Tragigroteske der #Verschuldung. Ein Terzett

“Nur noch 68 Euro neue Schulden pro Sekunde” begrüßt Nikolaus Doll in der “Welt” (28.12.2016) das neue Buchhaltungsjahr.

Die chronisch klammen Kommunen greifen derzeit vielfach auf Kassenkredite zurück, sie leihen sich also für kurze Zeit Geld, um flüssig zu bleiben. Das aber wird von den Schuldenberechnern nicht berücksichtigt, weil diese Posten in der langfristigen Finanzplanung nicht auftauchen.
[…] „Mit mehr als 2000 Milliarden Euro verharrt der gesamte Schuldenstand Deutschlands immer noch auf einem viel zu hohen Niveau“, kritisiert Holznagel.

Eine gegenteilige Auffassung vertritt Ökonom Heiner Flassbeck in seinem Vortrag “Europa in der Dauerkrise – welche Wirtschaftspolitik braucht der Kontinent?” auf dem Industriekongress 2016. Er sieht in Schuldenreduktion durch Deutschland eine unsinnige Reaktion, nachdem ein deutscher Wirtschaftsboom mit Exportüberschuss zu Überschuldung in anderen europäischen Ländern führte – was rechnerisch unausweichlich dokumentiert ist.

Am Ende des Vortrags ertönt aus dem Publikum eine Stimme, Flassbecks Herleitung sei “falsch”, gefolgt von der Ermutigung des Referenten, dies doch irgendwann einmal schriftlich der Öffentlichkeit mitzuteilen.

Man erinnert sich noch an Artikel wie jenen der “Süddeutschen Zeitung” vom 14.10.2013, Autor: Nikolaus Piper, Titel: “Schulden sind gut”.

Am Rande der Währungskonferenz in Washington meinte der Finanzminister auf die Frage, wann denn Deutschland seine Schulden zurückgezahlt haben werde: “Hoffentlich nie!” Zum letzten Mal sei das Land 1948 schuldenfrei gewesen, also nach Krieg und Diktatur. Ein Finanzminister, der nicht schuldenfrei werden möchte – ein Skandal? Natürlich nicht. Schäuble hat eine Selbstverständlichkeit gesagt, die nur leider oft vergessen wird.
[…] Wo würden Lebensversicherungen das Geld ihrer Kunden anlegen, gäbe es keine Bundesanleihen?

Ja, das fragen sich heute auch die Lebensversicherungen. Welche Rendite hat eigentlich der Konjunktiv?

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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