Kino Okkult News (6) – Griechenland-Wahl, Kassandra-Rufe

Geheimgesellschaften – Politik und Finanzwelt

An diesem Sonntag steht in Griechenland die Schicksalswahl an. Es bestehen drei Möglichkeiten: Sieg der Gemäßigten, Verbleib in der Euro-Zone und weitere kostspielige Stützungsmaßnahmen; Sieg der Linken, Austritt aus der Euro-Zone und starke Turbulenzen am Finanzmarkt; Sieg der Linken, notgedrungene Akzeptanz der Euro-Partner gegenüber der Weigerung Griechenlands, Auflagen der EU zu akzeptieren. Die Risiken und auch die zwangsläufigen Kosten sind in allen Varianten recht hoch. Hier gibt es kaum etwas richtig zu machen – und vor allem wird man im Nachhinein nicht sicher sagen können, wie man es hätte besser machen können. Das lässt Politikern reichlich verbales Spielmaterial für gegenseitige Vorwürfe, auch wenn an vielem dann nichts mehr zu ändern ist. So ernst die Lage, so albern leider oft das politische Tagesgeschäft unter gegebenen Voraussetzungen.

Das Blog „MMnews“ legt oft die schärfste Tonart vor und wird von Kommentatoren auch gern mal als Werk von Verschwörungstheoretikern gegeißelt. Jedoch erfährt man hier oft früher von den sich abzeichnenden Krisentendenzen. Während „Spiegel“, „tagesschau“ & Co. scheibchenweise das abarbeiten, was am Tage unausweichlich berichtet werden muss, ist in solchen unbekannteren Quellen das Unausweichliche schon dann zu lesen, wenn das Wahlvolk noch von der traurigen Erkenntnis ferngehalten werden soll.

Wie so oft muss man feststellen, dass das von Medien angeleitete durchschnittliche öffentliche Bewusstsein (gemessen an den Inhalten der breit rezipierten TV-Sender und Zeitungen) nur momenthaft wahrnimmt und reagiert. Bis zum Äußersten redet man sich ein (oder glaubt ernsthaft?), dass diese oder jene zwangsläufige Entwicklung doch nicht eintreten werde, dass vielleicht Milliarden Euro vom Himmel fallen? Meist liegen die zuvor erwähnten Pessimisten richtiger, die schon früher darauf hinweisen, dass bestimmte Rechnungen nicht aufgehen können, dass etwa die Länder Griechenland, Spanien und Italien unaufhaltsam auf Finanzkrisen und anschließende Rettungsmaßnahmen der EU zusteuern. Monatelang war dann etwa in Mainstream-Medien fast ausschließlich von Griechenland die Rede, bis relativ plötzlich deutlich wird: In Spanien fehlt auch das Geld, in Italien fehlt auch das Geld. Und der Rettungsschirm, in Form des ESM „Stabilitätsmechanismus“ genannt, ist natürlich zu klein, nachdem über Wochen deutsche Fernsehzuschauer und Zeitungsleser von Politikern wie Wolfgang Schäuble, Angela Merkel oder Rainer Brüderle beschwichtigt wurden, dass man im Begriff sei, tragfähige Lösungen zu finden und den Euro schon schaukeln werde.

Die Verzögerungstaktiken und das Lavieren von Politikern (als den wichtigsten Moderatoren dieser abstrakten Ereignisse mit realer Wirkung) ist es, was Verschwörungstheorien auf den Plan ruft. Und nolens volens tragen die Beschwichtigungen und wirkungslosen Deeskalierungsversuche der Bundesregierung dazu bei, weder die tieferen Ursachen der Krise zu erkennen noch aktuell zwischen Gewinnern und Verlierern unterscheiden zu können.

Wenn hierbei keine bewusst lenkenden Kräfte im Hintergrund am Werk sind, steht es für den Kapitalismus eigentlich noch schlimmer: Er würde derzeit schlicht demonstrieren, dass er nicht funktioniert.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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