#PEGIDA und die Zukunft Deutschlands

Kaum ein Thema birgt soviel Sprengstoff wie die Fragen nach Zuwanderung allgemein und islamisch geprägter Zuwanderung im Besonderen – sozialen, politischen, ideologischen, historischen Sprengstoff. Für die gegenwärtige Debatte ist es eine neue Variante der Auseinandersetzung des Mainstreams von Berufs-Politikern und ‑Journalisten mit einem Block, der gerne mit Etiketten von „rechtsextrem“ bis „Spinner“, teilweise auch „Verschwörungstheorie“ versehen wird.

Vielfach ist an Äußerungen der Normalisierer abzulesen, dass sie eines immer noch nicht verstanden haben: Eine Geburtenziffer von maximal 1,6 bedeutet, dass eine vorhandene Population innerhalb einiger Jahrzehnte ausstirbt. Warum das nicht durchdringt, ist nur durch eines zu erklären: Linksliberale haben über die Nachkriegsjahrzehnte ‚gelernt‘, dass Abstammung keine Kategorie sein darf. Von wem haben sie dies gelernt? – Es sind Massenmedien, deren Inhalte letztendlich von Wissenschaften und Think Tanks vorbereitet werden. Man kann grob sagen, dass dort Eine-Welt-Ideologien verbreitet wurden. (Über diese muss man an anderer Stelle weiterdiskutieren. Man muss dann differenzieren zwischen ehrlichen Ansinnen zur Völkerverständigung und wirtschaftlicher Globalisierung, in der sich neue feudale Gesellschaftsstrukturen bilden. Das eine sollte man mit dem anderen nicht verwechseln.)

Der rechtsextreme Verschwörungstheoretiker Kurt Biedenkopf (CDU) hat 1997 ein Buch geschrieben („Die Ausbeutung der Enkel. Plädoyer für die Rückkehr zur Vernunft“), dessen Thesen er auch heute noch vertritt. Er sagt, wir hätten vor 20-25 Jahren unser System der Altersvorsorge umbauen müssen. Das sei nicht geschehen, und so stünden die heute Jüngeren vor einem riesigen Abgrund des Rentensystems. Hier übrigens im „Phoenix“-Interview eine Zusammenfassung seiner Thesen, die bei ihrer gesamtgesellschaftlichen Bedeutung innerhalb der ersten zwei Wochen auf „YouTube“ knapp 150 Abrufe erreicht hat:

(Es mag miesepetrig wirken, doch eine solche Abrufzahl ist ein Alarmsignal. Auch, wenn viele Ältere noch nicht vom linearen TV auf Online-Portale umgeschaltet haben – für die jüngere Klientel ist dies ein politisches Armutszeugnis. Und es bietet Machteliten intern jede Rechtfertigung, solche desinteressierten Menschen auf vielerlei Weise in den Orkus der Geschichte zu befördern, das sei hier in aller Deutlichkeit einmal ausgesprochen. Wer sich nicht organisieren kann, wird organisiert. Wer sich nicht informiert und nicht kommuniziert, hat gar keine Mittel dazu.)

Das deutsche Sozialsystem ansatzweise zu erhalten, wird neben höheren Steuerlasten, auch und gerade für Wohlhabende (die ihre Interessensvertreter in den Parteien zum Gegenteil zwingen), nur mit Zuwanderung zu bewerkstelligen sein. Ich habe nun schon vielfach darauf hingewiesen, dass hierbei eine Reihe von Unausweichlichkeiten gegeben sind: 1) Bisherige Zuwanderungsraten reichen bei Weitem nicht aus, um die gewohnte Versorgung in Gesundheitswesen und Altenpflege zu finanzieren. Seit ca. 40 Jahren wurde dieser und anderer Luxus teilweise auf Pump gestemmt; auf den Schulden bleiben die Jüngeren sitzen. Sie werden für ihre Rente, wo sie können, Ererbtes einsetzen müssen – wo dieses nicht z. B. durch eine Währungsreform geschreddert werden wird. (Im letzteren Fall bleibt ihnen gar nichts.) 2) Ich habe darauf hingewiesen (wie hier), dass die großen parteinahen Stiftungen Ergebnisse veröffentlicht haben, die die Vertreter der Parteien kaum berücksichtigen. Demnach existiert ein größeres Potenzial für Zuwanderung nach Deutschland nur nur noch in einigen islamisch geprägten Ländern, der Türkei sowie nordafrikanischen Staaten. Die übrigen Territorien sind selbst katastrophal überaltert. So auch meine Hinweise im Buch „Krisen-Abriss“:

Wer also von Seiten der großen Parteien gegen den Begriff einer Islamisierung agitiert, ignoriert die Forschungsergebnisse der eigenen Stiftungen. Er hätte sich erst einmal dazu zu äußern, wie Wissenschaftler im Auftrag der Parteien zu denselben Ergenissen kommen wie die PEGIDA-Anhänger: dass das Abendland islamisiert wird und auch weitergehend islamisiert werden wird.

Als Lösung bleiben also nur zwei Alternativen: 1) Deutschland empfängt entgegen aller statistischen Ergebnisse eine extrem hohe Zahl von hochqualifizierten Zuwanderern. Das bedeutet freilich, dass die Zuwanderer nicht mehrheitlich aus Krisen-Regionen stammen, eher schwach gebildet oder gar nicht alphabetisiert sind. Sonst setzt – ohne hier auf irgendwelche Debatten über Intelligenz-Quotienten einzugehen – für Letztere ein jahrzehntelanger Prozess der Integration, des Spracherwerbs, des bildungsmäßigen und sozialen Aufstiegs ein. Nach vorliegenden Erfahrungswerten dürfte dies nicht ausreichen, um ein Wirtschaftsleben mit hohen Bildungsstandards aufrechtzuerhalten (siehe die ebf. wohl eher unaufrichtig geführte Debatte zum Fachkräftemangel). 2) In Deutschland findet eine radikale Umkehr in der Gestaltung des politischen und sozialen Lebens statt, das als oberste Prämisse die Erhaltung des eigenen Bestandes setzt.

Geben wir also einmal probeweise den PEGIDA-Gegnern Recht und denken Alternative 1 weiter: Falls Deutschland nicht nach der nächsten Katastrophe in Fukushima 5 Mio. Japaner aufnimmt, Israel in die entvölkerten östlichen Bundesländer der BRD umgesiedelt wird oder die meisten Gebildeten und Produktiven aus Süd- und Osteuropa ihre Älteren im Elend zurücklassen, um in Deutschland zu leben, werden Jüngere aus islamisch geprägten Ländern nach Deutschland kommen müssen, um das Aussterben der Stammbevölkerung auch nur ansatzweise auszugleichen. (Den meisten Hiesigen ist nach meinem Eindruck schon nicht klar, wie viele Zuwanderer dies sein müssten.) Hätten wir nicht weitgehend Politiker und Journalisten, die äußerst kurzfristig agieren, müsste dazu auch bedacht werden, dass schon seit Jahren über die Gründung eigener muslimischer Sozialverbände nachgedacht wird (siehe hier oder hier). Die anschließende Frage lautet dann, ob es nicht zu einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft in Kinderreiche und Kinderarme kommen wird. Muslime werden dann zu Recht sagen, dass sie für die Alten und Hilfsbedürftigen, die nicht aus ihren eigenen Familien stammen, nur eingeschränkt verantwortlich sind. Mal sehen, was dann diejenigen sagen, die behaupten, Abstammung spiele keine Rolle. – Versuchen Sie übrigens einmal, sich in den Veröffentlichungen des Bundesamtes für Statistik oder der Integrationsbeauftragten über den Zusammenhang von Herkunft in Kategorien wie Nachwuchs (oder z. B. auch Kriminalität) zu informieren. Sie werden schnell bemerken, dass die deutsche Öffentlichkeit hierfür durch Nicht-Erhebung relevanter Daten blind gehalten wird.

Die eigentliche politische und gesellschaftliche Debatte würde sich – wenn sie nicht, wie bisher, auf zahlreiche Nebengleise gelenkt wird – um folgende Aspekte kümmern müssen:

  1. Förderung von Familiengründungen (jeder Moslem wird dies verstehen und gutheißen)
  2. Verständigung der Geschlechter auf adäquate Rollenbilder ohne Tabus von Traditionalisten und Emanzipatorischen
  3. Ausbau der Kinderbetreuung nach nordeuropäischem Vorbild
  4. Einschnitte in den bisherigen Alimentierungs- und Förderungssystemen gegen die Übervorteilung von Älteren und Reichen
  5. Bekämpfung der auf Zersetzung von sozialem Miteinander, Selbstreflexion und Wertschätzung von Lebenszeit ausgerichteten Ideologien und Medieninhalte

Das filmdenken-Blog und Buchveröffentlichungen wie „Glotze fatal“ setzen mehrheitlich bei Punkt 5 an, eben weil es hier um (Medien-)Kultur auch in politischen Hinsichten geht. Schon hier ergeben sich aus dem Gesagten schwerwiegendste Konsequenzen, die an nahezu alles rühren, womit derzeit in der Medienindustrie Geld verdient wird – und was eine ausgebuffte Propaganda-Maschine seit Jahrzehnten vor Kritik schützt, nicht zuletzt  mit den Diffamierungen als „rechts“ oder „Verschwörungstheorie“.

Die Punkte 1-4 sind praktisch primär, wohl aber nur zu bewerkstelligen in einer Medienlandschaft, die sich in der ARD statt einer „Themenwoche Tod“ auch mal eine „Themenwoche Geburtenmangel“ gönnen würde. Nicht zuletzt der Mainstream in Geistes- und Sozialwissenschaften müsste seine laufende Agenda weitgehend umkrempeln, wollte er zu den Punkten 1 und 2 etwas Konstruktives beitragen. Der „Prominenten“-Schrott und die Talmi-Träume der Privaten wären weitgehend abzuschaffen – das braucht bei etwas näherem Hinsehen kein Mensch, außer für den Zeittotschlag. Die Funktionäre aus Bezahljournalismus, GEZ-Mühle und Uni-Elfenbeinturm verweigern der Erfahrung nach darüber jeden Dialog und sind darin die besten „Nazis“, die sie sich anhand der Comic-Versionen von Hitler & Co. so gern anschauen.

Man kann also nur empfehlen, jeden, den es angeht, in jedem Gespräch auf die genannten Aspekte anzusprechen und sich mit den hier beispielhaft genannten Argumenten zu wappnen. Tragbar ist die gegenwärtige Situation schon lange nicht mehr. Diejenigen in gut bezahlten Jobs sind noch lange nicht aufgewacht. Diejenigen, die Integrationsprobleme am eigenen Leib erfahren – ob auf der Arbeit, in der Schule, in sozialen Einrichtungen – müssen teilweise aus eigenem Interesse und vertraglicher Verpflichtung schweigen. Dass schon ihre eigene Berichterstattung dennoch voll ist mit allen Konsequenzen aus diesem vorläufig gescheiterten Generationen-Vertrag und einer prekären multikulturellen Situation, wollen Meinungsmacher bisher nicht wahrhaben. Wessen Interessen sie damit dienen, wissen sie wohl oft selbst nicht. Sie haben sich mit einigen elementaren Ideen dieses Machtspiels gar noch nie konfrontiert, geschweige denn es aus eigener Perspektive durchdacht.

Das schließt nicht aus, dass die sich hier anbahnende Konfrontation zwischen christlich geprägter Stammbevölkerung und islamischen Zuwanderern selbst noch solchen manipulativen machtpolitischen Interessen dient. Deshalb sollte für pauschale Ausgrenzungen, geschweige denn Gewalt, auch hier Null-Toleranz gelten. Alle großen Religionen haben leider auch ihre Schattenseiten.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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5 Responses

  1. Hans sagt:

    einfach nur Dumm was Sie hier schreiben

  2. matthias sagt:

    Erfolgreiche Abmeldung von der GEZ, ARD ZDF Deutschland Radio.

    Bitte Bei YouTube unten links (das kleine Rad anklicken)
    und auf 720P HD einstellen. Dann den Vollbildschirm einstellen und
    alles ist lesbar ! (Oder Chrome browser)

    https://www.youtube.com/watch?v=8xVu4aYQx4w

    Dieses Dokument beweist, daß eine Abmeldung vorlieget …… !!

    “Wir haben die Abmeldung ihres Beitragskonto ab 04.2011 vermerkt”
    Siehe auch : LG Tübingen

    Beschluss vom 19. Mai 2014 · Az. 5 T 81/14

    Eine Information der Gemeinde Neuhaus in Westfalen –
    Spread this message ! – Распространяй это послание !
    Bitte weiterverbreiten – weiterleiten ……. Gruß matthias

  3. Peter Hallonen sagt:

    Ich bin ein wenig kritisch gegenüber der Einschätzung der Folgen einer geringen Geburtenrate. Dass “eine vorhandene Population innerhalb einiger Jahrzehnte ausstirbt”, ist ja so nicht richtig. Wir würden auf lange Sicht nur jeweils einen Bevölkerungsstand erreichen, der in der Vergangenheit schon einmal erzielt wurde. 1871 lebten im Deutschen Reich 41 Millionen Einwohner. An sich würde es wohl keine Katastrophe darstellen, wenn wir diesen Wert wieder erreichen würden – und Deutschland weiterhin zu den dichtbesiedelten Ländern zählen. Natürlich war damals die Altersstruktur eine viel günstigere.

    Zu beachten ist aber die Produktivitätsentwicklung im historischen Zeitverlauf. Diese ermöglichte es nicht nur Deutschland, sondern auch zahlreichen anderen Industrieländern in der Vergangenheit, trotz einer dramatischen Verschiebung der Altersstruktur beachtliche Wohlstandsgewinne zu erzielen. Es ist zwar nicht absehbar, in welchem Ausmaß die technische Entwicklung in Zukunft noch zu weiteren Produktivitätsfortschritten führen kann, die die negativen Auswirkungen der demographischen Entwicklung ausgleichen. Grundsätzlich kann man aber von einer entlastenden Auswirkung ausgehen, da es vermutlich noch zahlreiche Arbeitsschritte gibt, die automatisiert werden können.

    Problematisch stellt sich in der Tat die Situation im Gesundheitswesen und in der Altenpflege dar. Schon jetzt werden bekanntlich zahlreiche Pflegekräfte insbesondere aus osteuropäischen Ländern “importiert”, weil in Deutschland kein Fachpersonal zur Verfügung steht. Gerade bei der Altenpflege wird die Grenze des Arguments “Produktivitätsentwicklung gleicht Alterung aus” sichtbar. Menschen können hier voraussichtlich auf lange Sicht nicht durch Maschinen ersetzt werden.

    Ich ziehe daraus den Schluss, dass die derzeitige Geburtenrate in Deutschland nicht zwingend eine verstärkte Einwanderung (bzw. überhaupt eine Netto-Einwanderung) nach Deutschland erforderlich macht. Es muss jedoch sichergestellt werden, dass ein immer größerer Anteil des Arbeitskräftepotenzials auf diejenigen Dienstleistungsbereiche konzentriert werden, in denen der Mensch nicht durch die Maschine ersetzt werden kann. Die derzeitige Wirtschaftspolitik führt natürlich nicht zu einer stabilen Wirtschaftsentwicklung, die das ermöglichen würde. Sie ist neben der extremen Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen – eine Korrektur auf diesem Gebiet würde ebenfalls sehr dabei helfen, die Folgen der demographischen Entwicklung auszugleichen – das Haupthindernis auf dem Wege, das derzeitige Wohlstandsniveau in Deutschland zu halten bzw. hoffentlich für die breite Masse oder zumindest für die derzeit von Armut betroffenen und/oder in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigten Menschen auch auszubauen.

    • 1871 lebten im Deutschen Reich 41 Millionen Einwohner.

      Absolut richtig, für sich genommen. Der Knackpunkt scheint mir doch vorläufig darin zu bestehen, dass wir Sozialsysteme haben, die seit 40 Jahren nur noch auf Pump funktionieren. Das ist für eine Übergangszeit, in der es vielleicht bis ca. 2050 weiterhin eine Abnahme der Einzahler gegenüber den Leistungsnehmern gibt, keine gute Startbasis. Ich sage nicht, ich hätte das in meinem stillen Kämmerlein schon komlett durchrechnen können. Aber es gibt mir zuwenige breite Diskussionen darüber und zuwenig irgendwie Konkretes seitens der Politik, wie es rechnerisch wenigstens funktionieren könnte.

      Produktivitätsentwicklung im historischen Zeitverlauf

      In den nächsten Tagen folgt von mir ein Artikel, in dem ich auch darauf eingehe (und auf Gerd Bosbach, der dafür in der öffentlichen Debatte steht). Auch hierzu von mir zunächst immer die Rückfrage: Wo gibt es Beispielrechnungen? Auf welchen Annahmen gründet das Vertrauen auf den Produktivitätszuwachs? In welchem Verhältnis steht das zu den privaten und öffentlichen Schulden, die doch über Jahrzehnte nur noch zugenommen haben? Warum war es dann nötig, diese Schulden zu machen und was bewirkt die Schuldenlast für eine Zukunft, in der angeblich alles mit Produktivitätssteigerung gestemmt werden könnten? (Es gibt noch weitere Faktoren in der Rechnung, die mich skeptisch machen.)

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