011) hatte ich Jaeckers früheres Buch bestellen müssen. In meiner eigenen Veröffentlichung gehe ich auf einzelne argumentative Vorgehensweisen dieses freien Mitarbeiters beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) ein. Wie bei so manchem anderen Kritiker von sog. Verschwörungstheorien trifft Jaeckers Hauptvorwurf eher auf ihn selbst zu denn auf den Gegenstand seiner Kritik. Die „Wikipedia“ formuliert seinen Ansatz wie folgt:

Laut Jaecker reduzieren Verschwörungstheoretiker komplexe Vorgänge auf simple, überschaubare Zusammenhänge und unterstellen, dass unsichtbare Mächte die Weltgeschichte lenken.

Die 208 Seiten von Jaeckers „Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September“ (verkauft für 19,90 Euro) demonstrieren durch ihren bloßen Umfang, dass sie ihrem Gegenstand nicht gerecht werden. Wer Verschwörungstheorien entkräften will, muss auf eine Gesamtheit ihrer Gegenstände und Thesenbildungen eingehen – und darf nicht selbst mit unbewiesenen und in sich unschlüssigen Vorwürfen hantieren. Als Beispiel hier einmal das bloße – in seiner Komplexität schon stark reduzierte – Gerüst einer Abbildung jener Beziehungen von Personen und Institutionen, die zum 9/11-Komplex gehören, in der Sicht von Joël van der Reijden und seinem „Institute for the Study of Globalization and Covert Politics“:

Abbildung: undovedmind.org

Für eine Debatte solch komplexer sozialer, wirtschaftlicher, politischer und kultureller Phänomene können auch 1000seitige Bücher nur einen Wirklichkeitsausschnitt vermitteln. Jaecker reichte im Wesentlichen seine bloße Meinung, die USA führten nichts im Schilde, zur Aufstellung der Hauptthese seines 2004er Buches hin. Wie die von ihm inkriminierten Verschwörungstheorien klaubt er auf wenigen Seiten ein paar Fälle zusammen, an denen er mehr oder minder seine These glaubt belegen zu können. (Der FU Berlin war Jaeckers dürre Konstruktion einen Förderpreis wert.)

Für Jaeckers neues Buch (nun 410 Seiten für 29,90 Euro) ist deshalb wenig Gutes zu erwarten. Die Stoßrichtung ist dieselbe. Sie kommt von einem Journalisten, der sich 2006 – nach seiner Exkulpation der USA und ihrer Verbündeter für 9/11 – mit einem Stipendium in Chicago aufhalten durfte. Das Konzept USA scheint ihn nunmehr gänzlich überzeugt zu haben. Und so bescheinigt schon der Titel des neuen Werks den USA-Kritikern „Hass, Neid, Wahn“. Vielleicht ist das Akronym dieses Titels als Wort ausgesprochen ein weiteres Vorurteil Jaeckers gegenüber seine Kombattanten: HNW spricht sich Hanf – als Droge und Nutzpflanze promotet von Mathias Bröckers, der mit seinen 9/11-Büchern und zuletzt der neuesten Verschwörungstheorie zum Mord an John F. Kennedy einer der prominentesten Autoren dieser Sparte in Deutschland ist und von Jaecker entsprechend kritisiert wird.

Jaecker brütet möglicherweise lieber über seinen subtilen Akronymen, statt sich detaillierter mit Sachthemen zu beschäftigen, zu denen seine Leser eigentlich Auskunft erwarten. Entweder, er hatte zur damaligen Zeit noch keinen nennenswerten Einblick in ein Phänomen wie 9/11 – dann jedoch sollte man auf die Veröffentlichung von Büchern und die Diffamierung von Andersdenkenden verzichten. Oder Jaecker handelt schlicht im Auftrag von US-amerikanischen und zionistischen Gruppierungen. Seine finanzielle Belohnung mit Preisen und Stipendien sind ganz öffentliche Anzeichen hierfür. Eine kontinuierliche Beschäftigung bei einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland stellt diesem selbst ebenfalls ein fragwürdiges Zeugnis aus. Auf einer sachlichen und methodischen Ebene hat Jaecker sich mit seinem 9/11-Büchlein fachlich disqualifiziert – das zeigen schon die Erörterungen in meinem eigenen Buch „Kino Okkult 1“, wie ich meine.

Es verwundert deshalb nicht, dass Jaecker eine rege Vortragstätigkeit in Volkshochschulen und anderswo entfaltet. Ganz im Sinne der Besatzungsmacht USA werden deutsche Bürger hier von einem desinformiert, der es ganz offensichtlich nicht so genau weiß – aber die generelle Meinung anderer Mitspieler vertritt, gegen die Deutschland im Zweiten Weltkrieg unterlag. Dies ist ein Beispiel für das umfangreiche Programm der Umerziehung, das nach 1945 in Deutschland stattfand und noch andauert.

Ein Grund, darüber gerade heute zu sprechen: Jaeckers Haltung wird immer absurder. Nachdem auch die breite Öffentlichkeit darüber debattiert, wie die USA etwa mit Überwachungsmaßnahmen Grundrechte verletzen, kommt ein Buch wie „Hass, Neid, Wahn“ wohl zur absoluten Unzeit. In Bezug auf die gerade noch einmal deutlicher werdenden Machtstrategien der USA und der sie mitbestimmenden Israel-Lobby könnte ein korrekterer Buchtitel über sog. „Antiamerikanisten“ wohl „Berechtigtes Misstrauen, vernünftige Distanz, komplexe Argumentationen“ lauten. Doch ein Autor wie Jaecker verbleibt, so steht zu erwarten, in seinem eigenen Wahn, der reichlich Zuspruch von Institutionen und ihre Förderung erfährt. Dieser Zuspruch ist ein deutliches Anzeichen dafür, was in Deutschland derzeit noch geschieht: Die gatekeeper in Journalismus und Bildung handeln konsequent im Sinne der transatlantischen Allianz – koste es soviel Wahrheit, wie es wolle. Menschen, die dem gegenüber arglos sind, werden nach wie vor in einer Mischung aus Linksliberalismus und diffusem Internationalismus geprägt und erzogen. Die historischen Tatsachen und realen Konsequenzen werden ihnen nicht gezeigt – oft solange, wie sie sie selbst nicht deutlich zu spüren bekommen: als Finanzkrise, Aussterben ganzer Bevölkerungen, kultureller und psychischer Selbstentfremdung zugunsten des Kulturkonzepts Dschungel-Show. Im Waschzettel von Jaeckers neuem Elaborat hält er „Wildwestgebaren, Raubtierkapitalismus, Hollywoodschund“ für Vorurteile gegenüber den USA – in einer Zeit, da die Uran-Munition des US-Militärs den Irak auf Dauer mit verseuchten Zonen überzogen hat, kein Ende der zerstörerischen globalen Finanzkrise in Sicht ist und man sich über die Güte von Kino-Produktionen dieser Provenienz streiten könnte (wenn man nicht in vielfach gleichgeschalteten Redaktionen arbeitet).

Meine eigene Arbeit an einem neuen Buchmanuskript zu Adolf Hitler, seiner Okkultsymbolik und den Einflussstrategien internationalistischer Mächte schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigt mir einmal mehr das komlette Gegenbild zu einer Haltung, wie Jaecker sie vertritt. Auch die bei Victoria Nuland erkennbare verächtliche Haltung dürfte mancher Wahrheit näher kommen, die in den internationalen Beziehungen jenseits der gepflegten Meetings vielfliegender Günstlinge von Bilderberg & Co. vorliegen. „Fuck the EU“ werden sich oft jene Akteure sagen, die seit über 100 Jahren gegen einen starken deutschen Staat agitieren – wenn es darauf ankommt, auch mit konspirativen und sehr unfairen Mitteln. Es ist erschütternd, wie Jaecker und ein noch bestehender Mainstream der deutschen Presse und Geschichtswissenschaft über solche historischen Entwicklungen hinweggehen. Sie sind offensichtlich der Auffassung, dass man seine eigenen Mitbürger belügen sollte, um ein Projekt der Neuen Weltordnung möglichst unbemerkt umzusetzen. Ob sie dabei alle Konsequenzen auch für ihre eigene Lebenswelt voraussehen, darf und muss weiterhin bezweifelt werden. Bisher zeichnet sich ab, dass die globale Interessenspolitik von Wall-Street-Bankiers mittelfristig immer finanzwirtschaftlichen Totalzusammenbruch, Verelendung und neue Kriege hervorbringt. Das laut Nuland zu fickende Europa hat es unter dieser Ägide über einige Jahrzehnte sehr gut gehabt. Deshalb ist es jetzt viel zu verwöhnt und träge, um reale Gefahren zu erkennen. Die „tagesschau“ schon bringt sie nicht so häufig und regelmäßig zur Sprache wie die Wirtschaftsseiten: „Die globale Elite warnt vor der nächsten Bankenkrise“ („Die Welt“, 22.01.2014).

Wenn Sie, liebe Leser, klug sind, erteilen sie Hetzern wie Tobias Jaecker oder auch den ebenfalls wenig fundierten Veröffentlichungen eines Wolfgang Wippermann eine klare Absage. Ihre Kritik an Verschwörungstheorien ist erfahrungsgemäß eine bigotte Beschreibung der mangelnden Einsicht, die ihre eigenen Bücher vermitteln. In öffentliche Debatten mit ihren Gegnern auf Augenhöhe werden sie nie eintreten. Dazu ist das System der Förderung ihres eigenen Meinungstotalitarismus viel zu effektiv – und für sie persönlich zu ertragreich, auch wenn die Grundlagen ihrer eigenen Kultur schwinden. Doch um dies zu bemerken, müssten sie erst einmal hinsehen.

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