“#Angst macht dumm” – Norbert #Bolz bei Punkt.PRERADOVIC

Diesem Interview von Milena Preradovic mit dem Medienwissenschaftler Norbert Bolz habe ich fast nichts hinzuzufügen:

Entgegen der Redensart aber, dass der Ehrliche immer der Dumme sei, ist Norbert Bolz an einer Stelle ehrlich und bekennt, er selbst hätte sich heute als jüngerer Wissenschaftler wohl kaum in die Fundamentalopposition begeben, die er auf einer eher abstrakten Ebene in neueren Äußerungen und Publikationen wie seinem aktuellen Buch “Die Avantgarde der Angst” übt.

In den letzten Wochen hatte ich, wenn ich mich richtig erinnere, eine kurze Mail-Kommunikation mit einem Anonymus, der sich nach dem Fortgang meiner auf 7 Bände angelegten Reihe “Kino Okkult” erkundigte. Während Band 2 halbfertig in der Schublade liegt, steht schon der dritte, “Mächte des Schreckens”, noch in den Sternen. Für alle Bände gibt es umfangreiche Materialsammlungen und Inhaltspläne.

Bolz geht es laut Verlags-Ankündigung um “das Umschlagen des ökologischen Problembewusstseins in eine kollektive Angstreligion” – eine konkrete und neuere Ausprägung von strukturellen Kopplungen der Angst-Aspekte von Medieninhalten mit der Psyche massenhafter Rezipienten.

Mein eigenes Recherche-Projekt hatte ich in vergangenen Jahren mit laufend aggregierten Presse-Artikeln flankiert, auch ein Wiki zu allen Bänden aufgesetzt, das leider programmtechnisch lahmliegt, weil es ein PHP-Update in dieser Form nicht überstand.

Was Bolz also lobenswerterweise in seinem Buch aktuell und thematisch angeht, könnte historisch-wissenschaftlich sehr viel weitergehender unterfüttert werden. Ich habe bei keinem meiner Projekte, beginnend mit dieser Website seit 2004, übertriebene Hoffnungen, da ich die von Bolz auch hier im Interiew angesprochenen Miseren schon lange miterlebe.

Rein theoretisch würde ich die Notwendigkeit sehen, derlei organisiert zu beforschen – und dies wäre keinem Einzelnen möglich. Zumal angesichts meiner eigenen Kräfte, die mit fortschreitendem Lebensalter kaum wachsen, würde ich das jederzeit einer Wissensallmende übergehen. Eine kollaborative Bearbeitung etwa in Form eines Wikis statt weiterer gedruckter Bücher wäre dafür ein einstweilen nicht zu erreichendes Ideal. Das würde einiges an Administration und damit Finanzierung und laufende aktive Betreuung erfordern.

Wenn man die Vorgeschichten auch vieler realhistorischer Medien-Hauptthemen unserer Gegenwart verstehen will, wäre dies unabdingbar. Systematischere Filmgeschichts-Forschung wurde in meiner Wahrnehmung seit vielen Jahren eher zugunsten allgemeiner “Medientheorie” und vielen neuen Gegenstandsbereichen zurückgefahren, die mich persönlich in ihrer Sinnhaftigkeit nicht unbedingt und durchgehend überzeugen.

Über all dies wäre vieles in angemessenen Formen zu sprechen und anschließend zu publizieren. Wo dies noch einmal möglich sein wird, wäre deshalb eines der notwendigerweise vorgeschalteten Themen.

Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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