Barack Obamas unzeitgemäßer Traumurlaub

Der Beitrag zu den Urlaubskosten von US-Präsident Barack Obama auf dem Blog „The Foundry“ (06.01.2014) ist in Zeiten der massenhaften Verarmung von Bürgern des Landes schon ein Skandal – befand ich, stellte diesen Link auf Facebook zur Diskussion und erhielt folgende Anmerkung:

Das ist ein wenig so, als würde man in Deutschland einen Skandal daraus zu machen versuchen, dass der Kanzlerin die Flugbereitschaft der Bundeswehr zur Verfügung steht, was ja auch viel Geld kostet. Das eigentliche Thema dieser Geschichte, die im Blog der rechtsradikalen, vom ehemaligen Senator Jim de Mint aus South Carolina präsidiert wird, ist dies: Hier schmarotzt ein Neger auf Kosten reicher weißer Steuerzahler.

Diese Gelassenheit im Umgang mit Verschwendung öffentlicher Gelder will mir nicht ganz einleuchten. Das fordert mich zu folgender Erwiderung heraus:

Die Frage ist doch auch: Wieviel ist „viel“? Mir zeigen gerade einmal wieder Nachforschungen, dass etwa Historiker eine simple Frage oft übersehen: Wer hat das bezahlt? Deshalb sind Hinweise auf solche Dimensionierungen von finanziellen Aufwendungen durch die Allgemeinheit schon wichtig, finde ich.

Die Diskreditierung einer Information durch Abqualifizierung ihrer Quelle und deren weiterer Inhalte und Kontexte hat nach meinem Eindruck der differenzierten Aufarbeitung von Themen immer wieder geschadet. Deshalb würde ich hier zunächst nur noch den Vorbehalt gelten lassen, ob die Summe in Gänze den Tatsachen entspricht. Ich sehe erstmal keine direkten Anzeichen dafür – ein Präsident mit Tross auf Reisen kostet Geld. Bei 50 Mio. US-Amerikanern auf Essensmarken sollte er sich vielleicht einmal überlegen, ob das gerade angebracht und geschmackvoll ist.

Letzteres betrifft auch die Tatsache, dass Obama v.a. in seinem ersten Wahlkampf nicht nur seinen Bürgern, sondern auch der europäischen und deutschen Community in einem Gesinnungskitsch des sozial engagierten Heilsbringers (ehemaliger Sozialarbeiter etc.) präsentiert wurde. Solche Luxusmätzchen zeigen ein anderes Bild – das man in Mainstream-Medien nicht so gerne zeigt, wie mir scheint. Warum? – Es deutet darauf hin, dass die linke Oberfläche des Obama (wenn er seine Rolle denn selbst ganz überblickt) auch oder vorwiegend anderen Zwecken dient.

Ein Schlüssel zum Verständnis dieses Zusammenhangs ist wohl eine alogische Verknüpfung von sozialem Engagement, finanzieller Großzügigkeit und okkultistischer Finanzwirtschaft (Superreiche, Derivate-Casino etc.). Der US-amerikanischen Gesellschaft könnte durch Obamacare etwas angetragen werden, was die Hintergründe ihrer horrenden und auf mittlere Sicht wohl selbstzerstörerischen Verschuldung auf allen Ebenen weiter verunklärt. Will sagen: Die USA sind, wie seit 80 Jahren, pleite, nun aber so pleite wie nie zuvor. In diesem Moment kommt ein Präsident auf die Idee, bessere Gesundheitsversorgung für alle einzufordern. Der Grundgedanke ist verständlich und wünschenswert. Entscheidend ist ihre Umsetzbarkeit unter gegebenen Voraussetzungen.

Bevor ein Hinweis auf die Selbstwidersprüche einer modernen Heiligenfigur wie Obama als solcher in Frage steht, weil die Plattform, auf der er zu finden ist, als „rechtsradikal“ einzustufen ist, würde ich vielmehr ohne Vorbehalte das Pro und Contra politischer Inhalte sehen wollen. Da ist es mir z. B. nicht unsympathischer als wenig bis gar nicht praktisch einlösbare linke Versprechen, wenn über Jim DeMint zu lesen ist: „Während der Regierungszeiten der Präsidenten Bush und Obama lehnte er regelmäßig Ausgabensteigerungen ab und stimmte auch gegen die staatlichen Rettungsmaßnahmen ‘Bailouts’ für Banken und Firmen während der Finanzkrise 2008.“ (Wikipedia über Jim DeMint) Damit kauf ich ihm noch nicht sein gesamtes politisches Programm ab.
Solche Haltungen sind es, die für Kräfte, die Politiker-Figuren wie Obama für ihre Zwecke instrumentalisieren könnten (Weiterlaufen der Verschuldungsdynamik, Chaotisierung von Sozialverhältnissen, Einschüchterung und Unterdrückung der Masse durch Gefahren des totalen Wertverlusts von Sparguthaben, Aufstellung der billigen Reservearmee des Arbeitsmarktes etc.), sehr störend sind – und deshalb ohne Ansehen der Person Unterstützung verdienen, wenn man nicht ganz anderen Interessen dienen will. Und Letztere könnten so rechtsradikal sein, dass politische Theorie und kritische Publizistik ihrer bisher kaum begrifflich habhaft werden konnten.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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