Rüggeberg und Eggert – verfemte Autoren

Möchte an dieser Stelle einmal auf zwei Autoren hinweisen, die dieselben Themen mit z. T. denselben Fragestellungen behandeln wie „Kino Okkult“: Dieter Rüggeberg und Wolfgang Eggert. Damit verbindet sich zugleich notgedrungen der Disclaimer, dass hier kein voreiliges Hochjubeln bestimmter Interpretationen vorgenommen werden soll, die etwa in Büchern der beiden Genannten entwickelt werden. Dennoch aber, so scheint es mir, greift etwa eine Verunglimpfung Rüggebergs in der einzigen im Netz vorfindlichen lexikografischen Notiz bei „esowatch.org“ zu kurz. Etwa werden Themen wie die Kabbala und die Herausgabe der Werke Franz Bardons erst gar nicht erwähnt – was Kompetenzen Rüggebergs betrifft. Stattdessen wird die Antisemitismus-Keule hervorgeholt: Der Autor behaupte „eine angeblich durch Juden angestrebte Neue Weltordnung“.

So funktioniert Rufmord gegen sog. „Verschwörungstheoretiker“, denen gerne Rufmord vorgeworfen wird. Wir lesen die zuvor zitierten Zeilen an einem Tag, an dem die Gefahr eines atomaren Erstschlags Israels gegen den Iran immer deutlicher wird.

Rüggeberg und der jüngere Eggert beschäftigen sich mit esoterischen und okkulten Hintergründen historischer und politischer Phänomene und haben beide mehrere Bücher veröffentlicht. Rüggeberg führt einen Verlag in Wuppertal. Das Interessensspektrum der beiden stimmt mit jenem von „Kino Okkult“ recht exakt überein. Die Buchreihe wurde jedoch in vollkommener Unkenntnis der beiden Autoren konzipiert. Ihre Argumente werden teils auch von anderen vertreten (in den USA gibt es dafür eine größere Szene als in Deutschland), teils sind sie Schlussfolgerungen aus einem ganzen Komplex von Themen und Beobachtungen, die sich aus der Geschichte des Okkultismus, der Freimaurerei und anderer Geheimbünde sowie sonstiger moderner Esoterik fast zwangsläufig ergeben.

Die Bücher von Rüggeberg, so sei hier zunächst nur angemerkt, erschließen bestimmte Quellen, die Interessierten den Horizont erweitern können. Hier liegt der Akzent auf älteren spirituellen Traditionen und der Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Eggert argumentiert und publiziert auch hierzu, Buch- und DVD-Veröffentlichungen handeln jedoch von den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001.

Auch zu Eggert gibt es einen vergleichbaren „esowatch.org“-Eintrag. Ich glaube, wir werden auf derlei in mancher Hinsicht einmal zurückblicken wie auf Hetzreden anderer Provenienz. Neben allgemeinen Statements wie: „Hinter allem Bösen sieht Eggert die CIA, den Mossad und letztendlich die Juden und eine zionistische Weltverschwörung“ kritisiert „esowatch“ die philologische Grundlage von Arbeiten Eggerts („wertlose Eigenzitate oder Zitate aus obskuren Internetquellen“), gibt aber hierfür selbst wiederum keine Belegstellen an. Es mag stimmen – aber so geht Kritik auch nicht. Und sie steht hier einmal wieder auf der Seite von Stärkeren, deren Taten und Strategien bisher wohl kaum gründlich und differenziert diskutiert wurden.

Eine Menge von dem, was Eggert berichtet und interpretiert, ist erst einmal interessant, wie man an diesen Videos ersehen kann:

Von Rüggeberg gibt es hier ein Audio-Interview in einem etwas skurrilen Programmumfeld des „Bürgerfunks“ (ich darf das sagen, habe selbst mal Bürgerfunk gemacht):

Man darf sich schon etwas wundern, wie auf solche Menschen bei „esowatch“ eingeprügelt wird – als gäbe es keine anderen Feinde, die weitaus mehr Schaden anrichten, wesentlich fragwürdiger und dümmer agieren. Es gibt bei Autoren wie diesen in unterschiedlichem Umfang Abweichungen vom Mainstream, dabei zuweilen Formfehler und auch inhaltlich Kritikwürdiges. Letzteres gibt es jedoch bei jedem Autor, der sich zu Sachthemen eines gewissen Komplexionsgrades äußert. Wesentlich fragwürdiger ist die Abschottung, mit der es vermeintlichen Wissenschaftlern gelungen ist, über Jahrzehnte Dialog, Gedankenaustausch und Kritik zu unterbinden. Das ist in vielen Fällen mehr als verdächtig – und hält nach meiner Ansicht die schwächer kontrollierte Öffentlichkeit eines globalen Datennetzes nicht mehr lange aus.

Schauen wir uns an, wer warum wem Kommunikation verweigert und damit den ersten Schritt zur Gewalt tut. Dann können wir über Fehler beider Seiten reden – und ernstzunehmende Argumente in unseren Erfahrungsschatz übernehmen.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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