Die Welt 100 Jahre vor 9/11

In Diskussionen zu den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 taucht immer wieder die Frage auf: Wenn diese schon längere Zeit im voraus geplant worden sein sollen, konnte man denn die Situation in New York 2001 überhaupt voraussehen?

In meinem Buch „Kino Okkult 1“ gebe ich zwei wesentliche Hinweise zur ikonografischen Vorausdeutung auf das Ereignis. Zum einen – dies wird schon von vielen anderen Quellen vermutet – ist die Tarot-Karte „The Tower“ im okkultistischen Kontext eine wichtige Referenz. Der Schöpfer des modernen Tarot (der die Motive der Jahrhunderte alten Tradition übernimmt), Arthur Edward Waite, war Mitglied der Freimaurer, Rosenkreuzer und des „Hermetic Order of the Golden Dawn“.

Zum anderen gibt es eine Reihe verschlüsselter Zeichen in Edvard Munchs Gemälde „Der Schrei“ (1892), die auf die Vorausplanung eines monumentalen Opferritus in Manhattan hindeuten. Dieser Zusammenhang wird auch im Trailer zum Buch skizziert:

Neben den Fragen, ob Waite in seinen Geheimgesellschaften an solchen Plänen direkt oder indirekt mitgewirkt haben könnte, ob Munch solchen Gesellschaften angehörte oder Kontakt zu deren Mitgliedern hatte (Letzeres ist im Künstermilieu der Jahrhundertwende nicht anders möglich), steht dann die Vorstellbarkeit des 9/11-Szenarios in seinen Einzelheiten in Frage.

Hätte man damals schon Pläne für ein katastrophales Ereignis in Hochhäusern unter Beteiligung von Flugzeugen schmieden können?

Antwort gibt uns ein aufschlussreiches und amüsantes Buch aus dem Jahr 1910. In „Die Welt in 100 Jahren“ versammelte Journalist Arthur Brehmer Texte von Experten, die Technikentwicklungen zu prognostizieren versuchten. Eine Menge von dem ist heute alltäglich und selbstverständlich geworden. Für das vorliegende Thema sind zwei Illustrationen besonders erwähnenswert.

Die erste zeigt uns Flugzeuge (die hier den Luftraum über Sibirien durchkreuzen, S. 16). Ihre mangelnde Aerodynamik lässt sie sogar selbst der blockartig modernistischen Architektur des World Trade Center ähnlich werden:

Flugzeuge in Arthur Brehmer, 'Die Welt in 100 Jahren' (1910)

Die Vorstellung, dass ein Flugzeug in ein Hochhaus kracht, liegt bei einer weiteren Illustration (S. 19) nahe, die zeittypisch den Stil der futuristischen Großstadt in Fritz Langs Film „Metropolis“ (D 1927) vorwegnimmt:

Großstadt in Arthur Brehmer, 'Die Welt in 100 Jahren' (1910)

Wir sehen hier – unter einem nur schemenhaft zu sehenden blockhaften Flugzeug der vorher erwähnten Art – einen Zeppelin, der sich im Bild der Kontur eines Hochhauses nähert.

Die Frage, ob Ende des 19. Jahrhunderts die Katastrophe in einer Großstadt im Jahr 2001, wie am 11. September in Manhattan geschehen, vorstellbar war, ist damit beantwortet: Eindeutig ja.

Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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