Themometer: #Internet, #Gender

Im zweiten Teil dieser Artikel-Serie zum netzlesen-Themometer treffen zwei Wortfelder aus der journalistischen Debatten-Kultur aufeinander, die nicht sehr viel miteinander zu tun haben: Internet und Gender.

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Man kann lediglich sagen, dass beides buzzwords sind, denen man seit etlichen Jahren in Gesellschaft und Medien nicht entgehen kann. Dass beides in Zeitungen und Web-Portalen häufig vorkommt, versteht sich von selbst. Dass Internet noch häufiger vorkommt als Worte aus dem Gender-Bedeutungsfeld, ist auch klar.

Aber am Vergleich der Ring-Diagramme zeigt sich ein Phänomen deutlich, das auch zu hier noch folgenden Auswertungen anzumerken ist: Die beiden ursprünglich aus Westdeutschland stammenden Organe „Der Spiegel“ und „Die Welt“ haben gegenüber dem „neuen deutschland“ als dem früheren DDR-Staatsorgan einen deutlichen Überhang beim Modethema Internet. An weiteren Beispielen wird sich ebenso zeigen, dass hier offensichtlich eine Differenz im Sprachgebrauch vorliegt, die genauer zu untersuchen wäre. Nicht nur werden Themen anders gewichtet, sondern den hier vorliegenden Anzeichen zufolge auch in anderen Worten angesprochen, so dass das „neue deutschland“ bei der Mehrzahl von Suchwörtern deutlich schwächer abschneidet, unabhängig vom Gehalt des Themas. Eine ostdeutsch geprägte Redaktion pflegt ganz offensichtlich nicht nur andere inhaltliche Präferenzen, die aus ihrer eigenen Geschichte herkommen, sondern zudem eine andere Wortwahl.

Während sich aufgrund ideologischer Präferenzen etwa im ersten Teil zu Finanzkrise und Migration zeigte, dass die konservative „Welt“ diese Krisen-Themen sehr viel stärker gewichtet als auf der linken Seite „Der Spiegel“ und das „neue deutschland“, liegen im Fall von Internet „Spiegel“ und „Welt“ gleichauf. Sie sind sich offensichtlich in diesem Fall darin einig, wie wichtig dieser Inhalt ist – in den absoluten Zahlen von themenbezogenen Beiträgen ziemlich wichtig. Im „neuen deutschland“ kommen dieselben Worte deutlich seltener vor. Das Medien- und Technik-Thema ist in der traditionell ostdeutschen Zeitung im Vergleich unterrepräsentiert.

Anders liegen die Verhältnisse im Fall von Gender. Wie in den meisten Auswertungen ist es „Die Welt“ mit den meisten Nennungen. Es kann sich dabei durchaus um einen höheren Grad der Suchmaschinen-Optimierung des Angebots aus dem Axel Springer Verlag handeln, durch die entsprechende Suchbegriffe häufiger in die Texte eingestreut werden.

Bei den Worten aus dem Gender-Bereich liegen hingegen „Der Spiegel“ und „neues Deutschland“ in etwa gleichauf. Sie interessieren sich etwas weniger für diesen – ohnehin medial schwächer repräsentierten – Lebensaspekt als die konservative „Welt“. Letztere bildet also deutlicher den Wandel von Geschlechter-Rollen und der Auffassung von Familie ab und steuert damit entsprechend die Aufmerksamkeit ihrer Leser. Die beiden Blätter links von der Mitte unterscheiden sich in ihrer politischen Position ‚linksliberal‘ und ‚linksaußen‘ nicht wesentlich darin, dass sie Gender-Aspekten in direkter Benennung nur wenig Aufmerksamkeit schenken. Das ist insofern etwas verwunderlich, weil in der Linken der Feminismus ja wiederum stärker vertreten ist als bei den Konservativen. Zu vermuten ist hier lediglich, dass durch die Überschneidungen im Wortfeld zu Geschlechtern in einer einfachen und zusammenfassenden statistischen Auswertung zu einzelnen Worten eben nicht unterschieden werden kann, ob Artikel von Emanzipation oder von traditionellem Familienleben handeln.

Deutliche Unterschiede würden sich vermutlich auch zeigen, wenn man betrachten würde, wie Gender-Themen Artikel und Blickwinkel indirekt prägen, etwa in der Berichterstattung über Prominente der Popkultur. Hier dürfte voraussichtlich „Der Spiegel“ im Vergleich zum „neuen Deutschland“ ein stärkeres, eben indirektes Agenda-Setting betreiben. Um das nachzuweisen, bräuchte man jedoch andere Instrumente und Verfahren.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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