Fleischhauer, die nächste: „Inversion der Werte“ – #Flüchtlinge

Die Spezies des ideologischen Chamäleons gehört zu den Kriegsgewinnlern der Neuen Weltordnung. Ich beleuchtete gerade erst im letzten Eintrag über den magischen Sinneswandel des „Spiegel“-Autors Jan Fleischhauer, der sich innert eines Jahres vom Deeskalierer des Islamismus-Booms zum Bedenkenträger wandelte.

Nun folgt auf seiner Gedankenreise in einer weiteren Wendung die Erhebung ins Begrifflich-Abstrakte:

Inversion heißt in der Rhetorik eine Sprachfigur, in der sich die Dinge umkehren, erst syntaktisch, aber dann, wenn man weiter geht, auch gedanklich. Wir werden gerade Zeugen einer Inversion der Werte. Nicht der ist ein Verfassungsfeind, der sich über europäisches Recht hinwegsetzt, sondern derjenige, der zu ihm zurückkehren will. Der Verzicht auf die Souveränität zu definieren, wer ein Bürger ist und wer nicht, gilt nicht als Unvernunft, sondern als Ausweis besonderer Weisheit. Realitätssinn beweist, wer Grenzen für ein Instrument von gestern erklärt, realitätsuntüchtig ist, wer an ihnen festhält.

Wo er Recht hat, hat er Recht. Nicht, dass unsere lieben Bezahl-Journalisten damit schon bei Wahrheiten angekommen wären, die einzelne Autoren schon vor Jahrzehnten veröffentlicht – und dafür manchmal lebenslange gelitten haben.

Wir werden in dieser Art Presse in der nächsten Zeit vermutlich weitere zaghafte Annäherungen an die Ungeheuerlichkeiten sehen, die auf einen langen historischen Vorlauf zurückgehen, der in ihren eigenen Publikations-Organen nie eine Abbildung erfuhr, der teilweise schon irreversible Folgen hatte und heute zu dramatischen Eskalationen führt.

So korrekt auf eine aktuelle Situation bezogen Fleischhauers abstrakt-begriffliche Einordnung ist – sie täuscht nach meinem Eindruck eine souveräne Einschätzung teilweise nur vor. Es fehlt im Mainstream zur Flüchtlings- und Asyl-Problematik durchweg eine historische Tiefendimension, die die Ursachen der Entstehung von Konflikten und Migrationsbewegungen im Rahmen der Etablierung einer Neuen Weltordnung benennt. Deshalb ist nach ihrem effektiven jahrzehntelangen Verschweigen nun lediglich eine nächste Stufe der Erkenntnisvermeidung zu beobachten, in der bei Fleischhauer in einem pseudo-intellektuellen Jargon abstrahierende Einsicht suggeriert wird, und zwar zu einem Phänomen, das auf seiner faktischen Ebene erst einmal in seinem Folgenreichtum schonungslos benannt werden muss, um dann eben die historische Tiefendimension aufzuzeigen. Die Zerstörung einer deutschen Kultur i. w. S. durch rasante unkontrollierte Zuwanderung vielfach schwierig zu Integrierender ist innerhalb dieses Prozesses tragischweise nur konsequent. Das hatten andere schon lange erkannt und ausgesprochen. Deshalb sollte eine Erkenntnis von „Inversion“ auch zu einer ideengeschichtlichen Einordnung führen, die etwa in Begriffen des Satanismus erfolgen kann, der immer Umkehrungen ins Gegenteil praktiziert.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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2 Responses

  1. Peter Hallonen sagt:

    Ich will mal ein paar weitere Inversionen bzw. Gegensätze in der Flüchtlingskrise und darüber hinaus sammeln. 1. Unbedingte Solidarität gegenüber den Benachteiligten in der Welt vs. fortgesetzte Nicht-Solidarität gegenüber den Benachteiligten im eigenen Land und im eigenen Kontinent (siehe Euro- und Griechenlandkrise oder auch die Abweisung von in ihren Heimatländern verfolgten Roma), dazu gehört die in Studien nachgewiesene Zunahme der “gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit”. 2. Einrichtung von Massen-Flüchtlingslagern genau 70 Jahre nachdem die letzten KZs in Europa geräumt wurden, wobei bewusst gewaltfördernde Strukturen der Unterbringung geschaffen oder zumindest toleriert werden. 3. Forcierung eines auf technologischen Fortschritten gründenden Überwachungsstaates in den Jahren vor der Flüchtlingskrise, während derselbe nicht im Ansatz auf die Kontrolle von Flüchtlingen an und nach Überschreitung der Grenze sowie überhaupt auf die Abwehr von Flüchtlingen angewendet wird. 4.) Flüchtlingsströme nach Europa gerade zum Zeitpunkt der schwersten Wirtschaftkrise nach dem Zweiten Weltkrieg, die gerade nicht für die Aufnahme von Migranten förderliche Bedingungen schafft. 5.) Angenommene Israel-Hörigkeit der deutschen Politik (nachweisbar als historisch begründete Staatsdoktrin der Verteidigung der Sicherheit Israels), während dieselbe die massenhafte Aufnahme von den Juden tendenziell feindlich gegenüberstehenden Muslimen betreibt. 6.) Gesellschaftspolitischer Liberalismus/Toleranz als Mainstream, während die Gesellschaft durch die von demselben verantwortete Einwanderung von Muslimen illiberaler und intoleranter zu werden droht.

  2. Peter Hallonen sagt:

    Hier (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/grenzzaeune-gegen-fluechtlinge-das-steckt-hinter-dem-vorstoss-a-1058484.html) noch ein knappes Beispiel für eine „satanische“ Inversion, jedenfalls einen Satz, der in seiner Dreistigkeit eigentlich keinem Politiker unwidersprochen über die Lippen gehen dürfte: “Die große Chinesische Mauer hat genauso wenig funktioniert wie die Mauer, die Honecker und Ulbricht mitten in Deutschland gebaut haben”. Dann war die Mauer also gar nicht so schlimm bzw. im Endeffekt nutzlos? War es ein Kinderspiel, die Mauer zu überwinden? Ich will das an dieser Stelle gar nicht fortsetzen. Das Argument, eine Mauer, die ganze 28 Jahre lang gehalten hat, habe nicht funktioniert, spricht in Zeiten, in denen es um kurzfristige Maßnahmen in einer Krisensituation geht, wohl für sich.

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