Türkischer Baby-Boom bis zur Schlüsselübergabe?

Die Umerziehungslager von Film und Fernsehen in puncto Multikulti sind Legion. Insofern ist es nicht überraschend, dass das deutschsprachige Remake von „Drei Männer und ein Baby“ (2015) nurmehr „3 Türken und ein Baby“ genannt werden muss. Das ist demografisch konsequent. Und ich will mich hier gar nicht mit weiteren – allerdings zukünftig weiter notwendigen – Lamentos aufhalten.

Das, was sich hierzulande Humor nennt, ist mittlerweile noch weniger meins als in den 1990ern, während Kino-Komödien- und Comedy-Boom – verordneter Frohsinn als sicheres Anzeichen für immense gesellschaftliche Probleme, die nun immer sicht- und fühlbarer für die Einzelnen werden.

Witzig wäre es, wenn man die multikulturelle Bigotterie der saturierten Grünen-Wähler auf’s Korn nähme, die abseits der von ihnen herbeigeführten Realitäten leben. Es mag solche Ansätze bei Drehbuch-Autoren geben, doch würden sie wohl kaum Gremien zur Projektförderung überwinden. Dasselbe gilt für Hauptfiguren wie einen migrantisch geprägten Vater dreier Kinder von unterschiedlichen Müttern, der jede Frau sitzengelassen hat und das mit kulturell spezifischen Ansprüchen begründet. (Ich mag etwas übersehen haben, was jeder gerne per Kommentar anmerken kann.) Eine Ausnahme bildet bezeichnenderweise ein semidokumentarisches Projekt wie „Paradies: Glaube“ (2012) und „Paradies: Hoffnung“ (2013). Den Charakter erleuchteter Gotteskrieger hat in meiner Beobachtung sonst noch die britische Komödie „Four Lions“ (2010) auf’s Korn genommen. Neue Inspirationen könnten Autoren in Quellen gewinnen, die sie vermutlich selten lesen, wie das Portal „1001Geschichte“ über Ehebetrug und „Bezness“.

Welche Filmszenen ergäben sich aus der Lebenswirklichkeit einer zunehmend mit Schuldkult, Anleitung zum Selbsthass und Billiglöhnen, nun „Flüchtlingskrise“ drangsalierten heimischen Bevölkerung? Welche Realsatire bietet sich in Umfeldern, die wohl auch deshalb nicht dargestellt werden, weil sie für Satire ein leichtes Opfer wären? Nur, warum gab es filmische Erzählungen zu den „Flodders“, um den Abstieg des genetisch auszusondernden erweiterten white trash zu illustrieren – nicht aber über Vergleichbares mit anderer Herkunft?

Die allgegenwärtigen Rassismen von Migranten-Communities untereinander sind für Abonnenten der „Süddeutschen“ eine solche Zumutung, dass man ihnen das Hyperventilieren offensichtlich dauerhaft ersparen möchte – solange, wie auch das Abo edler Weine mit frei wählbarer Provenienz reicht.

Auch die Titelei könnte in solchen Kontexten zu neuen Höhenflügen ansetzen. Wie wäre es, statt der Huaha-doppeldeutigen Variante „Türkisch für Anfänger“ einmal mit „Türkisch für Aufhörer“ angesichts anwachsender Realitäten auch eines Publikums, das sich von Rundfunkgebühren nicht befreien lassen kann und von deutschsprachigen Dialogen auch ab dem zweiten Nebensatz nicht gleich überfordert ist? Dass Türken in Deutschland sehr wenig Zeit für Hausaufgaben-Kontrolle, dafür deutlich mehr für nachwuchsorientierte Sexualität haben, ist ein statistisches Faktum (und mag eine Überforderung für zugewanderte Eltern bedeuten, über die man weiterhin und viel ausführlicher sprechen müsste).

Und einen habe ich noch: Statt des oben angesprochenen neu gestarteten Kino-Knüllers könnte man daraus dann einen anderen Filmtitel machen: „3 Türken ohne Abi“. Wie wir unsere Kinder ernähren wollen und was das für eigentlich Unbeteiligte bedeutet, klären wir irgendwann dann noch.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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