Tödliche Faszination für Justin Bieber

Vor einigen Tagen kam die Mainstream-Presse nicht darum herum, einmal wieder ihren eigenen Wahnsinn zu dokumentieren. Es gab die Todesnachricht von Tobias Strebel zu vermelden, der unter dem Pseudonym „Toby Sheldon“ in den USA eine gewisse Bekanntheit erlangte – als Double des Pop-Phänomens Justin Bieber.

Er sei „abhängig von Schönheits-Chirurgie“, zitiert „Bild“ Strebel aus einer Talkshow. Auch titelt „Bild“ über das „verpfuschte Leben“ des 35jährigen. Man fragt sich allerdings, was die Redaktion dann eigentlich über den Großteil der Stars und Sternchen urteilt. Ist das, was man schon vor vielen Jahrzehnten als Narzissmus der Branche in großen Spielfilmen gespiegelt sieht, nicht ebenso Anzeichen eines solchen „verpfuschten Lebens“? – Schon richtig, dass in puncto gedanklicher Konsequenz im Boulevard so Einiges auf der Strecke bleibt – aber es ist doch immer wieder aufʼs Neue erstaunlich, wie man hier von bürgerlicher Vernunft zur vermarkteten Dekadenz und zurück hüpft. Wer kauft und liest das ohne solche Gedanken?

„Promiflash“ taucht ebenfalls ganz tief auf den Boden des Schwachsinns und bemerkt zum Bruch Strebels mit seinem Lebensgefährten:

Ob die Trennung etwas mit diesem traurigen Umstand zu tun hat, werden wohl die kommenden Ermittlungen zeigen.

Das, womit „Promiflash“ täglich seine Zeilen füllt, hat „mit diesem traurigen Umstand“ aber wohl nichts zu tun. Kommende Ermittlungen ausgeschlossen.

Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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