Atom-Aufmacher gesucht

Es ist wohl eine Schlagzeile wert – nicht nur im Internet. In „Telepolis“ verweist am 03.11.2010 Silvio Duwe auf die Veröffentlichung von Akten zum geplanten Atommüll-Endlager in Gorleben durch „Greenpeace“:

Die Kohlenwasserstoffgase, die von Rambow bis Wustrow “großflächig verbreitet” seien, und auch im Endlager nachgewiesen wurden und einen Flammpunkt von lediglich 20 Grad aufweisen, können bei Bohrungen nicht nur zu Explosionen führen. Schwerwiegender ist die Wechselwirkung zwischen dem eingelagerten hochradioaktiven Atommüll und dem Gas.

Hat man dies gelesen, ist die aktuelle Meldung zum Thema ‚Gorleben‘ in der ARD-„tagesschau“ am selben Tag eine merkwürdige Parallelerfahrung. Nach einem Bericht über ein explosives Päckchen, das an Kanzlerin Angela Merkel adressiert war, ist von der weitaus größeren Sprengkraft dessen, was Merkel schon als Umweltministerin mitverwantwortete, in der Fernseh-Prime-Time nicht mehr die Rede.

Hier darf sich stattdessen Günther Oettinger (CDU), EU-Kommissar für Energie, zu Wort melden:

„Das Ganze wird nicht, wie ich heute irgendwo gelesen habe, ‚verbuddelt‘ – denn aus meinen Kindertagen weiß ich: Verbuddeltes findet man oft nicht mehr –, sondern immer zugänglich sein.“

Die Kindheitserinnerungen Oettingers sollten sicher auch in Zukunft die Richtschnur für solch stark strahlende Entscheidungen abgeben. Für ein Wort wie „immer“ zeichnet jedoch normalerweise nicht die Politik, sondern die Theologie verantwortlich, die allein in Zeiträumen wie 240.000 Jahren (Lagerungspflicht für Plutonium 239) denken dürfte.

(Am 04.11.2010 berichtet die „tagesschau“ nicht zum Thema Gorleben, am 05.11.2010 dann zu den Aussichten auf ein Wochenende des Protestes und die Kosten des aktuellen Rücktransports aufbereiteten Mülls aus Frankreich von ca. 25 Mio. Euro.)

Zuletzt tauchte auch einmal wieder die Fata Morgana der Transmutation (in früherer Verwendung ein Begriff aus der Alchemie) auf. „Die Welt“ titelte zu einem Artikel von Ulli Kulke denn gleich: „Atommüll wird in 20 Jahren nicht mehr strahlen“. Es scheint dies die einzige Erklärung für die bisherige Strategie der Atom-Befürworter, die sich außerhalb des Wahnsinnsareals findet. In diesem Fall bräuchte man dann auch keine Zeichen, die man – im Gegensatz zu allem bisher kulturell dagewesenen – über ein paar Jahre hinaus ‚versteht‘.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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