#tagesschau lügt „Weltoffenheit“ in #Kanada herbei

Ist es Denkfaulheit oder gezielte unterschwellige Manipulation von Zuschauern durch unsere zwangsfinanzierten Redaktionen wie etwa der „tagesschau“? – Gerade sah ich dafür ein weiteres, unspektakulär daherkommendes Beispiel in der 20-Uhr-Ausgabe. Unter musikalischer Begleitung von U2 feierte Kanada 150 Jahre Unabhängigkeit. Der Off-Kommentar der deutschen Nachrichtensendung verwendete einmal wieder den Begriff „Weltoffenheit“ für das Land.

Das ist auch in Deutschland Werbung für Kanada. Doch jeder weiß wohl, was diese „Weltoffenheit“ für Einwanderungswillige konkret bedeutet. Neben biologischer Verwandtschaft zu Kanadiern als Grund lauten die Anforderungen für alle anderen:

Die Bewilligung ist abhängig von [sic] Grad der Erfüllung bestimmter Anforderungen (z.B. Gefragte Berufe, Berufserfahrung, Ausbildung und Schulbesuch, Sprachtest, Interview, Höhe der geplanten Investition in Kanada), die – je nach Einwanderungklasse – von Kanada verlangt werden.
(Auswandern Info)

Die Wirklichkeit sieht denn so aus:

2017 sollen nach Angaben des Ministers [John McCallum] mehr Migranten aufgenommen werden, die aus wirtschaftlichen Gründen kommen, und dafür weniger Flüchtlinge, die in erster Linie Schutz suchen.
(Die Welt, 01.11.2016)

„[W]irtschaftliche Gründe“ sind hier allerdings keine bloßen wirtschaftlichen Bedürfnisse der Ankömmlinge, was in dem ganzen zitierten Artikel nicht noch einmal herausgestellt wird.

Dabei ist die reale Situation noch einmal komplizierter, was hiesigen Auswanderungswilligen zugerufen sein sollte. Im „Deutschlandfunk“ (25.07.2015) z. B. war es ganz am Rande auch schon einmal Thema:

Drei Jahre sind die beiden Akademiker jetzt im Land. Kanada wollte sie. Einen Job aber haben beide bis heute nicht. Das kanadische Punktesystem sprach für sie, die Realität aber ist eine andere, der Arbeitsmarkt speziell für besser ausgebildete Einwanderer schwierig.

Was sehen wir also? Ein Land, das „weltoffen“ genannt wird, aber streng nach Eignung von Zuwanderern sortiert und selbst dabei noch Lebenssituationen hervorbringt, in denen im zuvor zitierten Radiobericht eine erhöhte Quote promovierter Taxifahrer entsteht, während Arbeiter, Pfleger und Ärzte fehlen.

So ist auch der eingangs erwähnte Moment in der ARD-Nachrichtensendung ein Stück perfider Ideologie, mit der nebenbei offensichtlich auch Deutschen eingeredet wird, „weltoffen“ sein zu sollen – was gewöhnlich eine größtmögliche Empfänglichkeit für Menschen ohne vorgefasste Meinungen zu ihrer Herkunft und wirtschaftlich verwertbaren Fähigkeiten bedeutet.

Umgangssprachlich bezeichnet der Begriff eine Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Kulturen.
(Wikipedia)

So versteht es ein linksorientierter Mainstream, der, wie „Die Grünen“, eher am Abbau von Barrieren interessiert zu sein scheint – Motto auf ihrer Website: „Kein Mensch ist illegal“. Ich wähle einmal die dafür relevanten Punkte der grünen Programmatik an dieser Stelle aus:

Wir setzen uns für ein neues Einwanderungsgesetz ein, das mehr Menschen die Möglichkeit gibt einzuwandern, bürokratische Hürden abbaut und Einwanderern in Deutschland ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Deshalb fordern wir für Einwanderer:

    […]

  • Höhere Schutzstandards bei der Asylprüfung
  • Einen leichteren Familiennachzug – ohne Sprachtests im Herkunftsland
  • Mehr Zugangsmöglichkeiten zu guter Bildung und Sprachkursen
  • Leichtere Anerkennung ausländischer Berufs- und Bildungsabschlüsse
  • […]

  • Mehr Menschen zu ermöglichen, mehrere Staatsangehörigkeiten zu haben

Für sicherlich überdurchschnittlich Grüne wählende ARD-Redakteure sei deshalb empfohlen, im Falle Kanadas in Zukunft von neo-kolonialistischem Gebaren in Nachfolge der britischen Krone und von etwas zu sprechen, das im Jargon dieser Ausrichtung vermutlich „Bildungsrassismus“ genannt werden würde. (Bisher bedeutet dies ja Ausschluss von Bildung qua Herkunft, nicht Ausschluss wegen fehlender Bildung, wie von Kanada praktiziert.) Feierliche Anlässe wie die 150-Jahr-Feier sollten jedenfalls nicht zu missbräuchlicher Sprachverwendung führen. Man könnte ja statt von „Weltoffenheit“ von dem „Einwanderungsland“ Kanada sprechen – korrekterweise eines „mit strengen Vorschriften“. Das wäre wohl ein nicht-verzerrender journalistischer Sprachgebrauch, der nicht aussagt, was in Kanada qua Gesetz und Politik definitiv nicht besteht: bedingungslose „Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Kulturen“, unter der im hiesigen Multikulturalismus mindestens ein Stückweit offene Grenzen verstanden werden. Kanada übt schließlich eine Aufgeschlossenheit nur gegenüber kompatiblen Einwanderern, nicht wahllos einfach gegenüber „anderen Kulturen“. „Weltoffen“ gegenüber Touristen ist wohl mittlerweile fast jede Gegend der Welt, oder? (Über das Einwanderungsgesetz in Nordkorea finde ich gerade nichts. Ist es vielleicht sogar liberaler als das von Kanada?)

Offenheit und Toleranz mag bei den Kanadiern gegenüber denen, die von ihren Behörden hereingelassen werden, ja auch der Fall sein und sollen hier keinesfalls Gegenstand von Kritik sein. Wir sehen aber, worauf dies in Kanada, dem Staat, effektiv beruht: Grenzen zu für jene, die nicht biologisch verwandt sind und/oder keinen wirtschaftlichen Vorteil für das Land mitbringen. Über Quoten für andere würde je nach Lage entschieden.

So müsste es jedenfalls geregelt werden, wenn für Deutschland nicht noch andere Bedingungen gälten, die allerdings einen Modus der Erpressung bedeuteten (keinesfalls „Unabhängigkeit“, wie an Kanada bejubelt). Vernunft kann so wie (nicht nur) in den letzten zwei Jahren in Deutschland ja nicht regieren. Und ein dies begleitender und verstärkender verfälschender Wahn dringt, wie wir sehen, bis in die sprachlichen Feinheiten.

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Daniel Hermsdorf

Verleger, Autor, Journalist bei filmdenken.de - Medienkritik, Verschwörungstheorie und Physiognomik

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