#Rhetorik von Frank-Walter #Steinmeier gegenüber Donald #Trump

Nicht, dass man das als Außenminister so viel anders machen könnte. Aber es lohnt sich dennoch einmal festzuhalten, was zum Tonfall unserer politischen und medialen Gegenwart gehört: Sätze von Frank-Walter Steinmeier (SPD), wie sie dann monumental in den Hauptnachrichten für sich stehen.

Zum gestern veröffentlichten Interview mit dem kommenden US-Präsidenten Donald Trump lautete Steinmeiers in der „tagesschau“ (16.01.2017, ARD) übermittelter wichtigster Satz so:

Es ist jedenfalls schwer, äh, diese Interview … dieses Interview bis zum Ende zu lesen, ohne gänzlich ohne Sorge zu sein.

Danach folgten ein paar Worte, die in noch größerer Zögerlichkeit ausgesprochen waren, während Steinmeier sich schließlich wie aus körperlicher Erstarrung freischüttelte.

Am zitierten Satz sehen wir also zunächst eine ebenfalls zögerliche Aussprache, die schon rein zeitlich die Benennung des kritischen Punktes gegen Trump so lange wie möglich zurückhält. Hinzu kommt ein Versprecher als Umweg. Statt einfach vom „Interview“ zu sprechen, wählt der Außenminister die erweiterte Schilderung, er habe dies „bis zum Ende […] lesen“ müssen, um das zu empfinden, was er schließlich ausspricht.

Und diese Kernbotschaft klammert er in eine jeweils durch ein Adjektiv verstärkte doppelte Negation ein („schwer […] ohne“; „ohne gänzlich“), die den Affront gegen das diplomatische Gegenüber so weit wie möglich ins Indirekte versetzt.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de – Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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