Hauptsache, man(n) macht es falsch – #Feminismus #Philosophie

Diese Passage finde ich gerade in dem Wikipedia-Eintrag zu „Essentialismus“. In Vermeidung phallogozentristischer Fehltritte enthalte ich mich Korrekturen der sprachlichen Form, die gleichwohl angezeigt wären.

Innerhalb des Kulturessentialismus[10] stellt etwa die unreflektierte Zuschreibung von tendenziell (sexueller) Unterdrückung der „Dritte-Welt-Frau“ gegenüber (ihrem) „patriarchal-rohen“ Mann klassisches Beispiel dar.[11] Aus einer Begründung feministischer (westlicher) Theoriediskussionen zu (gut gemeinten) Gunsten der „Dritte-Welt-Frau“ gegen patriarchale Strukturen ebendort Interventionen legitimieren meinen zu müssen folgt nicht generell Dank.[12][13] Mitunter wird dem Diversity-Mainstreaming-Ansatz weiterhin vorgeworfen, „dass dieser von ethnozentrischen weißen Feminismen geprägt sei“.[14]

„Indessen die Vorstellung, Frauen seien ein in einer patriarchalen Gesellschaft unterdrücktes Kollektiv, bei einigen weißen Feminist_innen noch immer existiert. Dabei blenden sie nichts weniger als die Verschränkungen von sozialen, strukturellen Ungleichheitsverhältnissen in einem rassistischen, kapitalistischen System aus oder übersehen diese, weil sie wollen und machen sich zu Kompliz_innen dessen.“

– Sabine Mohamed[15]

10 „[N]un dient der Kulturessentialismus dazu, die Umgestaltung vermeintlich modernisierungshemmender Kulturen zu legitimieren. Daher ist stets damit zu rechnen, dass ethnographischen Arbeiten über andere Kulturen dazu missbraucht werden, diese Kulturen umzugestalten.“ (Alois Moosmüller: Interkulturelle Kommunikation. Münster 2007, S. 25 f).
11 Im westlichen Feminismusdiskurs wurde „traditionell“ in den bereits negativ konnotierten Patriarchatsbegriff eingebettet bzw. diese semantisch miteinander verknpüft. Vgl. Mahnaz Afkhami: Towards Global Feminism. A Muslim Perspective. In: Radically Speaking. Feminism Reclaimed (Eds. Diane Bell, Renate Klein). Melbourne 1996, p. 525: „Since ‘traditional’ concepts are by definition founded in patriarchal discourse, global feminism must be skeptical of propositions that present them as liberating.“ Vgl. Susanne Schultz: Hegemonie – Gouvernementalität – Biomacht. Reproduktive Risiken und die Transformation internationaler Bevölkerungspolitik. Münster 2006, S. 181. Vgl. Rosemary McCabe (2013): The co-option of Human Rights and Feminist Rhetoric to justify the War on Terror (PDF).
12 „Die feministische Dominanz des Nordens gegenüber dem Süden setzte sich auch in der zweiten Frauenbewegung ab den 1960er Jahren fort. Feministinnen aus dem Norden unterstellten ein weltweit strukturgleiches Patriarchat und universelle Formen männlicher Macht- und Gewaltausübung sowie weiblicher Opfererfahrungen. Frauen aus dem Süden wiesen den westlichen Führungsanspruch und die homogenisierende Konstruktion zurück, verletzt darüber, dass kulturelle Differenzen und eigenständige Frauenbewegungen in den postkolonialen Staaten nicht wahrgenommen wurden.“ (Christa Wichterich [2011]: Gemeinsam und verschieden).
13 „‚Can the Subaltern Speak?‘ (1988) kritisiert die Sprachlosigkeit der Marginalisierten und ihre Bevormundung durch die westliche Welt. Spivaks Forderung nach subversivem Zuhören, das die Marginalisierten zum Sprechen für sich selbst ermächtigt, wandte sich auch gegen einen der weißen Mittelklasse verpflichteten Feminismus.“ (TAZ, Jette Gintner [2010]: Die Klasse macht’s).
14 Silke Schwarz: Gendergerechtigkeit als Universalkonzept? Kritische und kultursensible Analysen von Gendermainstreaming nach einer Katastrophe. Wiesbaden 2014, S. 52.
15 Sabine Mohamed (2012): Überlegungen zu geschlechterpolitischen Bündnissen, ihre Chancen, ihre Probleme und Totgeburten
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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de – Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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