#EAuto und #Blockchain als postökologische Traumziele

Es ist eigentlich eine irre Mixtur aus sowohl radikal- wie auch postökologischen Denkweisen und Wirtschaftsarten, die uns gerade in der Abschätzung bestimmter Bedarfe begegnet.

Das „grüne“ Projekt führt laut den „Deutschen Mittelstands Nachrichten“ (08.11.2017) zu stark erhöhtem Stromverbrauch, falls sich E-Autos vom heute veranschlagbaren Zuschnitt durchsetzen. Das würde – so der Artikel – erwartbar zu technischen Kapazitätsüberlastungen führen.

Schon heute sind alle Stromnetze zu Stoßzeiten überlastet. Black-Outs sorgen für Unterbrechungen. Die Elektrifizierung und die Nutzung von intelligenter Elektronik durch das „Internet der Dinge“ führen zu einem erheblichen Strombedarf durch Alltagsgeräte. […]
Wenn nur 20 Prozent der Elektroautos Schnelllader benutzen, steigt die Netzlast auf das Doppelte.

Eine ähnliche Tendenz liegt bei den Kryptografie-Verfahren der Blockchain vor, wie sie für die elektronische Alternativwährung Bitcoin verwendet wird. Das sind, kurz gesagt, besonders manipulationssichere, in Pakete aufgeteilte Daten, die mit hohen Rechenleistungen zwischen vielen Stationen umgewälzt werden. „der Standard“ (23.11.2017) rechnet dazu vor:

Konkret soll der Stromkonsum, der für die Jagd nach der beliebtesten Cyberwährung aufgewendet wird, derzeit schon über dem Niveau der Slowakei liegen. Beziffert wird der jährliche Konsum mit 29,05 Terawattstunden – Österreichs östlicher Nachbar kommt auf 28,36. Mit diesem Wert hängt man zudem alle afrikanischen Staaten bis auf Südafrika, Ägypten und Algerien ab. Er liegt auch höher, als in zwölf US-Bundesstaaten.

Ich glaube, ich brauche an dieser Stelle nicht vorzurechnen, dass ein Randphänomen wie Bitcoin nur ein zaghafter Anfang bestimmter Trends im Netz wäre – wenn sich die Blockchain weiter etabliert. Ich weiß nicht, wie sich die Rechenintensitäten von Bitcoin und allerlei anderen denkbaren Projekte unterscheiden, in denen die Blockchain zu Identifizierung und dezentraler Weitergabe von Daten verwendet werden soll.

Dann wird es noch um Hard- und Software-Optimierungen gehen, die größere Volumina erlauben. Aber selbst bekannte Steigerungsraten von Energieeffizienz und Rechenleistung könnten doch wohl kaum mit einem Boom mithalten, wenn er dabei den Stromverbrauch einer heutigen Slowakei um dann ein … doch sicher viel Tausendfaches überträfe? Wir sprechen aktuell (Stand Mai 2017) von gerade einmal 70 Mrd. US-Dollar Gesamtvolumen aller Krypto-Währungen.

Das „Handelsblatt“ (19.08.2017) vermeldet für das andere Thema E-Auto ebenfalls sehr Skeptisches zur Umsetzbarkeit:

Die Energiewirtschaft geht davon aus, dass in Zukunft deutlich höhere Lastspitzen auftreten als bisher, heißt es bei den Verbänden für Energie- und Wasserwirtschaft in den beiden wirtschaftsstarken Bundesländern. Zugleich geht die in Süddeutschland produzierte Strommenge zurück. Die vier Übertragungsnetzbetreiber erwarten in den Berechnungen für den Netzentwicklungsplan, dass die Stromproduktion im Süden nach der Abschaltung des letzten Atomkraftwerks 2022 deutlich unter dem Bedarf liegen wird.

Wie soll denn die Meinungsbildung von Bürgern und Wählern zu solch einem Thema in der Vorstellung von Politikern aussehen, die für die Durchsetzung von E-Autos kandidieren – und zu Bitcoins wie stehen? – Der letzte Blog-Beitrag des kritischen FDP-Geistes Frank Schäffler datiert vom 09.11.2015. Die heißesten Infos der SPD datieren auf Google gerade von 2014 und Ende 2016. Von der CDU tritt Jens Spahn sehr aktuell auf (Blockchain werde „massiv die Welt verändern“), davor sieht man noch was von 2015.

Es mag eine Rechnung mit großen Unbekannten sein. (An vorderer Stelle lässt sich noch die Verfügbarkeit von Strom nennen, natürlich auch jene von Rohstoffen für die Gerätetechnik.) Es ist immer wieder derealisierend, wenn bei allen Transparenz-Forderungen bestimmte Informationspflichten außer Acht zu bleiben scheinen. Wie ist der exakte Stand dazu? Welche Perspektiven gesteht man E-Autos und Krypto-Währungen bei exorbitantem Stromverbrauch zu – der vielleicht alles praktisch Machbare übersteigt, solange es z. B. keine kalte Kernfusion gibt? Wo liegt der Punkt, bis zu dem man lediglich abwarten und bis zu irgendeinem Notfall kaum dazu debattiert haben will? Wo liegt hier ein grundsätzlicher Fehler in der Abwägung? Könnte die Effizienz um ein solches Vielfaches realistischerweise steigen?

„Die Zeit“ meinte 2012 ja noch, E-Autos könne man recht problemlos über Nacht laden, wenn die Windräder sich drehen und die Menschen so wenig Strom benötigen.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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